Die beängstigende Logik der Ökonomen

…. Natürlich nicht aller Ökonomen.

Aber manche Ökonomen, hier namentlich Wolfgang Franz, Clemens Fuest, Martin Hellwig und Hans-Werner Sinn, machen mir zeitweilig Angst. “Zehn Regeln zur Rettung des Euro”.

Man kann nicht auf alles was dort in dem Appell falsch ist steht eingehen.

……Zu viele Ersparnisse flossen in die Länder der südwestlichen Peripherie Europas. Es entstanden zu hohe Ungleichgewichte im Außenhandel.

So weit so gut. Die Aussage ist also das wir sehr viel gespart haben, das Kapital daraus jedoch nicht hier sondern in Südeuropa investiert wurde was als Folge dann zu Außenhandelsüberschüssen bei uns gesorgt hat. Davor führt man auch aus wie das erfolgt sein soll. Das Kapital ist abgewandert, hat Immobilienpreise getrieben und selbige wiederum das generelle Lohn/Preis-Niveau.

Aber was das folgen anbetrifft wirft es Fragezeichen auf:

…Märkte und Preise trugen den Risiken der Investitionen nicht angemessen Rechnung. Dass beispielsweise die Schuldtitel verschiedener Mitgliedstaaten nicht alle dieselbe Bonität hatten, war seit längerem absehbar….

Verwundert reibt man sich die Augen. Die Märkte also haben bei der Bewertung versagt? Und noch verwunderlicher erscheint das es dabei offenbar gar nicht um Immobilien ging. Also nicht die zuvor ausgemachten Lohn/Preistreiber. Nein, als Beispiel wird auf die Staatsverschuldung/-bewertung verwiesen. Sieht man sich aber beispielsweise die Staasverschuldung Spaniens an so stellt man fest, das zwischen 1999 und 2007 praktisch überhaupt keine Zunahme der Staatsschulden zu verzeichnen gewesen ist. Von welchem Bonitätsproblem des spanischen Staates die Herren Ökonomen reden wäre die Frage – und wie selbiges an den Außenhandelsüberschüssen schuld haben soll wo doch zuvor festgestellt wurde das die Immobilienblase deren Ursache sei.

Dann bleibt es nämlich wohl eher dabei das hier Fehlspekulationen und Fehlbewertungen auf ganz anderer Ebene stattgefunden haben.

Oder anders: die Staaten sollen sich per Gesetz nicht verschulden, Kontrollen zulassen etc. weil (so de facto das Eingeständnis) der (Kapital- und Finanz-) Markt schlichtweg versagt. Der Markt hätte gespartes Geld im Inland investieren sollen, so die Theoretiker.

Man sucht vergebens nach Hinweisen darauf wie sich die Ökonomen das Versagen erklären. Es fehlt jeder Hinweis darauf wie die Ökonomen sich vorstellen das die großen gesparten Kapitalmengen im Inland eingesetzt werden. Stattdessen sollen Insolvenzordnungen für Staaten her, als ob das eine Lösung darstellen könnte.

Wir finden dementgegen die Namen v. Sinn etc. beim Hamburger Appell. Und dort kann man wie folgt lesen:

selbst Ersparnisse finanzieren stets die Nachfrage eines Kreditnehmers. Ein Eingriff zugunsten einer bestimmten Form von Nachfrage hat daher in erster Linie Umschichtungen zwischen Konsum, Investitionen und Staatsnachfrage zur Folge. Dies stört die Struktur der Gesamtnachfrage, führt aber kaum zu ihrer Erhöhung.

Ja, Ersparnisse führen stets zu Nachfrage eines Kreditnehmers. Nur nicht automatisch bei uns. Das hat man womöglich in der Eile vergessen damals… anno 2005.

Weiter geht es:

..Investitionen erfolgen daher nur, wenn den Verlustrisiken attraktive Gewinnmöglichkeiten gegenüberstehen. Hohe Arbeitskosten und hohe Steuerlasten mindern unternehmerische Gewinne und damit unmittelbar die Investitionsbereitschaft.

Offenbar hat das wohl nichts genutzt. Bei uns sind die Kosten dank Agenda 2010 gesunken, in Spanien dank Bankenspekulation und Boom gestiegen. Wir haben riesige Überschüsse und trotzdem jammert die versammelte INSM über den Investitionsrückgang, obwohl in ihrer Theorie schon längst alles hätte gut sein müssen und jeder gesparte Euro automatisch in den Konsum (hier) fließt.

Wir haben nicht nur nichts von unseren Überschüssen sondern tragen schwer daran. Und daran tragen die Thesen der Mainstream-Zunft der Ökonomen zu einem erheblichen Teil bei.

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2 Responses to “Die beängstigende Logik der Ökonomen”
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  1. […] nun nicht neu. Ich hatte bereits vor einem Jahr auf einen öffentlichen Aufruf durch HWS und andere hingewiesen. Wobei die Herleitung durch HWS und im übrigen auch Wolfgang Franz (das ist der oberste […]

  2. […] Man kann wenn man in seinem(!) Sinne „ordnungspolitisch“ argumentiert anstelle „überschuldete Staaten“ auch „Bundesländer“ oder „Systembanken“ oder aben auch „überschuldete Kommunen“ setzen. Oder auch „Personen“. Das mit dem „Insolvenzrecht für Staaten“ ist ja auch nicht gerade neu. Das gibt es von „höherer Stelle“ ja auch schon länger wie Blogleser wissen. […]



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