Eurokrise – Vergleich der Kuponzinssätze 10jähriger Staatsanleihen

Ein kollektives Aufatmen konnte man unlängst am Anleihemarkt vernehmen. Die arg geschundenen Euroländer Spanien, Frankreich und Co können sich weiterhin am Markt rekapitalisieren (bzw richtiger: Neue Schulden machen) und das sogar zu, gegenüber den Emissionen im Vorjahr, sinkenden Zinssätzen – und das trotz der Abwertung dieser Staaten durch die Ratingagentur S&P. Die Wirtschaftspresse vermeldete dann auch schnell “Markt ignoriert S&Ps Herabstufungen”.

Ein Anlass zum Jubeln? Schauen wir mal etwas genauer hin.

In der folgenden Graphik habe ich mal den Zeitreihenverlauf der Kuponzinssätze 10jähriger Staatsanleihen einiger Eurostaaten dargestellt.

Man sieht recht schön, dass die nominellen Emissionszinssätze der jeweiligen Staatsanleihen dieser 5 Staaten im Zeitraum 2002 bis 2008 alle recht eng beieinander liegen. Im Jahre 2002 konnten sich zum Beispiel alle zu einem Zinskorridor von 4,75% (Frankreich) über 5,00% (BRD, Spanien & Portugal) bis 5,25% (Griechenland) Geld leihen.

Im Jahr 2009 dann gab es – nicht sehr überraschend – eine erste Spreizung. Während sich die 5.Republik und die BRD zu weitaus günstigeren Zinssätzen Geld verschaffen können, treten die Iberer auf der Stelle und die Hellenen haben mit stark ansteigenden Zinssätzen zu kämpfen, dieser Trend setzt sich auch in 2010 fort.

2011 schließlich ist hochdramatisch – Griechenland und Portugal können keine 10jährigen Staatsanliehen mehr herausgeben und müssen sich durch Rettungsschirme von den anderen Eurostaaten alimentieren lassen, während Frankreich und insbesondere Spanien mit deutlich steigenden Geldmarktzinsforderungen zu kämpfen haben. Allein die BRD verharrt auf niedrigstem Niveau.

So betrachtet bietet die derzeitige Situation nicht wirklich einen Grund zum Jubeln, sondern stellt wahrscheinlich nur eine kurze Verschnaufphase dar. Spanien muss nach wie vor die höchsten Zinsen seit 10 Jahren anbieten und ob sich Portugal oder Griechenland kurzfristig wieder eigenes Geld am Markt verschaffen können ist mehr als fraglich. So startet das Jahr 2012 eurokrisentechnisch im Prinzip so, wie das Jahr 2011 beendet wurde – mit tristen Aussichten.

Comments
4 Responses to “Eurokrise – Vergleich der Kuponzinssätze 10jähriger Staatsanleihen”
  1. chulann sagt:

    Wie war das nochmal mit dem Frosch und dem Gefäss mit Wasser das langsam erhitzt wird? Es passiert so allmählich dass der Frosch gar nicht merkt was passiert und deshalb nicht rausspringt. Im Endeffekt wird er gekocht. Bei den Euro-News scheint es mir ähnlich zu sein. Wenn man die aktuellen Schlagzeilen im Jahr 2003 oder 2004 gelesen hätte wären alle panisch ausgetickt. Jetzt regt sich quasi keiner mehr auf und alle hoffen dass es noch irgendwie glimpflich ausgehen möge.

  2. Stefan sagt:

    Kleine Anmerkung: In Frankreich ist man inzwischen schon bei der 5.Republik angelangt ;)

  3. Staatsanleihen – genau mein Thema. Danke für diesen Post dazu. Der Blog ist klasse. Hier werde ich ab jetzt öfter mal reinschauen. Danke und liebe Grüße, Evelyn.

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