Jedem wie er es verdient

Die Welt ist gerecht. Jeder hat Chancen, es kommt lediglich darauf an ob er sie wahrnimmt. Chancengerechtigkeit ist das wichtigste auf das man denn auch dringen muss – der Rest kommt von selbst.

So sehen wir alle offenbar die Welt.

Manchen sind dabei schon Zynisch resignierend und so wird schon wie von Thomas Strobl festgehalten in der Schule auf ALDI und Co. vorbereitet. Wieso eigentlich? Ich denke es reicht uns wenn alle die gleichen Chancen haben? Da drängt sich die viel spannendere Frage auf worin diese Chancen bestehen.

Schauen wir also in den Blog der Federel Reserve Bank of San Fransisco und stellen fest das die Langzeit-Arbeitslosen sich nur zu einem geringen Anteil von der Arbeitslosenhilfe aushalten lassen. Mehrheitlich hat man denn wohl eher keine … Chance. Reden wir also gar von einer Chance auf Arbeit?

Andere reden denn auch noch von Teilhabe. Auch ein schickes Wortgewand für etwas dessen Inhalt sehr schwammig ist. Sollte der bei weissgarnix zitierte Lehrer denn einen Unterricht nicht über Aldis Preise sondern doch eher über die Preise bei Edeka, IKEA und TUI halten können dürfen?

Doch erst einmal zurück zu dem was der Blogger der NYTimes in der Überschrift abhandelt, dem was die arbeitslosen nicht verdienen. Diejenigen welche arbeiten oder gearbeitet haben sehen sich, sehen das sie arbeit haben oder hatten, sehen ihre eigenen Anstrengungen belohnt. Zu recht belohnt natürlich. Denn wir vergleichen. Wir vergleichen so der Ökonom Axel Ockenfels immer uns mit anderen welche wir auf einer Stufe mit uns sehen. Und da stehen wir zu recht gut da wenn wir Arbeit gesucht hatten und nun eine haben. Das ist nur gerecht. Deshalb sind die Lehrer denn auch Zyniker wenn sie auf Aldi und Co. vorbereiten. Man sollte lieber hingehen und allen die gleichen hochwertigen Bildungsinformationen vermitteln, dann wird die Selektion zwischen denen welche wollen und denjenigen welche nicht wollen schon rechtens sichtbar. Doch halt… die Federal Reserve Bank hatte ja festgestellt das die meisten (Arbeitslosen) schon arbeiten wollen, aber nicht können.

Und so wird Chancengerechtigkeit zur liberalen Phrase welche Insider benutzen um die Abwesenheit von Chancen positiv innerhalb der kapitalistischen Leistungsgesellschaft zu verstecken. Und Teilhabe wird zur Phrase welche die wenigen welche nicht arbeiten können oder wollen nutzen um entweder ihren Arbeitsunwillen zu verstecken oder um resignierend ob der fehlenden tatsächlichen Chancen im Leben dem ganzen wenigstens einen versüßenden Rahmen zu geben.

Beides wird scheitern. Denn vor allem die Jugend ein jeder Generation will etwas erreichen und ist noch nicht derart fatalistisch. Wir müssen uns schon gesellschaftlich der Frage widmen wie wir nicht nur Arbeit organisieren sondern auch im Kontext der Familien eine komplexe Arbeits- und Rollenverteilung vornehmen und Geldströme organisieren. Wie man das mit ungeeigneten Mitteln, Begründungen und Methoden macht oder eben besser nicht ist in Ländern wie den USA oder auch Großbritannien zu besichtigen wie der „Chefökonom“ der FTD feststellt. In der FTD steht, man staune…. : Mittlerweile drängt sich der Leitspruch auf, dass das Ergebnis stimmen muss – egal, welche Startchancen es gibt.

Und dies erweitere ich um den Fakt das auch die Mittel tauglich sein müssen. Weder die Startchancen, „Teilhabe“, alleine noch Mittel wie Großbritanniens Mindestlöhne sind offenbar geeignet um die Gesellschaft und mit ihr auch die Wirtschaft (nicht umgekehrt) zur Zufriedenheit vieler am Laufen zu halten.

Comments
One Response to “Jedem wie er es verdient”
  1. Nihil Baxter sagt:

    http://www.flegel-g.de/Fremdbeitraege/chancengerechtigkeit.html

    …der Begriff der „Chancengerechtigkeit“, der so zukunftsoffen und menschenfreundlich klingt, scheint eine durch und durch positive Vokabel zu sein, haushoch überlegen zum Beispiel dem kühleren Begriff der „Chancengleichheit“. Wieso also Mißtrauen gegenüber diesem Begriff? Wieso Mißtrauen gegenüber der Tatsache, daß vor allem die CDU, neben der FDP, die altvertraute „Chancengleichheit“ auszuwechseln versucht gegen die neue „Chancengerechtigkeit“?…

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