Kontrolle ohne zu stigmatisieren

Tolle Idee finden manche. Also – das mit der Chipkarte für die Musikschule und den Sportverein.

Kein Geld für Kinder oder Vereine sondern Sachbezugskarten. Wer „in“ ist hat sie – die ARGE-Goldcard. Das ist so etwa wie die gesetzliche Krankenkasse im Bildungswesen. Schick und unmerklich wird im „Hintergrund“ abgerechnet. Sieht also nur die Kassenwarte der Vereine und der Gemeinde das man sich die Fußballschuhe, den Judo-Gi und das 3/4-Cello vom HartzIV Gehalt leistet.

Frau von der Leyen war ja schon einmal an die Unterschichtenfront berufen worden. Nach dem Frühwarnsystem für Kindesmisshandlungen dessen Risiko man schon am Geburtsgewicht sehen kann benötigen wir also nun eine Art konzertierte Aktion von Schule, ARGE und Gemeinde sicherzustellen das man den Eltern und den Vereinen nicht zu viel unnötiges Geld in die Hand drückt. Die Schule weiß dies, die ARGE jenes und die Gemeinde den Rest. Man muss nur die Daten das Wissen zusammennehmen und schon hat man einen weiteren Schritt zur Überwachung guten und vor allem billigen Bildungsversorgung getan. Ich erinnere mich da an Christa Müller bzw. Frau Lafontaine mit Ihrer Idee der Sozialkontrolle inkl. mehrerer Hausbesuche im Jahr. Das geht bestimmt ebenfalls ganz unauffällig.

Diese Modelle der „Leistung gegen Gegenleistung und Kontrolle“ lehne ich grundsätzlich ab. Sie können im Einzelfall und auch in einer großen Summe von Einzelregelungen berechtigt sein. Hier geht es aber um eine Regel und den Einstieg in eine Art elektronische Lebensmittel-Bezugskarte. Es wird zudem staatsseitig entschieden und die Einhaltung kontrolliert ob (oder das) beispielsweise ein Kind nun ein Eis oder eine Klavierstunde nötiger hat.

Freiheit ist Luxus. Und zwar ein Luxus den sich eine Gesellschaft zu einem gewissen Grade leisten muss. Erziehung ist nicht Staatsangelegenheit. Der Staat kann und soll Angebote machen und muss es ermöglichen. Aber nicht auf diese Art und Weise. In der GKV ist man mit der Kassen-Chipkarte noch einer von vielen Millionen „Reanimieren Sie mich nicht – ich bin Kassenpatient“-Klasse. Der Vorschlag nun wäre eine weitere Stufe einer Art Kastengesellschaft. Eine Gesellschaft in welcher man sich damit abgefunden hat das es arme, bemitleidenswerte Menschen gibt denen man wohlkontrolliert Bezugskarten zugesteht. Eine Gesellschaft in welcher der Zustand der Armut großer Teile der Bevölkerung normal ist. Und das ganze initiiert und regiert von einer Politikerkaste welche unfähig ist die Rahmenbedingungen zu schaffen in welchen Einkommensmöglichkeiten für alle bestehen.

Die Komplexität wirtschaftlicher Zusammenhänge überfordert offensichtlich einige in Politik und Instituten. Das ist dann die Stunde der inhaltlichen Aristokraten und Sozialformer welche den Staat für die kontrolle der staatsdefinierte Erziehung zum guten und billigen Bürger heranziehen. Und da sind sich konservative, pseudoliberale und linke in der Wahllosigkeit der Methoden zum Teil einig.

So etwas brauchen  wir nicht in Deutschland. So arm sind wir noch lange nicht das wir uns nicht einen letzten Rest von Selbstachtung und Freiheit selbst absprechen lassen müssen.

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