Brüderles Lockprämie

So alle 10 Jahre wird die immer wieder gleiche Sau durchs Dorf gejagt. Letztens erst noch wollte Genosse der Bosse Schröder mit seinem Inder-Greencard-Programm ausländische IT-Spezialisten anheuern. Damals hatte der selbsternannte Arbeiterführer der NRW-CDU Rüttgers so schön seinen Kontrapunkt zu diesem Projekt in dem Begriff „Lieber Kinder als Inder“ gefunden.

Jetzt zieht die heutige Regierungs- & Pünktchenpartei in Form von Brüderle nach und ist sich nicht zu fein für ihre Rest-Wahlklientel wieder einmal Staatsgeschenke in Form von staatlichen Gastarbeiterlockprämien auszuloben und bringt gleich mal wieder die Regierungspartnerparteien CDU & CSU in Wallungen.

Hintergrund ist: Wieder einmal stöhnt die Industrie über den drohenden Fachkräftemangel und beschwört nichts weniger als den Untergang der Exportweltmeisternation BRD herauf, wenn nicht schnellstens diese nun wahrlich überraschende Fachkräftelücke geschlossen würde. Fast wäre man geneigt, dieser Argumentation im Interesse der Nation zuzustimmen, wenn…

… man vergessen hätte, wer im Dualen Ausbildungssystem in der BRD eigentlich für die betriebliche Ausbildung der zukünftigen Fachkräfte verantwortlich zeichnet,

… man übersieht, dass in der BRD immer noch eine der höchsten Arbeitslosenzahlen herrscht, die nur darauf wartet endlich durch geeignete Arbeitsstellen abgebaut zu werden,

… man nicht wüsste, dass die Anerkennung von im Ausland erworbenen Facharbeiterabschlüssen schwierig ist.

… man vernachlässigte, dass die Anwerbung von am Besten deutschsprachigen topausgebildeten Fachkräften bislang noch nie so richtig funktioniert hatte.

Es lässt sich leider überhaupt nicht übersehen, dass die im Zehnjahresrhythmus jammernde Industrie – wenn überhaupt – in einer mit fleissiger Staatshilfe selbstgebauten Fachkräftelücke sitzt. Wer es wie vor einigen Jahren noch nicht einmal schafft, den Ausbildungsbewerbern genügend Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen und die berufliche Ausbildung vernachlässigt, der sollte sich  – zumindest wenn er einen unternehmerischen Weitblick für sich reklamiert – nicht wundern, wenn irgendwann der dann notwendige Nachwuchs fehlt.

Und hier befinden wir uns beim eigentlichen Thema: Der Notwendigkeit, die Fachausbildung auf eine quantitativ und qualitativ höhere Ebene zu bringen. Das jahrzehntelang vielgelobte duale Ausbildungssystem stellt schon längst nicht mehr das Optimum dar und muss den neuen Herausforderungen angepasst werden.

Wie man es besser machen könnte zeigt ein Blick über die Grenze – in die Schweiz. Dort wird die zentrale Steuerung der beruflichen Ausbildung durch ein Bundesamt für berufliche Bildung und Technologie vorgenommen und somit sowohl ein einheitliches Qualitätsniveau gewährleistet als auch die Vermittlung von Lehrstellen und angehenden Auszubildenden eine ernstgenommene und zentrale Aufgabe. Die Ausbildungsberufe werden dort in einem laufenden Prozess und sukkzessive den fachlichen Erfordernissen der modernsten industriellen Facharbeit angepasst, damit die Auszubildenden in zukünftig wichtigen Berufsbildern lernen und für die Aufgaben der Zukunft ausgebildet werden.

Die Bereitschaft der Unternehmen, qualitativ hochwertige Ausbildungsplätze anzubieten kann und muss verbessert werden. So könnten sich zBsp Unternehmen, die nicht selbst ausbilden können oder wollen, zukünftig an dem Ziel einer hochwertigen Berufsausbildung in der BRD durch eine finanzielle Beteiligung in Form einer Ausbildungsabgabe an einem neuen nationalen Ausbildungspakt beteiligen um somit ihren Anteil zum Schliessen einer drohenden Ausbildunglücke zu leisten.

Bei der längst fälligen Verbesserung der Berufsausbildung sollte unser Minister Brüderle dringenst ansetzen, um das immer wiederkehrende Problem des heraufbeschworenen Fachkräftemangels durch pfiffige staatliche Maßnahmen endlich mal zu lösen anstatt immer wieder bunte Heftpflästerchen auf diese für ein Bildungs- und Hochlohnland bittere wunde Stelle zu kleben. Diese Regierung hat ja nun noch gut 3 Jahre Zeit, dass Bildungs- & Ausbildungsthema gründlich anzugehen und den Wirtschaftsstandort BRD nachhaltig durch eine hervorragende Berufsausbildung zu sichern.

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