Replik auf Gerkens „Wir dürfen auf Exportüberschüsse nicht stolz sein“

Der „Europa-Experte“ Gerken hat ein sehr gutes Interview bei Welt-Online abgeliefert. Da ich aber wie schon im vorherigen Blogpostig ausgeführt ein Kritiker bin nehme ich einmal zwei Stellen heraus welche mir weniger gefallen.

Gerken:

…Diese Exportüberschüsse haben in Deutschland zwar zu einer Geldschwemme geführt. Da das Geld aber irgendwie angelegt werden soll,…

Je nun. In der Folge redet er davon das vor Einführung des Euro eine Aufwertung der DM die Folge gewesen wäre. Dazu muss man etwas richtigstellen bzw. erklären. Wird die Währung aufgewertet haben m.E. alle im Land etwas davon das Überschüsse gefahren werden. Dies geschieht über die höhere Kaufkraft für Import- oder stark importabhängige Produkte. Gleichzeitig schwächt dies den Absatz nach außen und betrifft auch stark die unteren Lohnsektoren so dort noch für den Export gearbeitet wird. Das ist nicht mehr sonderlich stark der Fall, denn die Wirtschaftskraft Deutschlands ist schon länger sehr hoch und die DM-Kaufkraft-Anpassungen waren die Regel.

Die aktuellen Exportüberschüsse sind mangels Aufwertungen der Währung nicht mehr „verteilt“ worden. Das hat eine Lücke, ein Fehler im System offenbart. Offenbar wäre bzw. ist unser Verteilungssystem über Löhne, Sozialem Netz, Steuern und Abgaben nicht darauf ausgelegt auftretende Überschüsse zu kompensieren. Es lässt sich vermuten das es auch nicht in der Lage wäre/ist Defizite auszugleichen. Die Überschüsse sind in den Exportprodukt-Märkten und deren Nutznießern hängen geblieben. Und dies in Form von Gewinnen aber auch den Löhnen. Und wo werden diese Gewinne und höheren Löhne eingefahren?`Wie schon zuvor angemerkt in den Bereichen in welchen hohe BIP-Margen eingefahren werden können, hoher Kapitaleinsatz und viel Bildungsarbeit notwendig ist, große Innovative Kräfte wirken welche man z.B. über Patent-Protektorate (siehe auch ACTA) zu schützen trachtet. In den unteren Lohnregionen jedoch gehen dabei Arbeitsplätze verloren und damit auch die automatische Lohnhöhen-Regulierung des Arbeitsmarktes und ein Faktor für die Verteilung des Wohlstandes. Es ist das, was ich bereits im Blogpost davor als „Heckscher-Ohlin-Problem“ bezeichnet habe.

Gerkens Feststellung ist damit also nicht „falsch“. Es ist nur das Problem das er es so darstellt als ob „diese Überschüsse“ gewissermaßen zwangsweise in die Sparquote wandern würden oder müssten und Anlagen suchen. Auf dieser sagen wir klassischen Schiene welcher auch der INSM/Straubhaar/Lehrkörper „Hamburger-Appell“ entspringt kommen wir aber nicht weiter. Zur Erinnerung: dort steht von >100 VWL-Professoren an Universitäten lehren unterzeichnet:

„Dazu kommt, dass alle erwirtschafteten Einkommen, Lohneinkommen genauso wie Gewinneinkommen, Nachfragewirkungen entfalten; selbst Ersparnisse finanzieren stets die Nachfrage eines Kreditnehmers.

.
Offensichtlich ist dem eben nicht so einfach so das sich alles wieder „irgendwie“ ausgleicht wie sich das diese lieben Professoren so denken und lehren. Und um dem noch eines draufzusetzen: so wenig wie Einkommens-reiche Länder dauerhaft überschüsse fahren können können Einkommens-reiche Personen dies folgenlos tun. Es ist also schlecht abzustreiten das die Verteilungsmechanismen funktionieren müssen. So etwas wie ein Finanzausgleich muss dann her wenn die Mechanismen in Teilen nicht mehr fuktionieren. Für die Funktionstüchtigkeit wiederum bedarf es passender Rahmenbedingungen.

Sucht man nach Rahmenbedingungen? Hat man das Problem der Verteilung über Rahmenbedingungen und Kreisläufe bemerkt? Nein, hat man nicht. Man sucht stattdessen nachgelagerte Finanzausgleiche um diese Überschüsse welche manche horten und anlegen wollen zu kompensieren.

So gut mir Gerkens Interview vom Tenor her gefällt so schwach daher seine Analyse. Er sollte sich lieber mein vorheriges Blogpostig zu Gemüte führen und die Thesen des Appells und Mainstream-VWL-Küche beiseite lassen.

Das zweite Zitat daraus:

Wir brauchen aber nicht unbegrenzt griechisches Olivenöl

Das ist sehr platt. Natürlich brauchen wir das nicht. Aber womöglich andere bei denen wir zu wenig Geld lassen – und Griechenland ist auch anderes zu produzieren in der Lage. Allerdings darf man nicht verhehlen das man durchaus auch als Land Fehler machen oder tatsächlich über seine Verhältnisse leben kann. Es gibt daher für diesen Satz einen halben Punktabzug und außerdem einen deutlichen Abzug in der B-Note für den platten Ausdruck.

So far Herr Gerken. Besser als der Durchschnitt, aber durchaus verbesserungswürdig.

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Comments
3 Responses to “Replik auf Gerkens „Wir dürfen auf Exportüberschüsse nicht stolz sein“”
  1. blackdrag sagt:

    Ich habe die Auffassung, dass eine Aufwertung noch ganz andere Effekte hat. Gerade weil Importe billiger werden, wird der Binnenmarkt schwächer. Was wir nicht vom Ausland kaufen, kaufen wir natürlich nicht mehr von Deutschen. Ein schwächerer Binnenmarkt bedeutet mehr Abhängigkeit vom Import, aber auch vom Export. Schwächelt der Export, sind die Auswirkungen mit einem starken Binnenmarkt weniger schlimm, als mit einem schwachen. Wenn der Euro eines geschafft hat, dann ist es meiner Meinung nach, den Binnenmarkt zu stärken. Auch das war neben vielen Dingen ein Grund warum der Verbraucher hier von der Krise weniger betroffen war als in anderen Ländern.

    Was die Professoren angeht möchte ich noch sagen, dass sie meiner Meinung nach durchaus recht haben. Aber 10000€ auf dem Sparkonto schaffen mMn nicht 10000€ Nachfrage, sondern weniger. Für mich haben all diese Dinge Multiplikatoren, die letztlich kleiner 1 sind. Zudem muss da ja ein wirklich mehr sein. Wenn ich 10000€ für Kredite zur Verfügung stelle, aber an anderer Stelle 10000€ für Kredite verloren gingen, dann kann das keine zusätzliche Nachfrage bringen.

    • aloa5 sagt:

      Sicher. Die Importe nehmen zu. Das geht insofern zu Lasten des Binnenmarktes als es noch Produkte gibt welche hier gefertigt werden. Und um den Kreis zu schließen hängt dies wiederum auch davon ab wie hoch die Lohnkosten dieser Produkte für den Binnenmarkt welche noch hier gefertigt werden sind. Und da kommen wir auf die von mir entwickelte und beworbene Lohnsummenausgleichssteuer zu sprechen um zumindest an den Stellen an welchen Arbeitslosigkeit besteht solcherlei Effekte zu kompensieren. Das hat man prä-Euro versäumt/nicht gemacht und damit seit den ´80ern etwas den Binnenmarkt geschleift.

      Der Euro hat mit dazu beigetragenden Binnenmarkt zu stärken, das ist sicher richtig. Hätte er zumindest.
      Das zweite Standbein des „Erfolges“ war jedoch HartzIV. Selbige Regelung hat gewissermaßen das, was ich mit der Lohnsummenausgleichssteuer zu regeln versuche mit Druck gemacht, nämlich Lohnkosten gesenkt. Im Gegensatz zur LSSt jedoch auf Kosten der Arbeitnehmer am unteren Ende der Skala indem es nicht nur die Lohnkosten sondern gleich das Lohnniveau gesenkt hat. Und mit dem Lohnniveau auch gleich das Rentenniveau…. Die reale Kaufkraft ist ja gesunken. Das hat mit diesem sinken und auch mit dem nicht erhöhten Euro und dem ansteigen der Importpereise z.B. für Energie (Öl, Gas) zu tun.

      Satteln wir das Pferd einmal von einer anderen Richtung auf. Der Exportsektor hat stärker als der Binnenmarkt vom Euro und HartzIV profitiert. Siehe Außenhandel:
      http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Grafiken/Aussenhandel/Diagramme/Entwicklung,templateId=renderPrint.psml

      Nur ist davon nicht bei allen etwas angekommen. Waren bis 2000/2002 die Kurven Einfuhr/Ausfuhr noch in etwa parallel und recht nahe beieinander klafft seitdem eine recht große Lücke. Das ist auch durch den höheren Anteil der Gewinne geschuldet. Löhne/Rente/Kaufkraft wurden geschwächt. Gewinne sind nicht zwingend schlechter als Löhne – wenn Sie denn im Inland reinvestiert würden…. womit wir bei der Kreditgeschichte wären. Die Frage ist nämlich u.a. wer(!) den Kredit aufnimmt. Hier also war es auch das Ausland.

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