Querbeet: MwSt, der IPad und die INSM

Was haben diese drei Dinge gemeinsam? Nichts. Trotzdem basteln wir uns aus einem Beitrag von Blogger Strobl, dem „Economist“, Götz Werner und der Pressemappe des INSM einen Blogbeitrag.

Warum ist bei uns der iPad am teuersten – das ist die Frage. Der Chart beim Economist und Economist/Strobl meinen irgendwie hätte das auch etwas mit der MwSt zu tun. Hat es in Teilen auch. Kommt immer darauf an wen man als Vergleich heranzieht. Der Einfuhrpreis sollte sich innerhalb Kerneuropas ja nicht sonderlich stark unterscheiden.

Damit kommen wir zur Bedeutung der MwSt. Das unbekannte Wesen. Die Befürworter der MwSt sind manche liberale Mainstream-Ökonomen und Götz Werner, dem Godfather des MwSt-finanzierten Grundeinkommens. Doch was versprechen sich eigentlich Industrie, Ökonomen und ein paar Populisten von einer MwSt-finanzierten Zukunft? Da ist immer etwas Konkurrenzdenken dabei. Die MwSt und auch andere Verbrauchssteuern wie die Ökosteuer sollen die Lohnnebenkosten senken. Das hilft beim Verkauf der Waren im Ausland, denn die Arbeitgeberanteile sind „verschwunden“ und auf  „alle“ umgelegt. Das ist derzeit nicht mehr so akut da wir dank Riester, Rösler und Vorgängern ja einen anderen, noch effizienteren Weg dafür gefunden haben. Die SV-pflichtigen Arbeitnehmer zahlen die ehemaligen Lohnnebenkosten nun in Teilen einfach selbst. Politiker sind selbstredend auch gerne bereit die MwSt zu erhöhen, denn es ist der Weg des geringsten Widerstandes weil es eben „alle“ betrifft. Da beschweren sich alle ein bisschen und das war es dann aber auch.

Sieht man sich die Höhe von Ökosteuer und MwSt an da kann dann die INSM einpacken mit ihrem Subventionsquartett.

Die Höhe der Subvention von besserverdienenden und des Exportes sowie der „Öko-Technologie“ (was Beides vorgenannte enthält) liegen insgesamt weit über den dort von der INSM genannten Subventionsbetrag. Das schlimmste neben der Lastenverschiebung zu den weniger verdienenden und damit dem Wohlstandsverlust ist jedoch die Ineffizienz. Um Beides einmal ganz kurz zu umreißen will ich einmal Ansatzweise ein „System Werner“ skizzieren. Götz Werner geht bekanntermaßen damit hausieren das er die gesamte Staatsquote welche wir jetzt einmal 50% setzen (obwohl niedriger) in die MwSt verschieben möchte. Was bisher 10 Euro kostet soll hinterher im Schnitt auch wieder so viel kosten. 5 Euro „netto“ (ohne ESt, SV, KörpSt etc.) zzgl. 100% MwSt rechnet er also vor.

Die Berechnung ist hier für das BGE erstellt sie gilt aber aus dem Effekt heraus ebenso für derzeitiges HartzIV, Renten, Kindergeld etc..

Überschlagsrechnung

Ein BGE in Höhe von 800 Euro (Kaufkraft) soll ausgezahlt werden. Davon seien 200 Euro Krankenkassen-Anteil und 600 Euro sollen das Einkommen darstellen von welchem man das notwendigste zahlen können soll.

  • Die Grundannahme einer Staatsquote von 50% führt uns zu einem Mehrwertsteuersatz von 100%.
  • Von dort ausgehen kommen wir zum Defizit welches sich aus den Mindereinnahmen des Außenhandels (Exportwert) generiert welche nicht in die Sozialversicherung fließen. Als Grund nenne ich, das 40% des hier erwirtschafteten in den Export gehen. Damit gehen auch Überschlägig 40% der SV in den Export. Halbiert man das um nur die wegfallenden Arbeitgeberanteile zu erhalten bedeutet es, das 20% aller SV-Beiträge verloren gehen. Ich gehe einmal von 80Mrd Fehlbetrag aus. Gehen wir aufgrund der niedrigeren Bemessungsgrundlage von etwa 5Mrd Euro pro %-Punkt MwSt aus bedeutet dies ein MwSt-Aufschlag von 16%.
  • Die Sparquote wird wie ausgeführt nicht besteuert. Die privaten Haushalte haben eine Sparquote von rd. 11% und 180Mrd Euro jährlich. Das ist der Wert nach Einkommensteuern. Wenn wir sagen würden das 1/4 davon bereits über die ESt abgeführt wurde wäre der Originalwert (vor Steuern) 240 Mrd Euro. Realistischer erscheint jedoch das dieser Wert darüber liegt (z.B. 270Mrd und 1/3 an Steuern). Wenn wir einen Wert von ebenfalls 80Mrd Steuerausfall ansetzen welcher nicht über die MwSt hereinkommen würde (bei 100%, also gleichbleibenden Preisen) kommen aus dieser Quelle ebenfalls 16% zusätzlichem MwSt-Bedarf.

Wir hätten folgende vorläufige Berechnung

100% zzgl. 16% zzgl. 16% = 132% MwSt

Die Folge dieses Steuersatzes wäre das der ursprünglich angenommen ausreichende Betrag zur Bedarfsdeckung von 800 Euro Kaufkraft nicht mehr ausreicht. Bisher sind wir von einem Nettowert von 400 Euro auf welchen 100% aufgeschlagen sind (alt wie neu) und 800 Euro Kaufkraft ausgegangen. Der neue Bedarf liegt jedoch bei 400 Euro zzgl. 132%= 928 Euro.

Nehmen wir an 60mio Menschen würden ein volles BGE beziehen und 128 Euro mehr pro Monat benötigen. Zusätzlicher über die MwSt zu erhebender Betrag (s.o. Overhead) damit rd. 90Mrd Euro. Mit o.g. 5Mrd pro %-Punkt an MwSt sind das zusätzliche 18% MwSt.

Neue Berechnung

100%+16%+16%+18%= 150% MwSt
400 Euro (Nettowert Bedarf) zzgl. 150%MwSt= 1000 Euro BGE (mit 800 Euro Kaufkraft)

Das macht also wiederum zusätzliche 72 Euro Bedarf (nämlich die Differenz zwischen den 928 Euro und den 1000 Euro) welche erhoben werden müssen. Das sind 50Mrd über die MwSt und damit 10% bzw. 160% insgesamt. Lücke 40 Euro, 28Mrd, rd. 6% zus. macht 166%MwSt insgesamt, neue Lücke dann 24 Euro, 17Mrd,3%…..

Also so etwas um 170%MwSt für unsere Beispielberechnung käme dabei heraus und ein BGE welches eine nominelle Größenordnung von 1080 Euro besitzen müsste um die ursprünglich anvisierte Kaufkraft von 800 Euro zu erreichen.

Fazit überschlägiger Effizienzrechnung

Ob BGE oder „HartzIV“ oder Renten spielt wie zuvor angedeutet keine Rolle. Der Effekt höherer Verbrauchssteuern ist zuvorderst einmal das die Einkommen aus Umlagen steigen müssten um MwSt-Erhöhungen zu kompensieren. Das bringt in einer Spirale wieder die Preise zum steigen was höhere Umlagen bedeutet (oder bedeuten müsste). U.a. deshalb sind auch Mindestlohn-Länder wie Frankreich, Belgien, Dänemark mit sehr hohen Staatsquoten ausgestattet – und die (falsche) „Berechnung“ des Spiegelfechters das Deutschland 550 Mrd Euro mehr an Steuereinnahmen hätte wenn es die Dänische Steuerquote haben würde ist wirklich eine Birne. Mehr ist eben nicht wirklich immer mehr (das gilt für MwSt/Staatsquote wie für den Mindestlohn). Es profitieren dabei die Besserverdiener, denn die Sparquote bzw. deren nicht verkonsumiertes Einkommen wird nicht besteuert. Und es profitiert die Exportwirtschaft, denn die Lohnnebenkosten fallen.

Insgesamt steigt mit dieser Ineffizienz die Staatsquote. Im Extremfall des „Werner-Systems“ hätten wir eine Preissteigerung um 30% zu heute. Setzen wir heute beispielhaft 50% Staatsquote und 2Billionen BIP wären das hinterher m.E. 2,6Billionen BIP und 1,6Billionen davon wären der Anteil welcher vom Staat eingesammelt und verteilt würde um das gleich zu erreichen wie wir heute haben, also rd. 62%. Eine Ineffizienz-Steigerung von 12%.

Kleine Frage am Rande: wie niedrig könnte unsere Staatsquote theoretisch sein wenn wir 0% MwSt hätten, weniger HartzIV, Kindergeld und Renten auszahlen müssten und den Einnahmeverlust z.B. aus Gewinn-/Einkommenssteuern hereinholen würden?

INSM: „Subventions-Quartett: Wer spart, gewinnt!“
Ganz entgegen der sonstigen Mentalität dieser Menschen bei der INSM scheint die MwSt beim „Sparen“ und bei der „Effizienzsteigerung“ keine größere Priorität zu genießen.

Aber im Rennen um Exportwachstum und Unternehmensgewinne sind Zölle, Währungsmanipulationen und so etwas wie MwSt-Anhebungen, Gesundheitsministeriums-Amokläufe gegen Versicherte und direkte wie indirekte Rentensenkungen (z.B: mit Rente ab XY Jahren) weltweit wie National mit hoher Priorität ausgestattet. Nur hat man die Rechnung ohne diejenigen gemacht welche diese Waren kaufen sollen. Wenn am Ende alle für 1 Euro+170% MwSt produzieren bleibt auch im Ausland niemand mehr übrig der diese Waren kaufen könnte.

Und so haben Strobl und Economist am Ende vielleicht doch Recht. Die MwSt ist Schuld. Die wahren schuldigen und das in viel größerem Rahmen sitzen jedoch woanders – und sie haben aus der Finanzkrise aber auch gar nichts gelernt. Dabei hat eben sogar der IWF es schon von den Dächern gepfiffen das Ungleichgewichte bei den Einkommen eine Rolle spielen. Nur wer seinen eigenen Schäfchen Jahrzehnte lang etwas einimpft kann wie auch beim „Demographieproblem“ nicht erwarten das ein umschwenken auch verinnerlicht wird. Selbst wenn man noch so heftig auf die Nase fällt wird aufgestanden und „weiter so“ gebrüllt. Da muss man sich gar nicht an Sozialisten oder anderen ein Beispiel nehmen. Das wäre nicht notwendig, zeigt aber was das Wort „Ideologie“ in der Praxis bedeutet – nämlich Lernresistenz.

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2 Responses to “Querbeet: MwSt, der IPad und die INSM”
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  1. […] This post was mentioned on Twitter by Piraten-Mond, Otmar S. Otmar S said: Querbeet: MwSt, der IPad und die INSM http://wp.me/pWNY8-4r #logicorum […]

  2. […] Althaus wie auch Straubhaar u.a. (Opielka?) gehen vom Volkseinkommen aus. Das Volkseinkommen ist m.E. Definiert aus Löhnen zzgl. Gewinne/Akpitalerträge etc.. Das ist m.E. grob das was man mit einer Einkommensbasierenden Steuer besteuern und im Endeffekt an erbrachten Leistungen umverteilen kann. Mehr als das was man per Saldo erbracht hat kann man nicht verteilen (ansonsten müsste man sich als Staat verschulden und hätte ein Außenhandelsdefizit). Auch MwSt-Modell können nicht mehr als dieses verteilen, sie machen es nur über einen Umweg welcher ein Irrweg ist wie Blogleser wissen. […]



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