Atdorf, mit 1400MW zukünftig größtes deutsches Pumpspeicherkraftwerk oder Umweltzerstörung?

Das ist eine Frage welche ich auch nicht eindeutig beantworten kann.

Das Projekt kommt vom Schluchseewerk welches wie der Namen bereits sagt bereits den Schluchsee betreibt. Das Werk ist eine Tochter von EnBW und RWE (je 50%). Die Basispräsentation (1) erlaubt einen Einblick in das was geplant ist. Im Grunde ganz einfach. Zwei Becken, das eine mit 1,1km auf 400m Abmaße, das andere 1,1km auf 600m mit jew. 9mio m³ Inhalt. bei einer Bauzeit von etwa 6 Jahren und einem potentiellen Baubeginn 2013/2014 wäre ab 2019 mit einer Bereitstellung der veranschlagten Turbinenleistung von 1400MW zu rechnen (für 10h zu halten). Um diesen Wert und die dahinterstehende tiefere Problematik einordnen zu können sei noch auf den vorherigen Blogartikel verwiesen und darauf das dies der (Abgabe-)Leistung zweier kleiner, älterer Atomkraftwerke wie beispielsweise Neckarwestheim oder eines größeren wie Unterweser entspräche. Das Arbeitsvermögen soll insgesamt 2,2 GWh pro Jahr betragen, etwa 20% davon aus Zuflüssen – der Rest aus gespeichertem Strom.

Die Idee hat auf dem Weg zur Realisierung bereits die erste Hürde, das Raumordnungsverfahren, abgeschlossen.

Das Problem ist das immanente oder auch altbekannte eines Pumpspeicherwerkes. Es stellt einen Eingriff in die Natur dar wenn man 1,2mio m² Waldfläche mit Wasser bedeckt. Das kann mich da persönlich nicht wirklich abschließend entscheiden. Der BUND hat denn auch eine lange Liste an Tieren/Pflanzen erstellt welche betroffen sein würden/könnten (2). Mir wäre es lieber man würde Techniken wie die mit den Gewichen welche man in die Tiefe senkt (Leistungsabgabe) und wieder anhebt (Speicherung) versuchen. Das halte ich für wesentlich schonender.

Die weitergehenden Befürchtungen des BUND und anderer kann ich dementgegen nicht wirklich nachvollziehen. Das Atom- oder Kohlestrom gespeichert wird halte ich für eine eher abwegige These. Zumindest so lange Abnahmeverpflichtungen greifen und Windstrom in Spitzenzeiten sogar mit negativen Börsenwerten veräußert werden sollte es für Betreiber lukrativer sein diesen zu speichern. Allerdings muss einschränkend dazu gesagt werden das die Infrastruktur für eine Abnahme regenerativer Energieerzeuger vorhanden sein muss.

Eine lustige Art einer Bürgerbefragung durch die CDU welche sogar dem Südkurier einen Artikel wert war. Weil von 97(!) Bürgern an einem CDU-Stand 46% dafür waren seien die Bürger dafür. Der Artikel vom 31.12.2010 war wohl eher für den 1.4. angedacht.

Die Grünen – deren Abgeordnete ist dagegen. Irgendwie wundert mich das nicht sonderlich. Ich kann mir nicht helfen….
Allerdings und das ist m.E. der Hauptpunkt einer weitergehenden Kritik ist die an der Art mit welcher offenbar Varianten angeboten und geprüft bzw. nicht geprüft werden:
Cremer-Ricken:

Mit dieser Methode bekommt jeder Antragsteller das gewünschte Projekt genehmigt, wenn er im Vorfeld zwei Varianten aussucht, die in seinem Vergleich schlechter zu bewerten sind. Ein wirklicher Variantenvergleich wird zur Farce.

Was sehen wir also? TINA – there is no alternative. Ein nun wirklich sehr beliebtes Spiel in Politik und Wirtschaft. Man arbeitet nur das was man selbst machen oder haben möchte wirklich aus. Dann bleibt Entscheidern am Ende auch immer nur für eine Variante ein Ja/Nein übrig.
Alternativen: keine.

Ob Firmen, Regierungen, einer Partei oder Stadtverwaltungen – man erhält das beklemmende Gefühl wir erleben anstelle einer Demokratie eine Diktatur der Alternativlosigkeit. Wer etwas vorbereitet bekommt Recht – weil er etwas „gemacht hat“. Nicht weil es das Beste ist was man machen könnte – sondern weil keine Alternative ausgearbeitet wurde. Wer etwas macht erhält Recht. Ist das richtig oder wünschenswert? Ist das ein Zwang zum suboptimalen? Marktwirtschaft? Oder ist das ein Ausdruck der konservativen „dagegen-Republik“? Oder ist es hier das St. Florians-Prinzip …. oder lasst doch die Norweger Ihre Landschaft bewässern – dort stört es uns wenigstens nicht?

Das TINA-Prinzip. Es sind solche Dinge welche für ein Projekt wie einem Pumpspeicherwerk oder Stuttgart21/S21 manchmal einen schalen Geschmack zurücklassen. Wenn man jedoch Gegenargumente liest wie dem das eines der Becken auf zwei potentiellen Trassen eines Ausbaus der A98 liegt denke ich das es vertretbar sein könnte/sollte anstelle der Autobahn einen See zu bauen.

Pumpspeicherwerke sind jedenfalls ein zu beachtender Faktor wenn wir kurzfristig über erneuerbare Energien und Speicher reden (3). Mittel- und Längerfristig werden wir um Dinge wie Wasserstoff bzw. (besser) Methan/Methanol nicht herumkommen.

(1) Schluchseewerk Präsentation
(2) BUND, Stellungnahme Raumordnungsverfahren
(3) Energiewirtschaftliche Bewertung von Pumpspeicherwerken und anderen Speichern im zukünftigen Stromversorgungssystem;Endbericht; Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) Kassel FuE-Bereich Energiewirtschaft und Netzbetrieb Februar 2010

Comments
4 Responses to “Atdorf, mit 1400MW zukünftig größtes deutsches Pumpspeicherkraftwerk oder Umweltzerstörung?”
  1. Ernst Dorfner sagt:

    Es gibt keine „Leistung im Jahr“ , sondern ein „Arbeitsvermögen pro Jahr“, gemessen in kWh oder GWh. oder TWh. Leistung ist ein von der Zeit unabhängiger Begriff (kW, MW, GW, TW

  2. Pro Atdorf sagt:

    Das Projekt macht Sinn und ist erforderlich für einen schnellen Atomausstieg.Regenerative Energie muss geregelt und gespeichert werden und zwar im eigenen Land.Dies wird auch eine handvoll Selbstdarsteller kaum verhindern können,da die Argumente sehr dünn sind.

    • aloa5 sagt:

      Es scheint nicht wirklich gute Argumente dagegen zu geben. Das schwächste ist m.E. das mit der A98. Der Landverbrauch der Autobahn wird den eines Sees von gut einem km Länge um ein vielfaches übersteigen und die Eingriffstiefe einer Trasse ist auch stärker. Wenn es also Gründe dagegen geben sollte müssten sie qualitativ auch in der Lage sein eine Autobahn zu verhindern. Nach dem was ich gelesen habe halte ich das jedoch eher für unwahrscheinlich.

      Grüße
      ALOA

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