Verdienen wir nicht zu viel, stellen wir nur das falsche her?

Dieser Schluss ist jedenfalls mit Bezug auf Spanien (bzw. für Spanien) der Tenor welches Jesus Felipe und Utsav Kumar auf Voxeu verlauten lassen. Geht das, kann man das „falsche“ herstellen? Und wie sieht es mit uns Deutschen aus?

Unheimlich aktuell scheint derzeit die Jugendarbeitslosigkeit zu sein. So schreibt die „Welt“ das 17% der 25-29jährigen Arbeitslos sind. In Spanien sind bei den 16-19jährigen gar 64% ohne einen Job. Dabei sind sie dort anscheinend im Gegensatz zu den Wanderungen der ´60 und ´70er (z.B. nach Deutschland) geradezu übermäßig gut ausgebildet – und frustriert. So wird im guardian ein Top-Blogger damit zitiert das es wie Öl auf den Straßen wäre und man nur wenig bräuchte um dies zur Explosion zu bringen.

Aber zurück zu Felipe/Kumar. Deren These beruht auf einer Betrachtung der Lohnstückkosten und den Komplexitätsgrad der Produktlinien, gerade von Ländern wie Spanien. Sie sehen sich u.a. Deutschland an und sagen: die Spanier sind nicht zu teuer… sie müssten nur teurere Produkte herstellen, dann könnten sie auch diese Löhne halten. Das ist in etwa so als ob ein deutscher Gärtner 30 Euro/h verlangt, keinen Job erhält und ein Ökonom erklärt das wäre ja nicht zu teuer, er müsse eben nur in das Bankengewerbe einsteigen anstatt Gärten zu bepflanzen.Wobei es im Falle von Spanien wohl auch Exportprodukte sind welche im Ausland eben billiger produziert werden können. Und die Herleitung/Schlussfolgerung war wohl auch eine welche über den Exportsektor erfolgt ist. Spanien soll also High-Tech, Maschinen, Biotec etc. anwenden, herstellen, verkaufen – ein zweites Deutschland werden, dann ist die Problematik der „zu hohen Löhne“ vom Tisch. Wenn man sich das so vor Augen hält wäre das m.E. eine fundierte Herleitung von Mr Obvious, nämlich des offensichtlichen.

Und da waren doch noch Mdme Lagarde aus Frankreich und der Herr Flassbeck. Unsere Löhne sind ja viel zu niedrig, daraus resultiert unsere Exportstärke. So geht´s ja nun nicht, wir Lohndumper. Unsere Löhne müssen steigen tönt es plausibel. Haken bei der Geschichte: die eher schwache Herleitung durch das was manche Fakten, Fakten, Fakten bezeichnen. Wir konsumieren zu wenig im Verhältnis zu den Nachbarn, deshalb müssten die Löhne steigen. Sehr undifferenziert. Ich hatte bereits in einem der Blogbeiträge erklärt wie das mit der Währung zusammen hängt und das unser Verteilungssystem z.B. im Bereich der Sozialversicherung nicht darauf vorbereitet ist das auszugleichen.

Nun komme ich zu einem anderen, dem verbindenden Faktor, einem meiner Lieblingsthesen welchem ich dem Umkreis des Heckscher-Ohlin-Theorems zuordne. Wir sind zu erfolgreich: blöd nur für den Rest der Welt.

Außer China natürlich. Effektiv wird in Teilen diversifiziert. Auf der einen Seite haben wir Länder wie Deutschland welche mit effizienter Hochtechnologie, guter Ausbildung und viel Kapitaleinsatz hochproduktiv sind und ihre Möglichkeiten ausschöpfen. Auf der anderen Seite haben wir Länder wie China mit billigen Lohnarbeitern und niedrigen Standards. (Eine Dritte Seite welche ich hier nicht behandle sind rohstoffreiche Länder wie die der OPEC.) Dass ausschöpfen des vollen Spektrums an Möglichkeiten welche diese komparativen Kostenvorteile (sprich: Spezialisierungen) bieten wird zum Problem für die anderen Länder welche sich im „dazwischen“ befinden. Sie können nur schwerlich in der Breite den Vorsprung den Deutschland hat aufholen – und ebenso schwer dürfte es fallen sich kostenmäßig auf das Niveau von China zu begeben. In diesem Dilemma steckt auch Spanien. Wären die Deutschen Milliarden welche geflossen sind dort wenigstens in Hochtechnologie geflossen, das Problem wäre geringer gewesen. Aber Immobilienmarkt? Und dazu noch durch hohe Erwartungen und weiteres gehypte Löhne. Ein Problem welches u.a. über den Mindestlohn auch Irland ereilt hat der sich mit 1.461,85 Euro zu einem in der Krise sich als nicht gerade flexibel zeigt. Eine wirtschaftliche Erholung wird durch einen einmal erreichten, unflexiblen Level nicht gerade erleichtert (ist bis auf NL und Skandinavien m.E. mehrfach zu beobachten gewesen; u.a. in B, GB, F, IR, GR). Aber zurück zur Spezialisierung. Andere Länder werden vermutlich mehr oder minder dazwischen aufgerieben. Selbst die USA haben so ihre Probleme. Die Industrieproduktion ist erheblich zurückgegangen in den letzten Jahren/-zehnten. Nicht weil es sie nicht mehr gibt oder wie die Grundeinkommens-Befürworter gerne behaupten weil die „Arbeit verschwindet“. Es hat sich durch die Globalisierung sehr stark polarisiert. Die Billigproduktion ist in Länder wie China oder auch nach Osteuropa gewandert, die High-Tech-Produktionen sind zwar verschiedentlich aufzufinden, aber z.B. Deutschland hat da einen größeren Fokus entwickelt und ist ein moderner Industrieleuchtturm geworden.

Was ist zu tun

Ich hatte auch dies bereits mit Ursachen und Folgen bereits in einem Blogbeitrag mit Herrn (noch) Wirtschaftsminister Brüderle von der FDP als Aufhänger schon beschrieben. Es nutzt wenig dem Exportsektor in Deutschland Lohnzuwächse zuzugestehen. Und noch weniger ist es ratsam das zu tun was der imho designierte Nachfolger Westerwelles, nämlich Lindner, letztes Jahr von sich gegeben hat. Er plädiert für Kombilöhne – wie im übrigen auch manch liberaler Wirtschaftsweiser der im Gleichklang auch noch ein Herabsetzen der HartzIV-Sätze im Gepäck hat. Wie bereits ausgeführt oder verlinkt wäre zu DM-Zeiten über eine Aufwertung ein allgemeines Anheben aller Einkommen respektive Kaufkraft zu verspüren gewesen. Es hätte jeder Arbeitnehmer ebenso mehr erwerben können wie der Rentner, der Arbeitslose oder die Eltern eines Kindes über das Kindergeld.

Nun sitzen wir aber da ohne die DM und können so wenig intelligent oder schnell aus dem Korsett wie die Spanier. Immerhin, muss man Lindner auch zugestehen wäre er auch bereit die unteren Einkommen von Sozialversicherungsbeiträgen freizustellen. Wobei FDP-typisch im Gleichklang damit verbunden ist das man auch Leistungen wie Arbeitslosengeld oder Rentenansprüche streicht. Nur das mit einem herunterfahren des Sozialstaates auch der eben gewünschte Effekt das praktisch jeder der konsumiert auch partizipiert eben nicht mehr erreicht wäre. Eine partielle Umfinanzierung der Sozialversicherung unter Beibehaltung selbiger wäre jedoch wünschenswert und ein Baustein für eine umfassende und vor allem stabile Lösung. Das strukturelle Defizit welches ohne eine eigene Währung als ausgleichendes Moment nicht auskommt wäre damit zu großen Teilen, wenn nicht sogar vollständig behoben (mein Vorschlag der Lohnsummenausgleichssteuer setze ich als bekannt voraus – es gibt sicher auch andere, wenn natürlich weniger elegante Mittel und Wege).

Das würde auch den Spaniern helfen – vielleicht. Wir würden dadurch mehr konsumieren. Allerdings wären wir auch im unteren Lohnbereich wieder konkurrenzfähiger. Allerdings sind unsere personellen Ressourcen begrenzt. Das hilft den Löhnen bei uns auf die Sprünge (da knapp), und es würde sicher noch genug Nachfragepotential für Nachbarländer übrig bleiben. Bei steigendem Wohlstand und Löhnen im unteren Bereich könnte zudem ein sinken der Beschäftigtenquote anstehen. Das ist jedoch in diesem Fall(!) nicht bedenklich sondern im Gegenteil ein Zeichen dafür das man sich z.B. (über Co-Abhängigkeit bzw. interfamiliärem Geldtransfer) für die Erziehung von Kindern oder anderen Dingen wie Weiterbildung etc. mehr Zeit nimmt.


Was können die Spanier selbst tun?

Das ist von hier aus ohne genau Kenntnis der Steuer- und Abgabenstruktur schwer zu beantworten. Der Mindestlohn in Spanien liegt bei 700 Euro und ist offenbar nur für 1% der Löhne relevant. Allerdings dient er als Basis für weitere Werte welche deren Umfang ich nicht abschätzen kann. Ob es zielführend ist es zum Hochtechnologieland machen zu wollen? Das sollte neben der Bildung welche angeblich vorhanden ist vor allem eine Frage der Infrastruktur und Verlässlichkeit sein. Das ist keine kurzfristige Lösung sondern eine sehr langfristige. Konzentration auf das was man noch anzubieten hat und sich Spezialisierung lohnt. Dabei kann evtl. der Solarmarkt eine Sparte sein welche mittelfristig eine Lösung anbietet. Wie im Guardian zu lesen ist sind Festangestellte praktisch unkündbar, weswegen auch etwa 40% aller Arbeitnehmer unter 30 Jahren nur 6-Monats-Verträge erhalten. Ob das zielführend ist? Attraktiv für Arbeitgeber respektive dringend benötigter Investoren erscheint mir das jedenfalls nicht zu sein. Man muss darauf achten das weniger in Immobilien denn in zukunftsweisende Technologien investiert wird.

Es ist die gleiche Thematik wie bei uns. Das organisieren einer in sich stimmigen volkswirtschaftlichen Lastenverteilung. Nur sind die Vorzeichen anders. Bei uns ist High-Tech die Einnahmequelle und „einfache Arbeiter“ sitzen wg. des Heckscher-Ohlin-Problemes auf der Straße oder (so es nicht verlegbar war) verdienen zu wenig da der Arbeitsmarkt überschwemmt ist. In Spanien sitzen gut ausgebildete Menschen ohne Arbeit da oder verrichten Arbeiten für welche sie überqualifiziert sind. Es wird da das Kapital in Spanien nicht vorhanden ist aber unheimlich schwer sein aus dieser Falle wieder herauszukommen. Sich chinesischen Löhnen über eine eigene Währung anzunähern – diese Option ist jedenfalls nicht mehr vorhanden.

Es erscheint mir jedoch wichtig herauszustellen das man m.E. nicht „das falsche“ herstellen kann. Das ist ein Diktat der Globalisierung welchem ich mich nicht unterwerfen würden. Ich sehe die Entwicklung Deutschlands in dieser Hinsicht nicht sonderlich gerne. Die USA sind bereits direkt davon betroffen, Spanien und Co ebenfalls. Wir sind ebenfalls nicht davor gefeit einmal nicht mehr „Spitze“ zu sein. Für diejenigen welche im eigenen Land unter dieser Art Spezialisierung leiden, also Arbeitslose und Geringverdiener wie Friseure sowie Rentener etc., ist es so oder so unerfreulich. Und man macht sich unnötig abhängig, schöpft sein Potential an Wohlstand – auch durch aktives (sprich freiwilliges) nicht arbeiten gehen müssen – nicht aus.

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Comments
4 Responses to “Verdienen wir nicht zu viel, stellen wir nur das falsche her?”
  1. Stefan sagt:

    Das Problem der Spanier (und Griechen) ist einfach, dass sie mehr importieren als Exportieren und hoch verschuldet sind. Da könnten sie auch High-Tech produzieren, es würde ihnen nicht helfen wenn sie dadurch nicht mehr Geld einnehmen als ausgeben (Leistungsbilanz).

    Schaut man sich zB Belgien an ist das auch hoch verschuldet, hat keine funktionierende Regierung, seperatistische Tendenzen…. eigentlich ein klassischer failed State. Aufgrund der Exportorientierung aber kaum eine Schuldenkrise.

    Am Anfang der Finanzkrise waren erstmal Exportländer wie Deutschland betroffen, Importländer haben zunächst profitiert, sofern sie nicht selbst Verluste durch Finanzblasen hatten. Inzwischen ist der Welthandel dank China und der weltweiten Bankenrettung wieder angesprungen, dafür gibts halt die Schuldenkrise.

    Ich denke nicht dass wir „zu erfolgreich“ sind. Ein Tango braucht zwei, wie im verlinkten Beitrag auch aufgezeigt wird. Durch die hohe Exportorientierung sind wir anfälliger für Finanzkrisen, sind dafür aber recht frei wenns um Staatsverschuldung geht. Und da wir ja in einer Währungsunion leben, kann man das schön als Zwangsmittel gegen die PIIGS-Staaten verwenden, entweder, dass sie ihre Steuern erhöhen und Wettbewerbsfähigkeit weiter einbüßen (das wird aber kaum möglich sein), oder eben Leistungen kürzen.

    Das Heckscher-Ohlin-Theorem ist mir auch nicht schlüssig ehrlich gesagt. Es geht implizit davon aus, dass sowohl Kapital als auch Arbeiter fest in einem Land gebunden sind, ein Land also spezifische Eigenschaften diesbezüglich hat. Dies ist aber nicht realitätskompatibel. Besonders Kapital existiert zunehmend in einer flüchtigen Form (Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, Geldmarkt, Aktien), während Arbeit auch „outgesourct“ werden kann, eben dahin wo das Lohnniveau am schlechtesten ist. Beide Faktoren sind nicht unter Kontrolle der Staaten, sondern eben unter dem was man „internationale Finanzmärkte“ nennt. Auch scheint mir das Modell keine Arbeitslosigkeit zu berücksichtigen, es liefert auch keine Erklärung für diese..

    Die Frage was die Spanier tun können ist eigentlich ganz einfach (pleite gehen, dann haben unsere Banken das Problem an der Backe), was sie aus Sicht der Deutschen *dürfen* ist eine andere Frage. Und ja, das wahrscheinlichste wird wohl Sozialkürzungen/(Mindest-)Lohnkürzungen in allen PIIGS-Staaten sein.

    So sehe ich die Sache. Eine Anmerkung noch (Ich weiß, Reizthema ;): Wenn es denn wirklich so ist, dass (zumindest die niedrig bezahlte) Arbeit nach China auswandert weil wir eine „zu hohe“ Kapitalkonzentration haben, würde nicht genau dann ein Grundeinkommen Sinn machen, um wie du beschreibst, das „Heckscher-Ohlin-Problem“ zu bekämpfen? Im Grunde plädierst du ja selbst für eine Verringerung der Beschäftigtenquote (was auch ein Effekt von Grundeinkommen sein könnte), was ich angesichts deiner sonstigen Aussagen für sehr verwunderlich halte.

    • aloa5 sagt:

      Das Heckscher-Ohlin-Theorem ist mir auch nicht schlüssig ehrlich gesagt. Es geht implizit davon aus, dass sowohl Kapital als auch Arbeiter fest in einem Land gebunden sind, ein Land also spezifische Eigenschaften diesbezüglich hat. Dies ist aber nicht realitätskompatibel. Besonders Kapital existiert zunehmend in einer flüchtigen Form (Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, Geldmarkt, Aktien), während Arbeit auch „outgesourct“ werden kann, eben dahin wo das Lohnniveau am schlechtesten ist.

      Spanier sind einmal in den ´60ern und ´70ern zu uns gewandert. Ansonsten sind Arbeiter, gleich ob erst Südeuropäer, dann Ostdeutsche, dann Osteuropäer, jetzt Chinesen und Inder… respektive deren Löhne… sehr stark Ortsgebunden. Das ergibt sich schon daraus das das Wohlstandsniveau und das der staatlichen Auflagen in sonstigen Bereichen wie dem Umwelt- und Verbraucherschutz nationale Angelegenheiten sind. Eben das Outsourcing beruht ja auf dem Heckscher-Ohlin-Theorem.

      Beim Kapital ist das nur bedingt richtig. Natürlich fließt Kapital in Form von Geld ins Ausland. „Kapital“ im weiteren Sinne ist aber auch Infrastruktur, sind Patente, ist Bildung, ist Rechtssicherheit. Das Kapital was abwandert wird oftmals für Immobilien und z.B. Fabriken für die ausgelagerten Arbeiten oder auch für die Fabrikationsanlagen welche wiederum bei uns hergestellt werden ausgegeben. Bis woanders ein ebenso hoher Standard herrscht gehen viele, viele Jahre ins Land. Die Spanier haben es bis heute nicht geschafft den „Kapitalleuchtturm“ Deutschland einzuholen. Es bleibt ja nicht stehen. Es bleiben gewissermaßen im „Ursprungsland“ immer genug Gelder übrig bzw. wird an einem Ausbau des Vorsprungs gearbeitet.

      Wenn es denn wirklich so ist, dass (zumindest die niedrig bezahlte) Arbeit nach China auswandert weil wir eine „zu hohe“ Kapitalkonzentration haben, würde nicht genau dann ein Grundeinkommen Sinn machen, um wie du beschreibst, das „Heckscher-Ohlin-Problem“ zu bekämpfen? Im Grunde plädierst du ja selbst für eine Verringerung der Beschäftigtenquote (was auch ein Effekt von Grundeinkommen sein könnte), was ich angesichts deiner sonstigen Aussagen für sehr verwunderlich halte.

      Ich hatte überlegt ob ich das tatsächlich schreiben soll. Ich wusste das dies jemandem auffallen würde. 😉 Ich hatte wegen der interpretierbarkeit den Zusatz geschrieben:
      „Das ist jedoch in diesem Fall(!) nicht bedenklich „

      Es ist eine Frage der Reihenfolge und der Struktur. Bei „meiner“ Version gibt es genug Arbeit für jeden weil die Parameter stimmen. Es existiert so viel Nachfrage/Arbeit das die Arbeitnehmer/Selbstständigen ein Auskommen haben. Das Angebot/Nachfrage/Preis-Karussell funktioniert wie gesagt. Das „zurückziehen“ aus dem Arbeitsleben ist eine Folge des funktionierenden Kreislaufes.
      Was ein BGE macht ist etwas anderes. Der Kreislauf funktioniert schon davor nicht, weshalb Arbeitslosigkeit entstanden ist. Dann wird darauf etwas aufgepfropft und Knappheit an Arbeitskräften erzeugt in der Hoffnung das dies einen funktionierenden Kreislauf ergibt. Während in meiner Variante erst einmal alle Arbeiten und sich dann die dort verzichtbaren Arbeitnehmer zurück ziehen würden – ziehen sich im Falle des BGE auch diejenigen zurück welche nicht verzichtbar sind. In meinem Modell hätte jeder der einen Arbeitsplatz haben möchte auch einen – die Nachfrage steht, Kreislauf funktioniert. Im Modell BGE ist dem nicht so, es kann nicht jeder der möchte einer Arbeit nachgehen. Das ist auch gar nicht Ziel des BGE. Die Zielsetzung ist auch eine völlig andere. Bei mir hat nicht nur jeder der möchte eine Arbeit sondern auch jeder der nicht möchte (als Co-Abhängige von dann besser verdienenden) mehr als ein BGE. Das gibt es in einem Land der schwindenden Lohnhöhen nicht.

      Grüße
      ALOA

  2. blackdrag sagt:

    Die frage ist doch ob es Spanien wirklich etwas bringen würde wenn ausländische Investoren in Spanien investieren. Sicher, das würde Wirtschaftswachstum bedeuten, aber nur weil die Wirtschaft wächst, heisst das nicht gleich, das sich auch der Wohlstand der Bevölkerung dadurch erhöht. Damit das so ist, denke ich dass diese neuen Wirtschaftsbereiche, die du da ansprichst aus dem Land selbst kommen müssen. Und sie müssten dann dort bleiben, also nicht von ausländischen Unternehmen aufgekauft werden. Das könnte man vielleicht durch verbilligte Kredite erreichen, aber das würde sicherlich von den anderen Staaten kritisiert werden und nach Schuldenvermeidung sieht das auch nicht unbedingt aus.
    Das EU-weite Wirtschaftssystem hat kaum Umverteilungsmechanismen, so gilt vor allem, wer reich ist, wird reicher und wer arm ist, wird ärmer. Den Spaniern ist sämtlicher Wirtschaftlicher Spielraum genommen. Sie können nicht mit ihrer Währung agieren, weil sie den Euro haben. Sie können nicht groß mehr Schulden machen, weil sie das Geld nicht bekommen und eine Schuldenbremse ist ja auch im Gespräch. Was theoretisch wirklich helfen könnte sind Mittel der EU, um lokale Wirtschaft zu fördern. Aber hier hat man sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Korruption und Betrug haben die Mittel gefressen und dem Immobilienmarkt zugeführt. Das, was Spanien an Kapital hatte ist abgewandert oder in der Immobilienblase mit explodiert.
    Will man Spanien denn wirklich helfen? So wie es läuft wird man, auch aufgrund deutschen Einflusses, in Spanien wohl versuchen ein Niedriglohnland mit hoher Arbeitslosigkeit zu schaffen, das vorwiegend von Transferzahlungen von anderen Mitgliedern der Union lebt. Das lohnt sich für die Firmen, weil damit ein Druckmittel besteht auch im eigenen Land die Löhne niedrig zu halten. Den Zirkelschluss, dass die Wirtschaft sich damit quasi das eigene Wasser ab gräbt, weil es ja dann immer weniger Kunden gibt, die sich die Produkte überhaupt noch leisten können, der wird nicht gemacht.
    Ich persönlich denke auch, dass für Spanien pleite gehen eigentlich eine gute Alternative gewesen wäre. Es hätte die Möglichkeit geboten einen Neuanfang zu machen und etwas eigenes auf die Beine zu stellen, sowie die Leute motiviert mit den entsprechenden Einschnitten zurecht zu kommen. So aber wirkt das alles wie ein Diktat von oben und man ist unwillig. Für uns freiwillig wäre Spaniens Pleite keine gute Alternative gewesen. Unsere Banken wären wohl mit in den Abgrund gerissen worden. Und wenn nicht durch Spanien, dann wohl durch ein anderes Land.
    Im Prinzip halte ich den Schuldenabbau für ein gutes Instrument um langfristig handlungsfähiger zu sein. Aber wie soll man da kurzfristig etwas erreichen? Ich habe da ehrlich gesagt keinerlei Idee.

    Das man das „falsche“ herstellen kann, das glaube ich allerdings schon. Ich denke da an die Industrie für Kleidung in Deutschland. Das Ausland hat es billiger produzieren können, also ist die Industrie abgewandert und Kräfte wurden frei, um sich anderen Industriezweigen zuzuwenden. Ich halte das für eine Folge der Arbeitsteilung in globalen Märkten. An sich muss das erst einmal nicht schlecht sein. Es erhöht sicherlich die Abhängigkeit von einem anderem Produzenten, aber das ist eben arbeitsteilige Wirtschaft mit einhergehender Spezialisierung. Aber selbst dann kommt es nicht nur darauf an was man im Ausland verkaufen kann, sondern es kommt darauf an wie viele Menschen man damit beschäftigen kann. Einen Teil des Landes quasi in ein Gewächshaus zu verwandeln geht auf Dauer nicht gut, weil es eben nicht viele Leute beschäftigt und was die Leute bekommen ist dann auch nicht sonderlich viel.

    Ehrlich gesagt würde ich den Spaniern vor allem eines empfehlen: Auswandern. Wenn die Jugend so gut ausgebildet ist, dann solle sie in den anderen Staaten der EU auch einen Arbeitsplatz finden können. Wenn sie auf diese Weise vielleicht einen Teil der Familie in der Heimat unterstützen wird das auf lange Sicht Spanien sehr viel nützen.

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