Ausbildungsplätze, mangelhafte Bildung, Ausbildungsgarantie und rot/grün in BW

Hoch her geht es jetzt gerade wieder im Bildungsbereich. Das betrifft aktuell sowohl Deutschland als auch Österreich.

Die Ausgangslage:

In Österreich gibt es seit Juli 2008 bereits Ausbildungs-Garantien für Jugendliche welche „ausbildungsfähig“ sind. Das wird erreicht indem überbetriebliche Ausbildungsplätze angeboten werden. Die Zahl steigt seitdem stark an, im Herbst 2010 sollen es dann knapp 14.000 gewesen sein (+22% zum Vorjahr). Diskutiert wird neuerlich sogar eine Verpflichtung zur Ausbildung analog einer Schulpflicht.

In Deutschland:
Es gibt lt. aktueller Studie wohl jährlich 150.000 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz. Ein Viertel davon ohne Abschluss, die Hälfte mit Hauptschulabschluss und ein weiteres Viertel mit Realschulabschluss. Die Studie selbst habe ich noch nirgends gefunden, aber die Pressemeldungen dazu sind inhaltlich etwas inkonsistent. Lt. Allmendinger (von WZB; dem Institut) entstehen bei 150.000 nicht ausgebildeten 1,5Mrd Euro an Kosten für die öffentlichen Haushalte u.a. durch geringere Lohnsteuer-Einnahmen. Die Aussage (Zitat) war vermutlich etwas anders gemeint. Es sind 1,5Mrd an Kosten für die Hälfte (also 75.000) der Jugendlichen (also rd. 10.000 Euro p.P.) und die Kosten insgesamt liegen bei 3 Mrd Euro (also 20.000 p.P.).
Die Bertelsmann-Stiftung fordert Ausbildungsgarantien, vermutlich analog Österreichs oder auch als Subvention. Je nach dem wie man „öffentlich geförderte Ausbildungsplätze“ interpretiert.

Die Problematiken dabei:

Bei allem guten und richtigem was gesagt wird: Ausbildung schafft nicht per se Arbeitsplätze. Die Berechnung der WAZ ist daher augenfällig eine reißerische Milchmädchenrechnung. Gerade in dem Bereich der Niedrigqualifizierten über welchen wir hier sprechen ist auch nicht mit anderen Jobs als eben in diesem Bereich (z.B. Selbstständigkeit, Kreditfinanzierte, innovative Tätigkeiten) zu rechnen. Wenn jemand Schlosser wird über eine solche Maßnahme, dann konkurriert er hinterher mit einem anderen Schlosser um einen Job und einer von Beiden bleibt tendenziell dann ein arbeitsloser Schlosser.

Das zweite Problem ist die potentiell substituierende Wirkung von Fördermaßnahmen. In Österreich steigt offensichtlich die Anzahl der überbetrieblichen Ausbildungsstellen stark an. Das könnte natürlich auch Krisenbedingt der Fall sein. Grundsätzlich besteht bei dieser Art Garantie jedoch die Gefahr das sich Betriebe zunehmen auf die staatlich bezahlte Ausbildung verlassen und das ausbilden im eigenen Betrieb, welches durchaus nicht gerade billig ist, herunterzufahren oder gar ganz einzustellen.

Darüber hinaus halte ich die Aussage der Studie was die Kosten angeht erst einmal für interpretationsbedürftig hinsichtlich auszuformulierender Ausbildungsgarantien. Wenn wir von einer Ausbildungszeit von 3 Jahren ausgehen sind das 36 Monate auf welche sich diese Kosten von 22.000 Euro pro Person erstrecken würden. Damit stünden 611 Euro p.M. an Kosten zur Debatte wenn man nicht ausbildet. Was die Frage aufwirft ob da bereits die Kosten für die Ausbildung inkl. den für diesen Zeitraum zu entrichtenden Ausbildungsvergütungen oder (alternativ) Transferzahlungen berücksichtigt wurden (oder eben nicht) oder nicht vorgesehen sind (analog einem Studium).

Die derzeit in Österreich diskutierte Variante einer Ausbildungspflicht analog einer Schulpflicht lehne ich ab. Das kann es nicht sein. Die Steigerung wäre dann noch neben der faktischen Arbeitspflicht eine gesetzliche wie in der DDR. Irgendwo muss staatliche Planung eines Lebens deutliche Grenzen haben. Ganz davon abgesehen das wir ein Recht auf freie Berufswahl sowie ein Verbot von Zwangsarbeit kennen. Ich sehe schon die faktische Pflicht zur Arbeitsaufnahme innerhalb der aktuellen Anwendung der ALG-Regelungen kritisch da muss man nicht noch eine für Jugendliche generieren.

Im Gegenteil ist es doch so das sicher die meisten sowohl Arbeits- als auch Arbeitsplatzsuchenden eben das tun was die Wortwahl ausdrückt: suchen. Da muss man keine Pflicht einführen. Das ist natürlich manchen Politikern angenehmer als die Alternative: nämlich Arbeitsplätze schaffen. „Angenehmer“ ist dabei jedoch eine umschreibende Bezeichnung. Es geht darum das Politiker nicht nur bei solchen Dingen nicht wissen wie sie das eigentliche Problem beseitigen können/sollen. Wenn man nicht weiß wie man ein Problem beseitigt wird oft der Weg eines Gesetzes gegangen welches nicht das Problem beseitigt aber „Schuldige“ findet oder Symptome bekämpft. Sprich: wenn die Politiker es nicht hinbekommen die Rahmenbedingungen für einen funktionierenden Wirtschaftskreislauf und ausreichend Arbeitsplätze zu setzen gibt es eben Ausbildungspflichten für Jugendliche und 1-Euro-Job-Annahmepflichten für Arbeitssuchende.

Fazit:

Was man bei schulischer wie beruflicher Ausbildung sehr wohl verbessern kann ist zu verhindern was allgemein als „Fachkräftemangel“ beschrieben wird und auch hier im Blog schon Kritikpunkt war. Wenn ein Viertel der nicht vermittelten Realschüler sind so kann man davon ausgehen das eine allgemein bessere Ausbildung auch bei anderen als diesen bereits teilweise den genannten Fachkräftemangel beheben können sollte. Drängen doch Gymnasiasten vielfach auf den sagen wir klassischen „Markt für Realschüler“ während wie heute zu lesen war zum Teil die Anforderungen von Hochschulen über einen Numerus Clausus nicht erfüllt werden und Studiengebühren ein Studium erschweren.
Was man zudem verbessern muss ist das gewährleisten, das während einer Schullaufbahn ein ordentlicher Abschluss erreicht werden kann. Das betrifft immerhin 22% der Fälle.

Am Ende bleiben sicher immer noch zu lösende Probleme übrig welche wie ausgeführt mit der grundsätzlichen Rahmensetzung, und damit Lohn-, Steuer- und Abgabenpolitik, verbunden sind. Diese verhindern vielfach gerade im unteren Lohnsektor eine Zunahme an Arbeitsstellen und sind damit die Hauptursachen des Ausbildungsplatzmangels. Was dabei zu tun ist war schon mehrfach Gegenstand der Diskussion hier im Blog.

Also kann man nur sagen: an vielen Stellen ist anzusetzen. So viel Arbeit – und nichts davon wird von den Regierungen seit Jahren geleistet. Wenn, dann ist es meist kontraproduktiv. Von Studiengebühren über gerade heute verlautete Streichungen von Lehrerstellen durch rot/grün in Baden Württemberg angefangen bis hin zu anwerben von ausländischen Facharbeitern. Auch das sind Dinge welche nun eben per Gesetz viel billiger sind als das eigene organisieren von Ausbildung und Arbeitsplätzen. Und nicht zuletzt reden wir über Integration und besserer Betreuung und Ausbildung von Migrantenkindern. Es gibt sehr viel essenzielles zu tun, aber nichts wesentliches geschieht oder wird auf den Weg gebracht. Statt dessen machen sich Berliner Betriebe Sorgen ob sie denn genügend gute Bewerber erhalten. Das jammern um zu wenig qualifizierte Auszubildende und Facharbeiter muss endlich beendet werden und dem staatlichen Engagement für gute Bedingungen für Ausbildungsbetriebe und zusätzlichen Lehrstellen weichen.

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