Das Leben über die Verhältnisse, Renteneintrittsalter und Vorschriften

Im Ökonomen-Blog der Zeit, dem Herdentrieb steht „Portugal wird es schaffen„. Aufgezählt werden etliche Dinge welche der konsolidierung dienen und dem wirtschaftlich/finanziellen Kollaps entgegenwirken sollen. Die Liste der Forderungen enthält die üblichen Dinge – Mitarbeiter müsse man leichter entlassen können, Löhne flexibler sein usw..

Darunter auch zu finden:

Das Rentenalter soll steigen.

Ich hatte unter der Überschrift „Demographieproblem und Sozialversicherung“ ja schon einmal einen (BTW auch bei und via Google) sehr beliebten Blogartikel über die Thematik verfasst und bin sowohl auf Deutsche als m.E. auch auf Dänische Verhältnisse eingegangen (etwas weiter zu Dänemark dann noch letzte Woche).

Nun wird Portugal das ja auch abverlangt. Ich hatte letztens die OECD-Zahlen schon einmal in einem englischsprachigen Blog gesehen. Nun habe ich daraus auch zwei Grafiken erstellt um einmal zu sehen wie das denn so ist mit Renteneintrittsalter, Rentenzeit und Lebenserwartung bei uns in Deutschland, in den Krisenstaaten und anderswo. Leben wir den wirklich über unsere Verhältnisse? Und wie bemisst man das?

Erst einmal die Daten. Ich habe es nach Rentendauer sortieren lassen. Blau die Zeit bis zum Renteneintrittsalter, die Säule (blau/rot) insgesamt bildet die zu erwartende Lebenszeit und die Zahl ist die Länge der Rentendauer. Das sind 5-Jahres-Werte über den Zeitraum 2004-2009 gemessen.

Männer:

Frauen:

Wie wir sehen rangiert Portugal eher am linken Ende der Datenreihe. Portugiesen sind also bereits im Verhältnis zu anderen Staaten mit einer geringen Zeit in der Rente ausgestattet und der durchschnittliche Rentenbeginn liegt bei 67 Jahren (zum Vergleich: Deutschland 61,8; Griechenland 61,9). Wie schon im anderen Blogbeitrag zur Demographie angesprochen bringt es bei hoher Arbeitslosigkeit so oder so nicht viel wenn man das Renteneintrittsalter anhebt. Allenfalls kommt eine höhere Quote an altersarmen hinzu. Insofern ist nicht das Eintrittsalter sondern das Einkommenslevel entscheidend – denn der Unterschied zwischen Rentenhöhe und Arbeitslosengeld bildet m.E. den monetären Unterschied einer Umlage. Zusätzlich wäre nur noch ein Effekt in einem Land wie beispielsweise Deutschland zu erwarten, nämlich das knapp verfügbare Hochqualifizierte ggfs. länger arbeiten und damit auch das BIP auf einem höheren Niveau bleibt.

…Was jetzt vorgeschlagen wird, ist keineswegs die Schikane geiziger Geldgeber, sondern größtenteils vernünftig….“Transfers an den Schuldner gegen durchsetzbare Auflagen…..

Aber offenbar nur „größtenteils“. Es ist eben nicht alles was man verordnen kann und was auf typischen wirtschaftsliberalen Merkzetteln steht auch sinnvoll. Auf meinem Merkzettel steht: Sinn vor Prinzipien

In diesem Sinne: prüft Aussagen und Empfehlungen von sog. „Visionären“ und anderen in Ideologie verhaftete Zeitgenossen immer gründlich. Deren Merkzettel enthalten manchmal sehr merkwürdige Dinge, weil sie teilweise Prämissen haben welche nicht der realen Welt entspringen.

Im weiteren sehen wir uns einmal kurz diejenigen Länder an deren Bürger mehr Zeit in der Rente verbringen dürfen. Luxembourg ist da sicher ein Beispiel dafür das manche es sich in der Tat leisten können. Die Österreicher, unsere Nachbarn, machen das auch sehr erfolgreich. Was man allerdings von Frankreich, Belgien, Spanien, Italien oder Griechenland nicht wirklich behaupten kann. Die Niederländer und wir können es uns m.E. auch noch „leisten“. Die genannten Länder jedoch ziehen m.E. eher noch ein paar Menschen aus der Arbeitslosen-Statistik heraus. So etwa wie m.E. die Regierungen unter Bundeskanzler Kohl mit den Frühverrentungen. Niedrige Arbeitslosenquoten machen sich nun einmal viel besser als hohe – und sei es um den Preis das Renten hinterher vielleicht nicht mehr ganz so „sicher“ sind. Das ist jedoch – auch hier noch einmal gesagt – ein reiner Verschiebebahnhof zwischen den Finanzierungsarten (Steuer oder Umlage) und beim Versorgungslevel.

Arbeit generiert es nicht, gleich ob jemand mit 63 oder 68 Jahren in Rente geht oder ob er mit 63 Jahren ALGII bezieht. Es kostet wenn man Strukturänderungen verschläft. Das gilt für Portugal, Griechenland wie für Deutschland gleichermaßen. Es kostet Arbeitsplätze – und das nicht weil keine Schlaglöcher/Arbeit mehr existiert.

Comments
One Response to “Das Leben über die Verhältnisse, Renteneintrittsalter und Vorschriften”
Trackbacks
Check out what others are saying...
  1. […] Mit diesen Werten kann man ausrechnen wie lange ein durchschnittlicher Erwerbstätiger etwa im Jahr 2050 oder 2060 arbeiten müsste damit wir den oben gewillkürten “Wohlfühl-Schnitt” halten können. Es sind 1549h. Einen derartigen Wert gab es zuletzt in den Jahren 1991-1993 (und davor im Westen Deutschlands). Zum Vergleich den Wert aus 2013 welcher bei 1362h liegt. Die Lücke (1993->2015)  lässt sich entweder mit mehr älteren Arbeitnehmern oder mit längeren Wochenarbeitszeiten erreichen. Wobei die angenommenen Grenzen 65/67 aus bekannten Gründen eh´ hypothetisch sind und nicht den realen Renteneintrittsaltern entspricht. Da ist noch “Luft” bereits zu 65 Jahren [2011 lag der Schnitt in Deutschland m.E. bei 61 Jahren]. […]



Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: