EZB, Fed und Inflation – was ist importiert, was nicht, welcher Zins

Es gibt eine kleine Diskussion u.a. auch im Handelsblatt zwischen dem Chefökonom Dirk Heilmann, seinem Kollegen Olaf Storbeck, sowie LostGen in seinem Blog. Ich habe mir jetzt kurz noch einmal die Beiträge durchgesehen und dazu auch Andenas Beitrag hier im Blog der schon länger zurück liegt.

Worum es sich dabei dreht: es gibt Inflation oder Inflationsdruck. Nun steht die Frage im Raum worin die Inflation Begründet ist und wie die Zentralbanken hier und in den USA reagieren sollten.

Es gibt im Grunde drei vertretene Positionen:
– Inflation/-sdruck entstand/entsteht durch expansive Geldpolitik der USA (und in der Folge auch der Chinesen; Standpunkt LostGen)
– Inflation /-sdruck entstand/entsteht durch Energieimporte
– Inflationsdruck entsteht durch grundsätzlche Rohstoffknappheit bzw. Nachfrage

Ich neige nach Sichtung dazu einen zitierten Punkt von Postbank-Volkswirt Heinrich Bayer herauszunehmen und zu unterstützen:

“Die Heftigkeit des Preisauftriebs in dieser Breite zeigt, dass die aktuelle Beschleunigung der Inflation keineswegs monokausal ist.“

Die Aussage ist zugegeben jedoch nicht sonderlich beeindruckend. Es ist wie ein Orakel von Delphi oder ein Abschnitt bei Nostradamus. Effektiv trifft es fast immer zu – denn nur selten ist wirklich etwas monokausal. Seiner weitergehenden Schlussfolgerung schließe ich mich nicht an – das begründe ich nun.

Trotzdem baue ich darauf auf und bringe noch weitere Betrachtungen ins Spiel. Ich hatte just gestern in einem Blogbeitrag zur Weltwirtschaft den HARPEX angesprochen. Natürlich kann man aufgrund dessen nicht speziell die Nachfrage nach Rohstoffen ablesen. Aber trotzdem erscheint es mir wenig plausibel wenn ein Stand von lediglich 900 TEU, also 500 TEU unter 5-Jahres-Maximum und nur die Hälfte des 10-Jahres-Maximums eine grundsätzliche Rohstoffknappheit in sich bergen sollte. Man könnte als Erklärung auf einen schleppenden Wiederaufbau der Produktionskapazitäten nach der Krise setzen. Das ist mir aber zu schwach. Zudem ist die US-Wirtschaft als großer Nachfrage-Posten bekanntlich noch gar nicht wirklich in Fahrt.

Zweiter Punkt. Was ich außerdem noch in den Blogeinträgen der letzten Wochen hatte war der Maispreis auch in den USA. Inzwischen gibt es den 04er-Chart (demnächst den 05er, leider noch nicht abrufbar). Preis ging ´runter, Stock-to-use-ratio bleibt jedoch unten. Das könnte ein Indiz dafür sein welchen Anteil die Spekulationen am Preis haben und welcher Anteil die Verknappung hat.

Aber zurück: die Inflation scheint so als ob es eben wie orakelt keine monokausale Ursache zu haben. Es sind meiner Ansicht nach drei Komponenten:
A) Partielle Knappheiten mit unterschiedlichen Ursachen. Zum einen sind da Energielieferanten welche auch nichts anderes im Sinn haben als Geld zu verdienen um leere Kassen nach der Krise zu füllen. Zum anderen gibt es Kollateralwirkungen wie die auf o.g. Energiepflanzen und damit den Food-Bereich. Evtl. noch gewisse Probleme beim erneuten Aufbau von Kapazitäten.
B) Spekulationen; generieren sich auch aus A).
C) Geldmengenausweitung der USA/China wie von LostGen auch formuliert. Es ist nicht wahrscheinlich das dies ohne Auswirkungen geblieben ist. Die reine Menge an Geld ist zudem eine unterstützende Befeuerung für den Punkt B).

Der schleppende Aufbau von Kapazitäten sollte sich jedoch mit der Zeit erledigen und damit keinen Langzeit-Effekt darstellen. Die „Pause“ der Weltwirtschaft welche im anhand des HARPEX diagnostiziert (gewillkürt) habe hilft dem ganzen auch auf die Sprünge. Das gleiche – der fehlende Langzeit effekt – gilt m.E. für die Spekulationen welche an Knappheiten andocken und vorhandene Amplituden der Preise verstärken.

Es blieben danach aktuell und bis auf ein weiteres anziehen der Weltwirtschaft zwei Komponenten übrig: Energiepreise und der Effekt der Geldmengenausweitung auf anderen Kontinenten. Das eingerechnet bin ich auf Andenas (und meiner) Linie was die EZB-Zinspolitik und alternative Maßnahmen angeht. Zinssatz belassen, Mindestreservesatz nach oben und kompensierende Maßnahmen bei der Besteuerung von Energie. Den Mindestreservesatz zu erhöhen undggfs. sogar flexibel zu halten ist so oder so eine Langfristige Strategie-Option welche angewendet werden muss. Die Chinesen haben dieses Jahr bereits erhöht (die sind gar nicht ungeschickt). Langfristige (und dauerhafte) Probleme (z.B. Inflationstendenzen) durch auftretende Rohstoffknappheiten kann eine Zentralbank nicht mit der Geldmenge oder dem Zins lösen.

Comments
One Response to “EZB, Fed und Inflation – was ist importiert, was nicht, welcher Zins”
  1. andena17 sagt:

    Hallo aloa5,

    wie schon öfters, bringst Du die zentrale Botschaft mit dem Zitat auf einen einfach Nenner:

    “Die Heftigkeit des Preisauftriebs in dieser Breite zeigt, dass die aktuelle Beschleunigung der Inflation keineswegs monokausal ist.“

    In der Inflationstheorie wird ja schon anschaulich beschrieben, dass das Auftreten von Inflation theoretisch verschiedene / unterschiedliche Ursache haben kann. Dabei können die Inflationsgründe natürlich sowohl als singuläre Ursache auftauchen als auch als Kombination verschiedener Ursachetypen.

    Aus meiner Sicht haben wie gegenwärtig mehrere parallele Inflationsursachen, die sich zumeist gegenseitig verstärken und es nicht einfach machen, die geeignete Strategie zu finden. Aus meiner Sicht haben wir mindestens folgende inflationsbestärkende Hintergründe:

    * Ein steigender Explorationsaufwand für Rohstoffe
    * Langsam abnehmende Fördermengen (Stichwort Peak Oil)
    * Höhere generelle Nachfrage in Schwellenländern nach Rohstoffen
    * Höhere Nachfrage bei „nachwachsenden“ Rohstoffe wegen der Substituierung von Erdöl
    * Höhere Nachfrage durch Bevölkerungsanstieg
    * weitere Geldmengenausweitung in USA, Japan und der EU
    * Wirtschaftswachstumsbedingte Inflation in China, die wegen der Dollar-Bindung auf diesen ausstrahlt

    Bei einem Inflationsursachenbündel müsste man eigentlich erst einmal genau analysieren, welchen Anteil werche Ursache ausmacht und wie man die einzelne am effektivsten „bekämpfen“ kann – sofern das überhaupt nötig und sinnvoll ist.

    Die Inflation in der Volksrepublik China ist in den letzten Quartalen immer weiter gestiegen. Die chinesische Zentralbank hat letztens als Gegenmaßnahmen die Mindestreservesätze und die staatlichen Geldreserven gesteigert und den Zinssätze anghoben.

    In China sind solcherlei dämpfende Maßnahmen wegen dem starken Wirtschaftswachstum dabei viel besser verkraftbar als in der EU, wo einige Länder schlicht und ergreifend vor dem finanziellen Ruin stehen und ein erneutes verfühtes Abwürgen der leichten wirtschaftlichen Erholung durch eine rein monetäre Zionserhöhung durch die EZB, den finalen Stoß für diese Staaten und damit letztendlich für den gesamten Euroraum bedeuten kann.

    Keine leichte Aufgabe für die EZB, die im Moment durch ihre politischen Vorgaben (Inflation maximal 2%) gehalten ist, die Inflation zu bekämpfen und andererseits genau weiss, dass eine Zinserhöhung Gift für den Euro bedeutet. Die EZB und die EU steckt in der Zwickmühle – das tragischste daran ist aber nicht die Situation an und für sich, sondern dass die Politiker einfach nicht den Mut aufbringen der realität ins Auge zu schauen.

    Besten Gruß, Andena

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