OECD-Forum berät zur Bekämpfung der Einkommensungleichheiten

Woher kommt die wachsende Einkommensungleichheit in allen OECD-Staaten und wie kann man dies bekämpfen?
Das sind die Fragen welche mit Statistiken und Grafiken untermalt am 2.5. in Paris diskutiert wurden. Sicher auch inspiriert dadurch das der IWF sich verstärkt dieses Themas angenommen hat und es als mitursächlich für die Krise annimmt wie ich bereits erwähnt hatte.

Über alle OECD-Staaten gerechnet sind die Einkommen zwischen Mitte der 80er und Mitte/Ende 2000er Jahre um 1,7% angestiegen. Dies jedoch mit Unterschieden zwischen dem untersten und dem obersten Dezil (Zehntel).

Es werden Gründe gesucht und ein paar Fakten eingestreut. Zum Beispiel nimmt bis auf Ausnahmen in den untersuchten Ländern (OECD29) die Arbeitszeit grundsätzlich ab. Die Arbeitszeit der niedrig entlohnten Arbeiter (unterstes Einkommens-Fünftel) jedoch wesentlich mehr als die der höher entlohnten. Nur in drei Staaten nahm die Arbeitszeit der niedrig entlohnten zu, in sieben Staaten (darunter Deutschland) die der höher entlohnten. Auch wird bemerkt das es immer mehr Single-Haushalte gibt (mit und ohne Kinder). Bemerkenswert dabei die Aussage das kleine Haushalte offenbar dadurch benachteiligt werden das sie nicht in einen Pool einzahlen und daraus schöpfen und am Ende von selbigem alle profitieren können. Ein bemerkenswertes wenn auch m.E. logisches und selbstverständliches Votum für die gesellschaftlichen Vorzüge von Familien und anderen Gemeinschaften.

Als Ursachen für die Zunahme der Ungleichheiten werden dann drei verschiedene Gründe genannt welche in einer kommenden Studie der OECD auf die Rolle welche sie dabei spielen untersucht werden:

– Globalisierung und technologische Entwicklungen welche besser ausgebildete Arbeitnehmer bevorzugt
– Veränderungen der Struktur in Familien und Haushalten
– Veränderungen bei Steuer- und Einkommens-Umverteilungssystemen

Man darf gespannt sein was dabei heraus kommt. Ich möchte jedoch noch einmal zurückkommen auf den Beginn. Wenn man sich die Zahlenreihen der Einkommenszuwächse der 29 OECD-Länder einmal her nimmt und neu sortiert kann man folgendes sehen:

Man sieht die wenigen Länder in welchen das unterste Dezil mehr als das oberste vom Aufschwung profitiert hat. Es gibt sicher mehrere Möglichkeiten für schlüssige Interpretationen.

Ich treffe einmal ein paar auf der Grafik basierende Thesen und begründe diese:

– Ein „Boom“ wie u.a. durch die EU verursacht hat in Griechenland, Irland und Spanien dazu geführt das die Staaten insgesamt profitiert haben und über eine Art „relative Vollbeschäftigung“ haben die weniger verdienenden auch mehr profitiert. Sie hatten einen besseren Stand auf dem Arbeitsmarkt als in bereits industrialisierten und m.E. globalisierten Staaten in welchen eben diese Arbeitsplätze herausdiffundierten und die Löhne fallen ließ.

– Mindestlöhne sind wie ich es nicht anders erwartet habe keine Heilsbringer. Zwar stechen Frankreich und Belgien hervor. Allerdings ist das zum einen nicht automatisch mit „Wohlstand“ für das unterste Dezil verbunden, denn Einkommen ist wie wir bei den Mindestlohn-Studien gesehen haben nicht gleich Kaufkraft. Zum anderen ist es offenbar nicht so das Mindestlöhne generell zu einem besseren Verhältnis geführt haben wie man anhand von Griechenland und Dänemark oder auch den Niederlanden sehen kann. Und zum Dritten kann man anhand der Krise sehen das Länder welche einen Aufschwung inkl. Mindestlohn oder auch nur einen Mindestlohn hatten nicht sonderlich gut durch die Krise kommen. Auch hier seien Griechenland, England, Dänemark, Spanien usw. genannt.

– Neben dem Boom ist die schlüssigste Korrelation die der Rolle welche die Arbeitszeit und der Verdienst der niedrig qualifizierten spielt. Und da komme ich auf zwei Dinge:
— Das von mir formulierte Heckscher-Ohlin-Problem
— Die von mir eingeforderten nationalen Lösungen der Lohnkosten-Lastenverteilung auf nationalen Ebenenen um Beschäftigung auch gering qualifizierter im Land selbst zu ermöglichen bzw. um diesen über das System auch mehr Geld oder Geldwertes insgesamt zukommen zu lassen was die Nachfrage erhöht. Denn es ist ja eine Spirale. Verdienen etliche immer weniger dann wird auch immer weniger nachgefragt

– Das mit den zunehmenden Single-Haushalten ist in mehrerer Hinsicht schlüssig. Ich hatte auch dies bereits für Deutschland über die Erwerbstätigenquote und die bereinigten Stundenzahlen demonstriert. Insbesondere kommt für Deutschland dabei allerdings auch der absolute Zwang zur Individualisierung der Probleme zum tragen. Das wird zwar als „Gerecht“ empfunden, da alle „gleich“ behandelt werden. Aber eine Pool-Bildung über Familien usw. ist eben nicht mehr möglich und jeder muss an die Arbeits(losen)front. Da wird viel an Gemeinschafts- und Familiensinn (bzw. auch dem Sinn und dem Vorteil von Familien) auf dem Altar der Gleichheit und dem Spar“zwang“ geopfert welches sich volkswirtschaftlich offenbar als Bumerang erweist.

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Comments
3 Responses to “OECD-Forum berät zur Bekämpfung der Einkommensungleichheiten”
  1. ketzerisch sagt:

    Israel ist ja übel.

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  1. […] gefiel mir das Papier der IWF besser oder das nachdenken der OECD. Letztlich hat auch schon vor Jahren Stephan Schulmeister, ebenfalls ein Neo-Keynesianer und imho […]



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