Adío – Sagt Griechenland Tschüss zum Euro? (update)

Übereinstimmende Berichte in der Presse von Spiegel und Welt nähren den Verdacht, dass das höchstverschuldete Griechenland aus dem Euroraum aussteigen will.

Haben die Griechen nunmehr endlich auf die deutsche CSU gehört, die ihnen diesen Schritt bereits vor über einem Jahr empfohlen haben? „Griechenland hat nicht nur ein Liquiditäts-, sondern auch ein grundsätzliches Wachstums- und Strukturproblem“, sagte damals Hans-Peter Friedrich, damals der Landesgruppenchef der CSU und heute frischgebackener Bundesminister des Inneren.

Natürlich gibt es passend zu diesen Meldungen die üblichen eilfertigen Dementis, so lässt man zum Beispiel aus dem Umfeld des griechischen Regierungschef Giorgos Papandreou verlauten:
„Derartige Berichte untergraben die Bemühungen Griechenlands und dienen nur den Spekulanten.“

Unabhängig davon, ob an der Spiegel-Meldung jetzt was dran ist oder nicht, als Gedankenspiel taugt sie allemal. Wie wird wohl so ein Austritt aus dem Währungsraum vonstatten gehen? Noch haben die griechischen EU-Bürger ja noch die harten Euros in ihren Taschen. Wenn man sich die Euros genauer anschaut, dann erkennt man, dass alle Geldeinheiten – Münzen wie Scheine – eine nationale Zurodnung zu einem der EU-Länder besitzen. Bei den Euromünzen ist das relativ einfach erkennbar, die Rückseiten tragen immer die entsprechenden Motive des Staates, der diese Münzen aufgelegt hat. Bei den Scheinen fehlen diese Symbole und dort bedient man sich eines Ländercodes. So steht zum Beispiel X für die BRD, Y für Griechenland und Z für Belgien, wie die Bundesbank hier erläutert. Auch die Buchwerte kann man natürlich nach einer einheitlichen Regel entweder der neuen Währung oder dem verbleibenen Euro zuordnen.

Bei einem Ausscheiden eines Landes aus der Europäischen Wirtschafts- & Währungsunion EWWU genügt es aber vollkommen, zusätzlich zu dem Bargeld auch die Buchgelder einem Staat durch eine einheitliche Regel zuzuordnen, zum Beispiel durch Anwendung der Schuldnerregel – das Buchgeld / der Kredit wird der Währung des Staates des Schuldners zugeordnet. So könnten zum Beispiel innergriechische Bankguthaben oder Schulden ohne Probleme 1:1 in die neue Währung umgeschrieben werden.

Bei Auslandschulden – und davon hat Griechenland ja eine Menge – ist das schon ein bisserl komplizierter, denn Griechenland würde die Auslandschulden natürlich gerne in neuer / schwächerer Währung wissen, die Kreditgeber würden dagegen viel lieber dem härteren Euro als Schuldenwährung behalten. Da prallen dann ganz schön gegensätzliche Interessen aufeinander. 😉

Wenn nun ein Land aussteigen will, so bedeutet das auch zwangsläufig, dass die länderbezogenen Euros dann nicht mehr 1:1 konvertibel sind, sondern sich ein individueller Wechselkurs zwischen der neuen Währung und dem Rest-Euro bildet. Und das völlig unabhängig davon, ob jetzt neue Scheine mit einer neuen Währung bereits gedruckt und in Umlauf gebracht sind. Allein das Unterscheidungsmerkmal des Ländercodes ermöglicht, dass sich ein differenzierter Wechselkurs bilden könnte.

Als sich zum 01.01.1993 die Tchechoslowakai trennte wurde die gemeinsame Währung Tschechoslowakische Krone am 08.02.1993 in Tschechische Krone und Slowakische Krone umgestellt. Die Banknoten erhielten durch die Geschäftsbanken wegen der fehlenden Eindeutigkeit einen Stempelaufdruck. So wurden aus tschechoslowakischen Kronen flugs slowakische Kronen.

Die Ausgabe von neuen Geldnoten und Münzen durch die Slowakei startete 1993 erst einige Zeit später.

Ein solches Verfahren könnte auch bei einem Austritt eines Eurolandes Anwendung finden. Der Vorteil: Die Umstellung kann ohne großen organisatorischen Aufwand kurzfristig vorgenommen werden.

Sollte es also tatsächlich zu einem griechischen Abschied kommen, dann sollte man mal im Portemonnaie nachsehen, ob man noch Euroscheine mit einem Y-Ländercode besitzt.

Geheimtreffen 06. Mai 2011

Anscheinend ist der Bundesfinanzminister zu einem Geheimtreffen verreist, bei dem es um den Euro und den etwaigen Austritt Griechenlands aus der Eurozone gehen soll, so berichtet Spiegel Online.

Interessanterweise warnt Herr Dr. Schäuble die Griechen davor, eine eigenständige Währung einzuführen: „Es wird zu einer erheblichen Abwertung der neuen Inlandswährung gegenüber dem Euro kommen, heißt es. Schätzungen zufolge sei mit einem Kursverlust von bis zu 50 Prozent zu rechnen.“

Soweit so richtig, aber warum warnt der ehemalige Spendenannehmer der CDU vor diesem Kursverlust. Das ist kein Bug der neuen Währung – sondern der Clou, denn nur durch die Abwertung der griechischen Währung kann die griechische Volkswirtschaft wieder wertbewerbsfähig – auch gegenüber der BRD – werden. Für Griechenland also der erste richtige Schritt, dem dann der Schuldenschnitt bzw die Umstellung der Auslandsschulden auf die neue Währung folgt.

Für die Gläubiger allerdings wäre das gleichbedeutend mit dem Verlust von 50% ihrer Schuldtitel. Und das wird wohl der eigentliche Grund dafür sein, dass W.Schäuble davor warnt. Vielleicht halten ja einige seiner Freunde griechische Staatsanleihen und fürchten den zu erwartenden Verlust. Aber vielleicht wird dann die schwarz-gelde Regierung den Gläubigern helfen und eine Staatsgarantie für die Schuldpositionen abgeben. Damit würde dann wieder mal der deutsche Steuerzahler für das Euro-Abenteuer aufkommen.

Was wären die Folgen eines griechischen Austritts?

Heute, am 07. Mai 2011, wartet der Spiegel mit einem Artikel auf, der vor allem den möglichen Austritt Griechenlands als Schreckgespenst an die Wand malt. „Grichenland stürzt dann in ein Fiasko“, darf man dort lesen oder „Das weltweite Finanzsystem gerät in arge Schwierigkeiten“ bis „Die Währungsunion wird destabilisiert“.

Natürlich wird die Einführung einer neuen Währung so seine Auswirkungen haben, aber den Untergang des Abendlandes heraufzubeschwören, ist dann doch des „starken Tobaks“ zuviel. 😉

Wenn die neue Drachme nach ihrer Einführung tatsächlich um 50% an Wert gegenüber dem Euro verliert, dann kann man nichts anderes sagen, als dass dieser neue Kurs dann wohl weit eher den tatsächlichen Kurs wiederspiegelt als der jetzige Euro. Faktisch ist es heute so, dass der griechische Euro massiv überbewertet ist und gerade diese Überbewertung der wirtschaftlichen Leistung bzw der griechischen Volkswirtschaft ist genau die strukturelle Ursache für die Finanzschwäche Griechenlands.

Ein weiter so mit nochmal 50 Mrd € in den griechischen Schuldenstaat versenken ist nun wirklich keine ernstzunehmende Alternative. Spätestens Anfang nächstes Jahr wird die Trennung Griechenlands ökonomisch faktisch alternativlos (Tina lässt grüßen), denn dann laufen eine Reihe von Staatsanleihen aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland in 2012 überhaupt neue Schulden am freien Finanzmarkt aufnehmen kann, tendiert hart gegen Null.

Es gibt drei Alternativen:

Eine politische, die auf Zeit spielt und hofft, dass sich die strukturelle Schwäche Griechenlands irgendwie von alleine löst kombiniert mit einem weiteren beharrlichen Verschweigen der systematischen Fehler der gemeinsamen Währung und der Euroeinführung. Als Folge davon würde der Schuldenstaat Griechenland weiter mittels Staatskredite auf Kosten der wirtschaftlich gesünderen Volkswirtschaften alimentiert und der Euro insgesamt gegenüber den anderen Weltwährungen abgewertet. Machbar aber teuer.

Eine europäische, die den Geburtsfehler des Euros endlich akzeptiert und beseitigt: Man kann einfach nicht einfach einen Wirtschaftsraum per Akklamation definieren und negieren, dass es zwischen den Regionen / Ländern ein Ausgleichsmechanismus geben muss. Ohne einen solchen Länderfinanzausgleich wird die unterschiedliche wirtschaftliche Stärke der Euro-Länder nicht ausgeglichen sondern eher verstärkt. Und eigentlich müsste unsere Rgeirung es besser wissen, denn innerhalb der BRD haben wir ja einen Länderfinanzausgleich, der dafür sorgt, dass die wirtschaftlichen Bedingungen in den einzelnen Bundesländern nicht zu sehr auseinander läuft und wir haben eine einheitliche bundesdeutsche Sozialversicherung, die dafür sorgt, dass Renten, Gesundheitsleistungen und Arbeitslosengeld in ähnlicher Höhe gewährt werden. Auch machbar, aber für die Bürger eher inakzeptabel

Eine dritte, die das gesamte Euro-Abenteuer beendet und allenfalls einen Kernraum (Frankreich, Benelux, BRD, Dänemark, Finnland, Baltikum, Österreich, Slowenien, Slowakei) mit einer einheitlichen Währung belässt, wäre volkswirtschaftlich das sinnvollste aber auch gleichbedeutend mit dem Eingestehen des kompletten Scheiterns der Idee des Euros. Ebenso machbar, aber politisch der Super-GAU. So mutig sind Politiker einfach nicht

Mehr Alternativen fallen einem da nicht wirklich mehr ein. Letztenendes wird man zum Schluss kommen (müssen), dass der Austritt Griechenlands sowohl die wirtschaftlich sinnvollste als auch die politisch akzeptabelste Alternative darstellt.

Wann sind die nächsten griechischen Staatsanleihen fällig

Die hochverschuldete Republik Griechenland hat mehrere Staatsanleihen laufen, die in den nächsten Monaten fällig werden. Fällig heißt, dass die Anleihen an dem Fälligkeitstag an die Gläubiger zurückgezahlt werden müssen. Daraus folgt, dass Hellas spätestens zu diesem Tag genügend Geld zur Verfügung haben muss und dieses kann im Prinzip nur durch eine neue Staatsanleihe aufgebracht werden. Im Folgenden mal die Staatsanleihen mit den nächsten Fälligkeitsterminen:

WKN 609937: 6,590 Mrd € fällig am 18.05.2011
WKN A0GSUC: 6,822 Mrd € fällig am 20.08.2011
WKN A0T6US: 14,500 Mrd € fällig am 20.03.2012
WKN 830275: 8,060 Mrd € fällig am 18.05.2012

Das bedeutet, dass die Situation allen Verharmlosungsversuchen der EU und der BRD-Regierung zum trotz dramatisch ist, denn nächste Woche muss Griechenland einfach genug Geld zur Verfügung gestellt werden, ansonsten droht die Feststellung der Zahlungsunfähigkeit.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland am freien Kapitalmarkt genug Geld für den ersten Termin nächste Woche zusammenkriegt ist jedoch gering. Das heißt, dass dann bereits die EU mit ihrem sogenannten Rettungsschirm einspringen muss. Und bei den nachfolgenden Terminen auch. Im Prinzip wird das dann zu einer „never ending story“ – die Staatsschulden steigen von Termin zu Termin und die EU haftet für immer größere Summen. Das ist eine Schuldenschraube, aus der Griechenland nicht mehr herauskommt – halt ein Schrecken ohne Ende.

Neues Geheimtreffen 16. Mai 2011

Die EU ist aufgewacht und hat pünktlich zum Fälligkeitstermin am 18.05.2011 zu einer erneuten Kriesensitzung zum Euro und der drohenden Zahlungsunhähigkeit Griechenlands geladen.

Im Prinzip geht es um die leidige Frage: „Jetzt Ende mit Schrecken“ oder „Weiter mit dem Schrecken mit immer weiter vergrößerten Ende“ bzw „Konkursverschleppung“.

Da die Entscheider über diese Frage im Wesentlichen Politiker ohne ausreichende ökonomische Fachexpertise sind, kann eigentlich nur eine politische Antwort erwartet werden. Und diese lautet dann entweder weiter verharmlosen bzw vom Kernthema ablenken und lieber noch mehr Kredite nach Griechenland vergeben, als sich eingestehen, dass Euroland ein schwerwiegendes systematisches Problem hat.

Aber zum Glück wird uns das Thema in drei Monaten am 20.08.2011 wieder einholen, denn dann werden die nächsten Staatsanleihen der Republik Griechenland fällig.

Lustigerweise werden die Politiker auch dann wieder vollkommen überrascht tun. Das ist sicher – der Euro dagegen nicht mehr.

30.05.2011

Neue Unglücksbotschaften zeigen sich am Horizont. Schneller als vermutet steht der Euro erneut vor einer harten Bewährungsprobe. So sagt der EU-Kommissar für Wirtschaft und Währung Olli Rehn in einem Interview:

„Der Juni ist der kritische Monat für die Bewältigung der Schuldenkrise. In den kommenden Wochen liegen wegweisende Entscheidungen vor uns. Der Monat Juni kann entweder zum Anfang vom Ende der Krise gemacht werden – oder aber eine verpasste Gelegenheit werden, wenn die Euro-Zone in eine neue schwierige Krisenphase rutscht, mit einer negativen Kettenreaktion im Finanzsystem und der Ansteckung anderer Staaten. Im Juni können wir die Probleme lösen oder die Gelegenheit verpassen.“

Das liest sich mittlerweise so, dass die EU in der Eurofrage langsam mit dem Rücken zur Wand steht. Eine Blockade der Aufstockung oder Velängerung von Rettungsschirm ESM und Krisenfond EFSF durch eines der zahlreichen Euro-Länder würde die Staatsinsolvenz der griechischen Republik bedeuten und das Ende der europäischen Gemeinschaftswährung Euro in dieser Form bedeuten.

Die Alternative „Aufstockung“ ist jedoch keine Lösung sondern nur ein teurer politischer Zeitgewinn, das weiß auch Herr Rehn. Zumindestens er als Währungskommissar sollte die Gefahr wittern – der Druck auf den Euro im Kessel wird immer höher. Wenn die EU die Chance verstreichen lässt, durch den Austritt Griechenlands aus dem Währungsverbund, Dampf abzulassen, droht im Endeffekt eine letztlich unkontrollierbare Situation.

Denn die EU sollte eigentlich wissen, dass die Systemfehler des Euros nicht durch Sparmaßnahmen geheilt werden können.

Fakt ist, der griechische Euro ist 100% überbewertet und lähmt die komplette griechische Volkswirtschaft. Das einzige was hilft ist eine 50%ige Abwertung der griechischen Währung und eine Umschuldung der griechischen Auslandsschulden auf die dann enue griechische Währung bzw ein Schuldenschnitt.

Das wissen auch alle, aber niemand traut sich einzugestehen, dass der Euro in dieser Form grandios gescheitert ist. Leider versuchen jetzt die Politiker den Griechen die „Schuld“ an dieser Eurokrise zu geben, was aber im Umkehrschluss nur wieder zeigt, dass wenn der Euro durch einen verhältnismäßig kleinen Staat mit 10 Mio Einwohnern an den Rand des Zusammenbruchs geführt werden kann, dass der Euro nicht krisensicher ist und auf sehr wackeligen Füßen steht.

Mal sehen, ob die EU den Mut aufbringt, jetzt das Richtige zu tun. Ich bezweifle es. Leider.

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