Steigende Lohnunterschiede sind durch Outsourcing und staatliche Förderung bedingt

Ich hatte ja schon mehrfach über das Heckscher-Ohlin-Problem gesprochen. Das ist schon fast gebetsmühlenartig, ich weiß das. Das ist jedoch kein böser Wille oder ein Tick von mir sondern es beruht auf der Erkenntnis das es eines der aktuell vorherschenden Probleme bezüglich Lohnhöhen und Lohnunterschiede darstellt. Es gehört damit zu den Diskussionsgruppen Mindestlohn, Wirtschaftskrise, Einkommensverteilung, Steuern/Abgaben und Kaufkraft.

Das Heckscher-Ohlin-Problem betrifft globales Outsourcing

Um den Bloglesern noch zu belegen das es sich um keine Spinnerei ist welche ich mir alleine einrede möchte ich kurz auf zwei kleine Seminararbeiten von den Studenten/-innen Camilla Hansen (aus 2009) und Samual Brown (vom 1.1.2011) des Department of Economics, University of Essex) hinweisen. Beide tragen den identischen Titel:

„Does International Outsourcing (of Activities to Countries Abundant in Unskilled Labour) Play a Significant Role in Increasing the Skilled and Unskilled Wage Inequality in Countries Like the USA and the UK?“

Ich teile wie gesagt den Standpunkt das es für die theoretische Erklärung der im Titel beschriebenen Frage notwendig ist mit dem Heckscher-Ohlin-Theorem zu beginnen.

Kurz Heckscher-Ohlin vereinfacht erklärt:
Reiche, entwickelte Länder stellen vermehrt kapitalintensive und teure Güter her und verlagern arbeitsintensive in ärmere Länder mit vielen und billigen Arbeitskräften und umgekehrt ebenso. Es ist eine Anwendung des Modelles von Ricardo in welchem komparative Kostenvorteile Baumwolle eben eher in Afrika als in Saudi Arabien und Mais eher in den USA als in Grönland anbauen lässt. Länder stellen eben das her und handeln mit den Gütern bei welchen Standortvorteile für sie existieren.

Die Seminararbeiten haben recht wenig Fleisch was die eigenen Inhalte angeht, bieten aber jeweils einen guten Überblick über vorhandene Arbeiten zumindest in Bezug auf die Beiden behandelten Staaten USA und UK.

According to the literature reviewed on the subject, international outsourcing does indeed have a significant role in increasing wage inequalities in the countries in question.

Hansen schreibt in der Zusammenfassung der internationalen Verlagerung der Arbeit in Niedriglohnländer eine signifikante Rolle zu das die Löhne auseinander driften. Man könne jedoch den Umfang nur schwer abschätzen. Brown sagt zwei Jahre später auch das es eine Rolle spielt, aber vermutlich nicht die entscheidende. Es kommt bei ihm zu einer anderen Gewichtung. Heckscher-Ohlin beschreibt m.E. die direkte Wirkung durch Verlagerung bzw. die Wirkung durch den daraus resultierenden Handel. Er schenkt jedoch einer Studie von Feenstra und Hanson (1998) mehr Beachtung. Diese weisen dem Staat dabei eine weitere Verantwortung zu indem sie feststellen:

…. Their results show that foreign outsourcing combined with expenditure on high‐technology capital has played a role in increasing the wages of skilled labour and thus increasing inequality….

Letztlich wäre es nicht der Handel alleine sondern auch die staatlich stärker geförderte Spezialisierung auf High-Tech würde die Nachfrage nach gut ausgebildeten Arbeitnehmern steigern und deren Löhne nach oben wandern lassen während die der unqualifizierten tendenziell sinkt oder auf niedrigem Level verbleibt.

Kurz: Es wird staatliche Subvention der gut ausgebildeten Besserverdiener (über den High-Tech-Sektor) welche für den Export arbeiten vorgeworfen.
Damit wird das Trickle down bestritten welches in einer geschlossenen Volkswirtschaft wohl stattfinden könnte. Nämlich das jeder Arbeitsplatz eines gut ausgebildeten weitere Arbeitsplätze nach sich zieht.

Daher trifft Brown am Ende die gleiche, jedoch erweiterte Feststellung:

outsourcing has played a significant role in increasing wage inequality between skilled and unskilled labour. This has been a result of improvements in technology and government policy which has facilitated outsourcing.

Und nun zum Schluss und der Schlussfolgerung. Wenn dem so ist das Arbeitskräfte verlagert werden und die Industrienationen wie in Deutschland der High-Tech hinterher laufen. Und wenn die Folge ist, das die Löhne auseinander driften und Arbeitslosigkeit entsteht. Wenn dem so ist (und davon gehe ich aus), dann muss man das erst einmal in die politische Wirklichkeit bringen und liberalen wie linken oder konservativen Kräften vermitteln. Diese hängen nämlich zurück und versuchen mit Methoden welche den Ursachen keine Rechnung tragen und einer sagen wir Subventionslogik für Besserverdiener folgen ein Problem zu lösen welches ganz anders aufgestellt ist.

Ich hatte mit der Lohnsummenausgleichssteuer bereits einen Ansatz zur Lösung innerhalb Deutschlands hier im Blog behandelt. Und ich hatte auch bereits gesagt was es nicht sein kann: wir haben nicht zu wenig gut ausgebildete Arbeitskräfte – und wir benötigen keine Mindestlöhne. Beides ist Wein aus den gleichen Schläuchen welche die Ursache für das auseinanderdriften nicht nur nicht beseitigt sondern sogar zu einer Zementierung des Effektes führt. Es ist beispielsweise auch völlig unerheblich ob Mindestlöhne weitere Arbeitsplätze kosten würden oder nicht wie diese unseligen Studien suggerieren möchten. Und BTW auch dieses „Bedingungslose Grundeinkommen“ muss man in diesem Licht sehen. Probleme löst man am schnellsten indem man sich die Ursachen genauer betrachtet – nicht indem man unangenehme Symptome als feststehende Prämissen ansieht.

Leider mahlen politische wie akademische Mühlen sehr langsam. Grundlegende Änderungen sind hochkomplex und damit nicht leicht zu realisieren und politisch durchzusetzen – auch wenn sie noch so deutlich hergeleitet werden können. Es ist schwierig den Mainstream zu durchbrechen und wichtige aber richtige Erkenntnisse erst einmal in die Köpfe wachsen zu lassen. Bis dann jemand sich an einer Lösung auf politischer Ebene versucht dauert es noch einmal so lang, denn es ist nichts was man mal eben populistisch verwerten kann. Anders als über den Weg des populistischen Mainstreams sind Diskussionen um Mindestlöhne, Aufstocker und Zuwanderung qualifizierter Kräfte etc. nicht erklärbar. Leider wird sowohl bei Ökonomen als auch in der Blogosphäre auf niedrigem Bauchgefühl-Niveau argumentiert. Und wenn BA-Chef Weise 2mio Zuwanderer trotz aktuell hoher Arbeitslosigkeit fordert ist das ebenso von einem anderen Stern wie die Forderung nach Mindestlönen in der Aufstocker-Debatte.

Arbeiten wir daran die Erkenntnisse um den Komplex zu verbessern.

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One Response to “Steigende Lohnunterschiede sind durch Outsourcing und staatliche Förderung bedingt”
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  1. […] qualifizierten und die der gering qualifizierten fallen oder bleiben gleich. Dies, weil durch das Outsourcing etlicher Arbeitsplätze nun mehrere Arbeitnehmer sich um einen Arbeitsplatz bewerben. Gleichzeitig […]



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