Kaufkraft gewichtete Steuern und Lohnnebenkosten OECD

Es gibt immer wieder mehr oder weniger nützliche, manchmal völlig nutzlose Grafiken und Vergleiche in der Presse und in Kolumnen zu lesen. Ich persönlich frage mich auch was ein Vergleich der Lohnebenkosten und Abzüge in verschiedenen Ländern aussagt. Gut… man hat hinterher Lohnkosten und Netto vom Brutto – prozentual. Diese Werte werden gerne genommen um zu erklären wie hoch die Lohnkosten bzw. insbesondere die Lohnnebenkosten in Deutschland wären.

Die Aussagekraft dessen halte ich nur für sehr begrenzt tauglich. Andere Länder haben beispielsweise kein Rentenumlagesystem oder ein privates und somit wird dies nicht bei den Lohnkosten/Lohnnebenkosten berücksichtigt. Wenn keines existiert wird dieses ggfs. über die Verbrauchssteuern gespeist. Zudem ist die Frage wofür es verwendet wird. Wenn man im Vergleich die hohen Abgaben beweint ist die Frage was man denn betrauert. Der „internationale Wettbewerb“ ergibt keinen Sinn, denn für diesen sind nur die absoluten Kosten und damit auch die Lohnhöhen als solches interessant. Wenn ein Niedriglohn-Land Löhne von 3,50 Euro im Niedriglohn-Sektor hat ist es m.E. gleich ob sie 10% oder 40% Arbeitgeber-Lohnkosten tragen müssen – wir wären selbst mit 0% teurer. Es spielt – so eine mögliche Überlegung – eher eine Rolle für nationale oder individuelle Überlegungen.

Aber nun gut. Erst einmal die OECD-Grafik im Ursprung:

Da solche Grafiken also so oder so nur mäßig Aussagekräftig sind, jedoch breite Verwendung vor allem in der Presse und bei den demagogischen Spielchen mit den Lohnnebenkosten finden beteilige ich mich auch einmal dabei. Ich habe mir die letzte OECD Grafik (s.o.) für 2010 genommen und habe die prozentualen Werte um die Kaufkraft bereinigt. Womöglich nur eine Spielerei und eine nutzlose Grafik. Ich denke aber es könnte da die Abzüge bzw. auch Zuschläge wie bereits oben ausgeführt eher nationale oder individuelle Überlegungen wie Kaufkraft und Geldflüsse beinhaltet ganz interessant sein zu versuchen beispielsweise Verbrauchssteuern, Zölle oder andere Vorschriften welche Kosten verursachen (Verbraucher- und Arbeitsschutz, Arbeitszeiten, Mindestlöhne etc.) mit einzubeziehen welche sich u.a. in der Kaufkraft niederschlagen. Man hat nämlich Abzüge – jedoch sind andere Faktoren wie MwSt u.ä. dann für das was man mit einem verbleibenden Netto erwerben kann von Bedeutung.

Die Veränderungen sind augenfällig und erscheinen z.T. auch erklärbar. Deutschland wird von Österreich, Dänemark und Italien überholt, Norwegen und Schweden machen große Sprünge nach vorn. Auch im Falle Frankreichs machen sich die Verbraucherpreise bemerkbar (der Mindestlohn hat dort preisbereinigt auch nur einen Bruttowert von etwa 7 Euro). Wer sich etwas isoliert oder/und sich auf die Kaufkraft auswirkende Mindestlöhne oder Steuern eingeführt hat ist zu sehen. Dort wirken sich Abzüge auch stärker aus. Denjenigen dessen Kaufkraft nach Abzügen geschmälert ist den trifft auch jeder Prozentpunkt an Abzügen härter. Das ist die Aussage der Grafik – und demnach sehen wir das Deutschland gar nicht einmal übermäßig schlecht da steht und insgesamt einige mehr zueinander rücken. Am ineffizientesten erscheinen die Länder vor uns, insbesondere Frankreich und Belgien, zu wirtschaften. Das wundert mich nicht, ist doch deren System über Mindestlöhne und hohe Verbrauchssteuern sehr redundant und führt m.E. sowohl zu schlechter Wettbewerbssituation gegenüber dem Ausland als auch im Inland zu einer negativen Rückkoppelung für Lohnempfänger. Interessant ist auch Ungarn (nämlich in die andere Richtung).

Hier im übrigen noch die Kaufkraft lt. OECD im Vergleich zu Deutschland als Grafik:

Ich mahne daher (ceterum censeo….) eine Effizienzsteigerung im Steuer- und Abgabensystem an. Die Mehrwertsteuer eignet sich wie ich bereits angemerkt hatte nicht dafür. Möglich sind die dargestellte Lohnsummenausgleichssteuer oder auch eine andere Form der steuerfinanzierten Rente wie es auch in einem anderen Blogeintrag zur „Steuergerechtigkeit“ angeklungen ist. Ebenfalls ceterum censeo: Mindestlöhne aus dem Brutto errechnet haben nicht wirklich einen Sinn. Siehe Lohnsummenausgleichssteuer und diverse Blogbeiträge zur Herleitung u.a. zum Outsourcing.

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