Staatsquoten bis 2012 und Belastungen auf Löhne… wir sind Sozialisten für die Amerikaner

…zumindest für manche.

Ich lese ja gerne bei Zerohedge. Der Artikel auf welchen ich mich hier kurz beziehe lautet „Complaining About High Taxes? Don’t Tell France And Germany…“. Prinzipiell handelt er von einem Artikel beim Economist welcher wiederum über die gleichen OECD-Zahlen referiert welche ich bereits mit anderem Fokus (und auch Ergebnis) abgehandelt hatte.

Das was Zerohedge macht (und entsprechend kommentiert wird) ist ein liberaler Verriß der hohen Deutschen Steuern und Abgaben als Quasi-Sozialismus. Dem muss ich natürlich etwas entgegen halten. Auch wenn er am Ende einräumt das man noch andere Aspekte wie Krankenversicherung und Verbrauchssteuern betrachten müsse lässt er uns absichtlich nicht gut aussehen.

Gut. Halten wir einmal kurz drei Dinge im Vergleich zu den USA und m.E. auch im Vergleich zu anderen Ländern fest.

A) Unsere Staatsquote ist im Verhältnis nicht sonderlich hoch. Wenn wir es mit Mindestlohn-Ländern vergleichen ist sie niedriger. Ich hatte bereits mehrfach erklärt woran das u.a. liegt, nämlich an den sich im Zusammenhang mit dem Mindestlohn aufschaukelnden Transfergeldern sowie auch in der Krise mit der mangelhaften Lohnelastizität (und ggfs. länger und tiefer gehenden Arbeitslosigkeit). Was die USA angeht so sehen wir anhand der Zahlen des BMI das die USA gar nicht so viel weniger als wir an Staatsquote haben. Obwohl(!) die Steuer/Abgabenquote oder gar die Einkommensteuerbelastung wesentlich niedriger ist. Das liegt u.a. daran, das die Ausgaben gemessen werden welche wiederum nicht nur die Einnahmeseite wiederspiegelt sondern auch die Schuldenaufnahme und ein paar andere Dinge. Bei uns wird z.B. zur Staatsquote für die Statistik das Kindergeld hinzu gerechnet obwohl selbiges gar nicht durch den Staatshaushalt läuft. Die Grafik sieht man hier – bemerkenswert ist die Vorausschau bis 2012:

Wie man sehen kann haben wir eine Quote von rd. 47%, die USA 2010 eine von etwa 43%.

B) Die Kaufkraft ist wie ich in meinem Artikel zu den OECD-Erhebungen dargestellt habe auch ein erheblicher Faktor. Einkommensteuern zählen m.E. zu den „Quellensteuern“. Verbrauchssteuern hingegen sind indirekte Steuern und daher weniger zielgerichtet. M.E. entstehen dadurch erhebliche Redundanzen. Auch das hatte ich bereits im Blog einmal anhand der MwSt genauer beschrieben. Anhebungen der MwSt wirken damit ähnlich wie Mindestlöhne und erzeugen gerade bei Transfergeld-Empfängern für einen höheren Kompensationsbedarf und dafür insgesamt für höhere Steuern. Kombiniert man Mindestlöhne und hohe Mehrwertsteuern tritt dann m.E. zunehmend ein „worst case“ ein. Wie auch immer. Für die USA fällt der Punkt flach – die Parität liegt (auch in der Vergangenheit) bei etwa 1:1. Dafür gibt es

C) Ein sehr ineffizientes Gesundheitssystem und quasi keine erhebliche staatliche Rente. Das mit dem Gesundheitssystem sieht man schön anhand der Grafik von Ezra Klein (Washington Post). Wenn also der Deutsche Durchschnittsverdiener 31.000 US$ im Schnitt netto verdient… und der US-amerikanische auch, dann muss letzterer erst einmal seine Krankenkasse zahlen und für die Rente zurücklegen. Womit wir bei

D) wären. Dem Lohnniveau. Richtig ist das die amerikanischen Arbeitnehmer sehr viel weniger kosten. Vermutlich ist auch deshalb die Arbeitslosenquote in der Vergangenheit etwas niedriger ausgefallen. Aber – sie verdienen generell weniger und wenn wir eben das tatsächliche Gehalt nach Abzug der Krankenkasse etc. sehen verdienen sie im Schnitt eben wesentlich weniger.

Fazit: das mag dem „Kapitalismus pur“ zwar zuträglich sein. Leider ist im US-amerikanischen System die Lohnspreizung quasi mit drin im Paket, ebenso die teure private und ineffektive Krankenkasse. Außerdem ist die niedrige Steuer offensichtlich mit höheren Schulden und/oder anderen Steuern/Abgaben erkauft.

Fazit – ceterum censeo: Wir haben Optimierungspotential, könnten Steuer/Lasten noch weiter verbessern (siehe Blogeinträge davor zu Heckscher-Ohlin/Essensmarken und Lohnsummenausgleichssteuer). Die USA haben aber nicht nur das, sondern darüber hinaus auch noch eine soziale Wüste.

Dann doch lieber in Deutschland…😉

Comments
4 Responses to “Staatsquoten bis 2012 und Belastungen auf Löhne… wir sind Sozialisten für die Amerikaner”
  1. Incredibul sagt:

    Wie immer sehr fundiert. Danke dafür.

  2. Lama sagt:

    Sehr schön – wie immer.

    allerdings soll das am Ende eher „private“ heißen und Faziz sagt mir auch nix (letzte 2 Abschnitte)

    • aloa5 sagt:

      Danke des Lobes Incredibul und Danke für die Fehlersuche Martin (spart mir Zeit).🙂
      Hatte mich gestern so lange um den Rechner kümmern müssen das es für ein Korrekturlesen irgendwie nicht mehr gereicht hat – und ich wollte es abschicken.

      Freue mich immer über (auch inhaltlich) kritische Kommentare.

      Grüße
      ALOA

Trackbacks
Check out what others are saying...
  1. […] Sinnvoll jedenfalls auch nicht – denn es kommt nicht alleine auf die Quote an, wie bekannt sein dürfte oder wenigstens sollte. Es “ungefähr” auf heutigem Niveau einzufrieren – also […]



Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: