Der Glücksindex – gemessen wird: das bessere Leben… OECD und Bhutan

Die OECD misst es – ja wirklich. Präsentiert wurde er heute, der Glücksindex.

Die Absichten sind dabei ja immer hehr. Neu ist es auch nicht wirklich. Ich mag persönlich den HDI (human developemen index) auch. Ganz lustig ist in dieser Beziehung auch Bhutan, welches das Bruttonationalglück misst. Ich möchte aber auch anhand eines Beispieles einmal zeigen warum das nicht so ganz hinhaut mit der Umsetzung der guten Absichten.

Problematisch ist das „messen“. Beim BIP o.ä. ist alles monetarisiert, vergleichbar, für eine ganze Volkswirtschaft messbar. Da ist fast alles „drin“ (bzw. man weiß in etwa was). Bei „Glück“ ist man auf Befragungen angewiesen. Wir alle wissen wie schwierig es ist anhand von der Befragung von 2000 Personen zu einem einzigen Thema wie „wen würden Sie wählen“ eine Projektion für eine Bundestagswahl zu erstellen. Schon bei der Erstellung eines „political compass“ welcher die Einstellung der Menschen auf den Achsen links/rechts, liberal/autoritär o.ä. abbilden soll werden gesellschaftliche Unterschiede welche über „den großen Teich“ zu den USA hinüber bestehen deutlich und einheitliche Befragungen führen zu wenig aussagekräftigen Ergebnissen. Multipliziert man gesellschaftlich/moralische Unterschiede und Ansprüche mit statistischen Abweichungen hat man Ergebnisse welche schon als jew. Einzelpunkte nicht mehr vergleichbar sind. In der Summe wird das Ergebnis auch nicht besser.

Ich habe mir einmal Deutschland angesehen und mit den USA verglichen. Ein Punkt der mir sofort ins Auge gesprungen ist, ist „Health“, also die Gesundheit. Wir Deutsche haben einen Wert von 6,4 und befinden uns im hinteren Drittel. Im Mittleren Drittel bei einem Wert von 7,2 befindet sich die USA – vor uns.
Lebenserwartung: 80,2 (D) zu 77,9 Jahren (USA)
Ausgaben in % des GDP(BIP) : 10,5% zu 16% (siehe dazu auch die Grafik von Ezra Klein)
Die Amerikaner sind dicker, dafür rauchen wir Deutsche mehr. Mit entscheidend aber die Prozentzahl der Personen welche das eigene gesundheitliche Befinden als „gut oder sehr gut“ bezeichnet. Deutschland: 65%, USA: 88% !!

Am Ende referiert (bewertet) die OECD mehr oder minder das Masse an Geld auch in einem ineffizienten System ja irgendwie zu was gut sein muss. Am Ende führen die Befragungswerte zum persönlichen Wohlbefinden in einem Land in welchem 40mio US-Bürger (15% der Bevölkerung) überhaupt keine Krankenversicherung haben zu einem veritablen Vorsprung gegenüber den Deutschen. Die Amerikaner rauchen weniger, sterben früher, jeder sechste hat keine Versicherung… und sie sind glücklich damit. Oder – alternativ – die OECD hat vergessen Personen in Brooklyn zu befragen, was ich persönlich für wesentlich wahrscheinlicher halte. Es kann natürlich sein das ich mich täusche und die 15% ohne Krankenversicherung sowie die ggfs. gleichen 40 mio welche derzeit Essensmarken erhalten sind trotz allem viel Glücklicher als wir bekannten Mecker-Deutschen (dem ist tatsächlich so – die Deutsche Mentalität ist sagenumwoben).

Sieht man sich einmal das „gross national happiness“ von Bhutan an sieht man eine Rubrik „Psychological Wellbeing„. Besonders ulkig ist dabei der Faktor „Frequency of prayer recitation“. Die Frage lautet „Do you say/recite prayers?“…. jaja, je öfter desto glücklicher. Dito durch meditieren. Man kann sich also im Verhältnis zu anderen Ländern glücklicher „machen“ indem man öfter beten und meditieren lässt.

Aber zurück zur OECD. Ich halte die nackten Daten der OECD für wesentlich aussagekräftiger als deren Skala. Diese ist de facto eher wertlos und nicht aussagekräftig. Im übrigen ist das ganze ja nicht ganz weit weg. Eine praktische Anwendung des ganzen ist m.E. die EbM – die evidenz-basierte Medizin bzw. Anwendung von Medizin im gesamten. Sieht man auch anhand der Diskussion um die berühmten Blutzucker-Messstreifen. Sehr beliebt bei den Patienten und in der Summe/Masse auch nicht ganz billig – vom IQWIG abgelehnt weil sie keinen medizinischen Nutzen machen würden. Was ist nun mehr Lebensqualität oder „Glück“ und was nicht?

Das alles ist nicht wirklich einfach zu entscheiden. Mit einer Befragung auf Long Island kann man es jedenfalls weder erfassen noch gar mit anderen Ländern vergleichen. Im Gegensatz zu monetarisierten Erhebungen oder Prozentzahlen ist Glück etwas sehr individuelles, relatives, flüchtiges und schwer zu fassendes. Natürlich muss am Ende alles auf das Wohlbefinden ausgerichtet sein. Was Wohlbefinden jedoch ist und ob man es messen, gar vergleichen kann (und damit der Sinn des ganzen) ist überaus umstritten. elbst bei profanen Dingen wie einer Bearbeitungszeit von Anträgen an die Verwaltung (auch imho eine Messmethode in Bhutan) ist nicht eindeutig zu sagen das Geschwindigkeit das Glücksgefühlt verbessert. Gerade in „komm´ ich heute nicht, komm´ ich morgen“-Regionen scheint m.E. mehr Glück/Zufriedenheit herrschen zu können als andernortes wo alles korrekt(tm) und schnell abläuft. Alles eine Frage der Einstellung.

Vulgo: Werte messen und Statistiken dazu machen ist gut und schön und wichtig. Was die Aussagekraft von Vergleichen oder gar ein Zusammenfassen zu einem „Glückspool“ angeht sollte man sehr vorsichtig sein. Hände weg, denn am Ende entscheidet noch in einem viel höheren Maße als bei Arbeitslosenzahlen derjenige der die Kriterien und Messmethoden festlegt darüber wie „glücklich“ man „ist“.

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Comments
4 Responses to “Der Glücksindex – gemessen wird: das bessere Leben… OECD und Bhutan”
  1. Die Vorstellung, Glück sei individuell, subjektiv und schwer zu fassen, entspricht nicht dem aktuellen Stand der „Glücksforschung.“ Tatsächlich gibt es z.B. eine hohe Korrelation zwischen den eigenen Aussagen und den Aussagen von Freunden/ Familienmitgliedern zu Glück und Zufriedenheit. Desweiteren gibt es eine hohe Korrelation zwischen den eigenen Angaben zum Glück und der Aktivität bestimmter Hirnregionen. Glück ist vom Prinzip her genauso messbar wie meinetwegen die Körpergröße. Das schreib ich übrigens auch in meinem Artikel Der OECD-Weg zum Glück.

    • aloa5 sagt:

      Jein. Ich hätte jedoch vielleicht etwas präziser ausführen müssen.

      Man kann sicher zu einem Zeitpunkt X für eine Person individuell feststellen was ihn glücklich macht. Probleme bestehen sowohl bei einer objektivierung für „glücklich machendes“ als auch bei Verallgemeinerungen. Ob man für mich oder für Sie messen kann was und heute glücklich machen würde ist daher nur wenig aussagekräftig wenn es um allgemeine Aussagen geht.

      Ich möchte daher noch einmal einen Begriff in die Runde werfen: maslowsche Bedürfnispyramide:
      http://de.wikipedia.org/wiki/Maslowsche_Bedürfnispyramide

      Letztlich existieren auf jeder Ebene Bedürfnisse deren Befriedigung uns ein Zufriedenheits- oder Glücksgefühl bescheren. Trotzdem kann man hinterher wieder unglücklich sein – dann aus anderen Gründen. Und ob man mit südamerikanischem „komme ich heute nicht, komme ich morgen“ glücklich werden kann oder eher mit deutscher Ordentlichkeit ist nicht nur für jeden individuell unterschiedlich sondern auch je nach sozialem Kontext veränderlich bzw. teilw. „erlernbar“.

  2. Ok, da stimme ich zu. Glück ist nur begrenzt politisch beeinflussbar. Das schließt aber nicht aus, dass zumindest die Möglichkeiten, die die Poltiik hat, auch genutzt werden sollten.

    • aloa5 sagt:

      Das muss die Politik machen. Nur – ein Index sollte nicht den Anschein erwecken allgemeingültig zu sein. Selbst mit Empfehlungen welche über Kulturkreise hinweg getätigt werden muss man aufpassen. Daher sehe ich die Intention der OECD hier sehr kritisch.

      Grüße
      ALOA

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