Von nichts kommt nichts

Ich hatte bereits letztes Jahr einmal einen ganz kurzen Einwurf dazu geschrieben. Nun noch einmal grafisch aufbereitet das Dilemma der USA im Verhältnis zu anderen Staaten – und unseren Vorteil. Man könnte es als Deindustrialisierung in den Staaten bezeichnen während andere sich besser behauptet haben.

Hier die Zahlen der ILO zur Anzahl der bezahlten Beschäftigten im Bereich Manufacturing, also des produzierenden Gewerbes:

Man kann es auch prozentual ausdrücken.
Beschäftigte
* USA -27% (trotz gleichzeitigem anwachsen der Bevölkerung)
* Deutschland -6%
* Frankreich -6%
* Großbritannien -13%

Die Briten schneiden also auch nicht so gut ab. Wobei deren Tiefpunk das Jahr 2005 dargestellt hat. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sie ebenfalls nicht weniger als ein Viertel ihrer Angestellten in der Produktion eingebüßt. Bei den Briten könnte das mit am 1999 eingeführten Mindestlohn gelegen haben, während sich die Insel dann 2004/2005 bereits vor uns der Zuwanderung aus Osteuropa geöffnet hat. Die USA hingegen haben sich zu sehr auf Importe und das produzieren im Ausland verlassen während sie im Inland auf die falschen Pferde gesetzt (spekuliert) haben. In diesem Fall ist BIP eben nicht gleich BIP.

Für Deutschland haben sich die Anstrengungen den status quo an Produktion zu halten ausgezahlt, ebenso m.E. für Frankreich. Das erbringt eine gewisse Krisenresistenz.

Im übrigen auch ganz interessant sich die Reihe Spaniens anzusehen:
2045.2 2070.3 3 2197.4 2360.6 2460.0 2577.9 2661.9(2001) 2687.7 2680.4 2708.8 2719.6 3 2716.1 2711.8 2682.6

Im Jahr 2000/2001, also vor dem Euro, wurde bereits die Marke von 2600 erreicht welche sich bis 2008 nicht wesentlich verändert hat. Der zwischenzeitliche „Boom“ ist an der Produktion vorüber gegangen. Auch ein Indiz dafür wie wichtig am Ende auch heute noch ist, das man eine solide und ausgewogene Basis im Wachstum für eine Volkswirtschaft benötigt um eine Krisenresistenz zu schaffen. So lange man noch etwas herstellt kann man über die Produktion und Produktionskosten etwas reißen. Verlässt man sich auf Importe, Handel und Dienstleistungen, ist man den weltweiten Strömungen und Problemen viel stärker ausgesetzt ohne selbst wirklich aktiv handlungsfähig zu sein. Das lähmt aktuell die Konjunktur in den USA und auch deshalb sprechen alle Ökonomen in den Staaten darüber das wieder mehr im Land selbst produziert werden muss. Nur dieser Weg ist steinig. Man hat viel schneller etwas abgebaut als aufgebaut. Staatlich abgegebene Erklärungen sind dafür nicht ausreichend. Handelsdefizite lassen sich nur langsam ausgleichen, Maschinenparkts nur nach und nach aufbauen. Das Beispiel der Briten zeigt jedoch das es grundsätzlich möglich ist.

Insofern können wir Deutsche abseits allen jammerns ganz zufrieden sein das wir uns trotz der Konkurrenz aus Billiglohn-Ländern auf hohem Niveau noch ganz gut behauptet haben. Es gibt jedoch noch viel Potential und brachliegende Kapazitäten und Änderungsbedarf. Aber das muss ich den Bloglesern ja nicht weiter nahe legen.

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Comments
One Response to “Von nichts kommt nichts”
  1. andena17 sagt:

    Guter Artikel. Dieser Satz „In diesem Fall ist BIP eben nicht gleich BIP.“ gefällt mir besonders gut, weist er doch auf ein Dilemma der BIP-Berechnung hin. Denn anders als das sogar Gabler in seinem Wirtschaftslexikon als Definition beschreibt, misst das BIP nicht tatsächlich die wirtschaftliche Leistung sondern nur die Summe der Ausgaben für Waren und Dienstleistungen. Und das vollkommen unabhängig davon, ob die Ausgabe sinnvoll oder nachhaltig war oder der bezahlte Preis seinem „volkswirtschaftlichen“ Wert angemessen ist.

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