Was das eigentliche Problem Deutschlands mit dem Euro darstellt – die Verteilungspolitik

Stellen Sie sich Ihre Familie vor. Sie Arbeiten und verdienen gut, Ihr Lebenspartner ist gerade eben arbeitslos geworden und erhält ALGI. Sie haben zwei Kinder, einer erhält Bafög und das zweite Kind ist noch in der Schule, Sie erhalten Kindergeld. Ihre Eltern erhalten umnlagefinanzierte, also „normale“ Rente.

Die Wirtschaft läuft gut, sie boomt. Im Vergleich zum Ausland wird die DM deshalb aufgewertet(1). Als Folge werden Importprodukte billiger. Auch alle im Inland gefertigten Produkte welche mit Hilfe von Importen erzeugt werden oder teilweise daraus bestehen (was praktisch bei allen der Fall ist) lassen im Preis nach. Nur so etwas wie Arzt- oder andere lokale Dienstleistleistungen werden nicht wirklich billiger. Am Ende profitieren so alle(!) bis hin zum Kind (über die gestiegene Kaufkraft des Kindergeldes) etwas vom Boom. Die Währung wird also zum Verteilungsfaktor. U.a. die am ggfs. stattfindenden Boom des Exportsektors beteiligten werden etwas durch die Aufwertungen gezügelt, denn die Produkte welche ins Ausland veräußert werden, sind etwas teurer geworden. Dafür floriert der Import und der Konsum – was zum Teil auch den Export beflügelt (nominal, nicht in Relation).

Nun finden drei Dinge statt – nacheinander und/oder parallel.

A) Boom fällt weg (davon hatte Ludwig Erhard profitiert) – Damit fallen Währungsaufwertungen ggfs. schwächer oder ganz aus…. der Verteilungseffekt aus der Währung (und m.E. aus im Verhältnis zu anderen hohen BIP-Steigerungen heraus) entfällt

B) der Euro wird eingeführt; Wirkung siehe A) (es sei denn die anderen beteiligten Ländern haben ähnliche Strukturen – im Euro-Raum nicht der Fall)

C) Es treten erst südeuropäische Länder als Billiglohn-Ländern hinzu, dann ein Teil Asiens (Taiwan/Honkong) später dann Osteuropa und China. Es kommt daraufhin zu einer Ausdifferenzierung. Arbeitsintensive Arbeiten werden verlagert – speziellere, kapitalintensivere Arbeiten bleiben hier. Kapitalintensiver bedeutet: mehr Maschinen notwendig, mehr Bildung notwendig, bessere Infrastruktur ; Summa summarum am Ende mehr Wertschöpfung/BIP pro Arbeitseinheit. Wenn die Aufsplittung in gering und höher qualifizierte gegriffen hat steigen die Löhne der höher qualifizierten und die der gering qualifizierten fallen oder bleiben gleich. Dies, weil durch das Outsourcing etlicher Arbeitsplätze nun mehrere Arbeitnehmer sich um einen Arbeitsplatz bewerben. Gleichzeitig steigt also die Arbeitslosigkeit um unteren Lohnsektor…. der Bedarf an Umlage über die Sozialversicherungssysteme steigt. Das ist m.E. der von mir beschriebene Heckscher-Ohlin Effekt. Der „Skill-Biased Technological Change/SBTC“ wie von den Ökonomen der Ökonomenstimme mitverantwortlich gemacht kann hinzu treten ist aber imho kein übermäßig relevanter Faktor. Selbiger ist eine Interpretation und besteht hauptsächlich aus dem Heckscher-Ohlin-Effekt des Outsourcing.

Die Verteilung des „Einkommens“ innerhalb der Volkswirtschaft ist bisher über folgende Wege verlaufen:

– Löhne (was jedoch m.E. Vollbeschäftigungsbedingt ist)
– Sozialversicherungsabgaben (KV/RV etc.)/Steuern
– Währungsaufwertung (welche m.E. Konjunkturbedingt ist; m.E. werden hierüber Zugewinne, „Erfolge“ verteilt oder auch Misserfolge anderer)

Von diesen drei Punkten fallen zwei teilweise oder ganz weg. Es bleiben die Sozialversicherungsabgaben und Steuern übrig.

Somit verbleibt die Frage ob der Umfang dieser Größe, die Einstellung der Werte ausreichend ist um eine Verteilung zu gewährleisten. Innerhalb einer in sich ruhenden Volkswirtschaft wäre dem vielleicht auch so. Bei uns in Deutschland ist es jedenfalls nicht der Fall.

Für Ihre Familie hat dies praktische Auswirkungen. Ihr(tm) Gehalt als (angenommen) hoch qualifizierter steigt. Ihr arbeitsloser Lebenspartner ist weniger qualifiziert und bleibt arbeitslos. Sowohl bei seinem ALG als auch beim Kindergeld, beim BaföG sowie bei den Renten Ihrer Eltern sinkt die Kaufkraft oder bleibt bestenfalls gerade so erhalten. Dabei steigen die Umlagen in die Sozialversicherung anteilig wie ich bereits anhand D/GB erläutert hatte.

Sie sind genervt wegen der hohen Steuerlast. Ihr Lebenspartner ist genervt weil ihm die ARGE zusetzt – und es gibt keine Jobs. Sie Beide sind genervt weil von einem sog. „Demographieproblem“ gesprochen wird welche über eine Renteneintrittsverlagerung nach hinten doch nur eine Rentenkürzung darstellt.

Das ist die Situation in Deutschland im Jahre 2011 ff.. Wir leben nicht mehr zu Zeiten Erhards!

Lösungsansätze gibt es. Und wie könnte man sagen – es ist nicht alles so einfach. Auch nicht mit dem Euro. Das eigentliche Problem welches wir mit dem Euro und andere mit uns haben ist das wir die Verteilung schädigen und damit in der Breite nicht mehr so viel konsumieren, weder im In- noch vom Ausland. Ein Resultat des ganzen ist nämlich u.a. ein Exportüberschuß…. und die Exportindustrie wird daher zur heiligen Kuh, was dazu führt das man die verbleibenden Verteilungsmechanismen wie die Sozialversicherungszweige abbaut um konkurrenzfähig zu bleiben… Die kumulative Wirkung ist verheerend.

(1) Das sind natürlich alles stark verkürzte Aussagen.

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One Response to “Was das eigentliche Problem Deutschlands mit dem Euro darstellt – die Verteilungspolitik”
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  1. […] mit der inliegenden Verteilungsfunktion (Kaufkraftgewinn für alle) schon einmal ausführlicher beschrieben. HartzIV mag/hat sicher auch einen Anteil daran gehabt das Löhne Brutto(!) nicht sonderlich […]



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