Die Sinn-Krise(sic!) der Ökonomie der Ökonomen

Was wurde in den letzten Tagen und Wochen über Hans Werner Sinn (abgekürzt: HWS) geschrieben. Das Ding mit den Iren, den Krediten und den Traktoren hat über FTD, dem „Herdentrieb“ bei der ZEIT bis zu weissgarnix überall jemanden bewegt etwas darüber zu schreiben. Da bekam man ja schon fast Mitleid mit HWS. Eine ganz gute Übersicht der ganzen Debatte liefert im übrigen Olaf Storbeck in seinem Blog beim Handelsblatt.

Es ist für nicht-Ökonomen sicher unverständlich wovon das ganze handelt. Also kurz Futter bei die Fische. Das Resumee ist das HWS offenbar davon ausgeht das Kreditvolumen irgendwie begrenzt wären und ein Irischer Bauer Kredite erhält, hinterher den Kredit und einen Traktor dafür hat, aber nicht nur gleichzeitig sondern auch dadurch verursacht irgend jemand in Deutschland keinen Kredit erhalten würde. Der Ire würde also Investitionen in Deutschland verhindern.
Das fanden etliche Econ-Blogger und Zeitungsschreiber nicht so gut, da falsch und/oder unlogisch. Kredite seien nicht begrenzt, weshalb der Ire auch niemandem in Deutschland einen Kredit habe wegnehmen können.
Na ja. Ich habe das ganze nur mit halbem Auge verfolgt. Und es sei mir die Bemerkung gestattet… das ganze ist ja nun nicht neu. Ich hatte bereits vor einem Jahr auf einen öffentlichen Aufruf durch HWS und andere hingewiesen. Wobei die Herleitung durch HWS und im übrigen auch Wolfgang Franz (das ist der oberste Wirtschaftsweise!!) sich dort leicht anders liest. Entweder hat er seine Meinung geändert (bzw. nun noch etwas anderes gesagt) oder alle oben genannten Kommentatoren kennen den Aufruf vom letzten Jahr nicht und haben ggfs. etwas am Thema vorbei geschrieben. Ist aber nicht weiter wichtig (wollte es nur als Möglichkeit erwähnt haben).

Das Thema hier soll den Bogen noch etwas weiter spannen. Ich hatte bereits letztes Jahr auf den Hamburger Appell hingewiesen den mehr als 200 Lehrstuhl-Ökonomen an Deutschen Universitäten unterschrieben haben (u.a. auch HWS). Der folgende Abschnitt wird von mir seit Jahren bemängelt (der Text stammt aus 2005). Dort steht:

selbst Ersparnisse finanzieren stets die Nachfrage eines Kreditnehmers. Ein Eingriff zugunsten einer bestimmten Form von Nachfrage hat daher in erster Linie Umschichtungen zwischen Konsum, Investitionen und Staatsnachfrage zur Folge. Dies stört die Struktur der Gesamtnachfrage, führt aber kaum zu ihrer Erhöhung.

Das ist doch viel spannender als eine Äußerung alleine von HWS. Es hängt jedoch miteinander zusammen, bildet ein Denkmuster.
Eine Aussage des obigen ist nämlich m.E. ebenfalls die: Kredite sind begrenzt!

Wenn man jemandem erspartes wegbesteuern und beispielsweise als Kindergeld (=priv. Konsum) auszahlen würde (so der Text), dann würde das eine Umschichtung weg von (potentiell) einer Invesition, hin zum Konsum bedeuten. Entweder/oder also, „kaum“ Steigerung möglich. Es ist also „kaum“ (gemeint ist: gar nicht) möglich das man Konsum anregt und trotzdem Kredite ausgibt. Eben umgeschichtet.

Und nun zurück zum letzten Jahr – Wolfgang Franz und HWS gemeinsam:

Die Ersparnisse wurden auf dem Wege über die Banken überwiegend exportiert, nur noch sehr wenig Geld wurde im Inland investiert. Die Binnenkonjunktur erlahmte, Löhne und Preise stiegen nur noch langsam. Dadurch wurde die preisliche Wettbewerbsfähigkeit des Landes verbessert, und ein großer Außenhandelsüberschuss entstand…..Den Außenhandelsüberschuss und den damit verbundenen Verlust an Investitionskapital ……

Wir haben also durch den Außenhandelsüberschuss Investitionskapital verloren erklären zwei der prominentesten Ökonomen Deutschlands.

Es lebe Robinson:

Für jedes Investitionsgut muss zunächst auf Konsum verzichtet werden. Aus verzichtetem Konsum entstehen Ersparnisse. Haben diese eine entsprechende Höhe erreicht, können sie für das gewünschte Gut investiert werden. Die Theorie wird als Robinsonökonomie bezeichnet. Der Begriff wurde von Robinson Crusoe abgeleitet, der zunächst auf Fischfang verzichten musste, um ein Netz für diesen herstellen zu können. Genau die Zeit, die er beim Fischfang sparte, investierte er in der Herstellung des Netzes.

Richtig ist: Es ist für Investitionen in Deutschland m.E. furchtbar egal wie Kapitalsalden oder Außenhandelsüberschüsse aussehen. Wir haben FIAT-Money, Geldschöpfung, Kreditwirtschaft (begrenzt noch am ehesten durch die Mindestreserve, EK-Regeln und am Ende Solvenz der Kreditnehmer). Jemand der beispielsweise eine tolle Idee hat oder ein großes lukratives Projekt starten möchte, dem wird auch in Deutschland das Geld dafür gereicht… so er solvent ist und/oder Sicherheiten hat. Ursache und Wirkung sind bei obigen Aussagen etwas durcheinander geraten. Weil es im Inland keine lukrativen Anlage- und Investitionsmöglichkeiten gibt und weil man (gerade solche Personen) immer auf Exporterfolge/-wirtschaft schielt gibt es den Handelsüberschuß. …. und nicht etwa umgekehrt. Es wird der Eindruck erweckt als ob irgend jemand im Ausland daran Schuld wäre das dort (z.B. in China, USA oder Spanien) lukrativere Investitionsmöglichkeiten gewunken haben.

Das bemerkenswerte dabei ist jedoch das eine Schlussfolgerung von HWS/Franz die Schuldenbremse für Staaten ist, weil nämlich die spekulierenden Mäkte versagt hätten müsse der Staat die Märkte daran hindern defekt zu sein und nicht so zu funktionieren wie es manche sich wünschen. Nur das subprime kein Staat war…. tja. So etwas dummes aber auch…..

Womöglich Zeit die eigenen Ansichten etwas zu überarbeiten möchte man da so manchem sagen. Womöglich bieten eben auch „Umschichtungen“ und andere Rahmensetzungen als diejenigen welche auf den Export abziehlen bessere Optionen als One-Way-Export-Angebotspolitik…

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One Response to “Die Sinn-Krise(sic!) der Ökonomie der Ökonomen”
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  1. […] Auch ich möchte dazu noch zwei Zeilen loswerden. Die Argumentation des Institutes, von HW Sinn und Werner Franz etc. wackelt nämlich so oder so inhaltlich. Ich hatte in meinem Blogbeitrag dazu ja bereits auf den offenen Brief von HWS zusammen mit Wolfgang Franz und anderen hingewiesen. […]



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