beggar-my-neighbor …. machen wir andere Länder arm?

Ich beziehe mich auf einen Blogartikel bei Kantoos welcher sich um ein Papier Gedanken macht wo es um die Exporterfolge der Deutschen geht. Das ist m.E. eines meiner Hauptthemenfelder und ich müsste bei einer Antwort dort wohl fast jeden zweiten Beitrag hier verlinken. 😉

employment in the export industries and in a growing low-wage sector increased, and registered unemployment began to decline after 2005.

Tja. Wenn man eben nicht richtig hinsieht….

Richtig ist:
– Die Anzahl der gesamtwirtschaftlich geleisteten Arbeitsstunden ist lt. Zahlen des BMAS praktisch unverändert.
– Der Exportsektor boomt.
– gerade die Beschäftigung im Niedriglohn-Sektor ist bescheiden
– Der Euro führt de facto zu einer aunsteigenden, kumulativen Dauersubventionierung des Exportsektors und damit innerhalb des bestehenden Steuer- und Abgabensystems zwingend zu anwachsenden Handelsüberschüssen. Es sei denn man treibt es so weit das der Exportsektor am Ende Marktäumung auf dem Arbeitsmarkt bewirkt, wobei dies im Niedriglohnsektor nicht zu schaffen sein dürfte (außer natürlich mit der üblen liberalen Kombilohn-Variante als Versuch…).

Wenn wir von Korrelation und Kausalitäten sprechen wäre wenn, dann der Zusammenhang zwischen Exportektor, Dauersubventionuerung und Arbeitslosigkeit im Niedriglohnsektor zu betrachten. Und damit kommen wir zum „Heckscher-Ohlin-Problem“ und einem gewissen China-Effekt.

Wir sind was High-Tech angeht neben Japan der Weltausrüster und treiben über Euro- und sonstige Exportsubventionierungen andere Länder welche der gleichen (Heckscher-Ohlin-)Problematik unterliegen in schwerwiegende Probleme. Was Low-Tech angeht sind wir verstärkt Importeure. Während wir also Hochqualifizierte Menschen und viel Kapital, Bildung, Forschung, Infrastruktur für das produzieren von High-Tech-Produkte benötigen und dabei Euro-subventioniert erfolgreich sind haben wir low-tech Arbeitslose. Die Stundenzahlen sind insgesamt gleich geblieben. Die Abnahme von Arbeitslosigkeit ist Schummeleien und Beschönigungen der Statistik sowie einer bemerkenswerten Entwicklung der Teilzeitbeschäftigung geschuldet.

Nur um das auszuführen: Teilzeitbeschäftigung ist nichts schlechtes. In der Schweiz liegt die Rate im übrigen bei 25,4%. Probleme bei der Teilzeitbeschäftigung bestehen in der Höhe der Entlohnung und der unfreiwilligen(!) Teilzeitbeschäftigung. Und hier ist es deshalb bemerkenswert weil es sich senkend auf die Arbeitslosenstatistik (und in Kombination anhebend auf die Anzahl der Aufstocker) auswirkt.

Der Arbeitsmarkt ist geteilt. Vollbeschäftigung und aufgrund knapper Arbeitkräfte ansteigende Löhne im oberen Lohnsektor. Unterbeschäftigung und aufgrund großen Arbeitskräfteangebotes stagnierende und sinkende Löhne im untern Lohnsektor.

Wie ich u.a. im Falle Spaniens schon anmerkte stecken andere europäische Staaten aber auch andere wie die USA in einem Dilemma. Auf der einen Seite (low-tech; Billigarbeiten) können sie nicht mit China mithalten, auf der anderen nicht mit unserem subventionierten Exportsektor. Und – in addition – sorgt unser nicht auf diese Verhältnisse vorbereitetes Verteilungssystem (Steuern- und Abgaben sowie Lohnpolitik) dafür das wir nicht so viel im Ausland einkaufen wie wir könnten.

Das „das Ausland“(tm) dabei selbst nicht besser ist und z.B. wie im Falle Frankreichs Mindestlöhne eingeführt hat welche dazu führen das diese selbst praktisch nichts anderes als den Exportsektor und einen kleinen nicht veragerbaren Binnenmarkt (Vulgo: „Friseure“) bedienen können wirkt noch verstärkend auf das ganze.

Das tragische aber auch komische daran ist folgendes: würden wir es als einzige(tm) hinbekommen (über die von mir beispielhaft formulierten Reformen) auch niedrig qualifizierte in Arbeit zu bringen ohne dem Exportsektor wirklich zu schaden, dann würde es den Effekt womöglich sogar noch weiter verstärken, wenn auch auf einem höheren Niveau. Wir würden mehr importieren/konsumieren, aber auch mehr herstellen. Es gäbe einen allgemeinen Boom. Hinterher jedoch würden wir wieder „die Nachbarn ausnehmen“. Das geht so lange bis diese ebenfalls verstanden haben worin die Problematik besteht…. oder wir beginnen massiv umzuverteilen und uns es auf teufel komm heraus gute gehen lassen. Letzteres halte ich jedoch für keine gute Empfehlung, denn China wird irgendwann auf Augenhöhe bei den gut entwickelten Industriestaaten ankommen, und dann zählt evtl. Effizienz und eine gut organisierte Selbstversorger-Mentalität mehr als ein reiner Export- oder Import-Fetischismus. Der Gong könnte größer ausfallen als man es sich heute ausmalt. Noch schwingt das Pendel in die eine Richtung – und schon das hat uns aus der Bahn geworfen. Die Gegenbewegung könnte schlimmer werden…..

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One Response to “beggar-my-neighbor …. machen wir andere Länder arm?”
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  1. […] das alles so zu sein habe um gut zu bleiben oder besser zu werden nicht eingehalten habt. Der Verzicht und das achten auf Bananenkrümmung und die Obstversorgung der Kinder hat nicht geholfen. Auch Euer […]



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