Eine Lanze für den Lohnkostenausgleich im Niedriglohn-Sektor

Nachdem ich in den letzten Beiträgen immer wieder von den Ursachen der Arbeitslosigkeit gesprochen habe möchte ich nun über eine potentielle Lösungsmöglichkeit für uns in Deutschland und ggfs. auch für andere Industriestaaten sprechen. Genannt hatte ich schon des öfteren die Lohnsummenausgleichssteuer. Diese behebt noch andere Dinge, verteilt Kaufkraft, verbessert und berücksichtigt sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite.

Ich möchte hier aber das „Basismodell“ vorstellen, die negative Lohnkostensteuer. Sie orientiert sich ausschließlich an der Angebotsseite. Sie ist nicht zu verwechseln mit einer Lohnsteuer, Einkommenssteuer oder gar einer negativen Einkommensteuer. Sie hat m.E. in dem Sinne überhaupt keine Berührungspunkte mit Arbeitnehmern.

Es ist eine reine Firmen- bzw. Arbeitgebersteuer.

Wir hatten das mit dem zweigeteilten Arbeitsmarkt, dem „Heckscher-Ohlin-Problem“ in den vorherigen Blogartikeln. Noch einmal kurz für die erfreulicher Weise zahlreichen neuen Blogleser (seit dem Artikel in der SZ und auch über Olaf Storbecks Nennung gegenüber Salmon v. Reuters) rekapituliert: wir geben Arbeitskräfte im Low-Tech-Sektor ins Ausland ab, halten bei uns hochqualifizierte Arbeitsstellen welche mit viel Kapital sehr produktiv arbeiten. Die höher Qualifizierten erhalten immer mehr Geld da der Markt für diese Arbeitskräfte „geräumt“ ist. Man spricht dort sogar von einem „Mangel“, ist aber eine Räumung (eine Markträumung „Mangel“ zu nennen macht wenig Sinn). Im Gegensatz dazu besteht im unteren Lohnsektor der gering qualifizierten ein Überschuß an Arbeitskräften, weswegen deren Löhne stagnieren. Das hatte auch das MIT festgestellt was im Beitrag zu den „Essensmarken“ durchgesprochen wird. Als zusätzliches Problem tauchte der Euro auf dessen Existenz die grundsätzliche Kaufkraft-Zunahmen von Transferleistungen (wie Renten, ALG) und der niedrigen Löhne wenigstens über DM-Aufwertung hatte stattfinden lassen.

Einkommensspreizungen und Arbeitslosigkeit waren die Folge dieser globalen Arbeitsteilung und des Umverteilungs-Defizits.

Das direkt Verteilungsdefizit auf der Seite der Nachfrager bleibt der Kombilösung Lohnsummenausgleichssteuer vorbehalten. Daher nun zum beheben des anderen Teiles, dem auf der Angebotsseite. Dieses besteht auf der Seite der Arbeits- bzw. Arbeitsangebotskosten. Liberale wünschen das i.d.R. entweder über Kombilöhne oder über Sozialstaatsabbau zu beheben. Das Ziel dabei ist jeweils die Kosten für den Arbeitgeber zu senken.

Kombilöhne senken den Lohn selbst, da der Staat einen Teil an Arbeitnehmer bezahlt. Dabei werden in der Regel die geringsten Löhne aufgestockt. Probleme an einem derartigen Kombilohn sind u.a. das allgemeine fallen des Lohnniveaus, negative Auswirkungen auf die Sozialversicherungszweige und das fehlen eines Regelkreislaufes. Was auch negativ zu bemerken ist, ist die Finanzierungsseite. Das gehört mit in die Kategorie des Regelkreislaufes und auch der Effizienz. Kombilöhne kosten unheimlich viel Geld. Die Quellen dafür sind unspezifisch und mit Nebeneffekten wie z.B. Kaufkraftverlust oder/und Verschuldung des Staates gespickt. Was den Regelkreislauf angeht werden wir später bei der neg. Lohnkostensteuer sehen wie so etwas aussehen kann.

Hinter dem Sozialstaatsabbau versteckt sich in ein zurückfahren der Aufgaben und Lasten der paritätischen Sozialversicherungszweige. Das sind dann Zuzahlungen zur Krankenkasse, streichen von Leistungen, senken des Arbeitslosengeldes (Höhe, Dauer) oder auch Dinge wie eine „Rente ab 69“ welche bei hoher Arbeitslosigkeit letztlich nur einem einzigen Zweck dient, dem senken des Auszahlungsniveaus. Die Liste lässt sich beliebig erweitern, jeder kann Beispiele dafür nennen. Als Variante dessen finden auf der Umfinanzierungsseite Dinge wie die MwSt und die Ökosteuer welche wie bei den Kombilöhnen bereits erwähnt Kaufkraftverluste nach sich ziehen. Als Resultat sorgt ein zurückfahren der Umlagen und der Kaufkraft ein weiterer Mangel an Nachfrage und Arbeitsplätzen.

Ziele einer sinnvolleren Gestaltung sind:

– Regelkreislauf bilden (Finanzierungs- wie Ausgabenseite)

– keine Mitnahmeeffekte welche ein absinken des allgemeinen Lohnniveaus nach sich ziehen

– keine Kaufkraftverluste

– ein gezieltes(!) absenken der Lohnkosten in einem erwünschten Bereich, nämlich exakt dort wo aktuell freie Arbeitskräfte auf dem Arbeitsmarkt vorhanden sind

– und als letzten Punkt noch eine Korrektur der heutigen Progression der Arbeitgeber-Kosten. Jenseits der Beitragsbemessungsgrenzen bedeutet ein Euro mehr Lohn eben nur diesen einen Euro mehr Kosten, nicht jedoch 1,20 Euro +x.

Die Lohn-Entwicklung (AG-Brutto zu Netto) inkl. der Steuern und Abgaben der Arbeitgeber sieht heutzutage so aus:

Die Lohnnebenkosten (sprich die Arbeitgeber-Anteile der SV) selbst stellen sich so dar:

Wie man sieht fallen mit den Beitragsbemessungsgrenzen bei steigenden Löhnen die absolut abzuführenden Steuern und Abgaben nach und nach. Man könnte polemisch/bildlich auch sagen das es sich aktuell lohnt einen Manager für 10.000 Euro einzustellen wenn dafür 2 Arbeitnehmer mit 5.000 Euro oder drei mit jew. 3.300 Euro Bruttolohn eingespart werden können.

Mein Vorschlag ist die negative Lohnkostensteuer. Diese wird vom Arbeitgeber gezahlt und zwar auf jeden Lohn. Das geht ähnlich wie bei den Arbeitgeberseitigen Sozialabgaben. Die Höhe der Steuer wird individuell für jeden Bruttolohn festgelegt, besitzt eine Progression und diese hat einen V-förmigen Verlauf.

Es gibt einen Bereich welcher profitiert. Die Arbeitgeber welche solch einen Arbeitsplatz anbieten wo die Steuer negativ ist erhalten Geld aus einem Topf. Der Topf wird innerhalb der Gruppe der Arbeitgeber gefüllt. Bei ausgeglichenen Lohnzusammensetzungen kann es dabei regelmäßig dazu führen das der Saldo sich in etwa ausgleicht. Je mehr die Lohnspreizung zunimmt, desto mehr Geld befindet sich im Topf – je mehr sich im Bereich der „Nehmer“ befinden, desto niedriger ist die Kompensation. Die dargestellte Kurve ist eine Vereinfachung und nicht errechnet. Den genauen Verlauf müsste man eruieren und jährlich anpassen, so das Einnahmen und Ausgaben sich die Waage halten. Sinniger Weise sollte sich der „0-Punkt“ vermutlich in der Nähe des Durchschnittslohnes befinden.

Hinterher stellen sich die Arbeitgeber-Kosten so dar, das die Progression weiter läuft:

Das ganze sieht auf dieser Grafik relativ dramatisch aus. In der Praxis ist es weitaus weniger problematisch als es scheint, da die Lohnnebenkosten eben nur einen Teil der Lohnkosten darstellen und sich bei durchmischten Löhnen (auch bei Zulieferern und Dienstleistern) das ganze etwas nivelliert. Das Ziel ist m.E. damit jedoch erreicht. Es wirkt analog eines Kombilohnes um Beschäftigung anzuregen. Nur eben nicht auf der Seite der Arbeitnehmer und damit ohne die zugehörigen Probleme und auch Bürokratie. Der Anreiz, nämlich höhere oder erstmals positive Margen für Arbeitgeber in einem gezielt ausgesuchten Lohnbereich, ist erreicht. Der Regelkreislauf innerhalb der Gruppe der Beschäftigten ist gegeben und orientiert sich an der Lohnspreizung. Boomt ein Sektor, dann führt dies automatisch zu Anpassungen, wobei die Anpassungen m.E. ausschließlich über den Auszahlungsbereich zu erfolgen haben.

Das Ergebnis ist nicht ein echter Niedriglohnsektor sondern ein ganzer Korridor.

Wie gesagt ist dies das Basismodell. Die Erweiterung und imho das bessere Modell ist die Lohnsummenausgleichssteuer welche die Steuereinnahmen nicht an die Arbeitgeber ausschüttet sondern in die Rentenkasse einspielt. Das sorgt bei Spreizung für eine Koppelung nicht nur an einen gewünschten Arbeitsplatz-Kreis sondern auch zu einer Kaufkrafterhöhung bei den SV-pflichtig beschäftigten. Das geht imho auch ganz nach dem Inhalt „Essensmarken sind Handelspolitik“, nur das hier nicht mit Armut Lohnpolitik gemacht wird sondern ein Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage innerhalb der auskömmlichen Löhne gesucht wird. Hier geht es u.a. um den Friseur und umdie Möglichkeit auch mit dem Beruf eines Friseurs einen Anteil an Wertschöpfungszuwächsen zu erhalten.

Diese Steuer kann einen Mindestlohn, einen Kombilohn und auch Maximallöhne ersetzen. Sie sorgt für eine in sich stimmige Lohnspreizung innerhalb einer Volkswirtschaft.

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2 Responses to “Eine Lanze für den Lohnkostenausgleich im Niedriglohn-Sektor”
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  1. […] aloa5 in seinem Blog “libri logicorum” ist die Sache klar: Waren, die mit vielen wenig qualifizierten Arbeitskräften hergestellt […]

  2. […] eher skeptisch. Aloa vom Blog „libri logicorum“ macht nun einen anderen Vorschlag: die negative Lohnkostensteuer. Diese Steuer soll eine Unternehmenssteuer sein wie z. B. auch die Gewerbesteuer. […]



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