Investitionen in Deutschland und die PIGS-Staaten – ein Ifo-Wunderland? (inkl. Update 15.6.)

Olaf Storbeck wurde nun vom Ifo-Institut gewissermaßen „persönlich“ kritisiert.

Auch ich möchte dazu noch zwei Zeilen loswerden.
Die Argumentation des Institutes, von HW Sinn und Werner Franz etc. wackelt nämlich so oder so inhaltlich. Ich hatte in meinem Blogbeitrag dazu ja bereits auf den offenen Brief von HWS zusammen mit Wolfgang Franz und anderen hingewiesen.

Und nun einmal damalige Äußerungen (Mitte 2010) und eine aktuellere (von Olaf Storbeck zitierte) von HWS untereinander geschrieben.
„damals“ (2010):

Die Ersparnisse wurden auf dem Wege über die Banken überwiegend exportiert, nur noch sehr wenig Geld wurde im Inland investiert. Die Binnenkonjunktur erlahmte, Löhne und Preise stiegen nur noch langsam. Dadurch wurde die preisliche Wettbewerbsfähigkeit des Landes verbessert, und ein großer Außenhandelsüberschuss entstand

heute:

“Vor allem aber gaben einzelne Zentralbanken, an erster Stelle die Bundesbank, den Zentralbanken der GIPS-Länder über die EZB in gigantischem Umfang Kredite, um den versiegenden privaten Kreditfluss zu ersetzen.

Ursachen, Wirkungen und Auslöser geraten dabei durcheinander und die Realwirtschaft spielt überhaupt keine Rolle. Erst sollen die Ersparnisse (ähem… „private Kredite“) Schuld gewesen sein, dann die Bundesbank mit Krediten (weil die „priv. Kredite“ versiegt wären…. ja wo sind sie denn hin?). Und die Schlussfolgerung daraus ist besonders typisch. Wenn man keine Kredite nach Spanien vergeben hätte wäre automatisch(!) in Deutschland investiert worden. Also ohne PIGS-Staaten hätten sich Deutsche Anleger mit „Investitionen“ in die Heimat verirrt. Es fehlt nur noch die mehr oder minder dann ebenso schlüssige Behauptung hinterher wären auch die Bundesbank-Kredite in 100Mrd-Schritten eigentlich verlorengegangene „Deutsche Kredite“. Ach so…. das hat man ja wie Olaf Storbeck aus dem Schnelldienst der IFO zitiert getan:

Ohne die Kredite der Bundesbank hätte die Wirtschaft der GIPS-Länder schon lange die harten Budgetbeschränkungen des Marktes gespürt und sich nolens volens mit einer drastischen Verringerung des Kreditflusses abfinden müssen. Die Leistungsbilanzdefizite hätten sich dementsprechend automatisch verringert, und mehr wirtschaftliche Aktivität hätte sich in die bisherigen Kapitalexportländer verlagert, allen voran Deutschland.

Durch weniger Kredite(!) nach Spanien hätten sich die Leistungsbilanzdefizite verringert weil die Kunden (die PIGS-Staaten) kein Geld haben (so weit kann man ja mitgehen… wer nichts hat, konsumiert nichts)? Oder sie hätten sich… weswegen doch gleich verringert… weil die Kredite der BuBa automatisch hier Kreditnehmer gefunden hätten? Also „Binnenmarkt-Kreditnehmer“ welche „weswegen“ doch gleich keine Kredite beantragt oder erhalten haben? Wegen den PIGS-Staaten?

Um es verständlich auszudrücken – zum mitmeißeln für Normal-Leser: Es wird behauptet, das wenn man weniger besitzenden kein Geld für Kredite (und damit dem Konsum) gibt sich die mehr besitzenden automatisch mehr Kredite genehmigen und für sog. „Konsum“ sorgen.

(Anmerkung: zwingend im Inland)

Hier wird gewissermaßen von einer selbstreferenzielle Vermehrung von Investitionen gesprochen (wir konsumieren durch Investitionen und vice versa) und das nicht nur bei sondern wegen schwächelnder Nachfrage aus dem Ausland. Das alles ist äußerst windig und alles andere als schlüssig. U.a. ist der Zusammenhang Ursache/Wirkung der Export- und Wachstums-Sucht zum Opfer gefallen. Nicht der wegen schwindender Kaufkraft zusammenfallende Binnenmarkt hat Investitionen hier unattraktiv gemacht, so Ifo/Sinn/Franz. Stagnierende Löhne wg. Hartz, fallende Kaufkraft der Renten, fehlende DM-Aufwertungen — alles kein Thema bzw. nicht die Ursache fehlender Investitionen in Deutschland sondern es soll die FOLGE sein!

Wenn jetzt in den Jahren davor Deutschland ein Investitions-Mekka mit steigenden Löhnen und Bester Beschäftigungslage gewesen wäre. Aber es sieht ja wie folgt aus:

Irgendwie fehlen mir hierbei die „goldenen Jahre“ welche es lt. Ifo/Sinn/Franz und Co. ja vor der Euro-Einführung automatisch gegeben haben muss. Ich muss sagen ich bin einigermaßen gespannt wie die angekündigte ausführliche Stellungnahme ausfallen wird.

Zum Rest des Inhalts und den anderen Umständen dieses verunglückten Meinungsbeitrags werden wir uns an anderer Stelle äußern.

….wirklich interressiert. Ich bin mir inzwischen nicht mehr so sicher was der Grund dafür ist das sich das Institut, Sinn, Franz und Co. in m.E. doch sehr unlogische Aussagen zu verrennen scheinen. Das erscheint mir doch alles sehr merkwürdig. Vielleicht fällt einem Leser eine plausible Begründung ein?

P.S.: Die Überschrift bei der Grafik ist nicht ganz korrekt. Es sollte Bruttoinvestitionen lauten und nicht Bruttoanlageinvestitionen. Die Datenquelle ist im übrigen destatis.

Update (14./15.6.):
Zumindest HW Sinn hat nun präzisiert. Er scheint wenig amüsiert ob der doch offenbar von vielen geäußerten Kritik. Amüsant finde ich ja das „So einfach ist die Volkswirtschaftslehre auch nicht.“ 🙂

Zum Inhalt. Wenig neues oder kontroverses findet Strobl/weissgarnix und hat noch eine DB-Analyse zugeschickt bekommen welche Sinns These vom Stealth-Bailout belegt bzw. belegen soll (ihm jedenfalls was die Target2-Ausführungen angeht Recht gibt). Lostgen hat auch einen netten englischen Kommentar dazu geschrieben. Wenn EZB-Chefvolkswirt sagt das man „“hier nicht nationalistisch argumentieren” solle riecht das nach einem „Sinn hat m.E. recht, aber das ist Politik und politisch unerwünscht“.

Und wie sieht es dann mit meiner Argumentation aus? Nun – ich habe (natürlich 😉 ) auch Recht. Man muss das Problem und auch das von Sinn gesagte in drei Argumente aufsplitten.

A) Target2 stellt ein Problem dar, weil es z.B. für Deutschland über den EZB-Anteil ein Kostenrisiko von inzw. über 100Mrd Ausfall darstellt. Das ist richtig.

B) Der Mechanismus könnte dazu führen das in Deutschland keine Kredite mehr vergeben werden können. Auch das ist im Extremfall vielleicht richtig.

C) Der Mechanismus hat in Deutschland zu Kreditklemmen und Investitionsausfällen geführt. Das ist m.E. falsch.

Was Sinn behauptet und mit einem „VWL ist nicht so einfach“ garniert hat ist B) oder/und C). Er hat es diesmal etwas vorsichtiger formuliert. Abgesehen davon hat er eine Variante 3 entdeckt.

Variante 1 steht oben und besagt das Ersparnisse in andere Staaten gepumpt worden sind und das deshalb wenig im Inland investiert wurde (2010 mit Franz zusammen).

Variante 2 steht auch oben und besagt das nach dem „versiegen“ der privaten Kreditflüsse aus Ersparnissen die BuBa über die EZB eingesprungen wäre und das über Target2 eine Verknappung an Kreditvolumen dazu geführt hätte das Iren den Traktor der eigentlich von Deutschen Bauern auf Kredit gekauft worden wäre erworben hätte aber das Geld dafür nicht zu Verfügung stand (so ab 2007 (Start Target2) in der Krise).

Variante 3 kommt nun. Nein, es wären nicht die Beschränkung des Volumens, sondern die Deutschen Banken könnten zwar, hätten aber kein Interesse an Kreditvergaben (Überliquidität, Rendite, whatever) und deshalb würden Investitionen in Deutschland gebremst. Das ist gewissermaßen die Null-Bock-Variante.

Wenn wir einmal einfach unterstellen das Kredite für Investitionen aus zwei Quellen kommen würden, nämlich „Ersparnis“ und „Geldschöpfung“, dann war zu jeder Zeit zumindest eines von Beidem, meist Beides verfügbar. Und das gilt und galt mit oder ohne Target2, mit oder ohne Euro. Es ist eher ein Versuch einen der Einstellung passenden Schuldigen für die seit Jahrzehnten(!) lahmende Investitionstätigkeit zu suchen. Oder es ist möglicherweise der Versuch dem anderen Problem (A) mit einem „die nehmen uns direkt Investitionsgeld weg“ volksverständlich (und damit polemisch) auf die Sprünge zu helfen. Das Target2 uns wohl viel Geld kosten wird und nicht sonderlich gut ist bleibt unbenommen. Ebenso wird niemand erklären Sinn wäre etwas anderes als fachlich versiert – und er hat ja auch teilweise Recht. Aber auch er ist nicht untouchable.

Im übrigen halte ich die Netz/Blog-Diskussion darüber für sehr vielversprechend und positiv!

Comments
3 Responses to “Investitionen in Deutschland und die PIGS-Staaten – ein Ifo-Wunderland? (inkl. Update 15.6.)”
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  1. […] Und das es im Inland über Investitionen läuft? Das habe ich (ganz Empirie) anhand des „Ifo-Wunderlandes“ im letzten Blogartikel als äußerst unwahrscheinlich (da in der Vergangenheit nicht der […]

  2. […] Seit wann sind denn wessen Investitionen in Deutschland angestiegen. War es der Staat? Oder war es die Wirtschaft seit der Euro-Krise? Und wie sah es davor aus? Wir erinnern uns ja noch an das Ifo-Wunderland. […]

  3. […] nur unter uns: 2013 ist nicht wirklich mit 1970 zu vergleichen; wir hatten das schon einmal beim IFO-Wunderland der Investitionen; das ist eine kleine liberale fairy-tale, eine Geschichte […]



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