Ich gebe Dir Kredit – Du kaufst bei mir damit ein …. logisch

Person A verdiene viel, D wenig. In einer nicht durchgegenderten zwei-Mann Ökonomie der klassische Fall. Das geht nicht gut, weil D irgendwann alles(tm) an Geldvermögen besitzt. Und A kann auch nicht (noch) länger für die Leistungen welche D anbietet arbeiten — oder D möchte gar nichts weiter von A. A muss sich also verschulden. Bei D. Oder vielleicht bei einer Bank C welche das Geld schöpft, wenn das was A von D haben möchte die zu Verfügung stehende Geldmenge aus Ersparnissen übersteigt. Doch auch das geht nicht lange gut, denn irgendwann ist A überschuldet. Man kann zwar das durch ihn beliehene verwerten (vielleicht), aber auch das gehört irgendwann D.
Man kann (damit behilft man sich oft) noch auf hypothetische zukünftige Einnahmen welche aus den Krediten erwachsen sollen setzen. Zumindest so lange die Zinsen nicht so hoch sind das sie auch diese Zuwächse übersteigen.

Nochmal zum Transfer von Realvermögen“ titelt Strobl. Darunter steht folgendes von Roach (Morgan Stanley) und das soll wohl auch Prof. HW Sinns These in Bezug auf das EU-Ausland (wie z.B. Griechen, Iren etc.) sein.

Seine Argumentation ging wie folgt:

1) Die Amerikaner machen Schulden bei der Welt und konsumieren sich damit dumm und dämlich (-> Defizit in der Leistungsbilanz)

2) Gleichzeitig schaffen sie es aber, über die Attraktivität der US Finanzmärkte ausländisches Kapital ins Land zu holen (-> Überschuss in der Kapitalbilanz)

3) Durch die beiden gegenläufigen Bewegungen aus 1) und 2) bleibe der Dollar stabil

4) Damit käme es unter 1) zu einem Transfer von ausländischem Realvermögen in die USA (Amerika-kritische Autoren griffen diese Figur gerne auf, der Franzose Emmanuel Todd z.B. spricht in “Weltmacht USA – ein Nachruf” von einer “Tributzahlung” an die USA

Für meine obigen zwei Personen sind also sinniger Weise die USA oder die Griechen die Person A (wie Amerika) und wir Deutsche wären beispielsweise die Person D. Prinzipiell wird so argumentiert. Der Unterschied zwischen Personen und Ländern ist vom Prinzip her gesehen nichts anderes. A (USA, Griechenland etc.) leben in Saus und Braus und wir Deutsche liefern gegen nullo, nichts für umsonst Waren und Dienstleistungen.
Was Roach und Sinn uns damit sagen wollen ist jedem verständlich und sehr eingängig. D ist ein Idiot. Erst gibt D dem A das Geld, lässt später auch noch zu das C (m.E. die EZB) Geld für diesen Zweck schöpft und liefert gegen das eigene geliehene Geld auch noch Waren. So etwas dämliches. Das versteht das Volk. Zumindest wenn es um Länder geht – und man sich im Lande des D befindet bzw. gewissermaßen D ist. Das ist doch logisch.

Ich finde den Spagat den man allenthalben weltweit betrachten kann schon außergewöhnlich. Man schafft es irgendwie gleichzeitig Handelsüberschüsse anzuprangern, Geldströme ins Ausland ebenso (gleich ob von privat oder von Banken) und die Kreditnehmer des Übermaßes zu bezichtigen. Also irgendwie ist jeder und alles Schuld. HWS Schlussfolgerung ist denn auch das man den Märkten untersagen müsse A Geld zu leihen und die gleiche Auflage müsse man A auch selbst machen. Geht ja wohl nicht an, so etwas. Die USA haben es da leichter. Da irgendwie alles an irgend einer Stelle in Dollar gerechnet wurde kann man sich leichter entschulden indem man eine Inflation generiert. Dieser Weg ist den Griechen wie Strobl auch etwas ausführt verwehrt. Wobei er noch erklärt das dies die Verschuldung bzw. den Realvermögensverlust verhindern/eindämmen würde … wenn der andere nicht die USA sind.

Den Verlust, aber auch den Gewinn eindämmen. Womit ich versuche das einmal etwas weiter aus der Eindimensionalität herauszuholen. Ich splitte die Bevölkerungen einmal in ADs und DDs auf. AD stehe dabei für ArmeDeutsche, DDs für die anderen, gleiches für die „Amerikaner“ (AAs und DAs).

Personen wie Sinn oder Roach würden vermutlich nicht auf den Gedanken kommen das, was sie in Bezug auf Ländern als selbstverständliches Vorgehen betrachten auf Reich und Arm in Bezug auf zwei Personen bzw. Einkommensschichten im Land anzuwenden. Wenn doch würde das Szenario ja wie folgt aussehen. Die Gruppe AD würde keine Kredite mehr erhalten (weder von DD noch von C) bis sie Besserung geloben. Die Gruppe DD hätte hier im Inland bitteschön zu investieren. So „irgendwie“ und in „irgendwas“ und das ganze selbstreferenziell sich selbst erhaltend. Keine weiteren Schulden es sei denn durch diejenigen welche „besitzen“. Kleiner Haken an der Geschichte: diese Gruppe ist sehr klein im Verhältnis zum gesamten und die Möglichkeiten der Investition sind ebenso beschränkt. Mich würde einmal eine Liste von HWS interessieren was er sich dabei so vorstellt.

– Und auf der anderen Seite würden ADs wohl nicht auf den Gedanken kommen was sie auf der Länder-Ebene (wo Sie zur Gruppe D gehören) m.E. als unhaltbaren Zustand ansehen auch auf die Personen-Ebene anzuwenden. Wobei er nicht ganz unrecht hat wenn er aus seiner Sicht sagt: erst ich, dann die Griechen und Amerikaner. Denn er gehört zwar zu „den Deutschen“, aber irgendwie ist der Reichtum wohl an ihm vorbei gegangen.

– Und noch eine Dritte Seite möchte ich ansprechen. Die AAs (das waren die ArmenAmerikaner und Griechen) – die können auch irgendwie nicht wirklich nachvollziehen warum sie nach Aussage anderer in Saus und Braus gelebt haben sollen.

Warum?

Von nichts kommt nichts. Warum haben denn manche mehr als andere? Das ist ja nicht vom Himmel gefallen. Aus dem bestehenden Wirtschaftskreislauf und Verteilungsprozeß bzw. aus der Vergangenheit heraus haben bereits einige mehr verdient als andere. Der status quo erbringt ihnen also Vorteile bei der Verteilung. Es sollte trivial sein zu erkennen und zu erklären das sich aus einer Investition, gleich ob aus Ersparnissen oder neuen Krediten, ohne eine Veränderung der Verteilung tendenziell auch keine Veränderung an der Problematik ergeben kann. Ich hatte bereits in einem Artikel zum Länderfinanzausgleich anhand eines working paper des IWF über einen Silberstreif am Erkenntnishorizont berichtet – Want to avoid financial crises? Then reduce inequality . Das lässt sich m.E. auch marktwirtschaftlich gut erklären. Ohne eine ausreichende Anzahl an Teilnehmern auf Anbieter wie Nachfragerseite funtkionieren Märkte nicht sonderlich gut. Weshalb auch die soziale Marktwirtschaft z.B. nach Müller Armack sich gegen Konzerne stellt etc..

Doch nun rudere ich wieder ein ganzes Stück zurück. Gerade habe ich behauptet weder arme Griechen noch arme Deutschen hätten etwas davon gehabt. So ganz richtig ist das – beides – auch wieder nicht. Unter dem Strich wurde gearbeitet und es gab Konsumenten. Auch bedeutet ein Überschuß „lediglich“ das man mehr an (in Geld gemessenen) Warenströmen exportiert hat als importiert worden ist. Was es nicht automatisch bedeutet ist, das ohne die o.g. Verschuldungs-sequenzen z.B. die absoluten Importstöme gleich geblieben wären.
Beispiel:
Import 1000
Export 1200
Überschüsse 200

Bleiben die Kreditströme (also das „verprassen“ durch das Ausland), bleibt der „Transfer von Realvermögen“ aus, so würde man im allgemeinen folgendes annehmen:
Import 1000
Export 1000
Handelssaldo 0

Ich behaupte einmal es sähe anders aus. Womöglich so:
Import 900
Export 900
Handelssaldo 0

In Beiden Ländern wäre auch das BIP (ggfs. erheblich) niedriger, da der Konsum und damit verbunden auch der Geldkreislauf stocken würde. Das im Inland der (priv) Konsum ansteigt ist nicht zu erwarten. Das hängt nämlich mit o.g. status quo der Verteilung zusammen. Dem geht es aber ohne die Exportarbeitsplätze aus dem status quo heraus noch schlechter, da die Verteilung m.E. zu größeren Teilen über Löhne läuft. Und das es im Inland über Investitionen läuft? Das habe ich (ganz Empirie) anhand des „Ifo-Wunderlandes“ im letzten Blogartikel als äußerst unwahrscheinlich (da in der Vergangenheit nicht der Fall) gekennzeichnet. Paradoxer Weise würde man also ggfs. trotz geringerem (oder keinem) Realvermögens-Abfluss schlechter dastehen als mit.

Wir beuten uns also ggfs. selbst aus, arbeiten weil die Verteilungsstruktur auf Arbeitsplätze ausgelegt ist aber die Volkswirtschafts-internen Verteilungsmechanismen (die Lohn-, Steuer- und Abgabenstruktur) wiederum nicht zur Generierung von Inlands-Arbeitsplätzen taugen.

Wir arbeiten um dem status quo Erhalt der Struktur willen also „freiwillig“ mehr für das Ausland als wir von dort erhalten. Strobl hat einen neuen Beitrag nachgeschoben. Daraus der Schlussabsatz:

Experten, die man von weither engagiert hatte, damit sie ein Gutachten erstatten, wie man denn wieder zu normalen Verhältnissen gelangen könne, stellten fest, die ,,Lücke an Zentralbankgeld“ im Notstandsgebiet sei offensichtlich strukturell bedingt. Erst müsse man die gröbsten strukturellen Divergenzen beseitigen, ehe man wieder die früheren Verhältnisse herstellen könne.

Das Fazit daraus ist ja auch trivial wenn wir uns obiges betrachten. Wenn es allen gleich gut geht und die Unterschiede zwischen Arm und Reich bei Null stehen hat man keine Probleme mit Zahlungsbilanzen zwischen Ländern. Aber – und nun einmal zu Wechselkursen – dazu soll man doch die Löhne von A sinken lassen damit er Arbeit anbieten kann.

Doch was hat denn eigentlich AD (der arme Deutsche) davon? Nun. Er kann für seine DM über eine Aufwertung im Verhältnis zur Drachme mehr kaufen. Nur: einen Job hat er deswegen trotzdem nicht. Das kann man auch wunderschön neben den Arbeitslosenzahlen auch anhand der „Vermögen“ der Deutschen im Ausland (jetzt und davor: Grafik BuBa) und auch der Investitionen in den letzten Beiden Jahrzehnten (siehe Blogbeitrag davor) sehen. Warum nicht haben wir jedoch hier deutlich herausgearbeitet: wenn Steuer-/Abgaben- und damit die Lohnpolitik nicht auf eine andere Lastenverteilung umschwenkt kann es nicht zu mehr Arbeitsplätzen kommen. Und damit bleibt es (sich selbst verstärkend) grundsätzlich auch bei einer nicht funktionierenden Verteilung. Aus sich selbst heraus ändert sich absolut gar nichts. Da können sich die Mainstream-Ökonomen-Götter des Monetarismus noch so über DM, Euro, Zinsen, Kredite etc. den Kopf zerbrechen. Das grundlegende Problem ist damit nicht angegangen. Im Gegenteil. Der Schleier den diese ganze Diskussion darüber legt ist kontraproduktiv. Letztlich würden wir mehr konsumieren und arbeiten – wenn wir könnten. Die aktuellen Rahmensetzungen erlauben aber weder das eine noch das andere. Eine umfassendere Analyse als das schielen auf Handelsbilanz- und EZB Target2-Salden wäre daher angeraten. Schon lange, seitdem die Krise begonnen hat, müsste man sich über Strukturen unterhalten. Weder bei Ökonomen noch gar in der Politik kann man so etwas in der Breite betrachten. Auch im Jahre x danach. Es ist für jeden leichter über Bailouts zu reden, Abgesänge auf Währungen, Forderungskataloge an Staaten aufzustellen und Schuldige in Form von „faulen Verprassern“ zu suchen oder das Ende der Erwerbsarbeit zu sehen. Und es ist dabei gleich ob dabei im Einzelfall ein HartzIVer oder ein Grieche gemeint ist. Die Betrachtungen lassen sich alle für jeden der genannten Einzelfälle bejahen. Man findet für alles eine gute und nicht einmal falsche Begründung. Zumindest im eindimensionalen Raum.

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