Marionetten, Krisengewinner und Steuern

Nette Diskussion über moral hazard und co..

Es geht um das Geld welches „irrtümlich“ günstig an die südlichen Euro-Länder verliehen wurde. Das hatten wir zuletzt groß wo es um Prof. HW Sinn ging. Und ich hatte das Thema inkl. eben genannten Sinn, Werner Franz etc. pp. bereits vor fast exakt einem Jahr aus eben diesem Grund.

Aber jetzt einmal ernsthaft. Was übersehen wird ist, das man nicht x Jahre danach Verantwortliche und Profiteure als solches ausmachen und zum „lernen durch Verlust“ auffordern kann. Das geht m.E. weder mit noch ohne Bailout. „Der Markt“ als irrender oder Verursacher kann nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Und wenn Arash Molavi Vasséi meint es müsse(!) ex post zu eine Reallokation von Marktzugang kommen, und zwar hin zu den relativ besseren Entscheidern … dann erscheint es vielleicht objektiv logisch, nur subjektiv (für einzelne Marktteilnehmer) ist es nicht nachvollziehbar.

Nehmen wir einen Spieler am Roulette-Tisch. Er spiele mit 10Mrd an Gelder welche ihm selbst und 9 anderen gehöre. Das läuft über Jahre hinweg gut. Er erwirtschaftet jedes Jahr eine gute Rendite, kann gut davon leben wie auch die 9 Personen „hinter ihm“. Die Rendite wird weiter gereicht, nur die 10Mrd an Spielkapital bleiben im gro´ erhalten. Jedes zweite oder vierte Jahr wird er durch jemand anderen ersetzt – die Personen hinter ihm auch. Nach 10 Jahren hat der Spieler Pech und es gibt große Probleme am Roulette-Tisch und es wird sogar ein einziehen eines Teiles dieser 10Mrd verhandelt.

Ein Problem vielleicht für den aktuellen Spieler. Vielleicht für „neuere“ 9 im Hintergrund. Für alle bisherigen Spieler am Spieltisch und alle Gewinner im Hintergrund welche sich längst an anderen Tischen befinden ist es furchtbar egal was sich abspielt. Zumindest so lange nicht in Frage gestellt wird das sie ihre erworbenen Spielchips behalten können. Und die tastet keiner an. Über diese wird nicht einmal geredet. Alle reden nur vom Stock des Spielers und wollen diesem (bzw. Beiden) einen Haircut verpassen. Arme Marionette.

P.S.
Ich möchte ein Beispiel für meine Argumentation nennen:
Atomkraftwerke

Das sollte sich gut als Analogie eignen. Wenn wir einmal die Gefahr von Atomkraftwerken außen vor lassen haben wir aktuell folgendes:
Wir stehen vor der Wahl Atomkraftwerke zu „retten“ oder sie auf Null abzuschreiben. Das abschreiben stellt die „Strafe“ dar welche den Markt dazu bringen soll demnächst nicht mehr in Atomkraft oder Gentechnik oder etwas anderes, potentiell gefährliches zu investieren.

Ich behaupte es ist egal ob man das Kraftwerke rettet oder nicht.
– Die Gewinne aus dem Jahrelangen betreiben sind „weg“
– Die Höhe der Gewinne übersteigt den Verlust um ein zigfaches (trotz jammerns… who cares?)
– „Handelnden Akteure“ im engeren Sinne gibt es nicht
– Die nächsten Investitionen in analoge Projekte werden trotzdem getätigt, kein Lerneffekt, es kommt auf die Gewinne an, nicht auf die Abschreibung am Ende

Dadurch das Griechenland natürlich kein Atomkraftwerk darstellt sondern etwas in diesem Sinne „erhaltenswertes“ macht die Bewertung noch schwieriger.

Comments
3 Responses to “Marionetten, Krisengewinner und Steuern”
  1. PotzBlitzDonner sagt:

    Nehmen wir mal an am Roulette-Tisch sitzt immer der gleiche, er wird langsam spielsüchtig und geht immer höhere Risiken ein, dadurch steigt auch der Gewinn, jetzt steigen die normalen Profiteure langsam aus und es kommen die, die an den größeren Gewinnen mit profitieren. Irgendwann wird das Risiko zu hoch, da entscheidet der Casinobesitzer ok ich nehm die Grüne Null raus dafür will ich als Ausgleich ein Teil von eurem Gewinn, das wäre doch legitim !?

    Wäre es vielleicht nicht doch sinnvoller Eurobonds zu verkaufen, müsste der niedrige Zinseffekt der es vor der Finanzkrise bei den Peripherie-Staaten gab sich nicht eventuell wieder auf den Durchschnittszinns der Eurobonds auswirken ? Wenn man dann noch hingeht und den sich ergebenden Zins unterschiedlich nach risiko gewichtet an die Bondsteilnehmer weitergibt müsste Deutschland erstmal keine angst haben mehr Zins zu bezahlen.

    Man könnte ja einfach mal anfangen einige Eurobonds zu verkaufen schauen wie sie sich am Markt entwickeln und dementsprechend weiter machen oder die ganze Aktion wieder stoppen wenn es wieder erwarten doch nicht zu einem niedrigen Zins kommt.

    Gruß PotzBlitzDonner

    • aloa5 sagt:

      da entscheidet der Casinobesitzer ok ich nehm die Grüne Null raus dafür will ich als Ausgleich ein Teil von eurem Gewinn, das wäre doch legitim

      Meines erachtens ist das, was Gewinnanteile betrifft sinnvoll. Noch sinnvoller wird es wenn man exakt die Einnahme daraus dann dafür einsetzt das ein Risiko einzudämmen. Nicht die Folgen, sondern das Risiko selbst. Es ist nicht im Sinne eines Regelkreislaufes wenn man zwar über Insolvenzordnungen und Finanzierungen für Banken und Staaten nachdenkt – aber nicht über Risikominimierung und grundlegende Reformen. Auch und insbesondere des Steuersystems und der Kapitaltransfers.

      Eurobonds würden vielleicht einen Sinn ergeben. Sie stellen ja auch einen kleinen Kapitaltransfer dar. Nur so lange die größeren Probleme nicht angegangen worden sind oder/und die Bonds gar als einzige Lösung stehen würden wäre es fatal. Letztlich wäre nicht unser Zinssatz das Problem.

      Nehmen wir einen reichen und einen armen Menschen. Der ärmere hat Einkommensschwierigkeiten und erhält keine weiteren Kredite oder nur zu schlechtesten Konditionen, der Reiche jedoch leicht einen mit 3%. Natürlich geht der ärmere schneller zugrunde wenn er nicht nur keine neuen Kredite erhält sondern auch noch die Altschulden mit höheren Zinsen bedienen muss. Es würde also helfen wenn man seine Zinsen durch eine Mithaftung des reicheren drückt. Nur: der arme bleibt arm. Er kann sich zwar leichter weiter verschulden, doch das Problem seiner Armut ist so wenig gelöst wie das seiner bereits bestehenden Schuldenlast. Es wurde nur erleichtert.

      Eurobonds würden also imho Sinn machen wenn man davor einigermaßen sicherstellen könnte das selbige nicht nur zum verlängern des „Leidens“ führt. Effektivere Maßnahmen müssen bei uns wie in Griechenland besprochen und durchgeführt werden. In Bezug auf moral hazard wären Eurobonds aktuell eher eine Umschuldung welche eben weitergehende Maßnahmen aufgrund eines Lerneffektes verhindern würden. Politiker wie Banken lieben es nicht wirkliche Änderungen durchzuführen — lieber nehmen sie leichte Wege. Selbst ein Ausschluss Griechenlands aus dem Euro würden sie daher effektiven Änderungen vorziehen.

      Grüße
      ALOA

  2. PotzBlitzDonner sagt:

    So sehe ich das ja auch, die Eurobonds sollten dazu gedacht sein die Märkte erst mal insgesamt zu beruhigen, gleichzeitig könnte man sie aber auch dazu verwenden langfristig einen Mechanismus zu etablieren der die Haushaltskonsolidierung der einzelnen Länder fördert.
    Würde man eine Art Europäische Kreditbank schaffen, die dazu dient das Geld am Markt zu besorgen und die dieses dann wieder an die Staaten mit modifizierten Zinsen weiter reicht wäre das eine gute Grundlage dafür. Dabei könnte man die Zinsen der Art gestalten das jeder eine Art Grundzins G zahlt, sagen wir mal zwei Prozent + einen Aufschlagzins H der dem letzten Haushaltsdefizit entspricht. Jetzt wird das ganze noch mit einem Faktor f modifiziert die die echten zu zahlenden Zinsen E auf diese modifizierten Zinsen anpasst damit der Bank keine kosten entstehen. Das heißt die echten zu zahlenden Zinsen der jeweiligen Banken erhöhen oder reduzieren sich, je nachdem ob f nun größer oder kleiner 1 ist. Dies hätte auch den Vorteil das im Falle einer Finanzkriese wenn sich praktisch alle wieder plötzlich mehr verschulden müssten der Zins sich durch den Mechanismus nicht unnötig verschlechtern würde. Er verschlechtert sich nur für die die ein Überdurchschnittliches Haushaltsdefizit haben. H muß auch eine Obergrenze eine Art Airbag haben damit das betreffende Land auch die Chance hat wieder aus seinem Defizit herauszukommen.

    E= f*Z(G+H) Z entspricht dem Summenenzeichen über alle Länder

    Einen Transfer könnte man auch noch einbauen in dem solche Länder die ihn nötig haben einen niedrigeren Grundzins bezahlen.

    Der Vorteil dieses Mechanismus ist eben das ein einseitig hohes Haushaltsdefizit sich sofort auf die gesamte Zinslast auswirkt umgekehrt würde die Reduzierung die Zinslast enorm drücken. Dadurch entsteht ein viel größerer Anreiz zur Konsolidierung.

    Gruß PotzBlitzDonner

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