Grafiken zu den Wirkungen von Kirchhof auf die Abzüge 25%-35%

Die meisten sind wohl eher visuelle Menschen und verstehen Grafiken besser und schneller als Texte. Nach den letzten Beiden doch eher trockenen Texten nun ein paar Grafiken.

Hier eine Grafik welche aus der Krisen-Serie I kommt. Sie zeigt den Status quo als Progressionsverlauf/Prozentzahl an Kosten für Arbeitgeber im Verhältnis zum Nettolohn bei SV-pflichtigen Beschäftigten (u.a. anhand Lohnsteuertabelle Steuerklasse I).
Beispiel für das Verständnis:
Arbeitnehmerlohn: 1000 Euro Brutto
Arbeitgeberanteil an der SV: 200 Euro
Lohnkosten für den Arbeitgeber damit insgesamt: 1200 Euro (also 1000+200)
Arbeitnehmerlohn sei: 800 Euro (200 SV abgezogen und 0 Euro Steuer für das Beispiel)
Das würde das Paar 800/1200 erzeugen und damit 1/3 an Abzügen vom „echten“ Arbeitnehmerlohn von 1200 Euro. Der in der Grafik dargestellte Prozentsatz wäre 33,33%. (Wer es nicht ganz versteht kann gerne nachfragen.) Über der Linie ist das Nettogehalt, darunter sind die Steuern (umgekehrt wie man es in der Regel gewohnt ist).

Ich habe nun die entsprechende Kurven für Kirchhof mit 25% und 35% errechnet. Diese sehen wie folgt aus.

Wie man sieht gibt es so oder so ein ungünstiges Ergebnis. Bei 35% (was realistischer ist als 25%) kommen praktisch alle mit Verlusten heraus. Bei 25% sieht man anhand der Schere wie die Besserverdienenden „lt. Liste“ begünstigt werden, also vor den ganzen „Abschreibungen“, aber auch vor Berücksichtigung von höheren Fahrtkosten etc. für alle. Durch eine Tarifänderung der Flat-Tax alleine lässt sich also nichts retten. Weder ändert sich etwas an dem sich aus der Sozialversicherungsfinanzierung ergebenden Knick (Beitragsbemessungsgrenze) noch wird das mit der Steuerprogression besser. Das kann man sich nur durch schönrechnen des schönrechnens erarbeiten indem man wilde Prognosen anstellt was dann alleine(!) und alle(!) Besserverdiener so in ihren Steuererklärungen angeben an „Abschreibungen“. Wenn man sich aber u.a. ansieht das z.B. Fahrt- und Weiterbildungskosten auch eine m.E. progressive Wirkung entfalten ist auch diese isolierte Sichtweise nicht immer korrekt. Am Ende scheint es so zu sein das die Verdiener zwischen 2000 und 4000 Euro die Zeche zahlen sollen. Denn am „unteren Ende“ kann man mit der Progression über den Freibetrag etwas machen, am „oberen“ wirkt die Entlastung durch die Einheitssteuer am stärksten. Gar nicht mit eingerechnet das obige Kurven die SV-pflichtigen behandelt und bei rd. 7000 Brutto aufhört. Bei Berücksichtigung höherer Einkommen und SV-Freiheit (Rente, KV) sieht es noch dramatischer aus, sowohl im status quo als auch insbesondere verschärft bei Kirchhof.

Und wie man sehen kann… der Mittelstandsbauch bleibt auch. Um die Lage zu verbessern bedürfte es also mindestens einer weitere Stufe. Aber das möchte Kirchhof eben explizit nicht. Und zusätzlich müsste man die SV, insbesondere die Rentenversicherungsfinanzierung (über die Steuern) teilweise anderes finanzieren. Und auch das möchte Kirchhof nicht nur nicht, sondern er möchte sie wenn, dann auf Kapitalbasis und m.E. dann auch rein aus Nettolöhnen finanzieren. Mit seinem Modell und mit seinen Leitlinien ist daher kein Staat zu machen.


Edit/Nachtrag:

Machen wir einmal ein konkretes Beispiel anhand dieser Statistik (ein anderes Beispiel gibt es im nächsten Blogbeitrag zum Halbteilungssatz).

Man springt nun auf Seite 12. Rechts gibt es eine Spalte „Summe der positiven Einkünfte“. Da gibt es ganz unten die Paarung:
2.675 (steuerpflichtige)
8.590.918 (positive Einkünfte/1000)

Also 2675 Personen haben positive Einkünfte insgesamt in dieser Höhe angegeben. Pro Person sind das im Schnitt 3,2mio Euro.
Auf der gleichen Seite gibt es zwei Tabellen weiter unten jew. die gleiche Anzahl von Personen in der Spalte des „zu versteuernden Einkommens“. Daneben noch die Steuer, wobei es zu selbiger Spalte bei der Anzahl der Personen leichte Abweichungen gibt.

Trotzdem. Man kann ganz grob geschätzt sagen das bei 8.590.918.000 (Vulgo: 8,6Mrd Euro) an Summe der positiven Einkünfte eine Steuer von 3Mrd gezahlt worden ist. Das sind pi Mal Daumen 35% – nach „Abschreibung“. Pro Prozentpunkt an Einkommensteuer welches unter dieser Marke liegt kann man also 85mio Euro annehmen welche dem Staat verloren gehen (das liegt nahe an der von der DIW genannten Zahl aus einer weitergehenden Berechnung, siehe Blogbeitrag davor).

Kirchhof hat im §8 (seines Vorschlages) die Deckelung der Einkommensbasierenden Steuer auf 30% festgelegt. 25% sollen direkt erhoben werden und in einem weiteren Paragraphen schreibt er einen Mindestsatz von 2% für die Gemeinden vor. Macht in der Summe 27%. Aber alleine aus der Deckelung durch die 30% ergeben sich bei obigen 2675 Steuerpflichtigen Einnahmeeinbußen für den Staat in Höhe von 5 x 85mio= 425mio Euro welcher er (zwingend) an anderer Stelle einnehmen muss. Und zwar (ebenso zwingend) bei denjenigen welche aktuell weniger als diesen Satz zahlen. In der Summe sind das schon einige Milliarden.

–> Und dabei ist wie bereits verschiedentlich gesagt darauf zu achten das vom IWF über die OECD wie dem DIW etc. davon ausgehen das es gilt die aufgekommenen Einkommensungleichheiten einzudämmen und nicht beispielsweise durch eine Flat-Tax zu verschärfen (DIW). Es kann nicht das Ziel sein ein „neues“ Steuersystem nach dem Erhalt des Status quo an Ungleichheiten auszurichten. Was ein großer Wurf sein möchte muss es nach ökonomischen Gesichtspunkten ausrichten. Und gerade dies ist hier nicht der Fall. Hier geht es um „Halbteilungssatz-Gerechtigkeit“.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: