Mais, Nahrungsmittelpreise, Vorräte, Biokraftstoff E10 – die Kontrolle

Im März hatte ich unter dem Blogtitel „Mais-o-Mais – Nahrungsmittelpreise, Vorräte und Biokraftstoff E10“ erklärt wie es sich mit den Vorräten, den Preisen und mit der Bioethanol-Produktion u.a. in den USA verhält welche enorm ist. Es ist immer wieder interessant von Zeit zu Zeit nachzusehen wie sich seit einem Blogartikel die Situation entwickelt hat.

Im Juni gab es eine positive Meldung von der USDA über die zu erwartende Erntemenge in den USA. Trotz Rekordernte wird die zu erwartende Erntemenge von 866mio t jedoch etwas weniger als 1% (6mio t) unter dem Bedarf liegen und die weltweiten Bestände werden um über 100mio t sinken. Es wird davon gesprochen das die Deckung mit Mais so schlecht wäre wie zuletzt im US-Ernte-Dürrejahr von 1973/74. Und das wie gesagt ohne Dürre.

Den Juli-Chart mit Corn-Stock (die Reserven; Erklärung siehe vorherigen Blogartikel) gibt es noch nicht, daher ist die Preismäßige Erholung im Juni noch nicht zu sehen. Hier ist der Juni-Chart:

Grafik US-Corn-Stock/Preis Juni(Mai) 2011

Der niedrigere Preis resultiert neben den positiven Erwartungen u.a. daraus, das sich die Hedgefonds zu deren Liebling der Maismarkt offenbar wurde Gewinne mitgenommen haben und teilw. ausgestiegen sind. Die Produktion in der EU wird 2011 im übrigen von 55mio t auf 60mio t mit einem ansteigenden Niveau geschätzt. Man kann jedoch anhand des o.g. Charts sehe das der corn stock, also die Vorräte, bis Juni/Mai noch im Keller waren. Unter Berücksichtigung der Prognose das der Bedarf über der Produktion liegt wird sich daran wohl auch nicht viel ändern. Daher ist der Preis auch nicht ins bodenlose gefallen. Siehe die Entwicklung anhand des Börsenchart:
Chart Mais an der Börse

Der Kurs hat sich wie zu sehen auf (sehr) hohem Niveau wieder gefangen. Das liegt – am Ethanol. Der rasante Fall des Preises Ende Juni von 7 auf 6,2 kam zustande da der US-Senat mit 73 zu 27 Stimmen dafür votiert hat sofort die steuerliche Förderung von umgerechnet 0,08 EUR pro Liter einzustellen. Allerdings ist das ganze offenbar so in ein Krisengesetz eingebunden das es innerhalb der Laufzeit nicht beendet werden kann und damit wirkungslos sein dürfte. Zudem wird Bioethanol demnächst wohl im Flugverkehr eingesetzt. Auch zu bemerken ist, das China wohl die Produktion von Mais ausgebaut hat – allerdings ist der Bedarf mehr gestiegen als der Zubau. Aktuell gibt es ein Importbedarf von 3mio t.

Es ist also wenig Luft. Es ist absehbar das in den USA die Zuschüsse für Bioethanol gestrichen werden. Ob und inwiefern dies für Entspannung sorgt ist jedoch u.a. vom Ölpreis abhängig, und der wiederum von der Weltkonjunktur, den aufstrebenden Staaten und vom US-Dollar. Beim Öl ist imho wenig dauerhafte Entspannung in Sicht so das mittelfristig Zuschüsse nicht mehr notwendig sein dürften. Und dann geht es an das eingemachte. Es gibt verschiedene mögliche Zukunftsszenarien. Sollte Öl (=Treibstoff) tatsächlich sehr knapp und sehr teuer sein und die Industrienationen wären auf Bioethanol angewiesen, dann sehe ich schwarz für arme Länder. Wenn es nicht so dramatisch aussieht halte ich langfristig ggfs. sogar ein Verbot der Vergärung aus der Landwirtschaft (außerhalb von Abfällen der Bewirtschaftung) für das wahrscheinlichste. Eine typische Sackgasse.

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