Einkommensungleichheit in Deutschland angewachsen – der Gini

Einkommensungleichheiten werden u.a. über den sog. Gini-Index gemessen. Grob gesagt ist der Wert ein Ausdruck dessen wie nahe die Einkommen beieinander liegen (je niedriger, desto näher – 1,0 ist das theoretische Maximum). Es ist keine ganz exakte Wissenschaft wie man anhand der Kritik daran bei Wikipedia nachlesen kann, aber es ist ein Indiz und gibt eine Tendenz an. Es arbeiten auch „alle“ damit – von der OECD über Eurostat bis hin zum CIA-world-factbook.

Womit wir beim Thema wären. Ich habe mir die Daten von Eurostat geholt und dort fehlende (2002-2004) über die UNU-WIDER World Income Inequality Database (WIID) ergänzt. Das sind die Werte nach Umverteilung über den Staat (Steuern und Abgaben). Die OECD hat auch noch die Werte vor Umverteilung (quasi „Brutto-Werte“). Diese sind gesamt zu haben und auch noch für die Gruppe der Menschen über 65 Jahre sowie für die arbeitende Bevölkerung. Allerdings haben diese Werte aus der OECD-Datenbank eine gewisse Unschärfe, da sie nicht Jahr für Jahr gelistet werden sondern in 5-Jahres-Zeiträumen.


Interessant bei einem Vergleich der OECD-Daten für die Verteilung vor Umverteilung ist das wir dort mit einen Spitzenplatz halten. Es sind 25 Länder für den Zeitraum „mid 2000s“ gelistet und der OECD-Schnitt liegt bei 0,45. Die größten Brutto-Einkommensungleichheiten gibt es in Polen mit 0,57 – und wir rangieren auf Platz 4 mit einem Wert von 0,51 (von 0,44 Mitte 80er) , hinter uns die Mindestlohn-Länder Belgien(0,49) und Frankreich (0,48 von 0,52 aus Mitte 80er)). Ich kann mich wenn ich die Liste betrachte des Eindruckes nicht erwehren das dies u.a. an den Arbeitslosenzahlen in den jew. Ländern liegt.

Nach Verteilung haben wir im übrigen Dank unseres nicht alleine auf Arbeit basierenden Verteilungssystemes mit 0,3 Rang 15. Die USA haben einen besseren Ausgangswert (0,46), verteilen aber nicht so viel (0,38 hinterher).

Im übrigen gibt das o.a. CIA-World-Factbook nicht die Gini-Werte für einzelne Personen aus, sondern für Familien. Dort haben wir („netto“) einen angenehmen Platz. Rang 124 von 136 – Wert 27. Wenig überraschend für mich und auch für Blogleser das beispielsweise Frankreich mit 32,7 einige Plätze weiter vorn rangiert, also die Ungleichheiten bei den Familien größer sind (daher wie bereits berichtet auch lt. OECD mehr ärmere Kinder trotz zweier arbeitender Elternteile).

Die Tendenz in Deutschland ist wie man anhand der Grafiken sehen kann sowohl „brutto“ als auch „netto“ ansteigend. Eine nicht gerade wünschenswerte Entwicklung. Auch deshalb ist im übrigen die Zementierung oder gar eine Verschlechterung des status quo Marke Kirchhof abzulehnen. Er wirbt ja m.E. damit das sich gewissermaßen niemand verschlechtert. Die aktuelle Einkommens-Entwicklung zu Rate gezogen muss es jedoch wenn, dann zwei Antworten darauf geben.
A) es muss sich etwas ändern und
B) das zum besseren, und dabei sind die Abgaben und die Wirkung auf Arbeitsplätze (und damit die Einkommensverteilung) einzubeziehen

Es gibt noch einen weiteren Trend. Christoph Schröder vom IW Köln stellt wie folgt fest:

Durch zunehmend homogame Partnerschaften, die sich durch ähnliche Ausbildung,
Erwerbsneigung und Einkommen auszeichnen, nimmt die Ungleichheit innerhalb der
Haushalte ab und zwischen den Haushalten zu.

Dies dürfte sich kumulativ auf die so oder so schon verstärkende Spreizung auswirken. War bisher eine „Mischung“ vorhanden kann man inzwischen vermutlich von einer Schichtenbildung innerhalb der Partnerschaften bzw. in der Gesellschaft sprechen. Man verbleibt also in seiner Einkommensschicht.

Nicht verwunderlich wenn die UNO kritisiert das es „kaum Programme gegen das soziale Gefälle“ geben würde. Denn gegen die aktuelle Entwicklung wird exakt überhaupt nichts getan. Zumindest nichts im positiven Sinne.

Womit wir beim ceterum censeo des Blogs wären….

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