Die politische Legitimation oder was der deutsche Unterschied zwischen Rating und raten ist

Kurze Durchsage an die Politik:
um die aktuell kritisierte „Macht“ von Ratingagenturen in Bezug auf Bewertungen von Staaten, respektive Währungen zu brechen müssen Politiker nur eines tun: ihren Job.

Letztlich wird doch hier lediglich den Unkenden geglaubt. Und weshalb glaubt man diesen? Weil den anderen, den Politikern, schon lange nicht mehr abgenommen wird was sie von sich geben.

Es ist damit schon Klamauk wenn ein Politiker einer Ratingagentur vorwirft sie würde unseriöse Bewertungen abgeben. Vermutlich ist es auch zu einem gewissen Grade einfach Neid. Obama, Merkel und Co. hätten gerne das sie als Politiker selbst diese Macht hätten, das man ihnen zuhört und glaubt wenn sie sich darüber äußern ob Griechenland oder die USA nun kreditwürdig sind oder nicht. Ich finde auch das niemand die Macht haben sollte ganze Staaten zu versenken. Diese Macht welche auf Glaubwürdigkeit basiert haben sich die Ratingagenturen jedoch nicht genommen sondern man hat sie ihnen gegeben. Die Politik hat sie ihnen dadurch überlassen das sie, die Politik, sich und die von ihnen betreuten Länder selbst sturmreif geschossen haben.

Das einzige was die Politik damit moralisch rettet ist, das sie demokratisch legitimiert worden sind das eigene oder auch ein fremdes Land zu ruinieren und aus einer gewissen (aber eben eigenen) Beliebigkeit heraus heute so und morgen anders zu entscheiden. Ob Afghanistan ´rein, ´raus, ´runter, ´rauf, Euro-Rettung janein, Griechen-Rettung janein … wie Mussler in der FAZ alleine schon über Merkel geschrieben hat:

„Es lässt sich gar nicht mehr zählen, wie viele markige Positionen Merkel schon geräumt hat.“

Oder können Sie heute noch einwandfrei sagen ob wir nun unter Schuldenlasten ächzen oder schon so in Geld schwimmen das wir endlich Steuersenkungen bekommen sollten? Wissen Sie ob wir nun Besserverdiener zur Kasse bitten müssen oder doch lieber Kirchhofsche Steuersenkungen, pardon, -vereinfachungen umsetzen müssen?
Sie wissen es nicht? Die gewählten Politiker wissen es auch nicht und sie verbitten sich das andere es wissen oder zumindest aus der kollektiven Unwissenheit einer desaströsen Lage Kapital schlagen wollen.

Lassen Sie uns einmal zu etwas sehr Deutschen kommen und in den Annalen des noch jungen Blogs graben. Eines der ersten kurzen Blogbeiträge war ein Fundstück im Juni letzten Jahres. Da wurden nämlich die Institute ausgewählt welche Frühjahres- und Herbstgutachten für die Regierung (bis 2013) erstellen. Entgegen der früheren Praxis hat Brüderle vier Institute der neoklassischen Denkweise ausgewählt und die weiteren (IMK,IWH und Wifo) sind abgeblitzt. „Wenn alle das gleiche Denken“ titelte Fricke von der Financial Times und es schien/scheint klar aus welchem Topf der Fundus der Empfehlungen kommt und kommen wird.

Die Bewertung liegt auf der Hand. Vielfalt ist gefragt. Mehrere Meinungen und Ansichten müssen erlaubt sein und zur Sprache kommen. Das ist es was „Markt“ ausmacht und was am Ende auch Macht begrenzt. Es ist der Grund warum ich beispielsweise den Sozialismus ablehne. Wenn dem Staat gewissermaßen „alles“ gehört – wo ist ein Gegengewicht zu seiner Meinung? Und so auch die soziale Marktwirtschaft nach Müller-Armack (Enzensberger, lesenswert):

Wettbewerbspolitik:
Sie ist in der Sozialen Marktwirtschaft von zentraler Bedeutung. Es geht dabei um die Garantie des Funktionierens des Marktmechanismus durch den Schutz vor unlauterem Wettbewerb oder vor zu großen Unternehmenskonzentrationen….
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Es ist die Marktmacht der Industrieländer bzw. der Großkonzerne dort, die eine ungesunde Situation am Weltmarkt erzeugt hat. Eben diese Marktmacht muß im Interesse eines globalen sozialen und ökonomischen Gleichgewichts durchbrochen werden, da dadurch Grundregeln der Marktwirtschaft verletzt werden (wie die korrekte Preisbildung, die erst eine optimale Allokation der Ressourcen ermöglicht).

Markt und Wettbewerb um nicht nur Markt- sondern am Ende vor allem Machtgleichgewichte zu erhalten.

Und darum geht es hier. Das ist aber auch das einzige was man den Staaten zugute halten kann wenn sie sich gegen die drei US-Ratingagenturen (Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch Ratings) stellen. Das dabei eine höhere Qualität erreicht wird oder werden würde nur weil etwas sich „unabhängig“ schimpfen sollte kann man getrost im Reich der Sagen und Mythen belassen. Es ist am Ende ganz gut so wenn die einen in der Wirtschaft das herbei“raten“ und die anderen in der Politik etwas ganze anderes. Das verteilt etwas die Machtverhältnisse. Und auch wenn es ab und zu unangenehm ist, ist es genau das was dann manch Politiker zwei Mal überlegen lässt was er zukünftig macht um nicht wieder in die gleiche Situation zu geraten in welche er sich selbst gebracht hat. Es darf also nicht nur nach der Politik gehen, sonst haben wir Ratingagenturen nach dem gleichen Muster wie Frühjahres- und Herbstgutachten (welche unsere hausinternen, handverlesenen „Ratingagenturen“=Institute erstellen)

Hand aufs Herz – wie viele von Ihnen haben bei der Überschrift „Rating und raten“ aus dem raten ein „Denglisches“ Wort für bewerten gelesen und wie viele das deutsche raten? Es kann offen bleiben.

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