Die träge amerikanische Masse oder wie man zum ökonomischen Entwicklungsland wird

Man könnte in Hinblick auf Spanien, Griechen, Iren aber auch die USA überspitzt eines konstantieren: um ein Land zu runinieren reichen wenige Jahre aus. Das sollten sich auch all jene welche über wie auch immer geartete umwälzende Veränderungen (ins blaue hinein) nachdenken ganz dick notieren. Davon auszugehen das es schon irgendwie immer weiter geht ist (in der Tat) „spätrömische Dekadenz“. Die Welt bleibt nicht stehen und man muss Notwendigkeiten im Auge behalten und sich den Gegebenheiten anpassen.

„Amerika verliert den Anschluss“ erklärt der US-Ökonom Vivek Goshal in der Wirtschaftswoche. Die Erkenntnis kommt wohl etwas spät. Der Zeitpunkt liegt schon einige Jahre zurück. Wie Blogleser schon vor mehr als einem Jahr hier lesen konnten, zuletzt auch im Juni ist der Prozess der Deindustrialisierung schon vor einigen Jahren vollzogen worden. Die USA haben den Anschluss letztenendes bereits verloren. Die Frage ist: wodurch?


Goshal ist ein typischer Mainstream-Ökonom. Er empfiehlt die Bildung zu verbessern und die Gesundheitskosten zu verringern welche die US-Firmen belasten würden sowie die Steuern nicht zu erhöhen sondern das Steuersystem transparenter zu machen. Man hätte einfach keine Facharbeiter und die Firmen würden zu wenig auf Qualität setzen. Und das dort in den USA wo alles doch so viel besser als bei uns gelaufen sein soll die letzten Jahre/Jahrzehnte, wie beispielsweise die Investitionen. Bildung ist nicht der Schlüssel für alles. Dies hatte ich bereits anhand der Spanier dargelegt, wo gut ausgebildete gewissermaßen „auf der Straße“ liegen. Und das Einwanderungsland Nr. 1, die USA, sollte damit so oder so kein größeres Problem haben. Daher greift auch dieses Argument Goshals nicht wirklich. Investitionen stimmen, Personal ist vorhanden – woran liegt es also dann? An der Qualität? Stellen auch die Amerikaner nur „das falsche her“ wie die Spanier? Und die Gesundheitskosten? Diese sind unbestritten außerordentlich hoch in den Staaten. Aber bitteschön…. was sind denn „Kosten“? Kosten bedeutet Beschäftigung. Möglicherweise ineffizient und unnötig, aber es bedeutet Beschäftigung und damit „Geldverteilung“. Goshals Begründung ist ebenfalls eine typische. Man soll Kosten senken damit die Produktion für die Firmen billiger wird. Da dies wie gesagt höhere Arbeitslosigkeit bedeutet (weniger Verteilung und Beschäftigung im Gesundheitssektor) und weniger BIP im Inland erzeugt und nicht mehr Kaufkraft der Massen im Inland bedeuten kann geht es dabei offenbar auch nur um den Export bzw. um die internationale Konkurrenz. Was in diesem Interview das gegeneinander ausspielen von Steuererhöhungen und Gesundheitskosten soll bleibt ebenfalls ein Geheimnis.

Man merkt das mir das wie herumgeeiere vorkommt. Es klingt einfach nicht schlüssig, rutscht in Beliebigkeit und Floskeln ab. Würde Goshal in Deutschland leben würde er lahmende Investitionstätigkeit bei uns diagnostizieren wie H.W. Sinn und wäre Sinn an Goshals Stelle würde er vermutlich dessen Aussagen auch wiederholen (sinngemäß und verallgemeinernd).

Ein Teil der Amerikaner sitzt auf einen Geldsack und ist der Ansicht es reicht aus dieses Geld zu verwalten und für sich arbeiten zu lassen. Das ist individuell ja i.d.R. auch der Fall, nur nicht für eine Volkswirtschaft. Zumindest nicht für größere, in Einzelfällen (sagen wir Liechtenstein) mag es schon funktionieren wobei dabei in der Größenordnung schon fast ein „familiäres“ Umfeld existiert. Es reicht jedoch selten bis nie aus sich auf einem status quo auszuruhen wenn sich die Welt verändert. Man hat gedacht der Umbau zur Dienstleistungsgesellschaft würde eben dies bedeuten – nur noch das notwendigste real produzieren und sich ausschließlich auf immaterielles und Dienstleistungen zu stürzen. Und auf die Kaufkraft wurde überhaupt nicht geachtet, und wenn lief es nur auf Kaufkraft durch Verschuldung hinaus. Damit hatte man zum einen einen Zeithorizont gesteckt, denn irgendwann ist bei jeder Verschuldungsorgie das Ende erreicht wo die Schulden an den Staat weitergereicht werden. Zum anderen hat man das reine, „echte“ Konsum-Volumen immer weiter zurückgefahren. Wenn aber (weltweit) das Volumen begrenzt wird weil die Einkommensungleichgewichte zunehmen bzw. gleich schlecht bleiben, dann müssen und werden irgendwann die Produktionskapazitäten nachziehen. Allerspätestens wenn z.B. eine Kreditblase platzt oder eine andere Krisensituation eintritt welche die bereits geschwächte Auslastung beeinträchtigt kommt es zu größten Problemen. Dann fallen weitere Konsumenten aus, dann müssen weitere von den nicht ausgelasteten Produktionskapazitäten um die Existenz ringen. Dann schlägt die Stunde der Keynesianer welche von weiteren Schulden träumen. Und so wechseln sich die sagen wir mäßigeren Ideen von liberalen mit den mäßigeren Ideen der Keynesianer ab. Von jedem die schlechteren Ideen hergenommen macht zwei mal Minus. Leider ergibt das unter dem Strich kein Plus.

Wer es nicht hinbekommt innerhalb einer Volkswirtschaft Produktion, Wohlstandsverteilung und Konsum zu optimieren geht am Ende unter. Wir erleben aktuell das weltweit in den Industriestaaten deren Einwohner (und Institutionen wie Banken) Reichtümer angehäuft haben schon die interne Verteilung nicht funktioniert. Das begrenzt die Produktion im Volumen und sorgt dafür das eine noch stärkere Selektion der Produktionsstandorte stattfindet. Das ist ein gewaltiges Gleichgewicht bei Unterbeschäftigung welches über die Finanzmärkte (Guthabenverwaltung wie „Schuldenerzeugung“) Labilität erzeugt. Das ganze ist in der Tat auch eine Verteilungsdiskussion, aber auch eine Produktionsdiskussion. Verteilen aber nicht im Sinne einer Verteilung von 6 Keksen auf 10 anstelle von 6 Personen. Es geht darum mehr Kekse zu produzieren. Aktuell haben sich die Amerikaner jedoch aus der Produktion wie aus dem Konsum ausgeklinkt. Das ganze gerede über Schulden, Sparen im Gesundheitssystem, Bildung etc. ist wie ich es vor über einem Jahr formuliert hatte eine weitere Pseudodiskussion der Pseudokapitalisten:

Und so diskutieren wir also derzeit über Staatsschulden und auch um das „Staatssparen“. Nein, nicht wir… die Pseudos sind dabei größtenteils unter sich und reden sich die Gemüter heiß über etwas was man so gar nicht lösen kann.

Ich habe keine Ansätze, weder hier noch in den USA, gesehen welche darauf schließen lassen das man gewillt ist ein paar Rahmenbedingungen ins Gespräch zu bringen. Am ehesten vielleicht noch Obamas erste Idee mit einer Reform der Krankenversicherung in den USA.

Es werden weltweit in der Hauptsache Pseudodiskussionen geführt und das muss ein Ende haben.

In den USA werden sich Staatsdefizite, 14 Billionen Staatsverschuldung (oder die Erhöhung dieser Schulden), Arbeitslosigkeit und geschleifte Industrieproduktion weder durch sinkende Gesundheitskosten noch durch das stopfen von Steuerschlupflöchern beseitigen lassen. Weder dadurch noch durch gute Worte.

Man kann sich mit Überheblichkeit selbst abschießen. Und daran sollte man denken.

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