Eurokrise – Politik in der Sackgasse

Noch sind nicht die letzten Jubelschreierchen über die so erfolgreiche Rettung von Hellas / Griechenland, noch sind nicht alle hohlen Bekenntnisse zum Euro wie dieser „Europa ist ohne den Euro nicht mehr denkbar“ von unserer Bundeskanzler Merkel verklungen, da holt uns die Finanzwirklichkeit mitten in den Regierungsferien mit brutaler Nüchternheit ein.

Die Eurokrise – von einigen auch Schuldenkrise genannt – schwappt über die Adria und das Mittelmeer von Griechenland nach Italien und Spanien, so konnte man heute bei Spon im Artikel Riskante Staatsanleihen
Spanien und Italien rutschen tiefer in die Euro-Krise
lesen.

Die Staatsanleihen der hochverschuldeten Staaten Königreich Spanien und Republik Italien erreichen neuerdings Renditehöchststände, was nichts anderes heißt, als dass die gehandelten Preise für die festverzinslichen Papiere im Fallen begriffen sind. Das wird genau dann für die betroffenen Staaten zum Problem, wenn sie demnächst neue Staatsanleihen auf dem Markt platzieren wollen, denn diese werden sie dann nur noch zu einem höheren Zinssatz an den Mann Anleger bringen können, was gleichzeitig die Verschuldung in noch höhere Sphären treibt und letztenendlich zum finanziellen Exitus führen kann.

Und mit Spanien und Italien wären zum ersten Mal im einig Euroraum solche Schwergewichte betroffen, die man realistischerweise mit Rettungsschirmen, Rettungsfallschirmen oder sonstigen politischen Instrumenten zur Insolvenzabwehr bzw Insolvenzverschleppung nicht mehr retten kann, da die zu dieser sogenannten „Rettung“ aufzubringenden Geldbeträge einfach nicht mehr bereitstellbar sind, ohne den gesamten Euroraum finanziell zu ruinieren.

Nun könnte sich rächen, dass unsere mutlosen Politiker sich bislang beharrlich geweigert haben, einzugestehen, dass die Eurokrise ursächlich auf die strukturellen Fehler der Eurowährung zurückzuführen sind. „Der Euro“, so betonte vor einigen Monaten der Bundesfinanzminister a.D. Peer Steinbrück, „sei nicht nur ein wirtschaftliches, sondern in erster Linie ein politisches Projekt“. Übersetzt in Normaldeutsch heißt das so ungefähr: Der Euro ist finanzpolitisch und ökonomisch Wahnsinn.

Wo genau liegen aber die besonderen strukturellen Schwächen der europäischen Währungsunion?

Interessanterweise ist die Grundidee einer gemeinsamen Währung bereits der wesentliche Sargnagel des Euros.

Bereits vor der Euroeinführung hatte es seit 1972 die sogenannte Währungsschlange gegeben. Das politische Ziel war, dass sich die Wechselkurse der Länder der Europäischen Gemeinschaft nur innerhalb eines kleinen Schwankungsbandes von maximal +/- 2,25% zueinander bewegen. Das sollte vor allen Dingen stabile Währungsrelationen im Binnenhandel ermöglich, um somit stabile Handelsbeziehungen abseits von Währungsschwankungen zu gewährleisten. In den knapp 7 Jahren ihrer Existenz hatte die Währungsschlange eindrucksvoll bewiesen, dass sie gescheitert ist und wurde durch das Europäische Währungssystem (EWS) ersetzt. Das Neue an diesem EWS war, dass ein künstlicher Währungskorb namens ECU definiert wurde, dessen Wert sich im Außenhandel aus den teilnehmenden Währungen berechnet und im Innenhandel einen untereinander festen Wechselkurse mit Bandbreiten von +/- 2,25% bzw +/- 6% zueinander ermöglichte. Nach 13 Jahren schlitterte der Währungskorb in eine schwere und teure Krise, die EWS-Turbulenzen, an deren Ende Großbritannien und Italien faktisch aus dem Währungskorb ausstiegen, die Wechselkurse durch Abwertungen der spanischen Peseta und dem irischen Pfund angepasst und die Bandbreiten auf +/- 15% angehoben wurden. Man könnte auch sagen, dass die durch die Währungsaneinanderkettung künstlich geschaffenen marktwirtschaftliche Spannungen durch diese Anpassungen an marktrealistischeren Kurse abgebaut wurden. Natürlich waren auch damals die Bösen die Spekulanten und der Devisenmarkt an den Krisen schuld(tm) – was so ein bisserl an die Sprechblasen der heutigen politischen Akteure erinnert.

Anstatt aus diesen finanzpolitischen Fehlern zu lernen hatten die EU-Politiker stur an der im Sommer 1992 vereinbarten Einführung einer einheitlichen Währung – dem Euro – zum 01.01.1999 festgehalten. Und obwohl pünktlich zum Start des Euro eigentlich wieder Wechselkursanpassungen sinnvoll und erforderlich gewesen wären, hatte man die alten Wechselkursen fortgeschrieben. Parallel zum Euro wurde ein Wechselkursmechanismus II installiert, dem die griechische Drachme und die dänische Krone beitrat. Ziel des WKM II ist, dass eine Währung, die dem Euroraum beitreten will, sich erst mal mindestens 2 Jahre lang innerhalb eines Schwankungskorridors zum Euro sozusagen bewähren muss. 2001 schließlich trat Griechenland dem Euroraum bei.

Mit der Einführung des Euro-Bargelds im Jänner 2002 wurden schließlich die Wechselkurse der Euroländer zementiert und Wechselkursanpassungen untereinander faktisch verunmöglicht. Das ist der Stand heute. 😉 Das Drama nimmt seinen Lauf.

Wie man sieht, haben der Euro und seine Vorgänger ECU und EWS bereits zahlreiche Krisen erfahren, die rhythmisch alle 12-15 Jahre auftreten und letztendlich so gravierend werden, dass sie am Devisenmarkt relevant werden. Wie oben bereits beschrieben, ist die eigentliche Idee des Euros der eigentliche Sargnagel, denn die Verunmöglichung von Wechselkursanpassungen verhindert effektiv aber auch dramatisch, dass sich die Wechselkursspannungen abbauen können.

Woher rühren diese Wechselkursspannungen?

Platt ausgedrückt sind Wechselkurse nichts anderes als ein Wert, der den Preis der einen Währung zur anderen ausdrückt bzw das Wertverhältnis zueinander. Und je nachdem, ob die Volkswirtschaft des einen Landes erfolgreicher als die des anderen ist und die Inflation und sich die Geldmenge der Währungen zueinander entwickeln, verändert sich der Wert und somit der bilaterale Wechselkurs zwischen zwei Währungen.

Innerhalb des Euroraums sorgt im Prinzip die EZB und die banken der Staaten dafür, dass die Geldmenge in den einzelnen Ländern stabil zueinander bleibt und die EZB hat die Aufgabe, die Inflationsrate im Euroraum stabil zu halten. Soweit zumindestens die Idee der EZB. Faktisch zeigt sich jedoch nach einigen Jahren, dass die EZB und die angeschlossenen Länder nicht wirklich einen sauberen Inflationsausgleich hinbekommen und dass sich auch nicht wirklich automatisch ein solcher durch den freien Binnenhandel herstellt, sondern teilweise erhebliche Inflationsdifferenzen zwischen den Euroländern entstehen. Dazu kommt noch der entscheidende Störfaktor, der der gemeinsame Währung das Überleben so richtig verhagelt, die Handelsbilanzen.

Schauen wir uns die Handelsbilanzen der Euroländer genauer an, so zeigt sich, dass die BRD mit +51,3 Mrd € in den Monaten Jan-Apr 2011 eine äußerst positive Handelsbilanz aufweist und dagegen Großbritannien (-37,3 Mrd €), Frankreich (-30,7 Mrd €), Italien (-17,9 Mrd €) und Spanien (-16,6 Mrd €) am unteren Ende hohe negative Handelsbilanzsalden beistzen.

Lustigerweise hat Eurostat – diesen Schiefstand schön verschleiernd – die Pressemitteilung mit der Überschrift „Ausgeglichene Handelsbilanz im Euroraum“ versehen. So, als ob alles in Butter wäre 😉

Was bedeuten diese Handelsbilanzsalden?

Die Handelsbilanz zeigt an, wie das wertmäßige Verhältnis von Exporten und Importen ist; das Saldo, ob ein Land mehr exportiert als importiert (=positiv) oder mehr importiert als exportiert (=negativ). Faktisch bedeutet eine negative Handelsbilanz auf der einen Seite einen Abfluss an Geld, denn das Mehr an Importen muss natürlich gegenüber dem Ausland bezahlt werden, und auf der anderen Seite eine positive Handelsbilanz einen Mittelzugang. Eine negative Handelsbilanz muss irgendwie ausgeglichen werden, das kann zum Beispiel durch Tourismus (Touristen bringen Geld ins Land) oder Investitionen aus dem Ausland oder durch das Eingehen von Auslandverschuldung vorgenommen werden bzw durch eine Auswertung der Geldmenge und eine Abwertung der Währung.

Wenn die Währung nun aber fest an die andere gebunden ist, dann entfällt diese Möglichkeit. Wenn dann auch noch Touristen und Investitionen aus dem Ausland ausbleiben, dann ist die Zahlungsbilanz des Staates nurmehr durch Auslandsverschuldung ausgleichbar und dann genau sind wir bei Griechenland und Italien und beim eigentlich Kernproblem des Euros und der Eurokrise.

Die festen Wechselkurse verhindern einen marktgerechten Ausgleich der unterschiedlichen Wirtschaftsleistung und führen automatisch zu finanzpolitischen Abhängigkeiten der Staaten, die ohne das Eingehen von Auslandsverschuldung keine ausgeglichene Zahlungsbilanz erreichen. Und diese Abhängigkeiten führen bei nicht wirklich wettbewerbsfähigen Volkswirtschaften zu Überschuldung und Riskoaufschlägen auf Staatsanleihen und letzenendes unausweichlich zur Zahlungsunfähigkeit des Staates.

Welchen Ausweg gibt es aus diesem Irrweg?

Im Prinzip gibt es zwei Auswege:

A. Der ökonomisch sinnvolle Weg.

Austritt des betroffenen Staates aus dem Euroraum, Einführung einer eigenständigen Währung und Abwertung dieser, Umschuldung der Euroschulden auf die abgewertete Währung, ggf Schuldenschnitt. Damit wäre dann aber die gemeinsame Währung, dieses politische Projekt, faktisch tot.

B. Die europäische Integration

Einführung einer Transferunion nach dem Vorbild des deutschen Länderfinanzausgleichs, Einführung von einheitlichen Sozialstandards und einer einheitlichen europäischen Renten- und Arbeitslosenversicherung, ggf Schuldenschnitt bzw Verlagerung auf EU-Ebene. Damit wäre faktisch ein EU-Staat geschaffen und die Eigenständigkeit der Staaten passé.

Definitiv kein Weg ist das „Weiter So“ der gegenwärtigen politischen Minderleister, die bei jedem neuen Ausbruch der Eurokrise überrascht tun, irgendwo Schuldige(tm) suchen und weiterhin sich weigern die Strukturfehler des Euros anzuerkennen.

C. Der Vollständigkeit halber sei noch ein weiterer Weg erwähnt, der des Gesundschrumpfens bzw der Haushaltssanierung durch Kürzungen im Staatshaushalt (Lohnsenkungen, Einschnitte bei Sozialausgaben) und der Erhöhung der Steuereinnahmen. Dieser Brüning-Weg, den die Finanzpolitiker der EU und des IWF gerne als Lösung darstellen, zielt darauf ab, dass die Wettbewerbsfähigkeit des Landes gegenüber anderen Volkswirtschaften verbessert wird. Für einen Staat ist dieser „Lösungsweg“ realistisch gesehen nur dann gangbar, wenn die Zinsbelastung für den Schuldendienst die theoretisch möglichen finanziellen Verbesserungen im Haushalt nicht übersteigt. Die EU hat deshalb für Griechenland hier einen Zinssatz von 3,5% garantiert, was deutlich günstiger ist als die Kapitalmarktrenditen von derzeit bis 33%. Das geht zumindestens halbwegs gut, solange die EU selbst diesen Zinssatz erzielen kann. Spätestens jedoch, wenn Italien und Spanien ebenfalls künstlich zinsgestützte EU-Kredite erhalten müssen. Ab diesem Zeitpunkt werden dann hoffentlich selbst die Verbohrtesten erkennen, dass sie sich in einer Sackgasse befinden.

Comments
9 Responses to “Eurokrise – Politik in der Sackgasse”
  1. aloa5 sagt:

    Kein Weg ist das Weiter So der gegenwärtigen politischen Minderleister, die bei jeder neuen Eurokrise überrascht tun, irgendwo Schuldige ™ suchen und weiterhin sich weigern die Strukturfehler des Euros anzuerkennen.

    Man kann zwar mit Rettungsschirm oder Haircuts Zeit gewinnen aber am Ende müssen Dinge angefasst werden von welchen aktuell keine Rede ist. Das läuft in den USA ja analog mit deren Staats-Schuldenkrise. Mit Sparmaßnahmen kann Obama wiederum kurzfristig etwas Zeit gewinnen. Zeit welche die USA schon lange vertrödelt hat.

    Wir Deutsche sind im übrigen auch nicht besser. Schon letztes Jahr m.E. unter der Überschrift „Pseudodiskussionen der Pseudokapitalisten“ behandelt:
    https://logicorum.wordpress.com/2010/06/27/pseudodiskussionen-der-pseudokapitalisten/
    und im Januar unter der Überschrift „Brüning“:
    https://logicorum.wordpress.com/2011/01/26/die-spinnen-die-briten-oder-was-der-landerfinanzausgleich-mit-bruning-zu-tun-hat/
    Man könnte es auch Realitätsverweigerung nennen.

    Grüße
    ALOA

  2. PotzBlitzDonner sagt:

    Warum muß den ein Euro ein Euro sein, kann er nicht in Deutschland eine D-Mark sein, in Griechenland ein Drachme und in Italien eine Lire , auch wenn Euro draufsteht ? Der Name interessiert doch gar nicht, entscheidend ist doch was an der Grenze von einem Land zum anderen passiert, wenn Geldströme von einem Land ins andere fließen. Werden diese entsprechend beim Fluß modifiziert , sprich fließt ein Euro von Deutschland nach Griechenland werden aus diesem einem Euro als Beispiel 2 Euro in Grichenland. Fließt Ein Euro aus Griechenland raus, werden es 50 Cent. Klar macht das sicherlich Probleme beim Bargeld an der Grenze aber die gibt es jetzt auch schon mit dem Schwarzgeld.
    Dieser Ansatz wäre auch der extremste Fall und man müßte sich fragen was die Gemeinschaftswährung dann noch soll, aber ich glaube in der Praxis bräuchte man so weit auch gar nicht zu gehen.

    Nehmen wir mal das Problem mit den Handelsbilanzen, wenn man hier generell eine funktionale Beziehung zwischen den Importen und Exporten eines Landes schafft, Beispiel der Import ist größer als der Export, Folge man besteuert den Import und subventioniert mit den Steuern den Export. Ist der Export größer macht man es eben genau umgekehrt. Die Höhe der Besteuerung wird entsprechend der Höhe der Handelsbilanz jedes Jahr neu angepasst. Dadurch wird sich das System immer versuchen in den „energetisch“ günstigsten Zustand zu bringen, nämlich eine ausgeglichene Handelsbilanz. Je ausgeglichener die Handelsbilanz, desto geringer die Steuern. Bei ausgeglichener Handelsbilanz sinken die Steuern und die Subventionen auf Null.
    Gab es denn noch keine Überlegungen dieser Art oder hat man schon festgestellt das es so nicht funktionieren kann?

    • andena17 sagt:

      Hallo,

      beide Vorschläge a) die unterschiedliche Bewertung der Landeswährung sowie b) die (Be-)Steuerung des Außenhandels sind durchaus machbar.

      Jedoch ist eine besondere Importbesteuerung und eine Subventionierung von Exporten nicht innerhalb des gegenwärtigen europäischen Binnenmarkts, dessen eine Grundlage ja die Abschaffung der Zollschranken zwischen den EU-Ländern ist. Innerhalb des Binnenmarktes gibt es keine zusätzlichen Zollschranken oder Importsteuern über den vergleichbaren MwSt-Prozentsatz zu den im Inland hergestellten Waren hinaus.

      Eine unterscheidliche Bewertung einer gleichlautenden Währung ist bei landesübergreifenden Buchungen nur dann möglich, wenn man ein klares Unterscheidungsmerkmal verwendet, also zum Beispiel die Bezeichnungen griechischer Euro und deutscher Euro. Das sollte dann machbar sein, immerhin gibt es ja auch eine dänische Krone und eine tschechische Krone oder den amerikanischen Dollar und den kanadischen.

      Um zu verhindern, dass sich „Schwarzhändler“ oder „Devisengänger“ an der unterschiedlichen Bewertung der identischen Münzen und Scheine auf Kosten der emittierenden Zentralbanken bereichern, wird man nicht umhin kommen, auch das Bargeld eindeutig entweder der einen oder der anderen Volkswirtschaft zuzuordnen. Unterlässt man das, wird es einen stetigen Strom von Bargeld aus dem niedriger bewerteten Staat in Richtung höherwertigem Währungsraum geben und dieses zu Lasten des stärkeren Staates, der sich mit zusätzlich umlaufenden Geldwerten konfrontiert sieht, die er nicht selber emittiert hat. Faktisch würde das aus Sicht des stärkeren Landes eine unsteuerbare und unkontrollierbare Geldentwertung darstellen.

      Die klarere Alternative wäre dagegen, wenn der schwächere Staat einfach generell auf eine eigenständige Währung verzichtet und die des Stärkeren in Abstimmung mit diesem als Zahlungsmittel übernimmt, so wie es ja auch zwischen Frankreich und Monaco oder Andorra seit Jahrzehnten der Fall ist und prinzipiell auch für die DM-Bindung der Region Kosovo an den Euro gilt.

      Besten Gruß, Andena

      • PotzBlitzDonner sagt:

        Hallo Andena,

        vielleicht ist ja auch der Binnenmarkt das eigentliche Übel und nicht der Euro selber, schließlich gibt es ja auch andere Länder bei denen die Handelsbilanz Probleme bereitet auch wenn sie nicht im Euroraum sind. Aber das könnt ihr Ökonomen bestimmt besser wiederlegen oder nachweißen.

        Mann Stelle sich den Euro als ein Haus vor welches auf einem Fundament (freier Binnenmarkt) gebaut wurde. Die kleineren und größeren Erdbeben (Neuverschuldung der Haushalte) werden ständig an das Haus weiter gegeben, welches dadurch immer rissiger wird. Einzelne Ziegel fallen vom Dach außen werden irgendwelche provisorischen Stützen angebracht (Rettungsfont) die auch nicht sonderlich tragfähig sind. Das Haus droht ganz einzustürzen. Eine Renovierung hilft auch nicht wirklich vor zukünftigen Erdbeben. Mann müsste am besten das Fundament anpassen, es nicht so starr sondern dynamisch gestalten so das es zukünftig die Schwingungen auffängt und diese nicht mehr unkontrolliert an das Haus weiter gibt. Eine Einschränkung des Binnenmarkts durch Zölle die das in Abhängigkeit der Handelsbilanz durch in der EU festgelegten Regeln ermöglicht wäre vielleicht so eine Art Stoßdämpfer der letztendlich den Euro robuster machen könnte.

        Solche Regeln wären vielleicht auch Weltweit denkbar, jedes Land kann mitmachen so das dessen Zölle einen weltgemeinschaftlichen Sinn machen und dadurch mögliche Handelskriege vermieden werden.

        Für Deutschland würde das sicher auf den ersten Blick Probleme bereiten, aber bevor man irgendwelche Transferleistungen zahlt, außerdem glaubt ja Sinn wenn ich ihn richtig verstanden habe, es wäre besser weniger Kapital (Autos, usw. ) zu Exportieren und diese Güter besser als Investition bei uns zu verwenden. Aloa5 denkt auch das es ein Fehler ist die Exportindustrie in Deutschland zu Subventionieren wenn ich mich richtig erinnere….

        Grüße PotzBlitzDonner

        • andena17 sagt:

          Hallo PotzBlitzDonner,

          Dein Bild von dem Haus gefällt mir. 😉 Wobei ich eher die Wechselkurse als das problematische Fundament ansehe und den Binnenmarkt mal als Keller bezeichnen würde.

          Ein Binnenmarkt ist definiert als ein einheitlicher Wirtschaftsraum, der über die Vier Freiheiten „der freie und unbeschränkte Verkehr von Waren, Personen, Kapital und Dienstleistungen“ verfügt. Und natürlich hast Du recht, ein Binnenmarkt macht durchaus auch Probleme, da eine unterschiedliche Wirtschaftsstärke der einzelnen Regionen immer Geldströme von strukturschwachen Gebieten in Richtung der starken Regionen auslösen.

          Wenn es im Binnenmarkt unterschiedliche Währungen mit variablen Wechselkursen gibt, führt der Mittelfluss von A (strukturschwach) zu B (stark) dazu, dass die Währung von B gefragter ist als die von A. Folglich passt sich der Wechselkurs an, für eine Einheit B muss man mehr A zahlen und umgekehrt.

          Bei einem festen Wecheslkurssystem oder einer gemeinsamen Währung fehlt jedoch diese Anpassungsmöglichkeit. Wenn man so will ist die BRD mit ihren 16 Bundesländern mit einem Binnenmarkt mit einer Währung vergleichbar, in dem die beiden südlichen Länder über einen permanenten Handelsüberschuss gegenüber den nördlichen Ländern verfügen, das heißt Geld aus dem Norden fließt in den Süden ab. Der mittlere Wohlstand und der Lebensstandard im Norden liegt dann weit unterhalb dessen im Süden. Durchaus machbar, aber bundespolitisch nicht wirklich aushaltbar, wenn der Unterscheid zu groß werden sollte. Deshalb hat man innerhalb der BRD Ausgleichsmechanismen vereinbart, die ein Stück weit das Wohlstandsgefälle ausgleichen.

          Die Idee, jetzt Zollschranken innerhalb des Binnenmarktes einzuziehen, um die Unterschiede in der Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Regionen auszugleichen, würde im Prinzip gegen die „Vier Freiheiten“ verstoßen und somit den Binnenmarkt abschaffen. Die spannende Frage wäre, ob es machbar und sinnvoll wäre, eine gemeinsame Währung zu haben aber gerade keinen Binnenmarkt, sondern die Zollschranken dazu nutzt, die unterschiedliche Wirtschaftsstärke der einzelnen Regionen oder Staaten auszugleichen – wenn ich Dich richtig verstanden habe.

          Die Frage ist auf jeden Fall nicht trivial. Grundsätzlich ist das machbar und natürlich gibt es auf der Welt auch Beispiele für „einheitliche Währung – aber kein Binnenmarkt“. So ist zum Beispiel die Währung der Westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion fest an den Euro gekoppelt, aber dennoch bestehen natürlich Zollschranken zwischen der EU und der UEMOA. Diese Zollschranken bestehen aber nicht unbedingt aus dem Grund, die Wettbewerbsfähigkeit der afrikanischen Staaten zu schützen, sondern die der EU-Staaten. Das heißt, der Stärkere bestimmt im Wesentlichen das Vorhandensein und die Höhe von Handelsschranken und dieses in erster Linie zum eigenen Vorteil und nicht zu seinem eigenen Nachteil. Deine Idee würde demzufolge bedeuten, dass die Wirtschaftsstärkeren freiwillig und von sich aus sich selbst Handelsbeschränkungen auferlegen, um sozusagen eine sportlich-faire Wettbewerbsrelation zu gewährleisten. Inwieweit man mit einem solcherart Altruismus rechnen darf, ist stark zu bezweifeln. 😉

          Aber losgelöst von der Selbstlosigkeit: Ein solches Zollschrankensystem stellt ein stark
          dirigistisches Instrument dar, dass hoheitlich verfügt und überwacht werden müsste, damit sich jeder Wirtschaftsteilnehmer daran hält. Das ist für meinen Geschmack ein bisserl zu viel Staatsdirigismus im Vergleich zu einem marktwirtschaftlichen Lösungsansatz der freien Wechselkurse.

          Besten Gruß, Andena

  3. PotzBlitzDonner sagt:

    Hallo Andena,

    das freut mich aber das dir mein Haus gefällt trotz des Zustandes 😉

    Vielleicht sind ja auch Insellösungen denkbar die das ganze System ausreichend entspannen.
    Nehmen wir mal Griechenland, würde man bei einem Land das so extrem in die Schieflage geraten ist akzeptieren das es wieder Importzölle einführt,würde das vielleicht schon reichen.
    Dabei stelle ich mir das ganze vollgendermaßen vor:
    Griechenland erhebt gezielt Zölle auf Wahren die auch jetzt schon in Griechenland hergestellt werden, um diese dadurch im Land wettbewerbsfähiger zu machen gegenüber Importen.
    Mittelfristig kann man die Besteuerung von weiteren Importgütern in Aussicht stellen um damit Investoren zu locken die auch diese Güter in Griechenland herstellen wollen. Wenn man dann noch zusätzliche Investoren durch die Zolleinnahmen fördert die an den Aufbau einer Exportindustrie Interessiert sind hätte man ein weiteren Hebel. Die Frage ist nur ob dieser nachhaltig sein kann, die Subventionen sollen ja nur kurzfristig für den Aufbau gedacht sein. Aber die Binnenkonjunktur wäre auf jeden fall gestärkt. Weiterhin wären speziell diese „Binnenkonjunkturgüter“ unter umständen dann auch für den Export wettbewerbsfähiger (Fixkostenproblem usw. ).

    Bestimmt hat man sich in der Ökonomie auch schon mit dem Sachverhalt beschäftigt das wenn bestimmte Güter teurer werden, das an deren Stelle ganz andere Güter gekauft werden. Nehmen wir mal einen Kindergeburtstag in Deutschland, wenn das rosa Bianchi Fahrrad aus Italien zu teuer ist wird halt eben ein neuer Schulranzen von Scout aus Deutschland gekauft. Je nachdem wie stark dieser Effekt auf nationaler Ebene sein kann, wäre es sinnvoll noch weitere Importgüter in Griechenland mit Zoll zu belegen.

    Gruß PotzBlitzDonner

    P.S. noch was wegen deiner letzten Anmerkung „Staatsdirigismuss usw.“ die Länder bräuchte man ja nicht zu zwingen an dem System teilzuhaben jeder darf freiwillig mitmachen der das möchte. Das Angebot wäre eine Erweiterung der Möglichkeiten des Landes und keine Einengung wenn man von dem Jetztzustand in der EU ausgeht. Griechenland wie oben beschrieben hätte auch sicherlich ein Interesse daran. Und ob es Altruismus ist seine extremen Exportüberschüsse wie im falle Deutschlands zu regulieren ist eben genau die Frage die man auch nicht so eindeutig beantworten kann. Dabei sehe ich das Problem weniger in dem Export (wie Sinn) sondern viel mehr darin ob es nicht besser wäre den Import an den Export anzupassen.

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