Eurokrise – Renditen & Ratings

Aufatmen in einig Euroland, die Ratingsagentur Standard & Poor´s hat das Rating der Republik Irland auf dem Status BBB+ gehalten bzw bestätigt, wie man heute in Presseberichten lesen konnte.

Daraufhin gingen anscheinend die Renditen der irischen Staatsanleihen zurück, d.h. der Wert der Anlagen ist nach der Mitteilung von S&P gestiegen. Die derzeitigen Renditen für langfristige europäische Staatsanleihen sahen im Juli 2011 wie folgt aus.

Wie man schön erkennen kann, hatten Griechenland, Irland, Portugal, Rumänien und Zypern im Juli 2011 die höchsten Renditewerte. Dazu kommt dann noch Ungarn, für das allerdings keine Juli-Daten vorhanden waren und das deshalb in der Karte grau eingefärbt ist.

Wie verhalten sich nun die Renditen der europäischen Staaten zu den Ratings der Agenturen?

Wegen der unterschiedlichen Gestaltung der Ratingcodes von Moody´s, S&P und Fitch sind in der folgenden Tabelle die einzelnen Ratings vereinheitlicht und mit einem Notenskala von 1 bis 8 ergänzt worden.

Schauen wir uns mal die aktuellen Ratings der Europäischen Länder und die Renditen für mittelfristige und langfristige Staatsanleihen genauer an.

In der Tabelle sind die einzelnen Länder, die Währungen der berücksichtigten mittel- und langfristigen Anleihen, der aktuelle Leitzins und die in die Notenskala von 1-8 übersetzten Ratings aufgeführt.

Wenn man nun Renditen und Ratings miteinander vergleicht, dann fällt gleich die hohe Korrelation zwischen niedriger Rendite und guten Rating auf bzw zwischen hoher Rendite und schlechtem Rating. Wie es scheint bedingen sich Renditen und Ratings gegenseitig, d.h. ein Staat mit hoher Rendite erhält (beinahe) zwangsläufig ein schlechteres Rating als ein Staat mit geringerer Rendite. Ebenso scheint es eine Korrelation zwischen dem aktuellen leitzins und dem Rating zu geben.

Aus den vorliegenden Daten können folgende Werte ermittelt werden:

a) Differenz der Redite langfristiger Anleihen zum Leitzins
b) Differenz der Redite mittelfristiger Anleihen zum Leitzins
c) Die Höhe des aktuellen Leitzins

Aus diesen drei Werten ermitteln wir einfach mal einen Zielwert nach der Formel Max(a;b+1,25;c-1) und setzen diesen Zielwert in Beziehung zu der vereinheitlichten Notenskala. Bei Ländern ohne Anleihen in Landeswährung sind je Währung jeweils eine Spalte aufgeführt und der Zielwert der Mittelwert aus diesen Einzelwerten.

In der so erweiterten Tabelle fällt jetzt auf, dass es zwischen den Ratings der drei amerikanischen Agenturen, der chinesischen rating-Agentur Dagong und dem berechneten / ermittelten Zielwert bei einer Reihe von Ländern eine absolute Übereinstimmung gibt, bei anderen Ländern jedoch eine teilweise gravierende Abweichung vorliegt.

Da die Ratings ja in erster Linie das Ausfallrisiko der Staatsanleihen bewerten und nicht unbedingt die derzeitigen Wirtschaftsdaten widerspiegeln sind die Differenzen durchaus nachvollziehbar, sie geben aber unter umständen auch einen Hinweis darauf, wo in nächster Zeit Anpassungen bei den Ratings zu erwarten sind.

Sicherlich wird es keine allzu große Überraschung werden, wenn demnächst die Ratings von den bereits in der Presselandschaft diskutierten Ländern Zypern, Italien und Spanien nach unten angepasst werden. Daneben sind jedoch nach dieser Tabelle ebenso Slowenien und die bereits krisengeschüttelten Ländern Irland und Portugal gefährdet, abgestuft zu werden. Ein geringeres Potential für Abwertungen wäre demnach bei Großbritannien, Frankreich, Belgien und Griechenland (dann auf Zahlungsausfall) zu befürchten sowie einige eher kosmetischen Anpassungen (gelb eingefärbt) bzw Aufwertungen (grün).

Aber das ist natürlich nur reine Spekulation, so wie im prinzip auch alle Ratings der bekannten Agenturen. 😉

À propos Rating & USA

Einigermaßen überraschend hat S&P das Rating für die Vereinigten Staaten von AAA auf AA+ heruntergestuft. Auch Moody´s kündigte kürzlich eine Überprüfung des Ratings an und „drohte“ mit einer Herabstufung der USA.

Wenn wir mal die USA nach dem obigen Muster bewerten, dann erhalten wir folgenden Wert:

Was bedeuten würde, dass die Herabstufung anhand der Daten plausibel scheinen und eventuell sogar eher auf Note 2, also den S&P-Code AA, hätte vorgenommen werden können. Das Rating der Agentur Dagong scheint hier realistischer.

Wenn sich S&P zutraut, die USA herabzustufen, dann dürfen wir gespannt sein, wann die oben angemerkten Ratingänderungen für Großbritannien, Frankreich, Belgien, Slowenien, Spanien und Italien vorgenommen werden.

Dagong und das böse AA

Ich habe jetzt mal oben die Ratings der (staatlichen) chinesischen Rating-Agentur Dagong mit eingetragen, die erst seit Juli 2010 Ratings für staatliche Anleihen herausgibt.

Bereits mit ihrem Erstrating für 50 Staaten hatte Dagong den USA nicht die Höchstnote AAA verpasst, sondern nur ein AA, also sogar noch schlechter als die derzeitige Abwertung durch S&P, an der sich die US-Offiziellen jetzt reiben.

Auch interessant ist, dass Dagong die BRD nur mit AA+, also der zweitbesten Bewertung, führt. Der eigentlich seit über einem Jahr gründlich fällige Aufschrei der Regierung, der Bundesbank, EZB und sonstiger „Größen“ scheint entweder ausgeblieben oder im allgemeinen Grundrauschen untergegangen zu sein.

So oder so. Wer sich an einem Rating massiv stört, der soll entweder selbst ein Rating aufsetzen oder es einfach nur achselzuckend als Joke abtun. Wenn man natürlich hysterisch aufschreit, dass das Rating ja ungerecht, blöd oder unseriös wäre, dann darf man sich nicht wundern, wenn andere dieses als richtig und (im wahrsten Sinne des Wortes) treffend anerkennen.

Auch schön ist, dass während die Europäer noch darüber philosophieren, dass man eigentlich schon gerne ein europäischen Ratingunternehmen hätte, haben uns die Chinesen einfach mal wieder längst links überholt.

Die Erkenntnis daraus: Wenn man wirklich eine Rating-Agentur aufbauen will, dann geht das auch schnell und ohne kompliziert.

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Comments
7 Responses to “Eurokrise – Renditen & Ratings”
  1. aloa5 sagt:

    Eine ganz interessante Spielerei um eine Glaskugel zu erzeugen. Womöglich kommen Ratingagenturen mit sicher komplizierteren Berechnungen auch nur auf das gleiche. Und am Ende kommt so eine Liste auf den Tisch des CEOs und er entscheidet willkürlich ob und wann….

    Du bist unsere europäische 1-Mann-Ratingagentur 🙂

    BTW:
    Was habe ich heute morgen gelacht. Die Amerikaner sind beleidigt das S&P sie herabgestuft hat. Man verbittet sich die Bewertung. Z.B. Robert Reich:
    http://robertreich.org/post/8542550924

    Pardon me for asking, but who gave Standard & Poor’s the authority to tell America how much debt it has to shed, and how?

    Oder Krugman:
    http://krugman.blogs.nytimes.com/2011/08/05/sp-and-the-usa/?smid=tw-NytimesKrugman&seid=auto

    The people who rated subprime-backed securities are now declaring that they are the judges of fiscal policy? Really?

    Böse, böse Ratingagenturen. 🙂

    Grüße
    ALOA

  2. tera-euro sagt:

    Hallo Andena17,

    erstmal Danke/Glückwunsch für die Arbeit, die Tabellen zusammenzustellen.
    Man muss schon einen guten „Riecher“ haben, so einen Artikel genau vorm downgrade der USA zu veröffentlichen.
    Ich hatte übrigends haarscharf denselben Gedanken wie aloa5 -> auf dem Weg zur 1-man-do-it-yourself Ratingagentur.

    Ein paar Fragen meinerseits:

    „nach der Formel Max(a;b+1,25;c-1)“: klingt nicht unplausibel,
    aber etwas expliziter begründet/erläutert würde zu mehr Transparenz beitragen

    Mittelfristig / Langfristig : welche Zahlen/Laufzeiten stecken dahinter ( 2/5/10/15 Jahre )?

    Mangels Zeit folgen nachher noch ein paar Ergänzungsvorschläge/Wünsche für zusätzliche Spalten.

    Ansonsten erstmal viel Glück, hoffentlich geräts Du nicht ins Visier italienischer/französchischer Staatsanwaltschaften…

    • andena17 sagt:

      Hallo tera-euro,

      Danke für die Glückwünsche.

      Man muss schon einen guten „Riecher“ haben, so einen Artikel genau vorm downgrade der USA zu veröffentlichen.

      Das zeitliche Zusammenfallen ist reiner Zufall, aber vielleicht hatte ich so eine Ahnung, dass demnächst Abwertungen fällig sind. Obwohl ich eher mit einer Abstufung einiger europäischer Länder gerechnet hatte. 😉

      Zu Deinen Fragen:

      Meiner Formel ist denkbar trivial gehalten, sicherlich könnte man noch mehr Faktoren mit einbeziehen wie die Infaltionsrate, der Verschuldungsgrad, der Anteil an Auslandsschulden, das Steueraufkommen, das Volkseinkommen usw usf und würde dann auch zu „hart“ begründbaren Ratingeinschätzungen kommen.

      Ich habe einfach mal aus Sicht des Rendite-Markts auf eine mögliche Ratingeinschätzung geschaut, wobei ich hier allein die Höhe der Renditen für mittelfristige Anleihen (Restlaufzeit zwischen drei und acht Jahren) und langfristigen Anleihen (Restlaufzeit mehr als acht Jahre) und deren Verhältnis zu den Leitzinsen der Budnesbanken berücksichtigt habe. Also Werte, die für renditeorientierte institutionellen Anleger wichtig sind. Auf der „Ertrags“-Seite haben wir hier die Renditen und auf der „Aufwands“-Seite der Zins für die Kapitalbeschaffung.

      In diesem Sinne ist „mein“ Rating eine Renditeeinschätzung im Gegensatz zu den großen drei Agenturen, die eine Ausfalleinschätzung vornehmen. Dabei gibt es natürlich eine Parallele: Wenn die Zinslast der öffentlichen Anleihen im jeweiligen Haushalt eine nennenswerte Größe einnehmen und die Schulden nicht mehr aus dem laufenden Haushalt mehr reduziert werden können, führt ein weiterer Schuldenaufbau notgedrungen irgendwann einmal zu einer Situation, das eine Rückzahlkung der Schulden immer unwahrscheinlicher wird und letztendlich ein Zahlungsausfall droht.

      Faktisch liegt im Falle von Griechenland bereits eine solche Lage vor, denn bereits die zukünftige marktbezogene Zinslast von 22% bei knapp 320 Mrd € Schulden würde mit 70 Mrd € bereits den Großteil der gegenwärtigen Steuereinnahmen von 90 Mrd € ausmachen. Faktisch ist Greichenland somit bereits pleite bzw dann, wenn Griechenland nur mehr Anleihen zu einem marktfähigen zinssatz auflegen kann.

      Besten Gruß, Andena

  3. ketzerisch sagt:

    So eine ähnlich Analyse habe ich auch mal gemacht. Die Ende 2009 erwartet Herabstufung Irlands von AA auf BBB+ ist ja eingetreten. Großbritannien und Österreich zieren sich noch.

    • andena17 sagt:

      Hallo ketzerisch,

      Deine Tabelle der Länderisiken finde ich äußerst interessant. Die Risikoprämie als Grundlage zu nehmen ist natürlich auch absolut sinnvoll, da sie ja faktisch eine marktfähige Versicherungsleistung darstellen.

      Wir beide, so scheint es, sind bei einem unterschiedlichen Herangehen auf eine ähnliche Einschätzung gekommen. Also entweder irren wir beide uns gleichzeitig, oder unser Ergebnis ist so verkehrt nicht. 😉

      Besten Gruß, Andena

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  1. Anonymous sagt:

    […] Lehren die USA jetzt ziehen, wir werden bald in derselben Situation sein (Verlust des AAA-Ratings). Das sehe ich anders. So schnell geht es bei uns nicht. Die Krise der USA hat ein langes Vorspiel und sie sind auch […]

  2. […] der Leute ist, wie sicher die bereits begebenen Kredite wohl sind. Neben den CDS-Prämien ist die Rendite der Staatsanleihen ein zuverlässiger Indikator für die eingeschätzte Kreditwürdigkeit der einzelnen […]



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