Paul Krugman und Blinder – vergesst die Schulden, die wahre Krise gibt es woanders

Es hat ja etwas länger gedauert bis Größen wie Paul Krugman und Blinder auf ähnliches kommen wie wir hier im Blog. Bei Krugman liest man unter „wrong worries„:

Well, it’s time for all that to stop. Those plunging interest rates and stock prices say that the markets aren’t worried about either U.S. solvency or inflation. They’re worried about U.S. lack of growth. …
Earlier this week, the word was that the Obama administration would “pivot” to jobs now that the debt ceiling has been raised. But what that pivot would mean, as far as I can tell, was proposing some minor measures that would be more symbolic than substantive….
The point is that it’s now time — long past time — to get serious about the real crisis the economy faces. The Fed needs to stop making excuses, while the president needs to come up with real job-creation proposals. And if Republicans block those proposals, he needs to make a Harry Truman-style campaign against the do-nothing G.O.P.

This might or might not work. But we already know what isn’t working: the economic policy of the past two years — and the millions of Americans who should have jobs, but don’t.

So ist es Paul Krugman. Monetarismus inkl. Keynesianismus hat einsehen müssen das dies alleine wohl nicht Heilsbringend ist. Daher ist es wohl auch einer seiner Blogpostings in welchen er als führender Neo-Keynesianer nicht schreibt man müsse das Deficit-Spending erhöhen/verlängern und weitere Schulden machen. Nein, er sagt Obama müsse Wege und Lösungen präsentieren, die letzten Beiden Jahre waren offenbar kein Teil der Lösung.

Der Ex-Vize-FED-Vorsitzende Blinder hat schon ein paar Ideen angebracht wie man Firmen zu Einstellungen bringen kann:

To boost hiring, companies could be offered a tax rate of just 5% or 10% of any repatriated profits. The amount of profits receiving that rate would be equal to the increase in Social-Security wages.

Das sind für amerikanische Verhältnisse – und auch m.E. für Deutsche – schon große Schritte. Ungeachtet ob nun sinnvolle oder weniger sinnvolle Vorschläge gemacht werden wird über Ausgestaltungen und Änderungen bei Steuern und ggfs. Abgaben geredet anstatt über die Höhe der Staatsausgaben, Deregulierung, Deficit-Spending und Monetarismus. Sehr verhalten zwar und noch nicht wirklich im Sinne von Effizienzsteigerung – aber immerhin, Bescheidenheit der Ideologien hat nach zwei Jahren auch in den USA Einzug gehalten – bei einigen wenigen zumindest.

Ihr erinnert Euch noch an letztes Jahr, an Pseudodiskussionen von Pseudokapitalisten und zuletzt der Artikel mit dem ökonomischen Fukushima?

Und so diskutieren wir also derzeit über Staatsschulden und auch um das „Staatssparen“. Nein, nicht wir… die Pseudos sind dabei größtenteils unter sich und reden sich die Gemüter heiß über etwas was man so gar nicht lösen kann.

Ich habe keine Ansätze, weder hier noch in den USA, gesehen welche darauf schließen lassen das man gewillt ist ein paar Rahmenbedingungen ins Gespräch zu bringen. Am ehesten vielleicht noch Obamas erste Idee mit einer Reform der Krankenversicherung in den USA.

Es werden weltweit in der Hauptsache Pseudodiskussionen geführt und das muss ein Ende haben.

Wie die gerufenen Geister von der Tea Party und auch den Schuldenständen in den USA zeigen wird man die ehemaligen Patentrezepte und dadurch verursachte Problematiken nicht ohne weiteres los. Man hat sie ja lange genug propagiert. Ob die neue Bescheidenheit oder die Kursstürze dazu führen denn doch eine Restrukturierung von Steuer- und Abgabensystemen herbeizuführen ist fraglich. Ich gehe nicht davon aus. Allerdings kann ich mir derzeit nicht wirklich vorstellen wie man die Probleme welche weltweit aber insbesondere auch in den USA herrschen in den Griff bekommen möchte. Auch wir Deutsche dürfen uns dabei nicht von der amerikanischen Dekadenz und Arroganz der letzten Jahre/Jahrzehnte leiten lassen nur weil es uns heute besser geht als vielen anderen. Bei uns liegt exakt das gleiche Problem vor.

Ich rede nicht von steigenden Steuervolumen und ich rede nicht über exorbitante Steigerungen der Staatsausgaben. Es geht auch überhaupt nicht darum einen überbordenden Sozialstaat aufzubauen. Wenn die Lastenverteilung innerhalb der Gesellschaft nicht mehr stimmt, dann bricht die Kaufkraft weg, steigt die Verschuldung, konzentrieren sich Einkommen und Vermögen. Letztlich bremst diese ineffiziente Lastenverteilung auch die Arbeitsaufnahme über die Kosten im Verhältnis zur weltweiten Kaufkraft aus. Wer versucht ohne die Rahmenbedingungen zu ändern über ein Prozent mehr oder weniger Zins und ein Prozent mehr oder weniger Defizit die kumulierten Probleme der letzten Jahrzehnte zu lösen muss scheitern. Er hat nichts verstanden, denn er möchte ja überhaupt nichts verändern sondern versucht lediglich ein „Problemchen“ zu überbrücken – z.B. mit deficit spending.

Wollen wir also hoffen das der Keim der Erkenntnis noch etwas weiter trägt und es noch rechtzeitig zu entsprechenden Aktionen kommt. Natürlich kann man das auch nicht tun und über einen Reset neu anfangen – mit den gleichen Fehlern weitermachen. Mein Mitleid mit den Bürgern welche dies demokratisch mittragen hält sich jedoch sehr in Grenzen.

Comments
One Response to “Paul Krugman und Blinder – vergesst die Schulden, die wahre Krise gibt es woanders”
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  1. […] auch schon weiter. Wie ich bereits geschrieben hatte hat er erkannt das die eigentliche Krise bei den Jobs liegt. Ich komme dabai auch zurück zu den Essensmarken und (oh wunder) auf Heckscher-Ohlin und […]



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