USA und Deutschland – die Infrastrukturen der verschuldeten Steuer- und Kostensenker

Sparen, sparen, sparen.

In den USA gelten 25% aller Brücken als defekt oder unbrauchbar. An der Spitze liegen dabei Massachusetts (56%), Pennsylvania (50%) und New York (Staat; 42%). Aufgelaufener Investitions bzw. nur für die Sanierung(!) der Infrastruktur wird auf 2,2 Billionen veranschlagt. Am gravierendsden seien jedoch die Mängel bei Wasser- und Abwasserwegen. Die Stromausfälle der maroden Leitungen in den USA sind ja so oder so schon legendär. Die Zahlen stehen in einem Schadenspiegel 2011 der MunichRe (ehem. Münchener Rück). Sie schreibt weiter, das Obama das ändern wollte (wirklich??).

„Wir werden die Straßen, Brücken und Stromnetze bauen, die unseren Handel
nähren und uns miteinander verbinden“, versprach er bei seiner Antrittsrede
im Jahr 2009. Inzwischen hat auch er kapituliert. Infrastruktur hat keine Lobby.

Es ist bei uns in Deutschland oftmals nicht anders und dabei ist es hier wie in den USA oder Großbritannien oder andernorts. So lange nichts dramatisches geschieht möchte niemand zahlen. So schreibt auch die MunichRe und konstantiert das Erneuerungen der bereitsbestehenden Substanz allenfalls mit Neuerungen welche gewünscht sind (z.B. erneuerbare Energien) einher gehen.

Dabei ist Westdeutschland offenbar noch ein Leuchttürmchen. „Türmchen“ deshalb weil es bei uns ähnlich zugeht. Die Anzahl der Brücken welche saniert werden müssten geht auch hier in die tausende. Alleine in NRW werden notwendige Kosten in Höhe von 3,5 Mrd Euro angenommen -für 300 Brücken wobei weitere 700 Brücken vermutlich ebenfalls zu beanstanden sind. Jede siebte Brücke ist in ungenügendem Zustand, die Bauindustrie rechnet alleine für Autobahnbrücken der nächsten Jahre mit 7 Mrd Euro dringendem Bedarf. Wiederum nur für den Erhalt des bestehenden wohlgemerkt. Noch schlimmer steht es um die Abwasserleitungen. Diese sieht man ja nicht. 1,5mio km private Leitungen sind verlegt, davon zwischen 50% und 90% beschädigt, erwartete Schadenssumme: 100 Mrd Euro (bzw. Reparatursumme; oft von Versicherungen getragen).

„Keine Lobby“. Man stelle sich den Fuhrpark eines Taxiunternehmens vor mit zunehmend vor sich hin rostenden Autos. Kein Taxifahr-Bürger, kein BWLer und kein Kreditsachbearbeiter würde das nach x Jahren wenn der Zusammenfall deutlicher wird als „nachhaltig“ bezeichnen.
Aber das Volk weiß eines: der Strom kommt aus der Steckdose – und das Geld wird vom Staat oder von den Konzernen verschleudert oder an Dividenden ausgeschüttet. Dabei haben sie teilweise nicht einmal unrecht, denn Privatisierungen haben wie man an GB und den USA sieht nicht wirklich einen Vorteil. Die Schuldzuweisung fällt da leicht. Wenn der Bund, die Länder und die Kommunen diejenigen sind welche nichts erneuern können sind es dann nicht die hohen Gewinne der Absahner welche Schuld sind. Der Staat, der soll doch bitte schön eines tun, nämlich sparen. Was nicht sein darf, und da sind wir bei den „Tea Party“-Mitgliedern in den USA, sind höhere Steuern. Und so hoppeln wir weiterhin über schlechte Straßen, fahren unter maroden Brücken druch, schließen Schulhäuser wegen kaputter Heizungen und müssen uns wie zuletzt ein Geheule über neue Energieleitungen anhören als ob es sich um ein Jahrhundertprojekt wie der Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg handeln würde. Die Schäden für Menschen und Volkswirtschaften sind enorm, gleich ob Buschbrände in Australien (Victoria, 2009), marode und unzureichende Dämme oder zusammenbrechende Brücken in den USA.

Wir haben in der Volkswirtschaft nichts zu arbeiten? Diese Annahme stimmt offenbar so nicht. Alles fährt auf Verschleiß, von Abwasserkanälen bis zum ÖPNV welche jährlich innerstädtisch um 600mio Euro zunimmt. Wir könnten jährlich etwa 20 Mrd mehr in die Hand nehmen und würden doch nur den status quo halten. Die sogenannte Badewannenkurve ___/ aus Kinderkrankheiten, wartungsarmer Laufzeit und Lebensende ist in den Industrienationen in einigen Bereichen an ihrem letzten Abschnitt, den steigenden Kosten angelangt. Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) prognostiziert einen kommunalen(!, also ohne priv, Ländern und Bund) Investitionsbedarf für die Jahre 2006 bis 2020 in Höhe von 704 Mrd. Euro. Diese Zahl ist enthalten in einer vom BID in Auftrag gegebene Studie der Universität Münster mit dem Titel Bedeutung der Infrastrukturen im internationalen Standortwettbewerb und ihre Lage in Deutschland.

Wäre in den Jahren 1995-1999 genauso viel investiert worden wie im Vergleichszeitraum 1990-1994, so hätte das Wachstum, verteilt über fünf Jahre, um die Summe der beiden Wachstumsbeiträge, also insgesamt knapp 2,5 Prozentpunkte höher gelegen. Nach einer weiterführenden Berechnung des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) für den Zeitraum von 2000-2004 betrug die Wachstumseinbuße gegenüber dem Zeitraum 1990-1994 bereits 4,1 Prozentpunkte.

Sanieren ist nicht sexy. Offensichtlich nicht. Es wird gewartet bis etwas schier zusammenbricht und ein Investor gesucht welcher dann alles neu macht. Wer Ostdeutschlands Innenstädte vor oder direkt nach der Wende gesehen hat kennt die extremsten Auswüchse. Aber auch so sollte jedem deutlich sein wie wichtig Infrastruktur für uns alle sowohl in Bezug auf uns als direkt persönlich Betroffenen als auch für unsere Wirtschaft ist. Luft dafür ist allemal, denn diese Investitionen erbringen sowohl direktes BIP als auch später. In o.g. Studie werden zu jeder investierten Mrd rd. 170mio zusätzlichen Effektes hinzugerechnet.
Investitionen in Deutschland, Bruttoanlageninvestitionen
Und damit verweise ich noch auf den Artikel zum Ifo-Wunderland und es sollte sich jeder überlegen inwiefern wir an der aktuellen Situation etwas verändern wollen, sollten oder müssen.

Comments
3 Responses to “USA und Deutschland – die Infrastrukturen der verschuldeten Steuer- und Kostensenker”
  1. andena17 sagt:

    Hallo aloa,

    schöner Artikel😉

    Eine Anmerkung habe ich aber: Die Werte für die Bruttoanlageinvestitionen in der Graphik solltest Du nochmal checken. Bei destatis.de finde ich in Tabelle 81000-0019 folgende Werte für 2010:

    448,15 Mrd € Bruttoanlageinvestition, davon
    170,02 Mrd € Ausrüstungsinvestitionen
    249,78 Mrd € Bauinvestitionen
    28,35 Mrd € Sonstige Anlageinvestition

    und würde dann bei einem BIP von 2.498,80 Mrd € insgesamt nur 17,9% ausmachen.

    Besten Gruß, Andena

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