Der Zins, der Zins – Euro-Bonds, Zentralbanken, Schulden und die Keynesianer

0% Zentralbank-Zinsen sind toll. Oder auch nicht. Jedenfalls sind hohe Zinsen für hochverschuldete Länder schlecht. Oder auch nicht. Gleich hohe Zinsen für so unterschiedliche Länder wie Deutschland und Spanien sind besonders schlecht. Oder doch nicht? In jedem Fall sind hohe Zinsen für AA+ anstelle eines AAA-Landes USA unglaublich schlecht. Und Firmen? Wir waren doch bei den tollen 0% der Zentralbanken – wie sieht es mit Firmen-Refinanzierungen bei diesen 0% aus?

Und damit willkommen in der Welt der Schizophrenie von Ökonomen, Ideologen, Finanzjongleuren und Poltikern liebe Leser.

Erst einmal kurz eine Erklärung was einen Euro-Bond, eine EU-Anleihe characterisiert. Wenn Staaten Geld benötigen geben sie Staatsanleihen aus, haften dann für diese Staatsanleihen. Je weniger solvent ein Staat, desto höher müssen die Vergütungen (aus Sicht von Staaten Refinanzierungs-Zinsen genannt) sein damit jemand an einen Staat leiht. Deutschland hat also niedrige Zinsen (da besser bewertet), Spanier, Griechen etc. haben hohe Zinsen zu zahlen. Da verschuldete Länder noch größere Probleme erhalten wenn sie hohe Zinsen für die Rekapitalisierung zahlen müssen bzw. praktisch in die Pleite getrieben werden könnte man Euro-Bonds auflegen. Das bedeutet alle Euro-Staaten haften gemeinsam und damit könnten Spanien, Italien und Co. einen Zinssatz von sagen wir 3,5% anstelle von 30% für Kredite halten.

Robert Reich (ehem. Regierungsmitglied in den USA zum Downgrading der USA durch S&P:

Standard & Poor’s downgrade of America’s debt couldn’t come at a worse time. The result is likely to be higher borrowing costs for the government at all levels, and higher interest on your variable-rate mortgage, your auto loan, your credit card loans, and every other penny you borrow.

Das Herunterstufen komme äußerst ungelegen, würde doch potentiell die Refinanzierung auf allen Ebenen des Staates (und jedes einzelnen) teurer.

Für Krugman kein Problem. Japan hätte das schon seit 2002 hinter sich und erhalte immer noch zu günstigsten Konditionen Geld vom Markt (im übrigen teilweise die Hälfte der Zinsen welche Deutschland zahlt). Und Haushalts-Defizite seien dafür auch nicht relevant, der Gleichklang der Zinsraten USA, GB und Deutschland würden dies belegen.

So ganz unrecht hat Krugman natürlich nicht. Bei der Bewertung ob man Kreditwürdig ist spielen mehrere Faktoren eine Rolle. USA und Japan wie auch England können sich theoretisch und praktisch direkt oder indirekt jederzeit Geld drucken und damit weiterhelfen. Die Japaner kommen – trotz 200%iger Staatsverschuldung – schon rd. 9 Jahre weiter. Ob eine Verschuldung von 200% Sinn macht? Wohl eher nicht, aber das ist ein anderes Thema, eine andere Facette der Schizophrenie und Aversion gegen Steuern an welchem vor allem die Bürger selbst einen großen Anteil tragen bzw. diese angesichts hoher, unerwünschter Verschuldung schizoide Auffassung teilen.

Zurück zu unseren Zinsen. Wie wir wissen sind verschuldete Staaten wie Griechenland oder Spanien schier nicht in der Lage sich aus der Schuldenfalle zu befreien. Sie können nicht selbst Geld drucken und auch nicht selbst „weginflationieren“. Da können US-Notenbanken oder die EZB 0% Zins ausloben – darum geht es dann nicht, denn dieser Zinssatz kommt nicht bei diesen Staaten an, denn die Zentralbanken sind nicht „der Kapitalmarkt“. Direkt Geld leihen ist verpöhnt, das ist wie Geld drucken – also erhalten Banken das Geld und „irgendwie“ dann ein Staat. Die Schuldenfalle der Schuldenstaaten ist in der Krise(!) also die gleiche Falle in welcher viele Firmen stecken. Kommt es zu einem Abschwung, einem Krisen-Schock, dann brechen Umsätze und Ertragserwartungen weg. Eventuell werden auch Sicherheiten wie z.B. Immobilien anders bewertet und damit kommt man in Bedrängnis. Was folgt sind Risikoaufschläge und schlechtere Bewertungen … von (Haus)Banken … und damit auch zu höheren Zinsen oder zu einem nicht genehmigen von Krediten (neue wie Folgekredite). Es ist m.E. 1:1 die Situation in welcher sich auch bedrängte Staaten befinden.

Damit wären wir schon bei der Kreditvergabe. Bleiben wir noch kurz bei den Zinssätzen der Zentralbanken, denn weniger Zins bedeutet doch eigentlich bessere Zinsen, oder nicht? Ich zitiere aus der FAZ Gunnar Heinsohn:

Als die Federal Reserve den Zins von 6,25 Prozent auf 0,75 Prozent senkt und dort volle drei Jahre hindurch belässt, sind auch hier am Ende die Ergebnisse ernüchternd: Von vier Dollar, die bis 2007 in das Bankensystem gepumpt werden, führt lediglich ein einziger zu einer Steigerung des Bruttoinlandsprodukts.

Die günstigen Zinsen kommen also nicht nur nicht an bei den bisherigen Kreditnehmern um diese Krisenfest zu machen, sondern sie kommen überhaupt nur zu einem Viertel in der realen Wirtschaft an lt. Heinsohn.
Geschäftsbanken erhalten günstiges Geld („Einkaufspreis“), verleihen immer teurer (Risikoaufschläge) und was an zusätzlichem Geld aufgenommen werden kann wird nicht in die labile Realwirtschaft gesteckt sondern in krisenfeste Rohstoffe, andere Banken, Immobilien etc.. Es wird selbst gekauft – nicht verliehen, nicht investiert. (Im übrigen m.E. auch ein häufig übersehenes Manko des Gesellschen Freiwirtschafts-Systems) Auch aus diesem Grunde stehen und standen viele Banken z.B. in den USA schon kurz nach dem Crash wieder mit Mrd-Gewinnen da. Die Sanierungen dort sind mit niedrigen Zinsen gelungen – in der Realwirtschaft kommen wenn, dann die Kosten in Form von höheren anstelle von niedrigeren Zinsen an… wenn überhaupt noch Kredite vergeben wurden/werden. Denken Sie daran wenn Sie das nächste Mal von hilf- und vor allem ahnungslosen Politikern hören das die niedrigen Zinsen nicht bei Firmen ankommen würden.

Zurück zu den Euro-Bonds. Hans-Werner Sinn ist ein bekannter Gegner dieser Bonds. Das ist erklärlich, denn er hat (wie berichtet) ja die Krise als solches damit begründet das schon bei Einführung des Euro die Zinsen der Peripherieländer gesenkt hat. Das hätte zudem auch die Investitionen in Deutschland selbst beeinträchtig. Ein Rating dieser Länder käme gar nicht mehr zum tragen, wir als Deutsche würden den Satz senken und selbst mehr zahlen als bisher. Letzteres halte ich so gesprochen jedoch nicht für zwingend. Dadurch das man weniger verletzlich ist kann der Satz sinken. Siehe auch USA und Japan. Teilweise haben wir Deutsche, trotz geringerer Verschuldung etc. schon in der Vergangenheit bis zu 2% mehr an Zinsen zahlen müssen als die Japaner. Bei einer Verschuldung von sagen wir 1,5 Billionen stellen 2% weniger durchaus einen veritablen Posten dar.
Was man mit den Bonds erreichen will ist klar. Mit diesen Anleihen kann man innerhalb einer Krise für Länder das generieren was Firmen i.d.R. verwehrt ist, nämlich Kreditwürdigkeit. Schön das Länder für eine Überbrückungs-Zeit einen solchen Ausweg besitzen. Noch schöner wäre es wenn Firmen dies auch sagen könnten – und nicht nur Banken.

Schulden stellen kein Problem für Krugman dar, wie ich oben verlinkt hatte. Leider macht er sich damit teilweise zum Gehilfen derjenigen welche das Problem geschaffen haben. Denn was man anhand des Beispieles von Japan auch sehen kann ist, das Schulden von 100%+x auch bei 1% Zins letztenendes nicht dazu geführt haben das es heute weniger Schulden sind. Im Gegenteil, die Schulden (nicht nur in Japan) haben sich verdoppelt. Es ist ein sehr zweischneidiges Schwert. Gerade für die USA kann man sicher sein das die Schulden nicht abgebaut werden – dazu muss man sich nur einmal die Tea-Party-Mitglieder und die Staatsquoten der USA und Japans ansehen. Da wird es keinen Weg zu einer Rückführung geben. Um eine Rückführung zu initiieren ist für diese Beiden Staaten entweder eine höhere Besteuerung mit Effizienzsteigerung notwendig oder ein gewaltiges Wachstum bei ausgeglichenem Haushalt. Das (dort) notwendige Wachstum ist m.E. jedoch ausgeschlossen, das findet in Asien statt. Für Wachstum außerhalb von Schuldenaufnahmen bedarf es im gro´ gerade einer effizienteren Besteuerung und Umverteilungspolitik um Kaufkraft und Produkterzeugung zu generieren. Und so deutet in den USA alles darauf hin das es ein „weiter so“ geben wird.

Bei uns in Europa und speziell in Deutschland sieht es m.E. ähnlich aus. Wenn wir auch etwas davon profitieren könnten das die Ansätze außerhalb von Parteien wie der FDP unter Rösler vielschichtiger sind. Verschiedene Staaten werden verschiedene Maßnahmen einleiten und Pluralismus hat noch selten geschadet. Die Schuldenproblematik bleibt jedoch präsent, ebenso die Arbeitslosigkeit und das schwinden der Kaufkraft der Massen in weiten Teilen Europas. Gleichzeitig hat man nicht genug Kaufkraft und Arbeit nachzufragen und es fehlen Arbeitsplätze.

Es bleibt daher dabei. Monetarismus und mit ihm die EZB- und FED-Politik inkl. Zinssteuerung wird das Problem dieses Gleichgewichtes bei Unterbeschäftigung mit gleichzeitig (als logische Folgerung) tendenziell sich immer mehr ausweitenden Staatsverschuldung nicht beheben können. Ich finde es immer interessant wenn ich dazu andere Stimmen zitieren kann wie hier Rien Huizer aus den Kommentaren bei Kantoos:

There can be no doubt that AD in Europe … should be stimulated, even at the risk of a property bubble in Germany. As fiscal policy is not appropriate (accumulated debt) and politically impossible (taxes), only two things can work: constructive monetary policy (especially level targeting, not that nonsense that people start talking about overheating after a few annualised quarters of >3% real growth and say 6% of NDGP) while a huge capacity gap still exists …. The other thing that could work a bit would be to create so much uncertainty (by omission of course) about the EUR that no matter how bad the situation in the US is, the EUR does not float upwards, as the JPY tends to do.

Nun – wenn Monetarismus unsere einzige und letzte Hoffnung wäre, dann könnten wir (und das halte ich m.E. für sicher) den Abgesang starten. Warum es praktisch nur darüber versucht wird, wird mir auch ewig ein Rätsel bleiben, denn es verstößt gegen jede ökonomische Vernunft. Keynes Verschuldungspolitik war gedacht für kurze Zeitabschnitte bei ansonsten funktionstüchtigen Rahmenbedingungen und nicht um einen maroden status quo über die Zeit zu helfen bis es gar nicht mehr geht. Die Zinsen können aktuell durchaus niedrig bleiben…. es werden trotzdem weniger Kredite aufgenommen bzw. vergeben als vor der Krise. Denn an wen kreditwürdiges sollte man sie denn ausgeben? Eine Inflation, auch eine Möglichkeit einen Teil der Schulden loszuwerden, ist dadurch daher sobald auch nicht in Sicht.

Nur Bubbles… die könnte es durchaus geben.

Es könnte uns allen besser gehen wenn wir nicht an diejenigen gebunden wären welche darauf beharren über Krisen und Zinsen zu sprechen anstatt darüber wie man das Gleichgewicht bei Unterbeschäftigung anders, aber dauerhafter als mit Monetarismus und Sozial- und Steuerkürzungen behebt. Das hatten wir in den letzten Jahrzehnten bereits „ausprobiert“. Nur sind wir nicht weit damit gekommen. Ob wir nun Bonds erhalten oder nicht ist (de facto) nur dann von Interesse wenn wir keine grundsätzlichere Lösung für unsere Verschuldungspolitik erarbeiten. Dekrete wie „Schuldenbremsen“ sind da nur sehr begrenzt zweckdienlich, denn sie ändern nichts an der Haltung wie man schön anhand der 74 Anhebungen in den USA und an die regelmäßigen Verstöße auch Deutschlands gegen die 3%-Grenze sehen kann. Das hat zu allem möglichen geführt aber nicht dazu das die Steuer-, Abgaben- und sagen wir „Kreislaufpolitik“ sich wirklich verbessert hätte. Angebot und Nachfrage müssen nun einmal erhalten werden und ohne Massenkaufkraft gibt es weder Absatzmärkte noch Arbeit.

Comments
13 Responses to “Der Zins, der Zins – Euro-Bonds, Zentralbanken, Schulden und die Keynesianer”
  1. Christian sagt:

    Schuldenbremse = Guthabenbremse. Ergo unsinnig.

    Die Zentralbank setzt den Zins fest. Deshalb kann sich Japan günstiger verschulden.
    Schuldenabbau = Vermögensabbau. Die Mittel um dies zu erreichen sollen aber nach herrschender politischer Lehre nicht von denen kommen, die auch Vermögen besitzen 😉 Es wird also schwierig..

    Es ist übrigens relativ leicht.
    Stichwort: Stock flow consistent macro models, siehe z.B. hier http://bilbo.economicoutlook.net/blog/?p=2418
    Es gilt immer für jede Periode:
    S-I = G-T + Ex-Im
    Was folgt daraus? Möchte man, dass der Privatsektor insgesamt Geld spart ( alles andere ist auf Dauert nicht durchzuhalten ), dann muss man mehr exportieren als importieren oder/und Staatsdefizite in Kauf nehmen.

    Diese Flüsse addieren sich natürlich zu Beständen. D.h. der Staatsschuldenberg ergibt sich aus der Summe der Staatsdefizite, die in den einzelnen Perioden angefallen ist. Natürlich gilt dies auch für das private Vermögen. Wer das eine verteufelt, müsste dann auch das andere verteufeln.

    Möchte man diesen Bestand zurückführen, müsste man rechnerisch Staatsüberschüsse erzielen. Wenn man das macht, dann geht das nur über zwei Wege: Entweder man exportiert noch mehr als man importiert oder man sorgt dafür, dass der Privatsektor insgesamt Geld drauflegt. Dies sorgt gleichzeitig dafür, dass der private Vermögensbestand abgebaut wird. Natürlich hat das auch Auswirkungen auf die Realwirtschaft, automatische Stabilisierer ( weniger Steuereinnahmen, höhere Sozialausgaben ) sorgen dann dafür, dass aus Sparabsicht != Sparerfolg wird. Natürlich könnte man auch Steuern erhöhen, bei den Leuten, die das Geld nicht nötig haben und damit nichts sinnvolles tun. Warren Buffet hat da einen Vorschlag gemacht: http://www.nytimes.com/2011/08/15/opinion/stop-coddling-the-super-rich.html?_r=4&src=me&ref=general

    Anmerkung zum Schluss: Global können sich nicht alle gesundexportieren..

    • aloa5 sagt:

      Hallo Christian.

      Schuldenbremse = Guthabenbremse. Ergo unsinnig.

      Jein. Hier geht es ja nicht um eine generelle Schuldenbremse für die gesamte Volkswirtschaft, daher würde es auch keine Guthabenbremse darstellen. Und (in Addition) geht es m.E. um eine relative Schuldenbremse (relativ zum BIP), nicht um eine absolute. Daher greift das Argument nicht ganz durch. Denn:

      Möchte man, dass der Privatsektor insgesamt Geld spart ( alles andere ist auf Dauert nicht durchzuhalten )

      Der Privatsektor kann insgesamt jederzeit Geld sparen – wenn die Wirtschaft „wächst“. Partiell kann sie auch mehr sparen und sich höher verschulden wenn in diesem Privatsektor auch Rückgänge (Insolvenzen) gut möglich sind.

      Entweder man exportiert noch mehr als man importiert….
      Anmerkung zum Schluss: Global können sich nicht alle gesundexportieren..

      Es sieht aktuell doch so aus: wir haben mehr exportiert als importiert…. von „gesundexportieren“ was die Staatsfinanzen angeht kann man wohl nicht gerade sprechen. Das ist doch das gleiche wie mit Keynes. Ist alles schön und Gut mit dem überbrücken – aber wenn man auch in einer sog. „Boom-Zeit“ nichts zurückführt ist der Staat in der zweiten, dritten oder vierten Krise dann am Ende und die Idee in der Praxis untauglich.

      Was keinen Sinn macht ist eine stagnierende Wirtschaft und die Insolvenz des lender of last ressort „zugunsten“ der vermögenden. Selbst diese haben am Ende nichts davon. Zumal in der Aufbauphase des Problems aktuell die Wirtschaften allesamt hinter den eigenen Möglichkeiten zurückbleiben WEIL das Problem der ungeeigneten Kreisläufe existiert.

      Grüße
      ALOA

      • Christian sagt:

        Hallo ALOA,

        Ich glaube wir sind gar nicht soweit voneinander entfernt. Abgesehen von diesem Punkt:
        Der Staat ( solange er seine eigene Währung herausgibt, flexible Wechselkurse hat und sich nur in eigener Währung verschuldet ) ist auch nach vier Krisen nicht am Ende. Der kann nämlich eigentlich nicht Insolvent gehen. Es sei denn er tut das freiwillig.
        Interessanter Artikel, den ich dazu heute gefunden habe: http://hiwaay.net/~becraft/RUMLTAXES.html
        Die Einsichten sind also nicht neu 😉

        Für Euroland sieht das anders aus.

        Viele Grüße,
        Christian

        • aloa5 sagt:

          Hallo Christian.

          Ich glaube wir sind gar nicht soweit voneinander entfernt.

          Denke ich auch ;).

          Abgesehen von diesem Punkt:
          Der Staat ( solange er seine eigene Währung herausgibt, flexible Wechselkurse hat und sich nur in eigener Währung verschuldet ) ist auch nach vier Krisen nicht am Ende. Der kann nämlich eigentlich nicht Insolvent gehen.

          Direkt insolvent gehen womöglich nicht, aber in eine größere Inflation geraten. Wenn die Wirtschaft und auch die Haushaltssalden nicht auf Vordermann gebracht werden können druckt man dann (bildlich) in immer kürzeren Abständen eine zusätzlich Null auf den (alten) zloty und auf die Schuldenuhr. Inflationieren mit der Zielsetzung Abwertung um konkurrenzfähiger zu werden gegenüber dem Ausland (z.B. um Außenhandelsdefizite abzubauen) geht auch nur wenn die übrigen Staaten dies nicht gleichfalls machen.

          Man darf Wetten ab wann Japan bei 300% liegt 🙂

          Grüße
          ALOA

          • Christian sagt:

            Und wenn Japan bei 300 % liegt? Dann dreht sich die Welt auch weiter. Inflation ist in Japan ja nun gerade nicht das Problem, oder? 😉
            Japanische Staatsanleihen werden alle verkauft, zu einem sehr niedrigen Zinssatz. Wieso, wenn doch die Inflation durch den hohen Schuldenberg angeblich vor der Tür steht? Und dies tut sie schon seit einiger Zeit, wenn man den Defizitterroristen glauben darf.
            In the long run, we are all dead 😉

            Die japanische Währung sollte abgewertet werden, weil sie so hoch im Kurs steht. Wie passt das mit den angeblich so schlimmen Schulden zusammen?
            Vielleicht sehen die Japaner ja ein, dass Staatsschulden = privates Vermögen sind, auch wenn dieses Vermögen meistens den Wohlhabenden gehört. Das sollte man natürlich ändern, siehe Warren Buffet.

            Noch eine Randbemerkung: Inflation lässt sich auch durch Ausgaben des privaten Sektors erzeugen. Es ist nicht wesentlich woher die Ausgaben kommen, wichtig ist nur, dass sie gemacht werden. Und wenn die Nachfrage nach Produkten deren Angebot übersteigt, dann kommt es zu demand-pull Inflation. Es muss nicht immer der Staat der Schuldige sein.

            Übrigens: Wer auf die Idee kommt, bei guter Wirtschaftslage ( heißt quasi Vollbeschäftigung und sehr hohe Auslastung ) weiter zusätzliches Geld auszugeben und dafür sorgt dass die aggregierte Nachfrage das Angebot übersteigt, der sorgt für Inflation. Sprich eine Regierung die wiedergewählt werden möchte, sollte das dann auch nicht tun.

            Viele Grüße,
            Christian

            PS: Das waren jetzt einige Gedanken, die durcheinandergegangen sind. Ich bitte das zu entschuldigen.
            PPS: Von Hyperinflation sind wir weit entfernt. In dem Kontext ist das Gelddrucken auch mehr Symptom als Ursache des Problems.

            • aloa5 sagt:

              Und wenn Japan bei 300 % liegt? Dann dreht sich die Welt auch weiter. Inflation ist in Japan ja nun gerade nicht das Problem, oder?

              Es gibt drei Probleme mit Staatsschulden.

              – die Zinsbelastung kann und wird irgendwann den Haushalt strangulieren, insbesondere steigt die Geschwindigkeit der Verschuldung an
              – Überschuldung (in Abhängigkeit der Herkunft der Gelder für die Schulden)
              – Beibehaltung einer nicht gerade optimalen Verteilungsstruktur

              Der Dritte Punkt ist das was aktuell in den USA geschieht und wofür m.E. Keynesianer ihre Hand reichen. Die Wirkung ist die das die Einkommens-Missverhältnisse bestehen bleiben und viele Menschen sowie die Nachfrage unter ihren Möglichkeiten an Wohlstand bleiben (bzw. dort gehalten werden).

              Den zweiten Punkt hast Du m.E. korrekt dargestellt. So lange die Schulden hauptsächlich aus dem Guthaben von Inländern besteht hat man ein relativ überschaubares Problem.

              Der erste Punkt ist ein Problem vieler Staatshaushalte. Japan hat recht sich schnell von 100% auf 200% verschuldet. Die 300%-Marke kann noch schneller kommen, dann die 400%-Marke. Irgendwann ist vielleicht auch ein Zinssatz von 0,x% schon zu viel.

              Prinzipiell ist die Hauptkritik aber diese: man nimmt die Punkte 1 und 2 letztlich in Kauf und hält damit den status quo des dritten Punktes, der inadäquaten Verteilung. Das ist eine Last für spätere Generationen und auch die in der laufenden Generation benachteiligten. Ökonomisch ist es äußerst ineffizient.

              Grüße
              ALOA

  2. cangrande sagt:

    Den konzentrierten Reichtum wegzuinflationieren hat Charme; ich fürchte nur, dass am Ende doch wieder der Kleine Mann die Rechnung bezahlt.

    Und mit welcher Wahrscheinlichkeit kann man darauf hoffen, dass sich die Realzinssätze (wenigstens die Habenzinsen) dauerhaft im negativen Bereich halten lassen? In Südamerika hatten sie sich jedenfalls an die Inflationsrate angepasst (wie das in Deutschland Anfang der 20er Jahre war, weiß ich nicht). Wie wollen Sie das ausschließen?

    Überhaupt: ich habe schon viel an pro und kontra gelesen und auch intensiv über das Thema nachgedacht. Aber gibt es eigentlich irgendwo einen ausführlichen und fundierten Text, der Chancen und Risiken des Weginflationierens von Schulden abwägt?

    • aloa5 sagt:

      Den konzentrierten Reichtum wegzuinflationieren hat Charme; ich fürchte nur, dass am Ende doch wieder der Kleine Mann die Rechnung bezahlt.

      Der Reichtum wird nicht weginflationiert. Der „tatsächliche“ Reichtum besteht in „echten“ Werten (Immobilien, Firmen, Rostoffen u.ä.). Dieser Reichtum wird auch nicht weginflationiert (im Gegenteil, das würde hochinflatiniert) sondern lediglich Geldguthaben (es geht m.E. darum staatliche Schulden wegzuinflationieren).

      Man sollte es zudem nicht in einem „Schock“ machen. Es ist gesünder sich einen Korridor zu halten. Die 2% Obergrenze der EZB sind zu niedrig. Die BRD hatte während der Existenz der DM irgendwas um die 3,85% an durchschnittlicher(!) Inflation. Ein Korridor zwischen 0% und 5% sollte daher kein Problem darstellen. Das starre festhalten an sehr niedrigen Inflationsraten hat wie man sieht nicht wirklich etwas genutzt. Die aktuellen Probleme wären ggfs. geringer wenn die EZB den südlichen Staaten (bzw. allen außer uns und den Benelux-Staaten) etwas mehr Luft gelassen hätten.

      Grüße
      ALOA

      • cangrande sagt:

        Logo, schlampige Formulierung meinerseits. Richtig ist: „Den konzentrierten Geldbesitz wegzuinflationieren …“.

        Im Übrigen scheint mir die Unterscheidung zwischen Guthaben- und Kreditzinsen, wie Sie sie in Ihrem Blogposting betont haben, sehr wichtig zu sein, weil damit eine Spreizung möglich ist (bzw. automatisch erfolgt) zwischen
        – Guthaben werden ggf. mit negativem Realzins bedient, aber
        – Kreditnehmer zahlen dennoch positiven Realzins.
        (Die Differenz dürfte größtenteils aus Gehältern + Kosten der Finanzintermediäre bestehen und dadurch weitestgehend der Realwirtschaft zufließen).

        Über dieses Thema hatte ich mir neulich selbst intensive Gedanken gemacht in meinem Posting
        „Der „Eigentrag“ oder: Der Zins besteht nicht nur aus Zinsen – und nicht alle Zinsen sind ein Zins“ (http://beltwild.blogspot.com/2011/07/der-eigentrag-oder-der-zins-besteht.html ).

        Der tiefere Anlass zu diesem Posting kam mir allerdings erst jetzt bei der Lektüre Ihres Beitrags wieder in den Sinn: es war nämlich eine Warnung von Axel Weber:
        Die bisherige Untergrenze der Europäischen Zentralbank (EZB) lag bei zwei Prozent, wo der Leitzins von Mitte 2003 bis Ende 2005 stand. Unterhalb dieses Niveaus würden die Realzinsen negativ, begründete Weber in der „Börsen-Zeitung“ seine Warnung. „Dies würde ich gerne vermeiden.“ (http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/bundesbank-chef-warnt-vor-nullzins-politik/3070928.html – 11.12.2008)

        Das war irgendwie bei mir hängen geblieben, bis mir dann auffiel, dass ein negativer Guthabenzinssatz ja noch lange kein negativer Kreditzinssatz ist. Allerdings dürften im Bereich der Staatsanleihen die beiden Größen wohl doch recht eng beieinander liegen.
        Die Frage ist: welche Gefahren für die Wirtschaft gehen ggf. von negativen Realzinsen aus?

        • aloa5 sagt:

          welche Gefahren für die Wirtschaft gehen ggf. von negativen Realzinsen aus?

          Im Bereich von FIAT-money bzw. auch einer unbegrenzten Geldschöpfung drohen Spekulationen. Das sind dann „Investitionen“ rein in die Finanzwirtschaft – und durch die Finanzwirtschaft.

          Um es anschaulich zu machen: Kredite werden eher für Goldkäufe genehmigt als für ein Firmeninvestment oder gar einen Privatkredit. Einem Goldkauf liegt ein echter Wert zugrunde, einer Sicherheit, und diese Sicherheit bleibt zu einem gewissen Grade (immer) existent, zumal die spekulierenden (auch: Banken) selbst eine hohe Solvenz bedeuten. Demgegenüber hat die Realwirtschaft (gar Konsumenten) ein Solvenz-Problem welches im worst case das Risiko eines Totalausfalles in sich birgt. Das gilt umso mehr in einer Krisenzeit bei angewachsenen Vermögenskonzentrationen (wegen der konzentrierteren Sicherheiten).

          Vulgo: Negativer Kreditzinse für Goldkäufer(tm; stellvertretend) ist eine Goldgrube für Banken und Spekulanten. Ein negativer Kreditzins wird wegen der Risikoaufschläge nicht in ausreichendem Maße bei Konsumenten oder Investoren der Realwirtschaft ankommen… wenn überhaupt jemals (unwahrscheinlich). Wenn die FED in den USA nun also wie angekündigt 2 Jahre lang den 0%-Zins aufrecht erhält wird die Realwirtschaft nur wenig profitieren, gleichzeitig aber eine nicht unerhebliche Gefahr einer weiteren Finanzblase heraufbeschworen (wie auch immer diese sich zeigen wird).

          Grüße
          ALOA

  3. cangrande sagt:

    Im Prinzip wusste ich das schon; insofern wäre meine Frage wenig intelligent gewesen. Trotzdem hilft mir, bei erneuter Lektüre, Ihre Antwort weiter. Denn Ihre Einschränkung „Im Bereich von FIAT-money bzw. auch einer unbegrenzten Geldschöpfung“ wird mir erst jetzt in ihrer Bedeutung bewusst.

    Grundsätzlich habe ich mich schon seit längerer Zeit gefragt, ob die Notenbanken die Geldmengensteigerung ‚aktiv‘ (aus eigenem Antrieb) oder ‚passiv‘ (als Getriebene aus irgendwelchen Sachzwängen des Finanzsystems heraus) betreiben (vgl. meine Blog-Einträge „Kipper, Wipper, Notenbanken“ – http://beltwild.blogspot.com/2009/01/die-credit-default-swaps-als.html – und „Neuartige Buchgeldschöpfung im Finanzsystem als Ursache der Finanzmarktkrise: Heureka oder Denkfehler?“ – http://beltwild.blogspot.com/2009/02/neuartige-buchgeldschopfung-im.html).

    Ebenso frage ich mich seit langem, warum reine Finanzspekulationen überhaupt in der Summe einen Gewinn abwerfen können, wie sie das ja anscheinend tun. Eigentlich müssten das ja insgesamt Minusgeschäfte sein, weil die Transaktionskosten das ursprünglich eingebrachte ‚Spielgeld‘ fortlaufend vermindern (übrigens zu Gunsten der Realwirtschaft; so betrachtet, könnte man sich sogar für die Banker-Boni erwärmen – falls diese größtenteils verhurt, verkokst oder auch auf respektablere Art und Weise in die Realwirtschaft zurück geschleust werden).
    Ein Gewinn kann nur dadurch entstehen, dass frisches Geld zufließt (und zwar mehr, als durch die Transaktionskosten abfließt).
    Die Frage ist dann, woher dieses Geld kommt:
    – wird es fortlaufend aus der Realwirtschaft abgezogen
    – und/oder wird es von den Notenbanken sozusagen ‚mutwillig‘ ins System eingespeist
    – und/oder hat das System etwa gar die Fähigkeit, selbst (Buch-)Geld zu schöpfen und vor allem dann die Notenbanken faktisch irgendwie zu ‚zwingen‘, dieses Buchgeld mit Zentralbankgeld zu unterlegen?

    Nun ergänze ich diese Fragestellungen im Hinblick auf Ihre Antwort um die Frage, ob es Möglichkeiten gäbe, reine Finanzspekulationen unattraktiv zu machen, also jenen von Ihnen angedeuteten Mechanismus zu durchbrechen, der das von den Notenbanken in die Wirtschaft geworfene frische Geld großenteils nicht in die Realwirtschaft, sondern in Finanzgeschäfte leitet.

    Das erste Problem dabei ist natürlich, „reine Finanzgeschäfte“ überhaupt als solche zu identifizieren. Denn vermutlich wird man auch „nackte“ CDS-Transaktionen als Versicherungsgeschäft darstellen können (bzw. können sie eine solche Funktion wohl auch tatsächlich haben). Ebenso werden ja auch z. B. für Leerverkäufe Argumente vorgebracht, die ihnen eine positive Marktfunktion zuschreiben und die nicht von vornherein absurd erscheinen.

    Das elegante am „Markt“ in seiner idealen Gestalt ist seine Konstruktion als Selbstregelmechanismus. Er wirkt über die Rückkoppelung interner Signale, ohne dass der Staat mit seinen klobigen Bürokratenfingern darin herumfummeln muss. Das ist natürlich nur eine Idealvorstellung, aber im Vergleich zur „sozialistischen“ Zentralverwaltungswirtschaft im Prinzip eine durchaus zutreffende.
    Da die Finanzmarktspekulationen im Prinzip in der Summe ein Minusgeschäft sind (s. o.), wäre also zunächst nach einer Möglichkeit zu suchen, wie „der Markt“ aus sich heraus (d. h. ohne bürokratische Eingriffe wie Verbote oder Transaktionssteuern) seinen Teilnehmern (hier also den Spekulanten) diesen Sachverhalt verdeutlichen kann. Oder es wäre umgekehrt die bereits oben aufgestellte Frage aufzuwerfen, welche derzeitigen Mechanismen (Marktverzerrungen?) die Spekulationsgeschäfte in der Summe eben doch Gewinn bringend machen; diese wären dann abzuschaffen bzw. abzuändern.

    Wie Sie zweifellos gemerkt haben, bin ich Laie. Wenn ich mir aber z. B. das aktuelle Handelsblatt-Interview „Das endet mit dem großen Knall“ (http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken/das-endet-mit-dem-grossen-knall/4590890.html) mit Ludwig Poullain durchlese gewinne ich den Eindruck, das selbst das Denken von Fachleuten die o. a. Fragen umkreist („Wir müssen lernen, dass Geld nicht gleich Geld ist. Man muss zwischen konkretem und abstraktem Geld unterscheiden“ – ein Satz, der mich regelrecht elektrisiert hat), sie aber noch nicht einmal präzise formuliert hat; von einer Antwort ganz zu schweigen.

    Aber vielleicht gelingt uns ja eine Lösung? 😉

  4. Simon sagt:

    Es heißt „das Herunterstufen“ (nominalisiertes Verb), bitte korrigieren. Ansonsten sehr flüssiger, schöner Text. Danke!

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