Tyler Cowen (das Ende des Wachstums) im Handelsblatt vs ….

Nachdem im Blogeintrag davor sich Krugman mit dem Wall Street Journal bzw. letzteres mit dem Keynesianismus abgerechnet hat nun ein weiteres „Fernduell“ (welche allerdings nichts davon wissen).

Tyler Cowen, seines Zeichens ein „Theoretiker des Stillstandes“, wird im Handesblatt behandelt. Seine These ist das wir auf hohem technischen Plateau leben würden und das bis zur KI (künstlichen Intelligenz) erst einmal Essig ist mit Wirtschaftswachstum.

Dem steht nicht direkt Alex Evans gegenüber aber in einem Tweet hat der die notwendigen Daten bereitgestellt:

Developing country infrastructure investment needs = $4.2 trillion ANNUALLY over 2008-2015. (Total global ODA last year: $120bn.)

Bloglesern kommt das vermutlich (wie häufiger) bekannt vor da ich erst vor wenigen Tagen für die USA und Deutschland dementsprechend ein kurzes Aufmaß gemacht hatte.

Warum stelle ich nun dies gegenüber? Nun – meines erachtens stellt Infrastruktur die Basis für Wohlstand dar. Vor allem auch für die Wohlstandsmehrung der Masse der Bevölkerung. Die Größenordnung in welcher wir hinterher hinken und die einmal in den letzten Jahrzehnten aufgebaute Infrastruktur abgelebt und nicht modernisiert haben ist enorm. Erhalt und Aufbau von Infrastruktur (z.B. eben dichter Abwasserleistungen, nicht abbruchreifen Brücken, Schulen etc.) stellt Wohlstandsmehrung und am Ende auch Wachstum dar.

Um nun vom Tweet von Evans weg zu kommen gehen wir zur American Society of Civil Engineers. Diese hat einen Tag vor meinem letzten Beitrag zur Infrastruktur, nämlich am 3.8. eine Untersuchung vorgestellt nach welcher alleine die marode Transportinfrastruktur die USA 876.000 Jobs und knapp eine Billion an BIP kosten wird. Die Defizite bei Brücken etc. würden die USA schon jetzt jährlich 130Mrd kosten.

The report estimates that in order to bring the nation’s surface transportation infrastructure up to tolerable levels, policymakers would need to invest approximately $1.7 trillion between now and 2020 in the nation’s highways and transit systems.

Die Lücke allein im Transportsektor betrage jährlich 94Mrd Dollar.
Die Homeland-Security und das WEF (World Economic Forum) zitieren die ASCE mit einem Investitionsbedarf in die Infrastruktur der USA von 2,2Billionen Dollar alleine in den nächsten 5 Jahren. Das sind 440Mrd Euro pro Jahr, was ein Volumen an Staatsausgaben ist welche die Hälfte von Obamas komplettem Stimulus-Paket darstellen.

Und es stellt noch mehr dar, nämlich Arbeitsplätze, Steuereinnahmebedarf und nicht zuletzt Wohlstand und auch Wachstum. Womit sich der Kreis zu Tyler Cowen schließt. Wachstum ist mehr als das verbrauchen des bestehenden und Computer bauen. Wachstum bedeutet m.E. auch einfach „lebensstandart halten“. Wer Wachstum so definiert das man Computer mit künstlicher Intelligenz baut aber die Abwasserleitungen verrotten und den Menschen keine ordentliche Krankenversorgung zukommen lässt hat für mich ein fehlerhaftes Verständnis davon was Wachstum bedeutet.

Wachstum hat viel mit täglicher Lebensqualität und nicht nur etwas mit der Menge an Konsum von Verbrauchsgütern oder High-Tech-Spielzeugen zu tun. Und Wohlstand wiederum hat viel mit Wachstum und m.E. auch Arbeit, aber noch mehr mit eben dieser Lebensqualität zu tun welche aus noch mehr besteht.

Ende des Wachstums? No way. Erst einmal ein Ende des verlottern lassens des ehemaligen Wohlstandes zugunsten der Depressions-Denke einiger Computer-Börsen-Verwöhnter Neureichen denen der eigene Geldbeutel näher ist als ein Arbeiter welcher ihnen das unsichtbar vor sich hin faulende Abwasserrohr flickt.

Comments
2 Responses to “Tyler Cowen (das Ende des Wachstums) im Handelsblatt vs ….”
  1. A. Senner sagt:

    Sehr interessanter Artikel. Es gibt auch die Theorie, dass Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern ein Schlüsselfaktor für moderne Gesellschaften – und damit die Basis für Wohlstand – ist – vgl. dazu „Gender Balance“ von Peter Jedlicka.

    Alexander Senner

    • aloa5 sagt:

      Möglich, wenn man u.a. unterstellt das „nicht gleichberechtigte Frauen“ weniger konsumieren können als sie möchten. Natürlich ärgert man sich wenn man gleichberechtigt behandelt wird weniger, was automatisch für betroffene zu mehr Wohlstand (m.E. „wohl fühlen“) führt.

      Grüße
      ALOA

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