wenn Krugman und das Wall Street Journal sich bekriegen

Das sind schon harte Worte und vor allem Behauptungen welche da hin- und her geworfen werden. Auf der Seite das WSJ mit Moore welche den liberal/klassischen Mainstream Marke Adam Smith zu vertreten und auf neuere Theorien wie den Keynesianismus als untauglich zu schimpfen scheint, auf der anderen u.a. Paul Krugman.

Dabei möchte man Beide Seiten erst einmal durchschütteln. Das schütteln vor, durch und während der aktuellen Krise scheint ja nicht sonderlich hilfreich gewesen zu sein bei der Erkenntnisfindung aller Beiden genannten Gruppen. Da wird doch vom WSJ die sprichwörtliche „unsichtbare Hand des Marktes“ (A.Smith) hervorgeholt und Krugman kontert damit das des knapp 1 Billion umfassende Stimulus-Paket lediglich nicht groß genug war.

Wie „wirkungsvoll“ diese unsichtbare Hand in den letzten beiden Jahrzehnten war haben wir gesehen. Von subprime über „falsche“ Ratings bis hin zu HW Sinns doch nicht so vollkommenen Marktentscheidungen in Spanien Immobilien zu bauen anstatt in Deutschland sind das nur die letzten der vielen vorhergehenden „unsichtbare Hände“ der Märkte welche offenbar Murks „produziert“ (oder eben eher nichts produziert) haben. Und Krugmans keynesianischen Stimulus-Pakete? Offenbar nicht sonderlich wirkungsvoll. Das ist auch kein Wunder, denn Keynes Stimulus-Idee ist lediglich zur Überwindung einer Krise gedacht welche aus einem Zyklus heraus entstanden ist. In den USA jedoch gibt es tiefergehende Probleme, eine Wirtschaft welche sich seit Jahren mit Krediten aufrecht erhalten, sich selbst teilw. deindustrialisiert und mit Außenhandelsdefiziten zu kämpfen hat. Da einen Stimulus anzubringen gleich dem Anwerfen von ein paar Lenzpumpe auf einem Ozeandampfer welcher durch einen liberalen Eisberg einen Meterlangen Riß im Rumpf erhalten hat, aber kein vernünftige Schiffskonstruktion welche das auffangen kann besitzt.

WSJ/Moore erklärt das die Faktoren 1,5 oder 3 welche pro Stimulus-Dollar an Wirtschaftsaufschwung herauskommen sollten falsch waren und Krugman erklärt das die von neoklassikern prognostizierte Inflation zwar höher war wie er vorhergesagt hat aber nicht so hoch wie eben die WSJler angenommen haben.

Es treitet sich also der Schiffsbauer überschaubaren Talentes mit demjenigen der eine Lenzpumpe bedienen kann darüber wer mehr Verantwortung daran trägt das das Schiff sich noch/wieder am sinken befindet. Das scheint mir (von hier) ganz gut zu umreißen an welchen Linien u.a. in den USA die Diskussionen verlaufen. Das hatte ich schon mehrfach thematisiert, bei uns sind Rösler und die FDP mit die Hauptkandidaten wobei unsere Keynesianer/Krugman-Fraktion nicht in Erscheinung treten muss da wir nicht die US-amerikanischen Probleme der Rezession teilen. Es wird nach wie vor über die vollkommen falschen Themen gestritten und Punkte werden verteidigt welche diese Verteidigung so gar nicht verdient haben.

Weder Adam Smiths unsichtbare Hand noch Krugmans größerer Stimulus wird die US-Amerikaner dauerhaft aus dem Dreck ziehen können. Das ist so sicher wie es die Japaner nicht geschafft haben sich bei 100%, 150% oder auch 200% Staatsschulden zu stabilisieren oder zumindest aus mehr Verschuldung auch mehr Wohlstand für alle herauszuholen. Letzteres wäre wenigstens eine veritable Begründung für ebenso veritable Verschuldungen des Staates(!). Aktuell stellt sich die Situation wohl eher so dar das es vielen (eine Masse) verdammt schlecht ging, sie sich zudem verschuldet hat, am Ende alls beim Staat landet und nichts dafür getan wird das sich etwas ändert.

Und so spiegle ich Krugmans Worte zum Jahreswechsel 2009/2010 auch um ihn selbst zu laufenden Einsichten anzuhalten. So let’s bid a not at all fond farewell to the Big Zero — the decade in which we achieved nothing and learned nothing. Will the next decade be better? Stay tuned. Oh, and happy New Year.

„Stay tuned“. Mache ich. Das was ich seitdem gesehen habe ist eher wenig dazu angetan anzunehmen das sich in Bezug auf die Fähigkeit dazuzulernen viel getan hätte. Immerhin. Krugman lässt ab und zu wegistens Selbstkritik anklingen Vielleicht sollte er diese einmal sacken und sich entwickeln und sich nicht durch Verteidigung dazu verleiten lassen Kritik abzuwürgen. Das ist es was lernen ausmacht.

Comments
2 Responses to “wenn Krugman und das Wall Street Journal sich bekriegen”
  1. Christian sagt:

    Vielleicht interessiert dich dieser Blog-Eintrag von Bill Mitchell, der auf den WSJ-Artikel und Krugmans Antwort genauer eingeht: http://bilbo.economicoutlook.net/blog/?p=15765
    Nimm dir eine Tasse Tee und 10 Minuten Zeit 😉
    Mich würde interessieren, an welchen Punkten du nicht übereinstimmst.

    Viele Grüße,
    Christian

    • aloa5 sagt:

      Ich habe einmal begonnen zu lesen. Es ist ja ein langes Essay. Was ich aufgenommen habe und wo ich schon einmal nicht übereinstimme sind „Job-Garantie“ und „Mindestlöhne“.

      Zu Mindestlöhnen habe ich mich schon verschiedentlich hier im Blog geäußert und Bill hat m.E. nicht recht. Er hätte vielleicht(!) recht wenn er eine geschlossene Volkswirtschaft (kein Außenhandel) betrachtet und die Verteilungsstrukturen funktionieren. Aber erstens gibt es einen Außenhandel und zweitens ist es in der Krise schon deshalb kein adäquates Mittel weil die Verteilungsstrukturen eben nicht funktionieren – deshalb gibt es die Krise ja überhaupt erst.
      Seine Annahme das Mindestlöhne nicht nur keine Jobs kosten sondern auch noch welche schaffen begründet er nicht wirklich und sie ist m.E. auch falsch. Nicht einmal die Mindestlohn-freundliche Studie für VERDI hat Zuwächse festgehalten sondern eine schwarze Null. Das kann in einem ganz kleinen Korridor als Ausnahmefall möglich sein. Sagen wir wenn in Deutschland ein Mindestlohn von vielleicht 6 Euro eingeführt würde.

      Job-Garantien helfen der Wirtschaft auch nicht auf die Beine. Es soll offenbar eine angenommen drohende „Faulheit“ bekämpfen, also in etwa wie 1-Euro-Jobs wirken. Auch das halte ich für ungeeignet um Jobs zu schaffen. Das dadurch Jobs entstehen weist er auch nicht nach (nicht einmal mit Argumenten).

      Er hat recht was die Herkunft der Stimulus-Dollars (Schulden) angeht. Ich stimme nicht mit ihm und Krugman überein das der Stimulus nur zu klein und zu wenig konzentriert war. Wie ich in den Blogbeiträgen bereits geschrieben habe kann ein Stimulus auch nur dann wirklich etwas ausrichten wenn die Verteilung größtenteils funktioniert. Bevor ein Stimulus greifen kann müsste man also erst einmal ein paar Rädchen stellen. Hätte man das gemacht, dann wäre der Betrag vermutlich ausreichend gewesen.

      Viel weiter habe ich nicht gelesen. Vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal. Aber danke für den Link 😉

      Grüße
      ALOA

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