Eurokrise – Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr?

Griechenland torkelt am Abgrund

Das Thema mit der sogenannten Griechenland-Rettung scheint sich ja bald einem unrühmlichen Ende anzunähern. Selbst die hiesigen Politiker beginnen so ganz langsam zu begreifen, dass die Insolvenzverschleppung eines in der Eurofalle gefangenen Staates, der sich selbst mit den schönsten, dollsten und prächtigsten Schuldenbremsen bzw Sparorgien nicht mehr innerhalb des Eurosystems retten kann, eine vergebene und teure Liebesmühe ist. So verglich der FDP-Fraktionschef und bis zur liberalen Rochade mit Weinbauernopfer Wirtschaftsminister R.Brüderle die Eurozone mit einem Fußballspiel: „Das sei wie im Fußball, wo ein Spieler nach einer Roten Karte den Platz verlassen müsse.“

Denn pünktlich zur kommenden ESM-Ermächtigungsgesetz-Beratung platzt die Nachricht herein, dass das bereits arg gebeutelte Griechenland im 2.Quartal 2011 ein arg schrumpfendes Bruttoinlandsprodukt verkraften muss. Böse Zungen merken vollkommen zutreffend an, dass bei einem Rückgang der staatlichen Ausgaben infolge des Sparpaketes natürlich das BIP zurückgehen muss, diese brüningsche Entwicklung also vorherbar gewesen war, allein unsere hochdotierten Finanzexperten von EU, EZB und IWF waren zu einer solchen Leistung nicht möglich. Aber geschenkt, was will man denn auch von diesen Leuten anderes erwarten?

Zu allem Übel läuft am 09.09.2011 auch noch die von Griechenland selbstgesetzte Meldefrist für die Große Umtauschaktion von griechischen Staatsanleihen in neue Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten und/oder verminderter Auszahlungsquote, was dann ein Forderungsverzicht der Gläubiger bedeutet, ab.

Es sieht so aus, als könne man einen Haken an das Euro-Abenteuer Griechenlands machen. Die Wahrscheinlichkeit einer Währungsreform steigt beinahe täglich an. Aber ist dann die Eurokrise beendet, oder droht, dass dieses Thema auch in den nächsten Monaten uns beschäftigen wird?

Wo lauern die Ansteckungsgefahren?

Hierzu betrachten wir uns mal Daten, die freundlicherweise von Eurostat zur Ansicht und zum Download angeboten wird. Einerseits betrachten wir mal die Leistungsbilanzsalden der einzelnen europäischen Staaten, hier interessiert uns insbesondere die Summe der Handelsbilanz (Exporte versus aus dem Ausland bezogene Waren und Dienstleistungen) und der Erwerbs- und Vermögenseinkommen (importierte vs exportierte Gewinne, Zinsen und Dividenden). Um die Wirtschaftskraft der Staaten und deren Leistungssalden besser miteinander vergleichen zu können, wurden die statistischen Daten auf einen Wert „Leistungsbilanzsaldo je Einwohner“ umgerechnet und so erhält man folgendes Bild:

Was man sehr schön erkennen kann ist, dass auf der rechten Seite im wesentlichen Staaten aus Skandinavien, die Beneluxländer sowie die BRD und Österreich eine hohe positive Leistungsbilanz aufweisen können, während auf der linken Seite neben Island an der Spitze mit Griechenland, Portugal, Zypern, Spanien, Italien, Türkei und Malta Staaten aus Südeuropa auftauchen – nicht jedoch Irland!

Griechenland erreicht hier den höchsten Minuswert aller Euroländer, der sich in den letzten Quartalen sogar noch vergrößert hat. So lag das Saldo im 1. Quartal 2011 für Griechenland bei -8,612 Mrd €, was etwas geringer als die Höhe der rhythmischen Trancheauszahlungen des sogenannten Rettungsschirms liegt. Seit Mai 2010 wurden in den vergangenen 16 Monaten bislang in fünf Tranchen insgesamt 65 Mrd € ausgezahlt, also je Monat 4 Mrd €. Die letzte Tranche reicht dem Vernehmen nach noch bis zur nächsten Renten- & Gehaltszahlung Anfang Oktober 2011.

Zypern hatte in den letzten vier Quartalen, zu denen Daten vorliegen, einen Mittelabfluss von 1.741 € je Einwohner zu verkraften, d.h. je Monat verliert theoretisch jeder Zypriote Kaufkraft in Höhe von 145 €, wenn sich der Staat oder Private nicht aus dem Ausland zusätzliches Geld, zum Beispiel durch neue Schulden, besorgen. Denn da Zypern ja auch den Euro eingeführt hat, kann Zypern diesen Mittelabfluss nicht einfach – auf Kosten einer höheren Inflationsrate und einer laufenden Währungsabwertung gegenüber den Devisen – durch selbstbestimmtes Geldmengenwachstum ausgleichen. Hier haben wir eine, wenn nicht sogar die wesentliche, Ursache für die Eurokrise, in der die Südländer stecken.

Schuldenkrise oder Eurokrise?

Gerne vermeiden einige Politiker wie Frau Bundeskanzler Merkel ja diesen Begriff der Eurokrise und verwenden lieber einen anderen, den der Schuldenkrise, um von dem Problem des systemischen Geburtsfehler des Euro abzulenken und lieber den Blick auf Schuldenbremse oder sonstige Plazebos zu richten. Dabei wird von diesen Politikern natürlich unterschlagen, dass die Staaten eigentlich nur dann ein wirkliches Problem haben, wenn sie Auslandsschulden anhäufen, während inländische Schulden weniger problematisch sind.

Das kann man sich zum Einen mit einem einfachen Gedankenblitz klarmachen: Inländische Schulden kann der Staat durch eine höhere Einkommensteuer, eine Vermögenssteuer oder Erbschaftssteuer ganz einfach dadurch abbauen, dass er bei seinen Bürgern, bei denen er ja im Falle von Inlandsverschuldung verschuldet ist, einen Teil des Vermögens abschöpft. Das einzige Risiko für den Staat besteht hier darin, dass die betuchten Bürger dann ihre Vermögenswerte ins sichere Ausland verlagern, aber das kann man mit bilateralen Steuerabkommen (aber vielleicht mit sinnvolleren als dem letztens von der schwarz-gelden Regierung mit der Schweiz geschlossenen) in den Griff bekommen bzw deckeln. Bei Auslandsschulden kann der Staat dagegen nicht einfach die Steuern im Nachbarland erhöhen, da er schlicht und ergreifend keinen Zugriff auf die Bürger und deren Vermögen im Ausland hat.

Das ist ein feiner aber entscheidender Unterschied und so wird auch klar, warum zum Beispiel Japan mit einer sogar höheren Rekordverschuldung als Griechenland vergleichsweise kein bzw ein viel geringeres Problem hat, denn Japans Schulden sind fast ausnahmslos inländische Schulden und somit durch fiskalische Maßnahmen behebbar, während Griechenland über einen großen Anteil an Auslandsschulden verfügt.

Und zum Anderen verfügt Japan nach wie vor trotz Erdbeben, Tsunami und vierfachem Super-GAU über einen hohen Leistungsbilanzüberschuss, verzeichnet also einen permanenten Mittelzufluss.

Also kurz: Die Schulden sind nicht das eigentliche Problem, sondern erstens die Auslandsschulden, zweitens die negative Leistungsbilanz und drittens die fehlende Abwertungsmöglichkeit der griechischen Währung durch die feste Bindung Griechenlands an den Euro. Deshalb ist der Begriff Schuldenkrise auch vollkommen falsch.

Wer dennoch wie A.Merkel et altera an dem Begriff Schuldenkrise unbedingt festhalten will, der mag sich mal die Preisfragen stellen, welche EU-Länder sich überhaupt an diesem „Rettungs-Schirm“ beteiligen und ob die Euroländer auch ein Nicht-Euroland in gleicher Weise stützen würden?

Die erste Antwort lautet: Ausschließlich Euroländer beteiligen sich am EFSF und ESM – die anderen EU-Länder sehen sich nicht wirklich genötigt ihren Freunden in dieser angeblichen Schuldenkrise beizustehen.

Und die zweite Antwort lautet: Nein. Ein kurzer Blick in die Geschichte von Währungsschlange und EWS zeigen, dass die EU-Länder bei Währungsspannungen allenfalls kurzfristig Stützungskäufe am Markt vorgenommen haben, aber niemals fremde Staatskredite „aufgekauft“ haben.

Renditen langfristiger Staatsanleihen

Kommen wir mal zur nächsten Graphik – dem Vergleich der Renditesätze langfristiger Staatsanleihe einiger europäischer Staaten in den letzten Monaten. Hier habe ich mal die besonders intressanten Staaten Italien, Irland, Griechenland, Zypern und Portugal in eine Eurostat-Graphik gepackt.

Warum diese so interessant sind? Weil die Renditehöhe der griechischen Anleihen im Oktober 2010 bei knapp 10% lag, um sich dann innerhalb eines Jahres langsam aber sicher der Rekordmarke von aktuell 18% und mehr zu nähern und sowohl Irland als auch Portugal aktuell nach den ersten interventionen der EZB im Mai 2011 bei dem Startwert 10% lagen. Und wenn wir uns jetzt noch aus der obigen ersten Graphik anschauen, wie es um die Leistungsbilanz dieser Staaten im Vergleich zu Griechenland steht, dann ahnen wir schon, dass der zukünftige Verlauf der Renditen portugisischer Staatsanleihen in den nächsten sechs Monaten eher den Griechenlands nacheilen wird, während wir für Irland wegen der leicht positiven Leistungsbilanz eher annehmen könne, dass sich die Lage mittelfristig entspannen wird. Zypern dagegen steht gerade am Anfang der Portugal-Kurve vom Oktober 2010 und wird aus meiner Sicht demnächst unter den EZB-Rettungsschirm tauchen müssen und wird somit erst Portugal und anschließend Griechenland nachfolgen.

Wie real ist die Ansteckungsgefahr?

Natürlich sind Aussagen für zukünftige Entwicklungen immer auch ein bisserl ein Blick in die Kristallkugel, d.h. die Vorhersagen können eintreffen / müssen aber nicht. Die Prognosezuverlässigkeit kann man dadurch steigern, dass man vorliegende Daten sinnvoll aufbereitet, analysiert und wenigstens halbwegs nachvollziehbare Interpretationen trifft. Nichts desto trotz bleiben sie auch bei der besten Analyse natürlich immer nur eine Möglichkeit. Diese Selbstverständlichkeit vergisst man leider immer wieder gerne und postuliert manchmal etwas und wundert sich dann, wenn es dann doch nicht eintrifft.😉

Aus meiner Sicht lösen sich selbst mit einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone, der natürlich sofort und unbedingt von eilfertigen EU-Kommissionären dementiert wird, die systemischen Fehler des Eurosystems nicht auf und somit bleibt ein hohes Risiko bestehen, dass sich das griechische Drama an einer anderen Stelle in Europa wiederholt. Und halbwegs plausibel erscheint mir, dass die nächsten Problemstaaten Portugal und Zypern heißen werden, denn sie weisen eine ähnliche schwache Wirtschaftsleistung auf wie Griechenland.

Für Irland dagegen sehe ich eine leise Hoffnung auf Besserung, denn die Wirtschaft ist eigentlich dynamisch und stark genug, dass die Krise überwunden werden kann.

Warum diese unterschiedliche Einschätzung? Das liegt daran, dass wir es im Euroraum im Moment mit zwei parallel bestehenden Krisen zu tun haben. Auf der einen Seite haben wir die systembedingte Eurokrise Griechenlands, Portugals und Zyperns und auf der anderen Seite eine irisch-internationale Bankenkrise, bei der die Ursachen in der von den bereits abgewählten irischen Politikern abgegebene Bankengarantie und eben nicht in einer Schwäche der originären Wirtschaftsleistung Irlands liegt.

Was folgt daraus?

Schön wäre es mal, wenn der versammelte Sachverstand der Politik und der sogenannten Fachexperten endlich mal den Realitäten ins Gesicht schauen würden und aufhören würden, die Eurokrise klein zu reden. So langsam setzt ja ein Umdenken ein, aber leider noch zu zaghaft. Man macht einen gehörigen Fehler, wenn man den Austritt Griechenlands rhethorisch auf Teufel komm raus verunmöglichen will, denn letztenendes ist das eine Entscheidung, die Griechenland allein treffen sollte. Und auch dort wird ein Nachdenken einsetzen, ob sich ein Ausverkauf Griechenlands lohnt und er sich den Bürgern erklären lässt, wenn die einzigen Profiteure dabei die französischen und deutschen Banken sind. Denn bei einer fortschreitenden Euro-Hängepartie müssen sie nicht so schnell zusätzliche Abschreibungen auf ihr Eigenkapital vornehmen und können zudem noch ihre Ramsch-Papiere an die EZB verscherbeln.

Es bleibt dabei, das Problem der Eurokrise muss bewältigt werden und dafür gibt es realistischer Weise nur zwei mögliche Auswege:

A. Der ökonomisch sinnvolle Weg.

* Austritt der betroffenen Staaten aus dem Euroraum.
* Einführung eigenständiger Währungen und Abwertung dieser. * Umschuldung der Euroschulden auf die abgewerteten Währungen.
* Reduzierung der Auslandsschulden durch einen Schuldenschnitt.

Damit wäre dann aber die gemeinsame Währung, dieses politische Projekt namens Euro, faktisch tot bzw zum Sterben verurteilt. Ein politisches Fiasko, aber wahrscheinlich der einzige machbare Ausweg.

B. Die politische europäische Integration

* Einführung einer Transferunion nach dem Vorbild des deutschen Länderfinanzausgleichs.
* Einführung von einheitlichen Sozialstandards und einer einheitlichen europäischen Renten- und Arbeitslosenversicherung
* Reduzierung der Auslandscshulden durch einen Schuldenschnitt bzw Verlagerung auf EU-Ebene.

Damit wäre faktisch ein EU-Staat geschaffen und die Eigenständigkeit der Staaten passé. Jedoch ist dieser Weg politisch nicht einschlagbar, da sich massivste Widerstände dagegen regen werden. Die Front der einig Euro-Staaten bröckelt schon gewaltig. Für Finnland, den Niederlanden und der Slowakei wäre eine solche Integration nur nach einem Bruch der jeweiligen Regierungskoalition denkbar.

Nur der Vollständigkeit halber: Ein Brüning-Weg des „Gesundschrumpfens“ funktioniert nicht und ist kein Ausweg sondern führt allenfalls zu einer Verschlimmerung der Lage.

Wem noch eine weitere pfiffige Lösung einfällt, der mag diese bitte in einem Kommentar zu diesem Artikel posten.

Comments
9 Responses to “Eurokrise – Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr?”
  1. Nun, die dritte Lösung, zu der ich immer mehr tendiere, wäre, Deutschland und die anderen starken Staaten treten aus der Eurozone aus. Ich glaube, dass die Einführung einer neuen Währung für die starken Länder einfacher ist als für die schwachen. So bräuchten sie im Vorfeld einer Währungsumstellung keine Angst vor Kapitalflucht haben.

    • andena17 sagt:

      Hallo Wirtschaftswurm,

      Danke für Deinen Lösungsvorschlag, den ich grundsätzlich für sowohl machbar als auch (wenn auch bedingt) pfiffig erachte.😉

      Einen schnellen Wermuthstrophen sehe ich darin, dass mit einem solchen Schritt – Einführung eines Nordos (Nord-Euros) – der verbleibende dann Süd-Euro mit seinen allesamt klammen Mitgliedsstaaten faktisch aus Mangel an Masse über keine Stützungsinstrumente mehr verfügt und wahrscheinlich innerhalb kürzester Zeit auseinanderbrechen muss.

      Auch wenn das verbleibende „dreckige Dutzend“ ihre Solidarität mit dem noch klammeren Nachbarn äußern werden, halte ich die Vorstellung, dass das bereits äußerst gebeutelte Italien auf Dauer Griechenland währungspolitisch stützen wird, für nicht sehr realistisch.

      Vermutlich würde eine solche Lösung am Ende dennoch zu einem Auseinanderbrechen des dann Süd-Euros führen. Wir hätten dann also im schlimmsten Falle eine Schein-Lösung für eine Übergangsfrist.

      Auf der anderen Site können wir als Vorteile verbuchen, dass der verbleibende Euro dann massiv gegenüber dem Nord-Euro abwerten kann und somit die Wettbewerbsfähigkeit deutlich verbessert wird. Diesen Effekt hätten wir aber auch bei einer kompletten Auflösung des Süd-Euros. Die spannende Frage wäre ja, inwieweit die Vorteile fester Wechselkurse der Südländer untereinanader zum Tragen kommt. Ich vermute mal, dass man bei einer Untersuichung des derzeitigen europäischer Binnenhandel der Südländer eher feststellen wird, dass das Handelsvolumen mit den Nordos-Staaten deutlich höher liegt als der Handelswert innerhalb der Südzone. Das würde dann bedeuten, dass ein festes Wechselkurssystem im Süden nur einen geringeren Vorteil entfalten würde.

      Aber das müsste man sich mal bei Gelegenheit genauer anschauen.

      Besten Gruß, Andena

      • aloa5 sagt:

        Das würde dann bedeuten, dass ein festes Wechselkurssystem im Süden nur einen geringeren Vorteil entfalten würde.

        Muss es auch nicht. Es reicht u.U. wenn es keinen Nachteil bietet.

        • andena17 sagt:

          Muss es auch nicht. Es reicht u.U. wenn es keinen Nachteil bietet.

          Stimmt. Aber der grundsätzliche Sinn eines festen Wechselkurses ist ja, dass die bilateralen Handelsbeziehungen abseits von Wechselkursschwnkungen auf stabil(er)en Preisen aufsetzen können. Wenn nun nur relativ wenig Handel zwischen den einzelnen Süd-Euro-Länder bestehen sollten, entfällt dieser grundsätzlicher Sinn als Anreiz der teilnehmenden Staaten, in dem Wechselkurssystem dauerhaft zu verbleiben.

          Eine Freihandelszone ohne Zollschranken kann man ja auch im Rahmen der EFTA haben, die so ganz ohne Wechselkursvereinbarungen auskommen.

          • Bernd sagt:

            „Aber der grundsätzliche Sinn eines festen Wechselkurses ist ja, dass die bilateralen Handelsbeziehungen abseits von Wechselkursschwnkungen auf stabil(er)en Preisen aufsetzen können.“
            Im Prinzip richtig, aber darum geht es zur Zeit für die potentiel verbleibenden Mitglieder eines „Rest“-Euros zur Zeit nicht mehr, der Hauptgrund für eine solche Lösung wäre einen Staatsbankrott(inklusive der damit einhergehenden Verwerfungen, z.B. die Pleite aller lokalen Banken) zu vermeiden.
            „…halte ich die Vorstellung, dass das bereits äußerst gebeutelte Italien auf Dauer Griechenland währungspolitisch stützen wird, für nicht sehr realistisch. “ Warum nicht? die EZB könnte die Aufkäufe an Staatsanleihen nach dem Ausscheiden komplett hemungslos betreiben, ohne durch Proteste wie die von Weber und Stark. Dass so etwas, teilweise auch über Jahre hinweg, recht problemlos funktionieren kann, sieht man doch am Beispiel der USA, GBs und Japans. Ob es sich bei so einem Währungsraum um einen Hartwährung handeln würde, steht auf einem anderen Blatt, aber wenn im Süden Abwertung das erste Ziel ist, dann muss das nicht unbedingt negativ sein.
            Ein netter Nebenefekt einer solchen Lösung wäre, dass die austretenden Nord-Länder ihre Schulden in „Alt“-Euro belassen könnten, und sich der Schuldenanteil am BIP durch dessen Abwertung deutlich veringern würde.
            Die Südländer könnten ihre Schulden monetatisieren und schon hätten wir ein (fast) schuldenfreies Europa😉 .

            • andena17 sagt:

              „…der Hauptgrund für eine solche Lösung wäre einen Staatsbankrott(inklusive der damit einhergehenden Verwerfungen, z.B. die Pleite aller lokalen Banken) zu vermeiden.“

              Das ist vielleicht ein hehres Ziel, jedoch wird eine Staatspleite durch das Festhalten an einer gemeinsamen Währung nicht verhindert, sondern ist das natürliche Ergebnis, wenn keine Ausgleichsmechanismen in Form von ausgleichendem einheitlichen Sozialniveau und einem Länderfinanzausgleich vorgesehen bzw vereinbart sind.

              Die fehlende Möglichkeit, die unterschiedliche Wirtschaftsleistung durch Währungskursanpassung wieder auszugleichen ist neben der fehlenden Haushaltsdisziplin mitverantwortlich für die Auslandsverschuldung der Eurostaaten mit negativem Leistungsbilanzsaldo und damit auch für diese Eurokrise.

              Mit einer Trennung in Nord-Euro (Nordo) und Süd-Euro (Südo) würde man ohne die Beseitigung der elementaren systematischen Fehler dieses Währungsraums lediglich ein weiteres Scheitern initiieren. Und wegen der klammen Kassenlage der Südländer ist eine Transferunion zwischen Portugal, Spanien, Italien, Griechenland & Zypern ohne die Nordländer nicht schaffbar. Somit würde auch der Südo relativ schnell wiederum auseinanderbrechen, zumal die Wirtschaftsleistung der einzelnen Staaten zu unterschiedlich ist, als dass eine gemeinsame Währung auch nur halbwegs Sinn machen würde. Den Abwertungsdruck Griechenlands schätzt ich derzeit auf ca 45% (das Bundesfinanzministerium geht von 50% aus), den Abwertungsdruck Italien dagegen auf maximal 15%.

              Eine Währungsunion zwischen Italien uind Griechenland würde also von Anfang an wieder mit einem bilateralen Abwertungsdruck in Höhe von 30% starten, was einen erstklassigen Sargnagel darstellt. Selbst wenn man erst eine differenzierte Abwertung vornähme und erst dann den Südo mit neuen Wechselkursen einführte, so würde dennoch mit der Zeit wegen der unterschiedlichen Wirtschaftsleistung wieder ein Abwertungsdruck aufgebaut, der in etwa bei 2,5% je Jahr liegen wird. Das heißt, nach spätestens 6 Jahren hätte man wieder eine Differenz von 15% und müsste dann wieder die Wechselkurse anpassen oder die Währungsunion auflösen.

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