Eurokrise – Griechenland wird fallengelassen

Was wurden vor Kurzem nicht noch alles für Durchhalteparolen veröffentlicht. Beinahe uneingeschränkte Solidarität forderte zum Beispiel W.Schäuble, wenn die Griechen ihre Reformen fortsetzen. Auch A.Merkel und der eine Teil der Stonies erklärten unisono: Griechenland bleibt in der Euro-Zone.

Heute nun die ersten zaghaften Andeutungen, dass man Griechenland nahelegt, in die geordnete Insolvenz zu gehen. Zum Glück ist ja P.Rösler seit der liberalen Rochade mit Weinbauernopfer Bundeswirtschaftsminister und verkörpert deshalb von Amts wegen die Sachkompetenz in staatstragenden Wirtschaftsfragen und kann uns bestimmt erklären, wie denn so eine geordnete Staatsinsolvenz von Statten geht. Vielleicht so, dass die nächsten Renten an die Rentner in Alphabet aufsteigend ausgezahlt werden und wenn dann ab dem Buchstabe M kein Geld mehr vorhanden ist, dann ist das schon in Ordnung?

Man hat sich ja mittlerweise schon angewöhnt, bei Regierungssesselbesetzern mit dem Kopf zu schütteln, wenn man deren geistigen …… [Selbstzensur] lesen muss, aber dieses Gefasel von einer „geordneten Staatsinsolvenz“ ist unerträglich. Denn P.Rösler verschleiert mit dieser freundlich anklingenden Phrase, dass die BRD die Republik Griechenland gedenkt fallen zu lassen.

Die vielen schönen Milliarden sollen zur Euro-Rettung nicht mehr nach Griechenland überwiesen werden, sondern sollen statt dessen zukünftig zur Stützung der Geschäftsbanken verwendet werden. Sollte zum Beispiel Griechenland nächste Woche den Staatsanleihentausch wegen unzureichender privater Beteiligung abblasen und/oder den Schuldendienst einstellen, dann sind dutzendfach europäische Banken zur finalen Abwertung ihrer in der Bilanz befindlichen griechischen Staatsanleihen auf den Wert 1 € gezwungen. Diese Abwertung müsste gegen das Eigenkapital vorgenommen werden und dadurch rutschen einige dieser Banken unter die von den Zentralbanken geforderte Mindesteigenkapitalquote und die Banken verlieren ihre Eigenschaft als zentralbankfähiges Geldinstitut und damit das Recht, an der nächsten Zentralbankgeldzuweisung teilzunehmen. Die Insolvenz dieser betreffenden Banken ist damit faktisch unausweichlich. Diese kann nur dann abgewendet werden, wenn den Banken frisches Eigenkapital zugeführt wird, zum Beispiel durch eine staatliche stille Einlage wie während der Bankenkrise 2008 im Falle der Commerbank AG geschehen.

Wie es ausschaut, könnte P.Rösler ein solches Vorgehen mit dem Begriff der „geordneten Insolvenz“ meinen. Und hier zeigt sich wieder einmal die wirtschaftsradikale Logik dieser schwarz-gelden Regierung: Nur die Rettung des systembedingt zum Scheitern verurteilten Eurosystems und der Kapitalvermögen der Vermögenden ist wichtig. Wenn zu diesem Zweck der griechische Staat in den Staatsbankrott gedrängt wird, ist das in dieser verqueren Logik in Ordnung.

Das einzig Gute an dieser Demaskierung der Euro-Fetischisten ist, dass die anderen Wackelkandidaten Portugal, Zypern und mittelfristig vielleicht Italien bereits jetzt schon wissen, dass die hohlen Phrasen von der europäischen Solidarität kein Cent wert sind und werden hoffentlich so schlau sein und ihrerseits so schnell als möglich diese unsolidarische Gemeinschaft der Euroländer verlassen.

Comments
3 Responses to “Eurokrise – Griechenland wird fallengelassen”
  1. der andere Andreas sagt:

    ist das populismus von herrn rösler (immerhin müsste ein wirtschaftsminister soviel sachverstand im haus haben um zu wissen, dass das rechtlich ne ganz schwere nummer wird) – man sich wie bei der kinderpornosperre (vgl. http://www.danisch.de/blog/2011/06/21/wie-die-deutsche-internet-kinderpornosperre-zustande-kam-und-zugrunde-ging/) schon lange für nen ganz anderen weg entschieden hat und nun wider besseres wissen, ohne konsequenzen fürchten zu müssen, vom leder zieht?

    oder ist das ideologische verbohrtheit – die schwäbische hausfrau als allgemein gültiger maßstab für politisches handeln in der globalisierung? immerhin sollte ein wirtschaftsminister doch wenigstens über die zu erwartenden probleme im in- und ausland gelesen haben (z.b. http://www.ftd.de/politik/konjunktur/:schuldenkrise-die-gefahren-eines-griechen-rauswurfs-fuer-deutschland/60103647.html)

    oder muss man die prozyklische, kriesenverstärkende politik als komplott im rahmen einer schockstrategie für europa (http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Schock-Strategie) verstehen?

    sollte man schon heute wieder sein erspartes in zukunftssichere immobilien wie luftschuzubunker oder die deutsche rüstungsindutrie investieren?
    auf jeden fall hab ich bei den reden von herrn rösler immer so ein komisches stechen im hinterkopf…

    kurz um ich bin verwirrt😦

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