Rentendiskussionen spiegeln die Existenz von Polit-Ökonomen wieder

Manchmal kann ich ja Thomas Strobl verstehen. Er hatte das schließen seines Blogs „weissgarnix“ damit begründet das es inhaltlich immer wieder das gleiche wäre. Aber so ist es nun einmal. Dummheiten sterben nun einmal leider auch nicht aus. Wenn man eben 10 Mal etwas dummes kommentieren muss dann ist es eben so – wie bei den Rentendiskussionen.

Nun ist es an Schäuble die Rente ab 69 durchrechnen zu lassen. Wenig überraschend, möchte diese Sorte Politiker (und auch diese Sorte Ökonomen) das bekanntlich demnächst EU-weit geregelt sehen – auf höchstem Niveau versteht sich.

Das es kein Demographieproblem existiert und worum es eigentlich dabei geht hatte ich in einem sehr langen Blogbeitrag bereits erklärt. Auch wie es innerhalb der OECD-Länder aussieht hatte ich in einem eigenen Blogbeitrag mit Hilfe dieser Grafik erläutert (hier einmal nur die Grafik für die Männer)

Um nicht alles noch einmal durchzukauen (und damit nicht in Strobls Blogger-Depression zu verfallen) vielleicht ein kurzer Blick auf einen kleinen länderübergreifenden Aspekt der dabei noch nicht von mir erwähnt wurde. Weltweit sieht es so aus das (aus bekannten Gründen) nicht gerade überall Vollbeschäftigung herrscht. Wie ausgeführt ist dann ein späterer Renten-Eintrittszeitpunkt gleichbedeutend entweder mit einem Tausch von Rente in Arbeitslosengeld oder in Annahme das man später aufgrund der Demographie tatsächlich keine Arbeitslosen mehr hätte wäre es ein aufrecht erhalten von Arbeitslosigkeit. Also entweder geht es um einen Tausch der Kosten 1:1 oder um das halten eines niedrigeres Wohlstandsniveaus. Mit Einschränkungen geht es demnach wohl um einen Wettkampf der Länder gegeneinander wer die meisten Arbeitslosen und damit die Löhne niedrig (er)halten kann.

Das aus ökonomischer wie logischer Sicht perverseste Argument dabei ist das es dabei angeblich um die „Sicherung der Staatsfinanzen“ gehen würde. Wie wir alle wissen geht es beim Staatshaushalt wie bei vielen Haushalten grundsätzlich um drei Dinge:


* Umfang der Besteuerungsgrundlage (bzw. des Volkseinkommens)
* Einnahmen (Höhe/Staatsquote)
* Ausgaben

Als Erweiterung dessen steht noch ein weiterer Punkt zur Disposition
* Außenhandelsbilanz

Wenn wir uns die o.g. Folgen einer gewissermaßen weltweiten Renteneintrittsalter-anpassung nach oben ansehen und es mit den genannten vier Punkten abgleichen wird deutlich wo die Diskussion ansetzt und woran es hapert.

Das Volkseinkommen steigt nur dann, wenn die Personen über 67 Jahren auch tatsächlich (und mehrheitlich) arbeiten und selbst das auch nur potienziell. Die Einschränkung gilt nämlich für den Fall das es nicht gleichzeitig auf den Arbeitsmarkt drückt und durch geringere Löhne („keine Vollbeschäftigung“) die Nachfrage verringert. Beides, geringere Löhne wie geringere Nachfrage, drücken das Volkseinkommen. Arbeiten die Personen über 67 Jahren mehrheitlich nicht, dann steigt das Volkseinkommen auch nicht.

Die Einnahmen sind primär vom Volkseinkommen abhängig. Wie wir anhand der Staatsquoten jedoch sehen können ist auch diese Aussage nur bedingt richtig. Womöglich ist der primäre Faktor nicht eindeutig auszumachen und gleichrangig in der Steuer- und Abgabenhöhe zu sehen. Die Einnahmeseite wird durch eine Renteneintritts-Erhöhung in Abhängigkeit des Punktes davor also nicht tangiert. In Deutschland wurde das Umlagesystem in den letzten Beiden Jahrzehnten geschleift. Zum einen durch die abnehmende Besteuerungsgrundlage, zum anderen durch gewollte Fremdfinanzierung. Die Besteuerungsgrundlage wurde durch Beitragsbemessungsgrenzen, sinkende Austrittsgrenzen, wachsende Lohnspreizung, zunehmende öffentliche Anreize zur Selbstständigkeit (und damit Altersarmut) und zuletzt das streichen von Zahlungen auf Gelder der Agentur für Arbeit verstümmelt. Die gewollte Fremdfinanzierung durch die Ökosteuer ist bei Argumentationen das es den Staatshaushalt belasten würde willkommene Argumentationshilfe. Richtig ist: wenn man möchte kann man eine Rente, z.B. einen Basisrente, grundsätzlich und problemlos über Steuern finanzieren. Das wird in der Schweiz praktiziert. Richtig durchgeführt kommt dabei eine viel effizientere Besteuerung und ggfs. sogar ein absinken der Staatsquote und mehr Nachfrage (höheres BIP) heraus. Es besteht jedoch kein Wille zu einer Verbesserung der Einnahmeseite. Und da sind wir ganz bei liberalen Tea-Party-Einstellungen — es soll der status quo der Einkommensunterschiede und schlecht gestellten Arbeitslosen und Alten bleiben.

Das gilt entsprechend auch für die Ausgaben. Mehr oder effizientere Umlagen (ob durch Abgaben oder durch Steuern) für die nicht arbeitende Bevölkerung oder zugunsten der Nachfrage oder selbst zugunsten des Angebotes von Arbeit sollen nicht sein. Es geht bei Renteneintrittsalter-Diskussionen einzig um die Ausgabenbegrenzung in der Form das die Zahlungen an nicht arbeitende möglichst auf ein Grundniveau gehalten werden sollen. Ist man arbeitslos hat es ja zwei Effekte. Man bekommt nur die Arbeitslosenhilfen und (in addition – siehe o.g. streichen der Zahlungen) das Niveau der Rentenzahlungen im Alter sinkt ebenfalls durch fehlende Einzahlungen. Der Staat spart damit doppelt und kann am Ende das niedrigere HartzIV-Niveau vor wie nach dem Renteneintritt halten. Dies zugunsten der nicht erfolgen müssenden Reformen und unter beibehalten des den Lohn drückenden arbeitslosen-Niveaus.

Die Außenhandelsbilanz und m.E. auch die Kapitalbilanz sind die vielleicht am interessantesten Punkte dabei. Das eine ist m.E. etwas „beggar my neighbour“. Möglichst Überschüsse fahren. Wie beschränkt manchmal agiert wird kann man aber schon anhand der Forderungen Portugal gegenüber sehen welche bei hoher Arbeitslosigkeit und einem Renteneintrittsalter von bereits 67 Jahren aufgefordert wurden eben deshalb (Außenhandelsbilanz und Staatsfinanzen) selbiges zu erhöhen. Das dies auf Beides keine Wirkung haben kann ist offensichtlich…. natürlich außer der Wirkung das man Rentenniveaus von alten Menschen damit senken kann (s.o.). Die Handelsbilanz wird durch Lohndumping evtl. tangiert und durch denk Punkt wenn Hochqualifizierte länger arbeiten müssen. Da die gleichartigen Altersgrenzen jedoch für Bauarbeiter vom medizinischen Standpnkt aus gesehen keinen Sinn machen kann jeder der einen 60-jährigen Handwerker gesehen hat wohl bestätigen. Und es nutzt alles auch nur dann etwas wenn die Arbeiten vorhanden sind, die Nachfrage stimmt.

Womit wir zuletzt zu den weiter genannten Punkten der Muster-Ökonomen Schäubleschen Nachfragen kommen: Abbau der strukturellen Erwerbslosigkeit und die Erhöhung der Zuwanderung.
Mein lieber Schwan. Würde man erst einmal einfordern die strukturelle Erwerbslosigkeit (siehe Heckscher-Ohlin/Samuelson hier im Blog) zu beseitigen hätten wir entweder keine Rentenprobleme oder Demographieprobleme oder (wahlweise) wir könnten lange darauf warten das sie beseitigt wird. Eine Erhöhung der Zuwanderung macht ebenfalls überhaupt nur Sinn wenn Vollbeschäftigung herrscht womit wir aber zurück bei der strukturellen Arbeitslosigkeit wären und uns im Kreis drehen. An dieser Problematik (schon bei der Analyse) beißen sich m.E. seit 30 Jahren ideenlose Politiker und auch deren liberal-konservativen Ökonomen die Zähne aus.

Daher machen alle das was sich am einfachsten ohne großen Aufwand an Geistesleistung machen lässt…. Leistungen streichen und auch Dinge wie die Schuldenbremse ins Grundgesetz schreiben. Wenn man an Problemstellungen scheitert bietet es sich an ideologisch geleitete Polit-Ökonomie nach einfachen Gedankenmustern zu betreiben. Und nach diesem Muster ist jeder der nicht mit 67 Jahren in Rente geht ein arbeitender Mensch.

Seien wir also froh das das Renteneintrittsalter inzwischen bei 63,8 liegt. Da das Niveau zwischen 2004 und 2009 im Schnitt bei 61,x gelegen hat kann uns eigentlich nichts mehr geschehen. Das sind zwei ganze Jahre innerhalb einer kurzen Zeitspanne. Der Staatshaushalt ist also ebenso saniert wie die Rentenkasse. Sollte das nicht stimmen müsste man vielleicht doch einmal etwas mehr ökonomische Intelligenz einfordern.

Comments
12 Responses to “Rentendiskussionen spiegeln die Existenz von Polit-Ökonomen wieder”
  1. andena17 sagt:

    Besonders interessant werden diese Planspiele eines höheren Renteneintrittsalters, wenn man sich anschaut, wie die durchschnittliche Lebenserwartung bei unterschiedlichen Berufsgruppen ausschaut. In diesem Artikel wird ganz gut dargestellt, dass Akademiker eine deutlich höhere mittlere Lebenserwartung haben und daraus folgend mehr Rentenbezugszeit haben als Arbeiter.

    • aloa5 sagt:

      Womit es am Ende für die unteren Einkommensschichten (kein oder Haupschulabschluß) so aussieht:

      Renteneintritt: 69 Jahre (45 Jahre einbezahlt… so ein Job vorhanden)
      Sterbealter: 71,98 Jahre (aktuell)

      So etwas in Erwägung zu ziehen und ökonomisch oder mit der Demographie zu begründen ist unbegreiflich. Die logische Konsequenz daraus wäre doch höhere Ausbildunggrupopen vermehrt in die Rentenbezahlung einzubeziehen.

      Grüße
      ALOA

  2. PotzBlitzDonner sagt:

    @aloa5 die logische Konsequenz wäre es, erst mal Arbeitsbedingungen zu schaffen die die Lebenserwartung für alle Ausbildungsgruppen angleicht soweit das eben geht, da bist du bestimmt auch meiner Meinung.

    Das Problem mit der längeren Lebenserwartung wäre auch bei einem Renteneintrittsalter von 65 Jahren gegeben.
    Es spitzt sich zwar bei einem höheren Eintrittsalter zu wäre aber auch schon bei Eintrittsalter 65 nicht gerecht.
    Deswegen müßte hier eine Abhängigkeit zwischen durchschnittlicher Lebenserwartung und Renteneintrittsalter oder Höhe geschaffen werden.
    Ein Dachdecker als Beispiel sollte dann einfach früher in Rente gehen.

    Halt Stopp, gabs da nicht auch ein unterschied zwischen Frauen und Männern ? Müßte man nicht hier auch unterscheiden,
    wenn man jetzt mal rein nur die Lebenserwartung betrachtet. Wäre das nicht dann aber diskriminierend ?
    Wäre wenn man die logik verallgemeinert der Nichtdachdecker der später in Rente gehen müßte auch diskriminiert !?😉

    Meines wissen ist aber der größte Teil der Differenz der Lebenserwartung der Geschlechter gar nicht Biologisch begründet, sondern hängt von drei Faktoren ab,
    wie höherer Tabak- und Alkoholkonsum und die geringere bereitschaft der Männer auf ihre Gesundheit Rücksicht zu nehmen.
    Mit anderen Worten, eine Frau die sich genau so wie ein Mann verhält stirbt auch früher, zumindest statistisch.

    Es hängt also von jedem selber ab. Ok dann brauchen wir das in unserer Renteneintrittsalter Formel doch nicht, …oder doch,
    sollten wir jetzt zwischen Nichtrauchern und Rauchern unterscheiden, oder ist das etwas was die Sozialsysteme untereinander ausmachen müßten ?
    Also das Rentensystem sollte an das Gesundheitssystem für jeden Raucher so ne art Kopfgeld bezahlen weil er selbigen nicht ausreichend einsetzt.😉

    Aber jetzt doch noch mal zurück zum Geschlechterunterschied, den es Biologisch gar nicht gibt, ich meine Lebenserwartungstechnisch.😉
    Aber warum verhalten die Männer sich denn dann anders, da mag es aber sicherlich Psychologische, oder auch Sozialisierungsgründe geben, alles Einflussfaktoren
    für die die Männer sicherlich nichts können, denen aber ausgesetzt sind. Sind sie dann vielleicht doch nur teilweise schuld an ihrem Verhalten, also folglich auch eine teilweise Berücksichtigung
    der Lebenserwartung der Geschlechter beim Renteneindrittsalter ……

    Ok wenn wir das bis zum Ende durch kauen wäre das Rentensystem dann Gerechter ? Vielleicht ja, aber die meisten würden es immer weniger verstehen.
    Was man nicht versteht dem Vertraut man weniger, am ende fühlen sich vielleicht viele ungerechter behandelt obwohl es gar nicht so ist.
    Ich muß also beim Differenzieren darauf achten das ich es nicht zu kompliziert mache, sonst wird der objektive Gerechtigkeitsvorteil dem Subjektive Gerechtigkeitsempfinden geopfert und der Schaden überwiegt irgendwann den Nutzen.

    Aber ich denke eine Differenzierung nach Berufsbranchen versteht jeder dafür wäre die Gesellschaft reif.
    Oder noch ein anderer Ansatz, müsste nicht ein Beruf welcher die Gesundheit des Arbeitenden stärker beeinträchtigt nicht entsprechend höhere Sozialleistungen abführen, damit der Markt auch einen gewissen Druck hin zu Gesünderen Jobs ausübt.

    Einfaches Beispiel, ich überlege gerade ob ich mir jetzt lieber ein Vollkornbrot beim Bäcker kaufe oder ein Stück Torte beim Konditor. Die Torte kostet 2,10 € das Vollkornbrot 1,90 €. Da ich nur 2 Euro habe muss ich das Vollkornbrot nehmen. Würden die Gesundheitskosten für die jeweilige Arbeit berücksichtigt, (gehen wir jetzt einfach mal davon aus das der Bäcker eine kürzere Lebenserwartung hat als der Konditor) , dann würde die Arbeit des Bäckers teurer werden und die des Konditors Günstiger. Ich würde also mehr Torten essen, es gäbe folglich mehr Konditoren. Die durchschnittliche Lebenserwartung steigt. (die Lebenserwartung der Tortenesser lassen wir jetzt mal bei diesem Beispiel unberücksichtigt.😉 )

    Grüße an die, die gern gegrüßt werden wollen PotzBlitzDonner

    • aloa5 sagt:

      Bei Frauen vs. Männern ist es insofern keine Frage des ausgleiches als Frauen auch niedrigere Renten erhalten.

      Das Problem mit der längeren Lebenserwartung wäre auch bei einem Renteneintrittsalter von 65 Jahren gegeben.

      Richtig. Das zuspitzen ist aber auch insofern dramatisch als die angegebenen 71,98 Jahre ja den Durchschnitt darstellen. Bei einer Rente ab 69 werden folgerichtig u.U. fast die Hälfte aller Hauptschüler und ungelernten das Rentenalter erst gar nicht erreichen.

      Aber ich denke eine Differenzierung nach Berufsbranchen versteht jeder dafür wäre die Gesellschaft reif.

      Darum ging es mir eigentlich gar nicht. Es würde reichen wenn die höheren Einkommen auch verstärkt zahlen müssen. Durch die Beitragsbemessungsgrenzen, auch durch die Ökosteuer werden niedrigere Einkommen (und damit m.E. auch niedrigere Qualifikationen) stärker belastet. Es ist nicht notwendig Berufe zu selektieren – es geht um die Steuer- und Abgabenlast der besser ausgebildeten Besserverdiener.

      Grüße
      ALOA

  3. PotzBlitzDonner sagt:

    Ich vermute mal du hast recht und das was ich geschrieben habe ist erst mal sekundär, ich verstehe sowieso nicht warum man das Rentenumlagesystem eingeschränkt hat und dafür wilde Horden auf die Bevölkerung losschickt die oftmals über den tisch gezogen wurde. Wenn man der Meinung ist man müsste über das Umlagen System hinaus Kapital Investieren um seine Rente zu sichern, frag ich mich wäre das nicht in einem Staatlichen Rentenfond viel besser zu organisieren gewesen der auch noch den schwächsten Mitgliedern unserer Gesellschaft halt gibt die eben nichts von Anlagerisiken verstehen. Außerdem sollten nicht nur die Besserverdiener mit einbezogen werden sondern auch die Besseren Vererber. Hier könnte sich eine ältere Generation sozusagen ihr eigenes Demographie Problem positiv zunutze machen.

    Eine „Postmortem Steuer“, hört sich doch gut an 😉

    • Gerald sagt:

      Faktsch haben wir doch eine staatlich verordnetes Fondsystem in Geutschland. die Rister-Rente ist nichts anderes. Alle geförderten Vorsorgemodelle spielen in erster Linie den Staaten selbst in die Hände. Die Unternehmen sind gezwungen, die Kapitalanlagen überwiegend in Anleihen zu investieren. Staatsanleihen zählen daher zu den am meisten gekauften Anlagearten dieser Institutionen.
      Leidtragender ist der Anleger. Die Rendite liegt bei 3 bis 4% im Durchschnitt, und ist somit gerade im besten Falle ein Inflationsausgleich aber keine echte Vorsorge. Ich habe mir auf meiner Hompage http://grcom.vs120062.hl-users.com mal die Mühe gemacht gerade die staatlich geförderten privaten Rentenmodelle zu betrachten. Wie bereits oben im Beitrag erwähnt sind das alles nur Kostensparmodelle des Staaten. Geringverdiener bekommen nach dem zur Zeit geltenden Recht, die zusätzlichen Beiträge auf ihre ev. Grundsicherung angerechnet. Umverlagerung des Geldes in die Zukunft und dann auch noch von den Geringverdienenden nach den Besserverdienenden. Na Klasse.

      • aloa5 sagt:

        So sieht es aus. Wobei Umlagefinanzierung auch bedeuten kann das „nur“ ein Inflationsausgleich stattfindet.

        Aber unter dem Strich käme man vermutlich am Besten wenn man auf zwei oder drei Säulen stehen würde.

        – eine garantierte Grundrente über eine Steuer (bieten sich verschiedene an; ich präferiere die von mir entworfene Lohnsummenausgleichsteuer; käme auch Andenas Wertschöpfungsabgabe in Frage)
        – Zusatz über umlagefinanzierte Rente (dann m.E. eben eine geringere)
        – optional noch eine kapitalgedeckte hinzu

        Grüße
        ALOA

  4. cangrande sagt:

    Über die Rentenfinanzierung, d. h. über die Alternative Umlageverfahren / Kapitaldeckungsverfahren, habe ich vor einigen Jahren ein (wie ich meine) alle Dimensionen ausleuchtendes „Buch“ auf meiner Webseite „Rentenreich“ (http://www.beltwild.de/rentenreich) verfasst, und zwar ganz konkret in der Auseinandersetzung mit dem ‚Rentengutachten‘ der Wirtschaftswissenschaftler von 1998.

    Titel: „Sinn substituiert die Konjunktion: rettet er die Renten durch ökonomische Akzeleration“

    Dass man die demographische Entwicklung einfach mit dem Hinweis auf bestehende Arbeitslosigkeit wegwischen kann, glaube ich allerdings nicht.
    Der aus meiner Sicht allenfalls realistische Ansatz wird gegenwärtig von niemandem diskutiert: „Gesamtgesellschaftliche Rationalisierung“. Kurz gesagt: „Bürokraten ab in die Produktion!“
    Tatsächlich läuft aber leider alles auf eine zunehmende Bürokratisierung hinaus (befürchtet z. B. auch der Historiker Hans Mommsen – http://www.augsburger-allgemeine.de/wissenschaft/Es-ist-falsch-alles-auf-Hitler-zu-reduzieren-id16457111.html), was ich als „Produktivitätsfortschrittsdiebstahl“ bezeichnen würde.

    Andererseits frage ich mich als dezidierter Ressourcenpessimist allerdings auch, ob solche rein wirtschaftswissenschaftlichen Betrachtungsweisen (mit der Umwelt als Externalität) überhaupt noch Sinn machen – oder nur noch Glasperlenspiele sind?

    • aloa5 sagt:

      Andererseits frage ich mich als dezidierter Ressourcenpessimist allerdings auch, ob solche rein wirtschaftswissenschaftlichen Betrachtungsweisen (mit der Umwelt als Externalität) überhaupt noch Sinn machen – oder nur noch Glasperlenspiele sind?

      Der Anteil am BIP und den Beschäftigten für und im Gesundheits- und Pflegesektor ist von 1960 zu heute von 3% auf 13% gestiegen. Im Freizeit-Sektor sind ähnliche Steigerungsraten zu sehen. Der Übergang zur Dienstleistungs- und sagen wir „Wohlfühlgesellschaft“ ist m.E. nur bedingt mit materiellen Ressourcen verbunden.

      Dass man die demographische Entwicklung einfach mit dem Hinweis auf bestehende Arbeitslosigkeit wegwischen kann, glaube ich allerdings nicht.

      Ich habe drei Punkte auf der Liste:

      a) das Verhältnis „arbeitsfähiges Alter“ vs. „andere“; weicht das nicht grundlegend ab ist es nur ein Problem der Erhebung, keines der Demographie

      b) Umlagen kommen in Ableitung aus a) auch immer aus dem aktuellen BIP einer Periode. Kapitaldeckung kann sich höchstens noch aus dem BIP anderer Länder bedienen, spielt aber de facto für eine Gesellschaft keine Rolle. Das auszukosten würde bedeuten aus Demographiegründen Außenhandelsdefizite anzunehmen und auch anzupeilen.

      c) Wer etwas als „unbezahlbar“ bezeichnet behauptet als Folgerung aus b) demnach das wir unseren Wohlstand nicht mehr alleine bestreiten können.

      Das halte ich angesichts von a) für falsch. Die Zahlen sind bei weitem nicht so weit abweichend das absehbar wäre das wir in der Zukunft mit aufgrund Demographie mit anhaltenden Außenhandelsdefiziten zu rechnen hätten. Nicht wenn die Politik es schafft alle in Arbeit zu bringen.

      Grüße
      ALOA

  5. cangrande sagt:

    Aber selbstverständlich setzt eine Dienstleistungsgesellschaft usw. eine hohe Produktivität voraus!
    Und die ist nun mal ohne preiswerte Energie nicht zu haben. Von sonstigen Rohstoffen wie etwa Kupfer, Phosphor oder Seltenderden (und deren Gewinnungskosten!) ganz abgesehen.

    • aloa5 sagt:

      Die ist ohne Energie nicht zu haben. Das Wort „preiswert“ hat im Zusammenhang mit der Umwelt keine Bedeutung sondern ist selbst wiederum nur eine Ableitung aus Knappheiten. Ein großer Teil der Preise ist wiederum Arbeitslohn.
      Kritisch wird es erst dann wenn tatsächlich Materialien ausgehen würden. Für Teilbereiche wie Freizeitgestaltung und Pflege spielen selbige aber m.E. eine untergeordnete Rolle. Und das alles hat mit einem Demographieproblem überhaupt nichts mehr zu tun, es sei denn natürlich man würde erklären das man im Alter nichts mehr verbrauchen darf.

      Grüße
      ALOA

  6. cangrande sagt:

    Nun ja: Auch Scheiße schaufeln schafft Arbeitsplätze (http://beltwild.blogspot.com/2011/03/scheie-schaufeln-schafft-arbeitsplatze.html). Nur leider bei niedrigem Lebensstandard.

    Preiswert, also kostengünstig, zu produzieren (was auch immer, aber besonders natürlich jene Güter – hier einschl. Energie gedacht, die wir als Vorstufen’produkte‘ benötigen) ist eminent wichtig für den Lebensstandard – und dafür, wie viele Menschen eine Gesellschaft für ‚höhere‘ Tätigkeiten – von der Pflege bis zur Professur – freistellen kann.

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