Mindestlohn – Fluch oder Segen?

Eine alte Debatte wird befeuert

Da hat sie mal wieder was angerichtet, unsere U.vdLeyen. Ohne Not hat sie zu einem für ihre Union ungünstigen Zeitpunkt das Thema Mindestlohn aufs politische Parkett gezerrt. Und schon gleich gehen innerparteilich bei den Christdemokraten die Diskussionen los, in die sich dann natürlich wie bei einem pawlowschen Reflex üblich, die anderen Parteien auf der Bundesbühne einmischen. Dabei ist die sprachliche Anleihe gerade beim Apostel Markus durch den linken Ernst „Eher geht das berühmte Kamel durch das Nadelöhr, als dass die schwarz-gelbe Koalition einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn einführt“, wie bei ZeitOnline nachzulesen ist, nur eine Randnotiz der neu auflodernden Debatte.

Festgefahrene Positionen

Man muss man wahrlich kein großer Prophet sein, um zu ahnen, welche Argumente für und wider den allgemeinen Mindestlohn von welcher Seite erhoben werden. Auch beim parteipolitisch drölfzigsten Aufwasch einer unehrlichen Diskussion sind keine Überraschungen zu erwarten.

Auf der einen Seite haben wir die eher linke Position, der sich aber auch beim Arbeitnehmerflügel der CDU – dem CDA – findet und mit folgender logischen Argumentationskette aufwartet:

A. Höhere Löhne = Höhere Einkommen = Höhere Binnennachfrage = Höheres Bruttoinlandsprodukt = Mehr Wohlstand

Und auf der anderen Seite haben wir die wirtschaftsradikale Argumentation, der auch der arbeitgebernahe Flügel der CDU folgt:

B. Höhere Löhne = Höhere Kosten = Schlechtere Wettbewerbsfähigkeit = Schwindende Außenhandelsbilanz = Weniger Wohlstand

Und hier soll auch nur eine Randnotiz bleiben, dass in der CDU auch in dieser Frage das „große Flügelschlagen“ weitergeht.

Zurück zum Thema: Welche der beiden Argumentationsketten ist denn nun die Richtige und welche falsch?

Die Antwort auf die Frage „Ist jetzt A richtig und B falsch?“ ist ein eindeutiges JEIN.

Je nach Sichtweise bzw besser gesagt je Einzelfallbetrachtung ist entweder A oder B richtig, manchmal auch beide gleichzeitig und manchmal sogar beide falsch. So kompliziert, so gut. 😉

Ein kleiner Ausflug

Das Lustige an den beiden obigen Schlussfolgerungen ist, dass sich beide auf volkswirtschaftliche Modelltheorien berufen und insofern beide für sich den Anspruch erheben, die alleinige Weisheit zu repräsentieren. Je nach dem, ob man der einen verstaubten und bereit hinlänglich wiederlegten makroökonomischen Lehrmeinung des Neoklassizismus oder der anderen verstaubten und hinlänglich widerlegten makroökonomischen Lehrmeinung des Neokeynesianismus das Wort redet, picken sich die Protagonisten der politischen Debatte einfach aus dem volkswirtschaftlichen Theorienbrei die Sätze heraus um zu belegen, dass man selbst nur recht hat und der andere gar nicht.

Dabei wird von beiden Seiten großzügig übersehen, dass sämtliche volkswirtschaftlichen Modellchen lediglich kindlich anmutende naive Erklärungsversuche für ein komplexes Gebilde „Die Wirtschaft“darstellen. Denn jede dieser Modelle ist im eigenen Regelwerk durch Vereinfachung und Ausgangsparametersetzung so sehr gefangen, dass der Rückschluss vom Naivmodell auf die komplexe Wirklichkeit zum Scheitern verurteilt ist.

Das Zweite – dann nicht mehr ganz so lustige – ist, dass durch die von beiden Seiten betriebene Theorienexegese der Blick vom eigentlich hinter der Mindestlohn-Debatte stehende Thema der gerechten Verteilung von Löhnen abgelenkt wird.

Politische Trampelpfade verlassen

Interessanterweise wehren sich selbst die wirtschaftsradikalsten Neoliberalen nicht so sehr gegen Forderungen der Lobbytruppe Hartmannbund für verbesserte Vergütungen bei Ärzten und man wird auch eher selten aus der Union und der F.D.P. Forderungen nach mehr freiem Wettbewerb bei den Arzneimitteln zu Lasten der Apotheker hören. Auch Forderungen nach einer Absenkung der staatlich reglementierten Mindestgebührensätze für Rechtsanwälte und Notare hört man äußerst selten von dem politischen Arm der Freiberufler.

Aus dieser Denkrichtung wird also ein feiner Unterschied gemacht zwischen der ultimativen Gefahren von höheren Löhnen für die Wirtschaft (=Mindestlöhne) und den gerecht hohen Entgelten der Leistungsträger (=Wählerklientel).

Wenn die Argumentationskette B richtig sein sollte, dann würde dann ja auch verkürzt gelten

Sinkende Arzthonorare = Verbesserter Wettbewerb = Mehr Wohlstand

Oder anders gefragt: Warum soll ein Mindestlohn von 7,79 € übel für die Volkswirtschaft sein und nicht die vollkommen überzogenen Hohorare der Freiberufler?

Die Antwort ist ganz einfach: Es geht gar nicht um vereinfachte Diskussionsketten wie A oder B, sondern es geht schlicht und ergreifend darum, für die eigene Wählerklientel Interessenpolitik zu betreiben und dafür zu sorgen, dass deren Anteil am Gesamtkuchen der Einkommen wächst.

Von Kosten und Löhnen

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht stimmt es natürlich, dass höhere Löhne zu höheren Betriebskosten führen – zumindestens dann, wenn man der klassischen Betrachtungsweise anhängt, in dem Mitarbeiterlöhne einen Teil des Kostenblocks darstellen. Das sieht dann arg verkürzt so aus

Umsatz – Wareneinsatz – Betriebskosten – Löhne – Steuern = Gewinn

Bei dieser heute üblichen Gleichung wird als Gewinn ausschließlich der Teil des Umsatzes verstanden, der am Ende beim Unternehmer verbleibt, also der Unternehmerlohn.

Anders sieht es aus, wenn man die Gleichung etwas umstellt:

Umsatz – Wareneinsatz – Betriebskosten = Mitarbeiterlöhne + Steuern & Abgaben + Unternehmerlohn

Mathematisch ist diese Gleichung identisch mit der darüberstehenden, aber die Sichtweise hat sich dramatisch verändert, denn sie verdeutlicht, dass es einen Gesamtwert der Unternehmensleistung (=Wertschöpfung) gibt, der darauf wartet auf die im Wesentlichen drei Gruppen verteilt zu werden:

A. Die Arbeitnehmer
B. Der Staat und die sozialen Sicherungssysteme
C. Die Unternehmer und Anteilseigner

Und wenn man nun die Frage stellt, was denn passiert, wenn man die Mindestlöhne erhöht, dann kommt man zum Schluss, dass dann der Anteil der Arbeitnehmerlöhne steigt, der Anteil der (aufwandsabhängigen) Steuer- & Sozialabgaben gleich bleibt und der Anteil der Unternehmerlöhne sinken muss.

Und damit sind wir beim Pudels Kern der ganzen aufgeregten Debatte um Mindestlohn, globaler Wettbewerb und Untergang des Abendlandes angekommen. Dem alten Zopf des Verteilungsgerangel zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern.

Man würde sich ja wünschen, dass alle an der Mindestlohn-Debatte beteiligten wenigstens einmal so ehrlich wären, zuzugeben, worum es ihnen denn tatsächlich geht und nicht mehr mit Scheinargumenten um die heiße Suppe herumgetänzelt wird.

Mindestlohn Ja oder Nein?

Ein Lohn muss selbstverständlich mindestens so hoch sein, dass der Beschäftigte davon leben kann. Das heißt der Mindestlohn muss für einen Vollzeit Arbeitenden in Summe einen höheren Nettolohn einbringen als der staatlich garantierte Sozialsatz. Entscheidend ist hierbei, was für ein Netto beim Lohnbezieher ankommt.

Denn, wenn die gezahlten Löhne unterhalb dieser Schwelle liegen, dann muss der Staat ergänzend eingreifen (=Aufstocker) und betreibt damit faktisch nichts anderes als eine staatliche verdeckte Subvention für die Unternehmer, die unterhalb dieser Lohngrenze arbeiten lassen. Also im Ergebnis ein staatlich subventioniertes Lohndumpungmodell, bei dem die Unternehmer ihren Anteil am Volkseinkommenskuchen vergrößern.

Eine Mindestlohn-Lösung berücksichtigt jedoch nur den untersten Lohnsektor und ist deshalb keine wirklich 100%ig pfiffige Lösung. Denn die Unternehmer werden nicht ohne weiteres auf ihren Teil der Löhne verzichten und preisen deshalb die höheren Mitarbeiterlöhne einfach in die Produkt- & Dienstleistungspreise ein und erzeugen somit eine nicht-monetäre Inflation, die sogenannte Kostendruckinflation.

Pfiffig wäre also ein Modell, dass einen Ausgleichsmechanismus ermöglicht. In diesem Falle würde sich die obige Anti-Mindestlohn-Argumentationskette B volkswirtschaftlich in Wohlgefallen auflösen.

Eine solche Lösung könnte dabei zum Beispiel so aussehen:

Durch eine Abschaffung der Beitragskappungsgrenzen zur Sozialversicherung wie bereits hier thematisiert, würden Einkommen über den heutigen Grenzen stärker zur Finanzierung der solidarischen Sozialversicherung herangezogen. Diese zusätzlichen Einnahmen werden dazu verwendet, die untersten Einkommen komplett von der Sozialversicherungspflicht zu entbinden, d.h. bei untersten Einkommen werden keine Versicherungsabgaben mehr erhoben. Für die Unternehmer ist das dann in Summe aufwandsneutral.

Natürlich würde es auch mittels Lohnsummenausgleichsteuer gehen, eine Arbeitgebersteuer, die auf Löhne im untersten und im oberen Lohnsektor erhoben wird und im mittleren Lohnbereich ausgezahlt wird. Durch diesen Ansatz, sowohl im untersten Lohnbereich die Unternehmer für zu geringe und zu hohe Lohnabschlüssen „zu bestrafen“, als auch den mittleren Bereich zu belohnen, wird es dabei für den Unternehmer lukrativ, höhere Mindestlöhne zu zahlen.

Deshalb als Fazit

Höhere Mindestlöhne – JA – Am Besten mit automatischem Ausgleichs- oder Anreizsystem.

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Comments
15 Responses to “Mindestlohn – Fluch oder Segen?”
  1. aloa5 sagt:

    Ich bin dagegen. Mindestlöhne treiben wie u.a. in Frankreich und GB sind eher die Preise. Und sie treiben die benötigten Umlagehöhen an Rentner, Arbeitslose und Kinder.

    In Frankreich gibt es 9 Euro Mindestlohn. Aufgrund der Ineffizienz des Mindestlohn-Systemes und auch der direkten höheren Kosten sind diese 9 Euro jedoch nur etwa 7,80 Euro Deutschen Brutto-Lohn wert. Weder in GB noch in Frankreich hat es wirklich etwas gebracht.

    Löhne sind deshalb zu niedrig weil es in einem gewissen Bereich (m.E. unqualifizierte) zu viele freie Arbeitskräfte gibt (Grund: Heckscher-Ohlin/China). Löst man das Problem irgendwie und hat „Vollbeschäftigung“ so wie Holländer vielleicht, dann (nur dann) kann ein Mindestlohn einzelne auf ein gewissen Level helfen.

    Ich bin für „Mindest-Netto(!)-Löhne“ für welche der Staat über die SV-Systeme (und Steuern/Abgaben) zu sorgen hat und welche Nachfrage und Angebot erlauben. Ich bin gegen derartige gesetzliche Vorschriften, denn sie helfen nur der Politikern jeder coleur sich auf einem Nebenschauplatz zu tummeln. Linke profilieren sich als Retter der ausgebeuteten und Konservativ/Liberale hilft es ggfs. von der eigentlichen Problematik abzulenken.

    Ökonomisch macht es keinerlei Sinn.

    Sinniger ist es Lohn-kosten-spreizungen zuzulassen und wenig verdienenden mehr Netto bei niedrigeren Kosten zu geben. Macht man das nicht kommt man nicht auf die benötigte Nachfrage und auch nicht auf den benötigen Angebotspreis.

    Grüße
    ALOA

    • andena17 sagt:

      Hallo ALOA,

      ob ein Mindestlohn sinnvoll oder schädlich ist, hängt deutlich von der Höhe des Mindestlohnes ab, nicht jedoch von der grundsätzlichen Definition. Wohlweislich habe ich in dem Artikel keine Mindestlohnhöhe genannt. 😉

      Faktisch besitzen wir in der BRD bereits einen Mindestlohn, der sich aus den Aufstockerregelungen ergibt. Das heißt: ein vom Unternehmer gezahlter Niedrigstlohn wird heute durch die ergänzenden Leistungen aus dem Sozialsystem auf den Sozialsatz angehoben. Das ist jedoch nichts anderes als eine versteckte Unternehmenssubvention, also eine Zweckentfremdung von Sozialversicherungsbeiträgen. Ziel eines Mindestlohnnsatzes müsste sein, diese Praxis abzuschaffen

      Wenn man ALG2-Regelsatz, angemessene Wohnkostensatz und einen gemittelten Krankenversicherungsbeitrag ansetzt, so ergibt sich eine Zielgröße von ca 922 € pro Monat. Daraus ergibt sich dann für einen in Vollzeit beschäftigten ein Netto-Mindestlohn in Höhe von 5,33 €. Einen solchen Mindestsatz als allgemeinverbindlich staatlich vorzugeben halte ich für sinnvoll und auch geboten, um der Zweckentfremdung der Sotialbeiträge zum Lohndumping einzudämmen.

      Gruß, Andena

      • aloa5 sagt:

        Es ist beim Kombilohn via HartzIV ein Mindesteinkommen – kein Mindestlohn. Mindestlöhne sind dadurch gekennzeichnet das sie in voller Höhe inkl. Nebenkosten durch den Arbeitgeber bezahlt werden. Sie verursachen Lohnkosten in voller Höhe.

        Ein Mindestlohn von 5,33 Euro hätte in Deutschland m.E. keine Wirkung. Das hatte die IAB schon Jahre zuvor festgestellt. Zudem sind es ganze 295.000 Vollzeitbeschäftigte welche ergänzendes ALGII beziehen. Siehe dazu auch:
        https://logicorum.wordpress.com/2011/06/01/juli-2011-aufstocker-transferentzugsraten-und-teilzeitbeschaftigte/

        Und die IAB teilte 2009 mit: „Fast 30% der westdeutschen und fast 40% der ostdeutschen Aufstocker/innen verdienen weniger als 5 € brutto pro Stunde. “

        Womit wir bei etwa 100.000 wären welche von 5,33 Euro Mindestlöhnen erfasst würden. Es wäre also leicht solch einen Satz einzuzführen. Nur würde es nie im Leben bei diesem bleiben. Da darf man sich nichts vormachen.

        Wer höhere Löhne erreichen möchte kommt um ganz andere Instrumente daher nicht herum. Mehr Netto vom Brutto für untere Lohngruppen, geschickt erhoben und zudem nicht Lohnkosten-steigernd. Dann erledigen sich Löhne in diesem Bereich von vornherein.

        Grüßer
        ALOA

        • andena17 sagt:

          Womit wir bei etwa 100.000 wären welche von 5,33 Euro Mindestlöhnen erfasst würden. Es wäre also leicht solch einen Satz einzuzführen. Nur würde es nie im Leben bei diesem bleiben. Da darf man sich nichts vormachen.

          Die 5,33 € Nettoeinkommen wäre im Moment genau die Grenze, bei der ein Alleinstehender für eine Vollzeitarbeit mit 40 Stunden Wochenarbeitszeit den vergleichbaren Sozialhilfesatz verdient. In ein Arbeitnehmerbrutto umgerechnet würde das einem Bruttolohn von 7,08 € pro Arbeitsstunde und einem Bruttomonatslohn in Höhe von 1.227 € entsprechen, von dem dann abgehen:

          – 101 € Krankenversicherung
          – 15 € Pflegeversicherung
          – 122 € Rentenversicherung
          – 18 € Arbeitslosenversicherung
          – 48 € Lohnsteuer
          = 923 € Nettolohn

          Erst ab dieser Grenze von 7,08 € entfällt für einen Alleinstehenden das staatliche Zuschussanrecht bei Niedrigstlöhnen bzw die verdeckte Subvention für Unternehmen, die bei Niedrigstlöhnen einen größeren Anteil an Unternehmerlöhnen einheimsen können.

          Sinnvoll wäre es deshalb, einen gesetzlichen Mindestlohn von ungefähr 7,08 € verbindlich festzulegen und daneben branchenspezifisch auch höhere allgemeinverbindliche Tariflöhne zu ermöglichen.

          Wenn man sich die derzeit als allgemeingültig erklärten Mindestlöhne anschaut, dann wird (glaube ich) klar, dass ein gesetzlicher Mindestlohn erstens bereits in weite Teilen herrscht ohne dass die Wirtschaft und gerade die Exportwirtschaft zusammengebrochen ist und zweitens ein Wert von 7,08 € an der unteren Skala der Tariflöhne für ungelernte Arbeiten liegt. Nur beim Wachschutz und in Wäschereien werden (vor allem in Ostberlin) nach dem Entsendegesetz geringere Arbeitslöhne gezahlt.

          • aloa5 sagt:

            Sinnvoll wäre es deshalb, einen gesetzlichen Mindestlohn von ungefähr 7,08 € verbindlich festzulegen und daneben branchenspezifisch auch höhere allgemeinverbindliche Tariflöhne zu ermöglichen.

            Sinnvoll wäre es keinen Mindestlohn zu benötigen und trotzdem 5,33 Euro Nettolohn-Niveau zu erreichen indem Arbeitsplätze geschaffen werden und die Abgabenstruktur stimmt.

            Ich hatte bereits in verschiedenen Beiträgen und Kommentaren auf Lohn/Preise und Arbeitsplätze hingewiesen. In Bezug auf Frankreich hier bei den Kommentaren:
            https://logicorum.wordpress.com/2011/06/20/kaufkraft-vergleich-deutschland-international-und-euro-raum/
            Und im April grundsätzlich unter „Die Frage des Mindestlohns in Deutschland“:
            https://logicorum.wordpress.com/2011/04/23/die-frage-des-mindestlohns-in-deutschland/
            Und im besonderen noch Dänemark unter „Deutschland und Dänemark in der Krise – Arbeitsmarkt, Kaufkraftparität und Mindestlöhne“
            https://logicorum.wordpress.com/2011/04/09/deutschland-und-danemark-in-der-krise-arbeitsmarkt-kaufkraftparitat-und-mindestlohne/

            und anderen (wie bei Staatsquoten etc.).

            Es besteht eine zu große Schere zwischen Marktkosten und Kaufkraft bei den unteren Löhnen. Da einen hohen Lohn aufzupfropfen bringt nichts. Es schafft bestenfalls keine neuen Arbeitslose, die Schere bleibt jedoch bzw. läuft eigentlich noch weiter auseinander und sorgt für Wohlstandseinbußen, Preisanstiege und u.U. auch Außenhandelsdefizite. Das ganze ohne Not.

            Die Bruttolohnkosten wären wiederum viel höher, eine Korrektur würde umso schwieriger gestaltet.

            Eine auf diesen (Netto)Mindestlohn ausgerichtete Lohnsummenausgleichsteuer würde 6,64 Euro anstelle von 7,08 Euro Brutto bedeuten. Arbeitgeberseitig läge der Unterschied zwischen 7,7 Euro und 8,5 Euro. Das sind 10%. Einmal auf diesem Niveau kann jede Korrekturmaßnahme nur mit einem höheren Lohnniveau greifen – weltweit. Und das auch noch bei einem installierten Mindestlohn der politischem Druck ausgesetzt ist.

            Vulgo: in Frankreich würde auch eine Lohnsummenausgleichssteuer nur schwerlich und sehr langsam die Hürden welche der dortige Mindestlohn aufgestellt hat kompensieren können. Sie wirkt zwar (grundsätzlich) in jedem Land. Nur ist der Wirkungsgrad u.a. abhängig davon wie weit sich die Löhne von der weltweiten Struktur entfernt haben.

            Die Zielsetzung ist natürlich eine andere. Ich möchte die Lohnstruktur und die Verteilung der Einkommen korrigieren und gleichzeitig Arbeitsplätze und Wohlstand in den Ländern selbst schaffen (also das arbeitsteilige, die Globalisierung wenn man so will zurückfahren).

            Du möchtest mit dem Mindestlohn die verbliebenen, lokal arbeitenden besser ausstatten.

            • andena17 sagt:

              Sinnvoll wäre es keinen Mindestlohn zu benötigen und trotzdem 5,33 Euro Nettolohn-Niveau zu erreichen indem Arbeitsplätze geschaffen werden und die Abgabenstruktur stimmt.

              Natürlich wäre es am Besten, wenn der Staat / die Gesellschaft nicht in das Lohngefüge und die Tarifautonomie eingreifen müsste, sondern die Arbeitgeber von sich aus freiwillig Löhne oberhalb der Armutsgrenze zahlen würden. Das tun sie jedoch nicht – und schon gar nicht freiwillig – auch deshalb nicht, weil sie bislang für die schlechten Löhne keine Nachteile befürchten mussten, sondern sogar noch von staatlicher Seite mit einer indirekten Subventionierung unterstützt wurden.

              Ohne mehr oder weniger sanften Druck werden die Arbeitgeber leider nicht auf ihre Zusatzerlöse verzichten wollen und schöne Ausreden erfinden, warum das Zahlen eines auskümmlichen Arbeitslohns im unteren Lohnbereich die wirtschaftliche Ertragslage gefährdet, hohe Gehälter an der Führungssitze und hohe Gewinnausschüttungen dagegen nicht. Das wird wohl eher so eines der Geheimnisse der Lohndumper bleiben. 😉

              Die Zielsetzung ist natürlich eine andere. Ich möchte die Lohnstruktur und die Verteilung der Einkommen korrigieren und gleichzeitig Arbeitsplätze und Wohlstand in den Ländern selbst schaffen (also das arbeitsteilige, die Globalisierung wenn man so will zurückfahren).

              In der Zielsetzung sind wir uns einig und wir sind uns auch einig, dass man so langsam (eher schneller) im Niedrigstlohnsektor neue Regelungen braucht. Die Frage ist eher, auf welchem Wege man dieses Ziel am Besten erreicht und welche staatlichen Maßnahmen man ergreifen sollte.

              Du möchtest mit dem Mindestlohn die verbliebenen, lokal arbeitenden besser ausstatten.

              Im ersten Schritt will(tm) ich, dass der Staat aufhört, Geld dafür zu verschwenden, Fehlentwicklungen bei dem Lohngefüge aufrecht zu erhalten. Hier wirkt ein Mindestlohn von 7,08 € Bruttolohn sofort und effizient.

              Welche Maßnahmen man dann im zweiten Schritt zusätzlich ergreift, um für eine gerechtere Verteilung zu sorgen, kann man sich dann überlegen. Hier sind dann sowohl Lohnsummenausgleichssteuer als auch Wertschöpfungsabgabe oder auch obligatorische Krankenversicherung mögliche Wege.

              Von daher sehe ich diesen Gegensatz Mindestlohn ODER Lohnsummenausgleichssteuer nicht, denn sie können sich wunderbar ergänzen.

              • aloa5 sagt:

                ….auch deshalb nicht, weil sie bislang für die schlechten Löhne keine Nachteile befürchten mussten, sondern sogar noch von staatlicher Seite mit einer indirekten Subventionierung unterstützt wurden.

                Ohne mehr oder weniger sanften Druck werden die Arbeitgeber leider nicht auf ihre Zusatzerlöse verzichten wollen….

                Du unterstellst indirekt das wir aktuell Vollbeschäftigung hätten und die niedrigen Löhne nur wegen Renditehunger entstehen würden („böse Arbeitgeber“).

                Klassische Niedriglohn-Sektoren (auch in den lowpay-Berichten aus UK separat aufgeführt) sind:
                – Pflegekräfte
                – Reinigungskräfte
                – Bauern/Hilfskräfte auf dem Land
                – Friseure

                Es gibt natürlich auch ein paar andere, einzelne Zweige.

                Grundsätzlich widerspreche ich Dir aber in diesem Punkt. In den genannten Sektoren sind es imho nicht die bösen Arbeitgeber.

                Im ersten Schritt will(tm) ich, dass der Staat aufhört, Geld dafür zu verschwenden, Fehlentwicklungen bei dem Lohngefüge aufrecht zu erhalten.

                Das ist ganz einfach. Keine Aufstocker mehr, kein Druck mehr.

                Ich würde im ersten Schritt wollen das der Staat die Rahmenbedingungen ordentlich setzt. Das wirkt nicht nur sofort sondern auch dauerhaft. Hinterher kann man sich ansehen ob noch etwas regulierungsbedürftiges heraus kommt was man via marktfernem Zwang anordnen muss. Dann kommt man auf relativ wenig betroffene durch einen ML wie m.E. in den Niederlanden.

                Grüße
                ALOA

                • andena17 sagt:

                  Du unterstellst indirekt das wir aktuell Vollbeschäftigung hätten und die niedrigen Löhne nur wegen Renditehunger entstehen würden („böse Arbeitgeber“).

                  Auch Unternehmer zahlen ganz normal wie auch Konsumenten lieber weniger als mehr, wenn sie denn ein günstigeres Produkt – in diesem Falle Arbeitsleistung – bekommen können. So gesehen funktionieren auch Unternehmer innerhalb der ganz normalen menschlichen Parameter.

                  Jedem wird – zumindestens nach der Staatspleite der ehemaligen DDR – einleuchten, dass eine dauernde Subventionierung von Konsumprodukten nicht sinnvoll ist und lediglich eine teure kosmetische Maßnahme darstellt. Dennoch leisten wir uns in der BRD eine Unternehmenssubventionierung auf Kosten der Staatskasse. Und das nicht, weil es volkswirtschaftlich sinnvoll wäre, sondern weil es der Ertragslage der Unternehmern nutzt.

                  Klassische Niedriglohn-Sektoren sind:
                  – Pflegekräfte
                  – Reinigungskräfte
                  – Bauern/Hilfskräfte auf dem Land
                  – Friseure

                  Das sind jetzt alles keine exportierbaren Arbeitsplätze, womit das dauernde Argument des globalisierten Wettbewerbs größtenteils hinfällig ist.

                  Das ist ganz einfach. Keine Aufstocker mehr, kein Druck mehr.

                  Leider funktioniert das nicht!. Denn es führt dann lediglich dazu, dass die Unternehmer günstigere ausländische Arbeitgeber importieren und eben nicht dazu, dass sich das allgemeine Lohngefüge im Niedrigstlohnsektor verbessert. Ein Unternehmer wird genau dann Inländische Arbeitnehmer einstellen, wenn er sich einen wirtschaftlichen Vorteil davon verspricht zBsp, wenn die Anwerbe- und Verwaltungskosten für die importierten Arbeitskräfte höher sind als ein etwaiger Qualitätsvorsprung polnischer, rumänischer und bulgarischer Mitarbeiter. Ohne Mindestlohn werden zusätzliche Arbeitskräfte aus dem Ausland das bestehende Lohngefüge immer torpedieren.

                  Nur mit einem gesetzlichen Mindestlohn wird der Unternehmer kein gesteigertes Interesse mehr haben, den Aufwand mit importierter Arbeitsleistung zu fahren und auf inländische Leistung zurückgreifen, soweit sie verfügbar sind. Wo sie nicht verfügbar ist, da muss er in der Regel eh höhere Löhne als den Mindestlohn zahlen.

                  • aloa5 sagt:

                    Das sind jetzt alles keine exportierbaren Arbeitsplätze, womit das dauernde Argument des globalisierten Wettbewerbs größtenteils hinfällig ist.

                    Das ist der Knackpunkt unserer unterschiedlichen Sichtweise welche ich bereits oben skizziert hatte. 😉

                    Du möchtest den heutigen Niedriglöhnern dadurch helfen das Du ihre (Brutto)Löhne erhöhst.

                    Ich möchte das insbesondere auch die Nachfrage nach etwas höherwertigen Arbeiten zunimmt und der Arbeitsmarkt geräumt wird auf welches dann eine Erhöhung der Löhne in den o.g. Niedriglohn-Sektoren aufgrund der Räumung stattfinden kann. (Und das über Lohnkostensenkung und Nachfragesteigerung)

                    Zielvorgaben:

                    Mindestlohn:
                    – der Friseur erhält mehr Geld

                    Lohnsummenausgleichssteuer:
                    – ein Schüler erlernt statt Friseur den Installateur-Beruf (Nachfrage/lokal) oder
                    – arbeitet in der Autozuliefer-Industrie (Angebot/global)
                    ….. der Konkurrenzdruck im Friseurberuf lässt nach

                    Grüße
                    Otmar

  2. andena17 sagt:

    Das ist der Knackpunkt unserer unterschiedlichen Sichtweise welche ich bereits oben skizziert hatte. 😉

    Du möchtest den heutigen Niedriglöhnern dadurch helfen das Du ihre (Brutto)Löhne erhöhst.

    Nein. Ich möchte vor Allem diese unsägliche Praxis beenden, dass Vollzeitbeschäftigte parallel zu ihrem zu niedrigen Lohn auf staatliche Transferleistungen angewiesen sind.

    Zielvorgaben:

    Mindestlohn:
    – der Friseur erhält mehr Geld

    Das ist so nicht richtig. Der alleinstehende Friseur wird sowohl ohne als auch mit Mindestlohn den gleichen Nettolohn erhalten.

    Ohne Mindestlohn erhält er 3/4 von seinem Friseurmeister und 1/4 als Aufstockertransferleistung vom Staat.

    Mit Mindestlohn erhält der Friseur einen auskömmlichen Lohn zu 100% von seinem Unternehmer.

    Das, was sich ändert mit einem von mir vorgeschlagenen geringen Mindestlohn von 7,08 €, ist, dass der Unternehmer nicht von den geringen Löhnen profitieren kann und Lohndumping nicht mehr als Wettbewerbsvorteil gegenüber der örtlichen Konkurrenz einsetzen kann.

    Lohnsummenausgleichssteuer:
    – ein Schüler erlernt statt Friseur den Installateur-Beruf (Nachfrage/lokal) oder
    – arbeitet in der Autozuliefer-Industrie (Angebot/global)
    ….. der Konkurrenzdruck im Friseurberuf lässt nach

    Bei der Lohnsummenausgleichssteuer zahlt der Unternehmer eine Strafsteuer für Niedrigstlöhne sowie Höchstlöhne und erhält im Gegenzug ein Bonus für Löhne im mittleren Einkommensbereich. Es besteht aber keinerlei Automatismus, demzufolge der Unternehmer zwingend die Löhne im Niedrigstlohnbereich anheben muss. Er kann genausogut die Strafe akzeptieren und die Löhne so belassen, wie sie sind, oder er braucht sich gar nicht groß zu kümmern, wenn sein unternehmensweites Lohngefüge sich ausgleicht. Die Angestellten auf den Niedristlohnarbeitsplätzen wären dann nach wie vor auf Transferleistungen des Staates angewiesen.

    Das kann man nur dadurch beseitigen, wenn es trotz Lohnsummenausgleichssteuer einen Mindestlohn als Nettolohn-Äquivalenz zum Sozialsatz gibt. Deshalb halte ich diesen Gegensatz Mindestlohn vs Lohnsummenausgleichssteuer für nicht haltbar und sehe hier eine gute Ergänzungsmöglichkeit.

    Gruß, Andena

    • aloa5 sagt:

      Nein. Ich möchte vor Allem diese unsägliche Praxis beenden, dass Vollzeitbeschäftigte parallel zu ihrem zu niedrigen Lohn auf staatliche Transferleistungen angewiesen sind.

      Sagte ich doch. 😉

      Das ist so nicht richtig. Der alleinstehende Friseur wird sowohl ohne als auch mit Mindestlohn den gleichen Nettolohn erhalten….
      Das, was sich ändert mit einem von mir vorgeschlagenen geringen Mindestlohn von 7,08 €, ist, dass der Unternehmer nicht von den geringen Löhnen profitieren kann und Lohndumping nicht mehr als Wettbewerbsvorteil gegenüber der örtlichen Konkurrenz einsetzen kann.

      Jein.
      Der alleinstehende selbstständige Friseur ist immer der „angeschmierte“, denn in seiner Branche wird immer wenig verdient. Sog. Lohndumping geht nur wenn ein Überangebot besteht, also der Marktpreis für Arbeit unter dem auskömmlichen bzw. bislang ortsüblichen Lohn liegt. Größtenteils in Krisen der Fall, also der Lohnelastizität geschuldet.

      Was ändert der Mindestlohn an der Problematik? Überhaupt nichts. Das Problem und eine Folge wird sein das die Mindestlöhne durch mehr „Selbstständige“ umgangen werden. Auch das hat man in den vergangenen Jahren sowohl bei uns als auch in Ländern wie GB sehen können. Auch Teilzeitbeschäftigte und Schattenwirtschaft gehören dazu.

      Bei der Lohnsummenausgleichssteuer zahlt der Unternehmer eine Strafsteuer für Niedrigstlöhne sowie Höchstlöhne und erhält im Gegenzug ein Bonus für Löhne im mittleren Einkommensbereich. Es besteht aber keinerlei Automatismus, demzufolge der Unternehmer zwingend die Löhne im Niedrigstlohnbereich anheben muss. Er kann genausogut die Strafe akzeptieren und die Löhne so belassen, wie sie sind, oder er braucht sich gar nicht groß zu kümmern, wenn sein unternehmensweites Lohngefüge sich ausgleicht. Die Angestellten auf den Niedristlohnarbeitsplätzen wären dann nach wie vor auf Transferleistungen des Staates angewiesen.

      Du kommst irgendwie nicht von der Betrachtung alleine des Niedriglohn-Sektors weg. 🙂

      Zur „Strafsteuer“. Aktuell zahlen alle welche Arbeitnehmer sind oder beschäftigen welche voll SV-pflichtiges Gehalt beziehen diese „Strafsteuer“. Denn sie tragen die Hauptlasten bzw. bestenfalls „Flat-Tax“ wie wir anhand der Grafik der Abzüge der Arbeitgeberkosten gegenüber den Nettolöhnen schon gezeigt haben. Die Lohnsummenausgleichssteuer führt erstmalig eine echte Progression ein. Man kann natürlich zu einer Progression Strafsteuer sagen, muss aber nicht sein.

      Es ist im ersten Zug völlig egal was der Arbeitgeber des Niedrigstlöhners macht. Erstens erhält der Arbeitnehmer mehr Nettolohn (so oder so). Und zweitens soll die Wirkung auch nicht hauptsächlich über diese „Strafe“ eintreten. Die Absicht ist nicht das jemand dazu gebracht wird Löhne zu erhöhen weil er ansonsten 12% mehr Abgaben zahlen muss. Das wäre im Mindestlohn gedacht.
      Die Absicht ist über Kaufkraft direkt oder indirekt Arbeitsplätze im Bereich über dem Niedrigstlohn-Sektor zu generieren. Diejenigen welche ansonsten Friseur wären sollen etwas anderes arbeiten können wo mehr Geld verdient wird weil in diesem Bereich mehr Nachfrage existiert und auch mehr Angebot. Erst im zweiten oder dritten Schritt führt das zu einer wesentlichen und nachhaltigen Verbesserung der Lage auch des Friseurs. Erst wenn man die Wahl hat entweder Friseur zu sein oder als Bürokraft oder auf dem Bau zu arbeiten wird der Friseurlohn nachhaltig steigen und auch nicht über prekäre (Schein)Selbstständige umgangen werden können.
      Der Kreislauf/die Automatik greift durchaus. Vielleicht nicht im Falle des beibehaltens. Aber je mehr sich für ein ausweiten des niedrigen/hohen Lohnes entscheiden, desto höher die Einnahmen, desto höher das absinken des RV-Satzes. Hätte man die LsSt vor HartzIV eingeführt wäre die Lohnschere nicht so auseinander gegangen.

      Das kann man nur dadurch beseitigen, wenn es trotz Lohnsummenausgleichssteuer einen Mindestlohn als Nettolohn-Äquivalenz zum Sozialsatz gibt. Deshalb halte ich diesen Gegensatz Mindestlohn vs Lohnsummenausgleichssteuer für nicht haltbar und sehe hier eine gute Ergänzungsmöglichkeit.

      Das kann man so machen und sehen. Allerdings nur unter einhalten der Reihenfolge. Es bildet sich ja nach der Einführung der Lohnsummenausgleichssteuer ein neuer (höherer) Marktlohn und ein neuer (niedrigerer) Mindestlohn der Auskömmlichkeit bedeutet. Setzt man vor der Wirkung einen relativ hohen Mindestlohn auf Basis des status quo wird es (je höher der Wert ist) schwieriger den Kreislauf zu setzen. Außerdem ist anzunehmen das man es beim populären ML belässt und die eigentliche Korrektur überhaupt nicht vor- und zur Kenntnis nimmt.

      Grüße
      ALOA

      • andena17 sagt:

        Der alleinstehende selbstständige Friseur ist immer der „angeschmierte“, denn in seiner Branche wird immer wenig verdient. Sog. Lohndumping geht nur wenn ein Überangebot besteht, also der Marktpreis für Arbeit unter dem auskömmlichen bzw. bislang ortsüblichen Lohn liegt. Größtenteils in Krisen der Fall, also der Lohnelastizität geschuldet.

        Dass in der Friseurbranche wenig bezahlt wird ist beileibe kein Naturgesetz, sondern eher Folge dessen, dass die Angestellten in der Regel in Kleinbetrieben und ohne Betriebsrat arbeiten und hierdurch keinerlei Arbeitnehmerinteressenvertretung besteht.

        Lohndumping entsteht da, wo Arbeitgeber gegenüber den Arbeitnehmern eine bedeutend höherstehende Verhandlungsbasis haben.

        Was ändert der Mindestlohn an der Problematik? Überhaupt nichts. Das Problem und eine Folge wird sein das die Mindestlöhne durch mehr „Selbstständige“ umgangen werden. Auch das hat man in den vergangenen Jahren sowohl bei uns als auch in Ländern wie GB sehen können. Auch Teilzeitbeschäftigte und Schattenwirtschaft gehören dazu.

        Ein gesetzlich verbindlicher Mindestlohn ändert das gesamte Lohngefüge der Friseurbranche und verhindert effektiv, dass Lohndumping zum Konkurrenzkampf missbraucht wird. Und das ist bedeutend mehr als überhaupt nichts. Etwaige Umgehungsstrategien bekämpft man übrigens am Besten damit, dass den Mitarbeitern ein gesetzliches nachträgliches Anspruchsrecht für den vorenthaltenen Lohn und die vorenthaltenen Sozialabgaben einräumt. Damit hat dann der Unternehmer, der in betrügerischer Absicht seine Mitarbeiter in Scheinselbständigkeit zwingt, keinerlei Vorteil mehr und lässt solche Tricks einfach sein. 😉

        Erst wenn man die Wahl hat entweder Friseur zu sein oder als Bürokraft oder auf dem Bau zu arbeiten wird der Friseurlohn nachhaltig steigen und auch nicht über prekäre (Schein)Selbstständige umgangen werden können.

        Unter weiblichen Schulabgängern ist nach wie vor der Friseurberuf sehr beliebt, er rangiert auf Platz 5 der beliebtesten Berufe.

        Der Trick, mit einer Bezahlung unterhalb der Armutsgrenze den Friseurberuf unattraktiver zu machen, scheint in den letzten Jahrzehnten nicht wirklich funktioniert zu haben. Und dass jetzt Auszubildene gezwungen werden müssten, den Friseurberuf zu erlernen kann man auch nicht gerade erkennen. Fakt ist, dass die Idee, über Niedrigstlöhne die Leute dazu zu bringen, sich anderen Berufen zuzuwenden, da von einer grundlegend falschen Ausgangsbasis ausgeht, wenn die Mitarbeiter eine hohe Berufsaffinität haben.

        Das kann man so machen und sehen. Allerdings nur unter einhalten der Reihenfolge.

        Ok, dann haben wir ja am Ende doch einen gewissen Konsens erzielt, wir brauchen einen gesetzlichen Mindestlohn, um die gröbsten Fehler zu beseitigen und die Zweckentfremdung der Transferleistungen zu beenden und einen dynamischen Ausgleichsmechanismus. Lediglich bei der Reihenfolge scheinen wir noch unterschiedlicher Auffassung zu sein.

        Gruß, Andena

  3. LordSnow sagt:

    Sehr gute Diskussion, werd ich sicherlich häufiger mal verlinken. 🙂

  4. andena17 sagt:

    Hier mal zur Ergänzung ein paar Zahlen zum Tarifgefüge im Friseurhandwerk:

    7,75 € / Std in NRW
    7,29 € / Std in Bayern
    6,38 € / Std in Baden-Württemberg
    ….
    3,18 € / Std in Thüringen
    3,05 € / Std in Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt & Sachsen
    2,75 € / Std in Brandenburg

    Und trotz dieses unglaublichen Gefälles zwischen Bayern und Thürigen von 4,11 € / Std gibt es trotzdem ohne Ende Friseurläden an der Bundesländergrenze auf bayrischem Gebiet, zBsp in Neustadt bei Coburg, jedoch keine Lohndumping-Ketten wie Friseur Klier. Die hat aber eine Filiale auf der thüringischen Seite knapp 350m von Bayern entfernt.

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  1. […] Wie in Frankreich steht natürlich auch in GB die Frage im Raum was zuerst war – schlechte Konjunktur, schlechte Rahmengegebenheiten oder der Mindestlohn. Befürworter eines Mindestlohnes finden nichts schlechtes daraun, oft gleichgültig welche Höhe dieser hat. Auch Ökonomen ziehen das des öfteren nicht in Betrachtungen mit ein – ein Fehler, exzessiv besprochen auch anhand schlechter Studien dazu [1,2,3]. […]



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