Mein Unbehagen mit Monetarismus

Henry Kaspar hat bei Kantoos einen Blogeintrag geschrieben mit dem Titel Mein Unbehagen mit Quasi-Monetarismus.

Das kann ich nicht unkommentiert lassen. Die Reihe geht ja lt. Kaspar wie folgt:

Quasi-Monetaristen gehen hin und kritisieren die Geldhortung und möchten daher irgendwie Angebot und Nachfrage nach Geld besser regeln.

Monetaristen gehen (inzwischen(!)) hin und gehen einen Schritt weiter, sagen der Grund dafür das Geld gehortet wird sei das fehlen von solventen Kreditnehmern nach einer zuvor erfolgten Überschuldung.

Wie manche Blogleser wissen zähle ich zur nächsten Gruppe, und das sieht wie folgt aus:

Logiker gehen hin und erklären das der Grund dafür das Geld gehortet wird und damit auf Dauer solvente Kreditnehmer fehlen u.a. die Einkommensverteilung und Marktdefekte sind.

Auf die erste Gruppe gehe ich jetzt einmal nicht näher ein (lohnt nicht; habe lange genug mit Gesellianern diskutiert). Aber noch einmal zu Kaspar:

1b. Überschuldung zwingt die Schuldner ihre Ausgaben zu reduzieren, um die Schulden bedienen zu können – d.h. sie erzwingt einen Transfer von Schuldnern zu Gläubigern. Gläubiger haben eine geringere Ausgabenneigung als Schuldner; deswegen sind sie ja Gläubiger. Sie würden die ihnen transferierten Mittel gern weiterverleihen, finden aber nicht genügend Firmen oder Haushalte, die bereit und fähig wären sich zu verschulden. Um mit Brad DeLong zu sprechen: es gibt einen Mangel an sicheren Assets.

1c. Wegen des Mangels an sicheren Assets horten die Gläubiger Geld.

Das impliziert „Überschuldung“ als auslösenden Grund. Ob und wie der Wirtschaftskreislauf überhaupt ohne „Überschuldung“ zurecht kommt, und das unter gegebener Einkommensverteilung, ist nicht zu lesen. Man darf nicht vergessen das BIP-Zuwächse m.E. linear und auf niedrigem Niveau verlaufen, Einkommens- und Vermögenskonzentrationen stattfinden. Schulden (aus erspartem wie aus der Geldschöpfung) dürften also im langfristigen Mittel niemals den Zuwachs übersteigen.

Ich habe einmal in einem ganz anderen alten, viel umfangreicheren (und nicht vollständigen) Essay folgendes geschrieben:

Nachfrage, Kredite, Krise

Gab bzw. gibt es keine lohnenden Investments mehr? Was ist mit der Geldschöpfung? Haben wir zu wenig Kreditnehmer?

Einkommensunterschiede sorgen selektiv für hohe Sparquoten, was man auch gut in den USA beobachten kann (bei den 10% Bestverdienern). [7] Dazu sorgen sie unter gewissen Bedingungen (noch auszuführen) auch für Vermögenskonzentrationen. Auch das ist in den Industrienationen wie auch in Deutschland seit Jahren empirisch feststellbar [8].

Investitionen in die Realwirtschaft sind zum einen davon abhängig ob sie überhaupt getätigt werden können oder ob nicht ein Markt abgeschottet wurde (Monopole, Patente usw.). Zum anderen sind sie jedoch auch davon abhängig ob eine Rendite zu erwarten ist und zum dritten ist es davon abhängig wie hoch das Ausfallrisiko ist. Schwindet nun die Kaufkraft in Teilen dann schwindet mit dem Umsatz auch die Rendite der Realwirtschaft und das Risiko eines Verlustes steigt. Ein schwinden der Kaufkraft ist bei wachsenden und dauerhaften Einkommensunterschieden (wie oben postuliert) zu erwarten – so nicht die Akteure ständig wechseln (da kommt auch Erbschaftssteuer ins Spiel und auch eine Betrachtung von Kapitalgesellschaften als Akteur). Kredite welche zum einen aus der Sparquote generiert werden und zum anderen aus der Geldschöpfung kommen werden in Addition dazu nur gegen Sicherheiten vergeben. Da wie vor postuliert bei permanenten und statischen Einkommensunterschieden als Folge Einkommens- und Vermögenskonzentrationen stattfinden fällt auch das aufrecht erhalten des Konsums durch Kredite immer schwerer. Denn es fehlen ja die allseits erwarteten Sicherheiten in Form von zu hinterlegenden Vermögen oder verpfändbaren Einkommen. Als letztes konkurrieren die auf diese Weise generierten bzw. geschmälerten realwirtschaftlichen Renditeerwartungen dann mit den Renditen aus Wertzuwächsen aus Vermögen/Vermögensderivaten.

Der Effekt aus diesem Unterschied der Renditen ist kumulativ. Je weniger Kaufkraft zu Verfügung steht desto geringer die in der Realwirtschaft zu erwartende Rendite. Man behilft sich dann u.a. mit Marktabschottung – also mit Monopolrenditen – um Investitionsanreize zu schaffen. Das behindert jedoch die Konkurrenz respektive den Markt und schafft dadurch weitere Einkommensunterschiede und beschleunigt Vermögenskonzentrationen. Die Sparquote der Vermögenden wächst, die Kreditwürdigkeit der übrigen Marktteilnehmer sinkt. Die Konsumnachfrage wird weiter geschwächt und der Derivathandel (Gold, Rechte, Optionen, Aktien) mit seinen vermehrt generierten und fiktiven Wertzuwächsen erscheint immer lukrativer und verlockender im Vergleich zur Realwirtschaft.

Die Blase ist geboren. Es sollte unheimlich schwer fallen aus dem Kreislauf herauszufinden wenn man einmal darin eingebunden ist, denn das sind global laufende Vorgänge. Das abschotten ist nur (aber) begrenzt möglich, man kann jedoch über verschiedene Mechanismen wie hier (im Essay) gezeigt (wird) darauf einwirken und dafür sorgen das sowohl monopolisierte Marktmacht als auch das Schwinden von Kaufkraft eingedämmt wird. Man muss verhindern, das der last Ressort – der Staat – am Ende dazu verwendet wird als letzte kreditwürdige Bastion herzuhalten und sich sowohl zu verschulden als auch als Kreditabsicherer zu wirken (q.e.d. status quo bis in 2009) [9]

Ungeachtet dessen ist es nicht die Aussage hier, das Einkommen egalisiert werden müssen.

(noch auszuführen: warum daraus folgt das Geldtheoretiker nicht wirklich das Problem angehen sondern nur den Verlauf beeinflussen)

Ich habe meine eigenen Theorien warum das offensichtliche so unbeliebt ist. Zum einen sind Ökonomen gerne Monetaristen. Zum anderen sind Worte wie „Verteilung“ sowohl Ökonomen als auch sagen wir „liberalen“ reichlich unangenehm. Die Abneigung dagegen ist extrem. Ich zitiere auch nicht wieder den Absatz aus dem „Hamburger Appell“ den mehr als 200 Lehr-Ökonomen Deutscher Universitäten unterzeichnet haben. Und der Kreis schließt sich dann auch, denn die Abneigung das vorhanden sein negativer Folgen einer suboptimalen Verteilung als Ursache oder mitursächlich anzusehen führt zu einer Neigung zum Monetarismus.

Wenn Monetaristen dann Quasi-Monetaristen angehen halte ich das sagen wir nicht zielführend.

Advertisements
Comments
One Response to “Mein Unbehagen mit Monetarismus”
  1. Systemfrager sagt:

    >>> Wie manche Blogleser wissen zähle ich zur nächsten Gruppe, und das sieht wie folgt aus: Logiker gehen hin und erklären das der Grund dafür das Geld gehortet wird und damit auf Dauer solvente Kreditnehmer fehlen u.a. die Einkommensverteilung und Marktdefekte sind.

    Ich ändere nur die Reihenfolge:
    Wie manche Blogleser wissen zähle ich zur nächsten Gruppe, und das sieht wie folgt aus: Logiker gehen hin und erklären das der Grund dafür das Geld gehortet wird und damit auf Dauer solvente Kreditnehmer fehlen u.a. die Marktdefekte (Marktversagen) und Einkommensverteilung sind.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: