Die Tauschsequenz Geld – Geld – Geld und das Versagen der Geldpolitik

Da fragt mich Kantoos in einem seiner guten Blogartikel danach wie ich denke das eine Rezession entsteht bzw. wann die Geldpolitik versagt. Eine gute Frage. Womöglich ja dann wenn man Geld durch sich selbst vermehrt.

Machen wir hierzu einmal ein etwas längeres Zitat aus einem Essay des österreichers von der WIFO Stefan Schulmeister:

Wenn heute jemand ein Girokonto, ein Sparbuch, Aktien und Anteile an einem Anleihenfonds besitzt, so kann er via Netbanking in Sekunden jedes dieser Finanzaktiva liquid machen und für Zahlungen verwenden. Möchte er sich etwa ein Auto kaufen, so kann er dafür mit Aktien oder Anleihen bezahlen. Wo aber lässt sich dann die Grenzen zwischen Geld und Finanzvermögen/Finanzkapital „verorten“? Gar nicht, weil es sie nicht (mehr) gibt. Jedes Finanzvermögen (von Bankguthaben bis zu Anleihen oder Aktien) stellt „Potentialgeld“ dar, es kann jederzeit und (zumeist bzw. nahezu) kostenlos für Transaktionszwecke verwendet werden. Die Geldmenge ist daher nicht bestimmbar, Geld wird vielmehr vom Besitzer eines „financial asset“ für jenen Moment geschaffen, in dem er dieses als Geld verwendet.
Diese (meine) Sichtweise berücksichtigt die „Liquidisierbarkeit“ von Finanzvermögen, für das ja zu jedem Moment in der Zeit ein Preis/Kurs besteht und damit ein eindeutiger (Veräußerungs)Wert. In diesem Konzept ist etwa eine Aktie ein Finanzvermögen (weil sie jederzeit „flüssig“ gemacht werden kann und daher Potentialgeld darstellt), nicht aber eine Beteiligung an einer Ges. m. b. H. Nur in seiner Eigenschaft als Vermögen ist Finanzkapital quantitativ bestimmt, ob und in welchem Ausmaß es als Geld verwendet wird, lässt sich „ex ante“ nicht feststellen.
Diese Sicht widerspricht den herrschenden (monetaristischen wie keynesianischen) Geldtheorien, die streng zwischen Geld (als Transaktionsmittel) und Finanzvermögen unterscheiden. Ersteres schafft Liquidität, aber keinen Ertrag, zweiteres bringt einen Ertrag, ist aber nicht liquid.
Für die Geldpolitik ist das Verständnis von Finanzkapital als „Potentialgeld“ höchst relevant:
Wenn alles Finanzvermögen potentielles Geld ist, dann gibt es kein Geld als (separiertes) Transaktionsmittel. Die Orientierung der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) an der Geldmenge im Sinne von Milton Friedman’s Monetarismus ist illusionär.

Das ist schon leicht revolutionär, werden doch Teile der üblichen Geldpolitik der Zentralbanken als Illusion dargestellt. Aber es geht noch weiter:

…Die typische Form der Vermehrung von Geld in der Realwirtschaft ist die Finanzierung von Investitionen: Jemand legt etwa sein Geld auf einem Sparbuch an, die Bank verleiht es an einen Unternehmer, der den Kredit für den Erwerb eines Investitionsgutes verwendet (Finanzkapital wird gewissermaßen in Realkapital verwandelt – dieser Prozess könnte auch durch eine Emission von Aktien ermöglicht/finanziert werden). Aus dem Mehrertrag durch die Investition bezahlt der Unternehmer den Zins, den sich Bank und Sparer teilen. Dominiert diese „Arbeitsform“ von Geld, so entwickelt sich ein Positiv-Summenspiel: Indem sich das Profitstreben auf die Realkapitalbildung konzentriert, wächst die Gesamtproduktion (das BIP) stetig. In einem solchen „Regime“ spielen der Finanzsektor und Finanzmärkte eine wesentliche Rolle als Vermittler von Finanz- und Realkapital, allerdings ist ihre Rolle im Verhältnis zur Realwirtschaft eine dienende. Ich nenne die „Spielanordnung“, in der die
Rahmenbedingungen den „Vermehrungsdrang“ von Finanzkapital systematisch auf die Realakkumulation lenken, „Realkapitalismus“.
Versucht man, Geld „selbstreferentiell“ zu vermehren, also durch Tausch unterschiedlicher „Geldarten“ (Bankguthaben, Devisen, Aktien, Anleihen, Rohstoffderivate, etc.), so ergibt sich die charakteristische Tauschsequenz: Geld – Geld – Geld – Geld.……. – Geld wird Mittel zum Selbstzweck.

Das ist ein zentraler Punkt. An diesem kann man nicht nur teilweise fest machen weshalb Dinge wie Quantitative Easing aktuell nicht mehr richtig greifen sondern auch m.E. erkennen wie man in die Krise hinein geraten ist.

Dominiert diese „Arbeitsform“ von Geld, so entwickelt sich ein Positiv-Summenspiel

Und wenn sie nicht dominiert? Womöglich haben wir dann den begrabenen Hund gefunden welcher zusammen mit einem Heckscher-Ohlin/Samuelson-Problem der Globalisierung für das verursachen eines negativen Ausblickes in die Zukunft verantwortlich ist. Und das könnte eine Ursache für ein Gleichgewicht bei Unterbeschäftigung sein. Siehe dazu (zu Keynes) den Abschnitt hier unter „Selbstheilungskräfte der Märkte“ und davor. Der Markt produziert nicht weil niemand kaufen wird – und niemand wird kaufen weil das Einkommen fehlt.
Die Auswirkung eines Gleichgewichtes bei Unterbeschäftigung hatte ich schon mehrfach anhand der Arbeitsstunden Deutschlands in den letzten Jahrzehnten gezeigt (insbesondere seit 1976 und den Knick zwischen 1991 und 1993).

Keynes heilt „seine“ Variante des Gleichgewichtes bei Unterbeschäftigung de facto mit einer Erhöhung der Staatsschulden. Doch was seinem Modell imho fehlt ist die Begründung was denn hinein geführt hatte. Und was für die Zentralbanken folgt wenn wir Schulmeisters These hinzu fügen ist auch fatal. Eine 0%-Zinspolitik wird bei anhaltender übermäßiger Verwendung von Geldern zur selbstreferenziellen Vermehrung nur weiter hinein reiten.

Es widerspricht – so Schulmeister – monetaristischer und keynesianischer Theorie, aber die klassische Geldmengensteuerung ist außer Kraft. Und wenn ich das hinzufügen darf: sie ist dann nicht mehr in Kraft wenn die selbstreferenzielle Vermehrung von Geld die Überhand gewonnen hat. Dann ist meines Erachtens die Politik gefragt oder analog der RBC-Theorie (real buiseness cycle-Theorie) ein Innovationsschock notwendig um das Problem grundsätzlich zu beheben. Oder eben (laufend) ausreichend Nachfrage und Innovationen. Damit würde man dann in den Verteilungsmechanismus und auch in den Bereich Patente und Marktdefekte (allgemein) bzw. Konjunkturzyklen geraten.

Ein interessantes Gebiet allemal. Um herauszukommen wären u.a. Patenrechts-Reformen angebracht und auch andere Problemfelder wie das Heckscher-Ohlin-Dilemma der weltweiten Aufsplittung in high-tech und low-tech würden in Angriff zu nehmen sein. Alleine mit Zinsen hoch und Zinsen ´runter oder ein paar Bankenpleiten mehr oder weniger kann man Schadensbegrenzung betreiben und die Probleme herauszögern. Womöglich sogar bis zum nächsten Innovationsschock. Solider und sicherer ist man jedoch wenn man ein besseres Fundament erarbeitet welches der Basis der selbstreferenziellen Vermehrung etwas den Boden entzieht. Dazu kann eine geringe Finanztransaktionssteuer zwar u.U. beitragen, aber letztlich käme es auch dort mehr darauf an wo die Gelder eingesetzt werden. Denn für einen Kreislauf bedarf es mehr als das bloße hemmen von Spekulationen auf Spot-Märkten. Mittel funktionieren am Besten wenn man Einnahmen an einem Punkt wieder einfließen lässt an welchem sie ein Gegengewicht bilden.

Comments
14 Responses to “Die Tauschsequenz Geld – Geld – Geld und das Versagen der Geldpolitik”
  1. banshee sagt:

    Möchte er sich etwa ein Auto kaufen, so kann er dafür mit Aktien oder Anleihen bezahlen.

    Ich denke da ist ein Denkfehler drin, da funktioniert nur wenn jemand bereit ist dafür Liquidität aufzugeben
    sprich die Anleihen und Aktien zu kaufen ist imho also neutral

    • aloa5 sagt:

      Es geht Schulmeister darum zu zeigen das man den Zwischenschritt „Geld“ nicht benötigt um ein Auto zu bezahlen. Man kann die Sachanlage „Aktie“ gegen eine Sachanlage „Auto“ oder „Immobilie“ umtauschen. Das wird zwar jeweils in Geld bewertet, für die Transaktion selbst ist es jedoch nicht notwendig (und damit muss btw auch niemand auf Liquidität verzichten, ist bei Schulmeister aber nicht das Thema).

      Grüße
      ALOA

      • banshee sagt:

        Es geht ja nicht um den Zwischenschritt sondern um die Tatsache dass Schulmeister hier mit Makroökonomischen Größen argumentiert. D.H. es geht um Agregationen die zum einen Investitionen oder Konsum beinhalten. Das hier ein Einzelsubjekt seine Investition auflöst um sich ein Auto also ein Konsumgut zu beschaffen bedeutet aber Gesammtwirtschaftlich keine Änderung
        da ein anderes Subjekt ja diese Investition (Aktien etc) übernehmen muss auf die Makroökonische Größen hat das keine Auswirkungen. Im Zweifelsfall wäre es denn das Unternehmen das das Auto verkauft das auf Kasse zugunsten der Investition verzichtet.
        Ob da nun Thema ist oder der Punkt ist irrelevant die Behauptung ist einfach in diesem Zusammenhang unrichtig und das habe ich angemerkt.
        Im übrigen wird das Ganze nicht besser denn in Keynes Modell gibt es sehr wohl eine Begründung für die Unterbeschäftigung, Spekulationskasse und Vorsichtkasse.

        • andena17 sagt:

          Ein eindeutiges Jein.

          Mit dem Beispiel Auto funktioniert das nicht so gut, aber mit einem Haus schon eher:

          Wenn jemand ein Haus besitzt, dann hat er dieses Vermögen und hat entweder eine Mietkostenersparnis (im Falle von Selbstwohnen) oder Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung. In diese beiden Fällen ist das Haus schulmäßig ein Investitionsobjekt, das Rendite abwirft. (So nebenbei bemerkt sollte man mal untersichen, inwieweit Selbstwohnen steuerlich relevant sein müsste)

          Man kann nun zu der investitionseigenschaft der Immobilie diese zusätzlich als Beleihungsobjekt nutzen indem man von der Bank seines Vertrauens einen Kredit in Form nimmt und die Immobilie als Sicherheit angibt. So kann die Immobilie dann gleichzeitig Rendite aus der investition erzielen als auch neue Liquidität ermöglichen.

          Gesamtwirtschaftlich haben wir durch die Eigenschaft der Immobilie als Sicherheit dienen zu können, faktisch über die Kreditvereinbarung sowohl zusätzliches Geld „geschöpft“ als auch neue Liquidität erzeugt, die ohne die Immobilie als Sicherheit nicht möglich gewesen wäre.

          Gruß, Andena

  2. andena17 sagt:

    Interessanter Artikel. Aber ich fürchte, dass selbst Schulmeister noch ein Stückchen vom eigentlichen Problem entfernt ist.

    Die Geldmenge, zumindestens diejenige, die die EZB als Geldmengenaggregate veröffentlicht, sind nur teilweise als referenzierbarer Wert erheblich. Das liegt zum einen an der verschwommenen Geldmengendefinition, bei der zum Beispiel die Interbankenkredite außen vor bleiben und zum anderen an der grundsätzlichen Definition, was Geldmenge und Geldschöpfung überhaupt ist. Eigentlich müsste man nicht eine „Geldmenge“ zusammenzählen sondern die Summen der Schuldverhältnisse.

    Geldschöpfung ist im Grunde genommen nichts Schlimmes ist – solange der Schuldner bereit, willig und vermögens ist, sein eingegangenes Schuldverhältnis zu begleichen. Wenn man jedoch als Gläubiger auf fragwürdige Sicherheiten einen Kredit baut, darf man sich über Kurz oder Lang nicht wirklich wundern, wenn man von der eigentlichen Kreditsumme nicht so viel wiedersieht.

    Dabei ist es entscheidend ist, wofür man Kredite aufnimmt bzw vergibt. Kredite, die dazu dienen, als Investition einen zukünftigen Mehrwert / eine Wertschöpfung zu erzielen sind in der Regel unkritisch, denn aus der erzielbaren Wertschöpfung heraus ist die Begleichung meistens gesichert. Kredite, die jedoch lediglich für konsumptive Zwecke verwandt werden, erbringen keinen ROI und sind somit aus dem Konsumetat nur durch verminderten Konsum in der Zukunft rückzahlbar.

    Aus gutem Grund hatten die „Väter und Mütter des Grundgesetzes“ im Artikel 115 folgendes hereingeschrieben:

    Die Einnahmen aus Krediten dürfen die Summe der im Haushaltsplan veranschlagten Ausgaben für Investitionen nicht überschreiten.

    Diese „Goldene Regel“ ist leider einer der letzten Amtshandlungen der sogenannten großen Koalition zum Opfer gefallen.

    Gruß, Andena

    • aloa5 sagt:

      Eigentlich müsste man nicht eine „Geldmenge“ zusammenzählen sondern die Summen der Schuldverhältnisse.

      Dann hast Du aber m.E. noch nicht die nicht beliehenen Geldagreggate erfasst, beispielsweise eine unbeliehene Immobilie. Wenn man annimmt das die Grenze zwischen Sachkapital und Geld nicht mehr vorhanden ist reicht es nicht mehr aus Schulden zu zählen.

      Grüße
      ALOA

      • andena17 sagt:

        Die unbeliehene Immobilie wäre Teil der Vermögensbilanz, die man der Schuldsummen / Geldmengenaggregate gegenüberstellen müsste, um überhaupt eine relative Größenordnung zu erhalten, wie hoch / niedrig denn die Verschuldung und die Liquidität im Verhältnis zur realwirtschftlichen Bestand ist.

        Die heute üblichen Geldmengendefinitionen der EZB umfassen eben gerade nicht die gegenseitigen Schuldverhältnisse der Interbankenkredite, die im Grunde den Bezug zur realen Volkswirtschaft bereits verloren haben. Von daher halte ich die Betrachtung der Geldmengenaggregate für viel zu kurz gesprungen, denn so wird der wesentliche Part übersehen.

        Eine andere wichtige Frage ist, warum sich die am Finanzmarkt befindliche Liquidität gegenüber der Geldmenge in den letzten Jahren so stark vermehrt hat. Ich vermute da, dass durch die fehlende Marktaufsicht / Reglementierung und wegen der fehlenden Gewinnabschöpfung am Kapitalmarkt die erzielbaren Renditen weit über denen lagen, die in einer quantitativ gesättigten Realwirtschaft erzielt werden können.

        Ein möglicher sinnvoller Ansatz wäre hier, durch eine abschöpfende Finanzmarktsteuer in gewisser Weise die Renditenraten zu reduzieren und so der realwirtschaftlichen anzugleichen.

        Gruß, Andena

        • aloa5 sagt:

          um überhaupt eine relative Größenordnung zu erhalten, wie hoch / niedrig denn die Verschuldung und die Liquidität im Verhältnis zur realwirtschftlichen Bestand ist

          Ich denke Du hast noch nicht verstanden das es ihm bei der Betrachtung nicht um diese Trennung geht sondern exakt um das Aufheben jeglicher Trennung zwischen Vermögen und Schulden/Guthaben-Paare.

          wegen der fehlenden Gewinnabschöpfung am Kapitalmarkt die erzielbaren Renditen weit über denen lagen, die in einer quantitativ gesättigten Realwirtschaft erzielt werden können.

          Fangen wir an einer anderen Ecke an. Ich denke Gewinne werden u.a. durch Wertzuwächse bestimmt. Das ist analog der Quantitätsgleichung ein eigener Kreislauf innerhalb der Finanzwirtschaft. Zunehmende Menge und zunehmende Geschwindigkeit der m.E. alleine dort kursierenden Geldmenge sorgt für das anwachsen der Werte (die Preis-Analogie der Quantitätsgleichung) und damit für „Gewinne“ oder sagen wir eher „Wertzuwächse“ dazu.
          Kann die Gewinnabschöpfung da helfen? Eigentlich nicht wirklich. Indirekt natürlich schon. Schulmeister beschreibt ja auch bei der Transaktionssteuer das kurzfristiges handeln an Attraktivität verliert. Was dort gemacht wird ist aber m.E. eher keine Gewinnabschöpfung (auch wenn es Steuern generiert) sondern es wird Gewinn verhindert. Geldflüsse werden gehemmt und dadurch wird z.T. verhindert das Werte (spekulativ) nach oben gehen.

          Die Ursache in Form der Zunahme an Geld in der Finanzwirtschaft kann es nicht beheben, denn die wird u.a. durch realwirtschaftliche Verteilungsmechanismen bestimmt.

          Grüße
          ALOA

          • andena17 sagt:

            Ich denke Du hast noch nicht verstanden das es ihm bei der Betrachtung nicht um diese Trennung geht sondern exakt um das Aufheben jeglicher Trennung zwischen Vermögen und Schulden/Guthaben-Paare.

            Die Liquidisierungsbetrachtung von Schulden / Vermögen von S.Schulmeister geht schon in die richtige Richtung. Jedoch springt er da, wo er von Finanzvermögen spricht, viel zu kurz. Auch seine Auffassung, dass eine (wie auch immer definierte) Geldmenge nicht bestimmbar wäre, ist falsch. Mit einer geeigneten Definition von liquidierbaren „Assets“ kann man die Größe der Finanz-Blase (=Verschuldungsgrad vs Realwerte) ziemlich gut bestimmen. Hierfür benötigt man in erster Linie die Vermögensbilanz und den Monatsbericht der Bundesbank.

            Was dort gemacht wird ist aber m.E. eher keine Gewinnabschöpfung (auch wenn es Steuern generiert) sondern es wird Gewinn verhindert. Geldflüsse werden gehemmt und dadurch wird z.T. verhindert das Werte (spekulativ) nach oben gehen.

            Ein Finanztransaktionssteuer setzt natürlich nicht auf dem Gewinn an, sondern besteuert Transaktionen – in etwa den Gebühren für den Börsenhandel vergleichbar – jedoch ohne Mindestausführungskosten. Hierdurch werden zwei Effekte erzielt: Erstens werden Handelsvolumen abgeschöpft mit einer Wirkung, dass Handelsgeschäfte sich verteuern bzw die Rendite schrumpft. Zweitens werden dann nicht mehr rentierende Handelsgeschäfte nicht mehr oder in geringerem Umfang bzw im nicht steuerbehafteten Ausland stattfinden.

            Die Ursache in Form der Zunahme an Geld in der Finanzwirtschaft kann es nicht beheben, denn die wird u.a. durch realwirtschaftliche Verteilungsmechanismen bestimmt.

            Das ist auch nicht unbedingt die Aufgabe der Transaktionssteuer. Sie ist auch sicherlich keine einerlegende Wollmilchsau für alle finanzpolitischen Fragen und alle Verteilungsprobleme, auch wenn sie quasi Finanzmarktvermögen (oder besser Volumen) besteuert und nicht Realmarktvermögen.

            Wahrscheinlich ist die eigentliche politische Zielsetzung der Transaktionssteuer eher, eine EZ-Steuer einzuführen. Die Steuerungswirklung auf die Kapitalmärkte wäre dann ein nützlicher Nebeneffekt, wenn er denn richtig ansetzt.

            Gruß, Andena

  3. Dunning-Kurger Syndrom sagt:

    Ich glaube auch Schulmeister bleibt zu sehr in den üblichen Geldmodellen stecken, und übersieht dabei wie viele seiner Kollegen ein paar ganz offensichtliche Punkte.

    Die selbstreferenzielle Vermehrung von Geld hat bereits im Geschäftsbankensektor stattgefunden. Wenn der Staat eine Staatsanleihe an eine Geschäftsbank verkauft, dann nimmt sie die Anleihe in die Aktiva und bucht eine Forderung des Staates in die Passiva in Form einer Gutschrift auf dem Girokonto des Staates (In der Praxis gibt es einen Umweg über die Zentralbankkonten, aber sobald der Staat das Geld ausgibt wird des Bankengeld und ist kein Bargeld mehr). Der private Bankensektor schöpft dabei das Geld aus dem Nichts, nicht die Zentralbank.

    Die Geschäftsbanken sind in der Praxis dabei in der Kreditvergabe nicht durch ihre Reservepflichten limitiert (für Staatsanleihen gibt es keine Mindestresrven), sondern durch ihre Eigenkapitalunterlegung. In der Krise wurden/sind die Geschäftsbanken gezwungen, ihre Eigenkapitalbasis zur erhöhen, und können Eigenkapitalerhöhungen oder durch Abbau von Aktiva machen. Sie haben in der Praxis sich für den Abbau der Aktiva entschieden, in der Form, sich im großen Stil von Staatanleihen zu trennen.

    Ist ein Aufkauf von Anleihen durch die Zentralbank in diesem Kontext Preisinflationär? Aus mehreren Gründen: Nein, sicher nicht.

    Erstens ersetzt der Zentralbankkredit nur den Bankkredit, die eigentliche Geldschöpfung hat schon vorher durch die Geschäftsbanken stattgefunden. Beim Rückkauf verkürzen die Banken ihre Bilanz, und ziehen das emittierte Geld wieder ein.

    Zweitens würde eine Preisinflation nur wirksam werden, wenn durch die vergebenen Kredite eine zusätzliche Güternachfrage geschafften würde, das ist hier nicht der Fall, da es sich häufig nur um Prolongation (iSv rollen der Kredite) bestehender Kreditlinien der Staaten handelt.

    Die potenziell preistreibende Geldmengenvermehrung hat also schon über die Jahre durch den privaten Bankensektor stattgefunden, und wird jetzt parallel zum Zurückfahren der Kreditmenge in Privatbankensektor durch die EZB ersetzt.

    Theoretisch könnte die EZB diese Rolle auch dauerhaft vom Privatbankensektor übernehmen, sofern sie dabei nicht mengenmäßig „überzieht“. Es ist zumindest politisch nicht nachvollziehbar, warum Privatbanken für das bilden eines Buchungssatzes in der Bilanz Kreditzinsen im Milliardenhöhe gezahlt bekommen. Es ist nur das Argument des „dispziplinierenden Marktes“ das dagegen gehalten werden kann. Der ist aber in diesem Mechanismus für den Staat und den Steuerzahler sehr teuer.

Trackbacks
Check out what others are saying...
  1. […] einmal wie eine Blase entsteht. Geld kommt nicht mehr in den Wirtschaftskreislauf zurück sondern vermehrt sich selbstreferenziell. Dabei verhält es sich m.E. genau so wie man es im allgemeinen mit der Finanztransaktionssteuer […]

  2. […] lässt sich in der Folge auch sehr gut mit der „selbstreferenziellen Vermehrung des Geldes“ (ebenfalls Schulmeister) kombinieren. Der Zufluss von Geld aus Sparquoten und Gewinnen in […]

  3. […] davon scheint mir Schulmeisters Empfehlungen gegen seine an anderer Stelle getätigten Äußerungen zu […]



Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: