Das warten auf Godot, die Euro-Staatsanleihenversicherung

Es ist kein Hebel, so eine Staatsanleihenversicherung welche gerade auf EU-Ebene beim EFSF im Gespräch ist. Um was es dabei geht ist prinzipiell eine Gewinngarantie.

Es ist keine schlechte Strategie. Man hat Mittel, die sind aber begrenzt. Diese Mittel möchte man strecken. Anstatt also hinzugehen und selbst Anleihen zu kaufen baut man eine goldene Brücke zum Kapitalmarkt. Kapitalanleger müssen ja aktuell Angst um ihr Geld haben wenn Sie Staatsanleihen kaufen. Das Problem ist nicht die Verzinsung. Man kann zu jeder Zeit irgendwo auf der Welt Staatsanleihen erwerben deren Rendite in Prozent gerechnet sogar dreistellig ist. Das ist aber wie bei „normalen“ Krediten nicht das Problem. Es geht darum den Saldo zwischen Zinsen als Gewinn und den Verlusten in Form von Inflation und vor allem Kreditausfällen (Haircuts) abzuschätzen. Der EFSF könnte also dazu dienen den Saldo (per se) im positiven zu halten.
So könnten also vor allem Spanien und Italien an Gelder vom Markt mit einer Gewinnausfallversicherung aus dem EFSF ausgestattet ganz „normal“ Gelder erhalten. Der EFSF steht für potentielle Schuldenschnitte gerade und damit sinkt das Risiko eines Verlustes für Anleger ggfs. auf Null. Es könnte zwar immer noch eine Beteiligung geben aber mit einem vermutlich immer noch relativ hohen Zins saldiert könnten vor allem längerfristige Anleihen durchaus attraktiv werden.

Das ist jedoch nicht wie der Spiegel schreibt ein „Hebel“. Hebel bedeuten i.d.R. Kreditaufnahmen. Man hat Geld, kauft eine Staatsanleihe (oder einen anderen Wertgegenstand) die man z.B. bei der Zentralbank für Kreditgeld hinterlegt. Mit dem Geld kauft man sich wieder eine Staatsanleihe welche man wiederum hinterlegt und Kreditgeld dafür erhält usw..

Somit wird deutlich das ein anlocken von Investorengeldern welche einen Gewinn aus dem Staatsanleihen-Kauf garantiert ungleich ungefährlicher ist als eine Hebelung über frische Kredite. Wobei man nicht verhehlen sollte das jemand anders auf die Idee kommen könnte aus einem hohen Gewinnsaldo und niedrigen Schuldzinsen zu schließen das es sich lohnen könnte sein Kapital einzusetzen um zu hebeln….

Was bringt es?

Antwort: Zeit – nicht mehr und nicht weniger.

Wie schon vielfach hier im Blog besprochen kann man mit solchen Kredithilfen und ähnlichen Aktionen nicht wirklich etwas bewegen. Wir reden ja nicht darüber das diese Länder damit wirtschaftlich auf die Beine gestellt würden, wie so mancher Politiker im Fernsehen anklagend verlauten lässt. Es geht m.E. lediglich darum das Kreditlinien weiter laufen. Es kommt einem fast vor wie das „Warten auf Godot“.

Am Ende eines jeden der beiden weitgehend identischen Akte erscheint ein angeblich von ihm ausgesandter etwas ängstlicher Botenjunge, sein Ziegenhirte, der verkündet, dass sich Godots Ankunft weiter verzögern, er aber ganz bestimmt kommen werde. Spätestens dann dämmern den Wartenden Zweifel an der Sinnhaftigkeit ihrer Situation, lösen aber können sie sich dennoch nicht aus ihr, wie folgender, mehrfach wiederkehrender Dialog unterstreicht:

Estragon: Komm, wir gehen!
Wladimir: Wir können nicht.
Estragon: Warum nicht?
Wladimir: Wir warten auf Godot.
Estragon: Ah!

Und so sitzen wir hier als Blogkommentatoren da und warten darauf das Politiker etwas tun.
Ah!

Und Politiker tun das was sie können – indem sie versuchen den status quo zu halten. Und sie warten darauf das sich dann der status quo verändert, zum besseren natürlich.
Ah!

Würden Estragon und Wladimir sich heute unterhalten würde Samuel Beckett den Dialog zynisch wie folgt aussehen lassen:

Estragon: Komm, wir machen was!
Wladimir: Wir können nicht.
Estragon: Warum nicht?
Wladimir: Wir warten darauf das sich etwas verändert.
Estragon: Ah!

Der Politik – in Brüssel wie in Deutschland – gelingt in den letzten Jahren der Spagat es so aussehen zu lassen als ob man hektisch alle Hebel in Bewegung setzt und doch wirtschaftspolitisch absolut nichts zu tun. Man kauft mit Konjunkturprogrammen Zeit, mit Rettungsschirmen usw. – doch wofür?

Und als täglich Highlight um zu sehen wann Godot endlich da ist habe ich wieder das Orakel befragt, den HARPEX. Er steht bei 448 – seht selbst: Klick
Zur Erinnerung und Einordnung: das 5-Jahres-Allzeit-Hoch des HARPEX war 1402 Punkte. Im Tief der weltweiten Krise lag er bei 275 Punkten. Heute haben wir 448, weiter fallend.

Comments
2 Responses to “Das warten auf Godot, die Euro-Staatsanleihenversicherung”
  1. Na, ich bin mal gespannt wie der Kleinanleger, der für 2000€ italienische Staatsanleihen kaufen will, an die EFSF-Garantie kommt.

    • aloa5 sagt:

      Man müsste eigentlich(tm) um jeden Euro froh sein der auf diese Weise angelegt wird. Die Frage wird sein wie viel noch für Kleinanleger übrig bleibt wenn die Banken mit Anlegen bzw. umschulden fertig sind….

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