Eurokrise – CDS-Entwicklung 2011

Ein recht guter Indikator für die Kreditwürdigkeit der Staaten und deren Staatsanleihen spiegeln die CDS-Kurse wider, die im Folgenden hinsichtlich ihrer Entwicklung in diesem aufregenden Jahr 2011 untersucht werden. Als erstes schauen wir uns mal den CDS-Kurs der bereits berühmt-berüchtigten griechischen Staatsanleihen – hier die der 5-jährigen – an.

Seit Januar 2011 hat der Kurs der Kreditausfallversicherung von einem Startkurs von 1008 eine rasante Rallye auf jetzt 5654 hingelegt, also eine satte Verfünffachung. Der Kurs ist insbesondere in den letzten zwei Monaten seit Anfang September geradezu explodiert. Damit liegt Griechenland unangefochten auf Platz 1 der europäischen Staaten.

Die nächste Graphik zeigt die Plätze 2 bis 8, auf denen neben den üblichen verdächtigen Portugal und Irland auch die Ukraine und einige Balkan-Staaten sowie Italien auftaucht.

Italien ist im Jänner eigentlich auf niedrigem Niveau gestartet, erreichte unter allen hier untersuchten 29 Ländern die dritthöchste prozentuale Steigerung und hat sich dadurch seit August in die höhere Liga auf jetzt Platz 6 gespielt.

Auch interessant hier, dass die Ukraine, Kroatien und Rumänien jeweils einen Höhepunkt im Oktober hatten, von dem aus sie im November wieder abgesackt sind, während die EU-Staaten eher stabil blieben bzw eine uneinheitliche Entwicklung im letzten Monat nahmen.

Und schon kommen wir in der nächsten Graphik zu den Plätzen 9 bis 15. Auch hier ist wieder diese Oktober-Spitze bei den Nicht-Euro-Staaten Bulgarien, Lettland und Litauen zu sehen, nicht jedoch bei Island.

Spanien ist seit nunmehr mehreren Monaten recht stabil auf einem Wert von knapp unter 400 und schrammt gerade so daran vorbei, in die nächsthöhere CDS-Liga aufzusteigen. Stark verschlechtert im Jahresverlauf haben sicg Belgien und insbesondere Slowenien, das nach Griechenland und vor Italien den zweithöchsten Zuwachs in 2011 zu verzeichnen hatte.

Eine Besonderheit ganz anderer Art haben wir bei den beiden Ländern Litauien und Lettland, deren untersuchten 11 Monatswerte von Januar bis November nie mehr als 2 Punkte voneinander abwichen. Entweder ist es so, dass diese beiden benachbarten Länder über eine siamesischen Zwillingen gleiche Wirtschaftsleistung verfügen, oder aber, dass die Händler diese beiden Länder mit ihrem ähnlichen Namen einfach mal nicht auseinander halten können. Ich tendiere zu zweiterem. 😉

In der vierten CDS-Liga finden wir mit Frankreich ein Noch-AAA-Rating-Land knapp unter dem Niveau der Türkei oder Polen.

Auch hier sehen wir diese Oktober-Spitze wieder, allein Frankreich weist diese nicht auf, sondern steigt im November munter weiter im Kurs. Die Slowakei ist hier das Land mit dem stärksten Anstieg seit Januar, und ist vom letzten Platz in dieser Liga ins obere Drittel aufgestiegen.

Zu guter Letzt kommen wir nun zu den CDS-Kurs-Klassenbesten, wo wir natürlich auch die BRD wiederfinden.

Durchweg die besten Länder waren Norwegen, Schweden und Finnland. Mit einigem Abstand darüber rangieren Großbritannien, die BRD und die Niederlande und darüber wieder mit einigem Abstand die tschechische Republik.

In dieser Spitzengruppe hat erstaunlicher Weise die Niederlande die höchste prozentuale Steigung der Kurse aufzuweisen.

Soweit mal die Entwicklung der einzelnen Staaten.

Spannend wird es, wenn man die Staaten gruppiert und dann die einzelnen Gruppen miteinander vergleicht. Ich habe mal fünf Gruppen gebildet und diese jeweils zum Indexwert Januar = 100 verglichen.

Hier sieht man jetzt sehr schön, dass die Nicht-Euroländer im Vergleich zu den Eurländern deutlich besser abschneiden. Während alle Euroländer im November auf einen Wert von 282 kommen, also ihren Januarwert beinahe verdreifacht haben, liegen die Nicht-Euroländer nur bei 141. Auch interessant ist, dass die Werte im Vergleich aller Nicht-Euroländer zu den besten Euro-Ländern im November fast identisch bei 141 zu 138 liegen, während die Kurse bei allen Euroländern im Vergleich zu den besten Euroländern mit 282 zu 168 sehr weit auseinander fallen.

Diese Zahlen weisen darauf hin, dass wir es in Europa in erster Linie mit einer Krise in den Euroländern zu tun haben.

Selbst wenn wir die krisenfestesten Länder aus beiden Gruppen miteinander vergleichen, zeigt sich, dass die besten Euroländer mit einem Wert von 168 ein deutliches Stück hinter den Nicht-Euroländern mit einem Wert von 138 zurückgefallen sind. Exemplarisch dafür vergleichen wir nun mal abschließend den Kursverlauf der Bundesrepublik mit dem des vereinigten Königreichs.

Man erkennt hier, dass der Verlauf bis Mai fast parallel ist, ab Juni dann die Schere zu Gunsten der BRD auseinander geht, aber ab August der Kurs der BRD in zwei großen Schritten den von GB einholt und dann sogar überspringt, so dass ab Oktober die Plätze getauscht sind.

Fazit

Betrachtet man die CDS-Kurse, so scheint sich die These zu bestätigen, dass wir es im Wesentlichen mit einer Krise in den Reihen der Euroländern zu tun haben. Diese Krise strahlt von den schwächeren Euroländern zuerst auf die besseren Euroländer ab und dann abgeschwächt auch auf die Nicht-Euroländer.

Comments
4 Responses to “Eurokrise – CDS-Entwicklung 2011”
  1. Christian sagt:

    Hm, vielleicht wissen die Märkte ja, dass Nicht Euro Staaten in den meisten Fällen
    monetär souverän sind: http://nhaehnle.blogspot.com/2011/10/def-souveran-monetarer.html
    und somit nicht insolvent gehen können. Deshalb ist es sehr unsinnig CDS für Staatsanleihen dieser Staaten zu kaufen. Aber da die Märkte halt nicht allwissend sind, gibt es einige die halt noch nicht wissen was ein monetär souveräner Staat ist. Der Großteil der Teilnehmer aber offensichtlich schon.
    Ausnahme: evtl. die USA, da deren dysfunktionaler politischen Klasse zuzutrauen ist, sich einfach als Peite zu erklären. Wäre aber auch die einzige Sache, warum man CDS für US Treasuries kaufen könnte 😉

    Innerhalb Euroland verschiebt es sich halt Richtung Deutschland, da Deutschland zugetraut wird, am längsten solvent zu bleiben.

    Ansonsten aber schöne Analyse.

    • passbild sagt:

      Interessant wwäre es noch, zu erfahren, wer die CDS Produkte verkauft. Sichern etwa Banken aus dem €-Raum den Ausfall der eigenen Staaten ab?

      Und wenn das der Fall wäre, wäre ein CDS dann nicht redundant und somit nutzlos? Schliesslich könnte der Versicherer dann den Ausfall gar nicht auszahlen.

      Und warum können solche CDS noch gehandelt werden? Wurde aus der Krise 2008, die in den USA ihren Lauf nahm, nicht ersichtlich, was der Ausfall einer „systemisch wichtigen“ Komponente auslöst?

      Gruß

  2. Bernd sagt:

    Toll, das ist endlich mal ein informativer Beitrag, mein Dank. Muss man erstmal verarbeiten. Generell finde ich den Blog gut zu lesen.

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