„Die Schröder-Therapie“ – Kantoos, Fazit und die EU goes Mexico….

Oh je, Schröder-Therapie.

Wie immer ein flapsiger Auftakt mit darauf folgender, harscher Kritik.

Das im Artikel skizzierte Szenario ist das wahrscheinliche. Die übrigen Euro-Länder sollen an den Schrauben zur Lohnkosten-Minderung bzw. Lohnstückkosten-Minderung drehen. Genannt werden Mittel wie

– verschieben des Renteneintritts-Alters nach hinten (erhöhung der Arbeitskräfte-Zahl)
– erhöhen der MwSt zur Senkung der Lohn-/Lohnnebenkosten
– Senkung Mindestlöhne
– Entlassung aus dem Staatsdienst, senken der Gehälter der verbleibenen Angestellten (erhöhung der Arbeitskräfte-Zahl)
– dadurch Druck auf die Löhne in der Privatwirtschaft

Wenn die BoE aufgrund dieser Maßnahmen ein sinken des Konsums voraus sagt ist dies verständlich. Die Commerzbank vermutet einen Rückgang des Deutschen Vorteils wenn alle die Weichen auf „Agenda“ stellen.

Und dann auch noch Kantoos und der neue Fazit-Blog der FAZ mit einem Artikel (bzw. zweien) in welchen der Wohlfahrtsstaat als Schuldenverursacher herhalten muss. Bei Kantoos wenigstens ein zweiter Rang, wirbt für schwedische Arztgutscheine u.ä..

Wo soll man denn da mit einer Kritik beginnen? Dort wo die Staatsverschuldung in den EURO-Ländern gar nicht so angestiegen ist in den Jahren vor Subprime? Müsste man sagen das ohne die fehlenden Aufwertungen der DM die „Schröder-Therapie“ gar nicht diese Wirkung entfaltet hätte? Das damit die Außenhandelsbilanzen Marke „beggar my neighbour“ anders ausgesehen hätten? Müsste man des weiteren z.B. hinsichtlich der MwSt-Erhöhung auf 19% auf Dullien/Schwarzer verlinken und zitieren:

Ferner würde ein Außenwirtschaftlicher Stabilitätspakt die Regierungen verpflichten, beim Ausarbeiten nationaler Wirtschaftsreformen die Folgen für andere Mitgliedsstaaten zu berücksichtigen. Wenn ein „Überschussland“ wie Deutschland die Lohnnebenkosten senken und die Mehrwertsteuer erhöhen wollte, um seine eigene Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, so müsste es gleichzeitig eine expansive Fiskalpolitik einführen, um die negativen Effekte für den Außenhandel seiner Partner zu kompensieren.

?

Müsste man erklären das nicht nur wie RP-Online schreibt nicht jeder in Europa Exporterfolgen haben kann, sondern das das weltweit gilt? Es ist unbegreiflich wie man sich innerhalb einer Absatz- und Beschäftigungskrise kollektiv nur um das Angebot Sorgen machen kann. Alle – inkl. der USA, Japan etc. – bemühen sich um eine verbesserte Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt. Alle sollen diese Schröder-Therapie durchmachen, sich Bescheiden, Arztbesuche reduzieren, später in Rente gehen etc.. Hallo – von welchem „Weltmarkt“ ist denn dann noch die Rede? Wollen alle nach China liefern?

Das ist ein ökonomisches Kaspertheater was da aufgeführt wird. Natürlich geht es um Effizienz, auch in sozialen Fragen. Nur um eine ganz andere Art von Effizienz. Es ist wie bei den o.g. Außenhandelsbilanzen immer eine Frage des gebens und des nehmens. Natürlich sind Mindestlöhne ein Musterbeispiel für Ineffizienz. Es wäre in vielen Ländern wie auch den USA und Deutschland gescheiter man würde den Bestverdienern einen Prozentpunkt mehr an Steuern nehmen und in die sozialen Sicherungssysteme stecken. Das so die Verteilung besser funktionieren würde haben verschiedene ja bereits m.E. festgestellt wie Blogleser wissen. Blogleser wissen auch das die Staatsquoten von Spanien, Irland, USA ein sehr niedriges Niveau haben und selbst bei den Portugisen zwischen 2005 und 2008 das ganze um noch einmal 2,3%, bei den Griechen zwischen 2000 und 2005 um 2,8% nachgegeben hat.

Es erscheint etwas merkwürdig bei rückgängier z.T. um die 40% oder gar darunter liegender Staatsquote von einem überbordenden Sozialstaat zu sprechen. Und wie sollen all die Staaten – nämlich in der Tat alle – an Exportüberschüsse bzw. erst einmal ausgeglichenene Handelsbilanzen kommen? Entschuldigung aber die Frage wird erlaubt sein: wer soll kaufen, und was? Gar wenn in Ländern wie Deutschland weiter daran gearbeitet wird den Platz des Export-Vizemeisters zu belegen und INSM-Gesellen und andere Brandschatzer (z.B. manch BGEler) an 25% MwSt zur Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme denken damit wir „Wettbewerbsfähiger“ werden? Es ist schön wenn Frau Merkel bemerkt das die Portugisen nicht früher als Deutsche in Rente gehen dürfen sollen. Wie wir wissen lag der 5-Jahres-Schnitt dort bei 67 Jahren während er bei uns bei 61,8 Jahren gelegen ist. Vielleicht sollten wir uns an den Mexikanern orientieren, die gehen mit 71 in Rente und sterben im Schnitt 0,7 Jahre danach. Die nehmen uns in den 9 Jahren Arbeit sicherlich einen Anteil an der Weltwirtschaft weg.

Das ist doch alles absurd. Man hat nichts gelernt. Es ist nicht Effizient wenn man Staatsquoten mit Mindestlöhnen und Verbrauchssteuern nach oben treibt und gleichzeitig mit Schulden die Guthaben der oberen 10.000 finanziert. Es ist auch nicht effizient bei 10%-20% Arbeitslosen von Staaten zu fordern sie sollen die Bevölkerung später in Rente gehen lassen. Und was soll denn eine Praxisgebühr für jeden Arztbesuch an volkswirtschaftlich werthaltiger Effizienz erzeugen? Was soll die Aufforderung an andere uns sozialstaatlich zu unterbieten nachdem wir erst mit Verzicht, MwSt-Erhöhung und Euro erkauften Außenhandels-Überschuß „mühsam“ aufgebaut haben? Das sind angesichts der zugrundeliegenden Probleme ökonomische oder wohl eher polit-ökonomische Karikaturen einer Abwärts-Spirale. Als nächstes hat womöglich eines der Länder „Erfolg“ damit, so wie einst Irland. Dann kommt sicher Hartz V und eine MwSt-Erhöhung auf 22%, die erwünschte Praxis-Gebühr bei jedem Besuch, denn schaut Mal an was andere erreicht haben und außerdem – unsere Exportwirtschaft „lahmt“.

Die Monetaristen begeben sich hier imho auf ein Feld welches offensichtlich nicht ihres ist. Das alles ist sowohl für die einzelnen Volkswirtschaften, als auch für den Euro-Raum als auch weltwirtschaftlich absoluter Unsinn. Die Schuldenkrise bekommt man damit überhaupt nicht in den Griff. Wenn man das möchte muss man nicht im eigentlichen Sinne „sparen“ sondern man muss das Volumen erhöhen. Damit ist natürlich nicht das Geldvolumen gemeint sondern das Angebot/Nachfrage-Gleichgewicht muss wieder hergestellt werden. Das kann man nicht mit einer Reduktion der Nachfrage und weiteren Subventionsmaßnahmen Marke Kombilohn und Mindestlöhnen erreichen. Für das Gleichgewicht im Euro-Raum wäre es zudem einmal ein gedankliches Experiment Wert sich das Szenario Dulliens einmal genauer anzusehen und die MwSt Gegenläufig arbeiten zu lassen. 3% ´runter bei uns, 3% hoch bei anderen um notdürftige Flickschusterei zu betreiben wenn anderes nicht durchsetzbar erscheint. Ansonsten ist die Hauptarbeit die – und ich verweise wieder auf die Sozialversicherungen und die Einkommensverteilung – für jedes Land separat ein Lösungsweg zu finden. Nur so kann das Absatzvolumen so erhöht werden das es einen Sinn macht sich über eine Entschuldung bei Verschuldungsquoten über 80% zu unterhalten. Dabei dürfen die Staatsquoten im Aufschwung dann nicht wirklich sinken sondern müssen über das abschöpfen der steigenden Sparquoten (respektive Gewinne) Schritt halten. Ansonsten wird es wieder schief gehen.

Eine weitere Ralley um Steuerparadiese und billige arztgebührenzahlende Arbeitslosenheere können wir uns national und global nicht mehr leisten. Und das man erinnern muss das die Schröder-Therapie trotz und wegen dem Euro auch bei uns zu mehr Schulden in der Krise geführt hat und nicht zu weniger ist ein Fakt den man eigentlich niemandem der uns hier hochleben lässt wie früher die Iren erklären dürfen müsste.

Und zur Auflockerung am Schluß das Auslandsguthaben Deutschlands, Stand 9.11.2011. Gesunken auf „nur noch“ 948Mrd Euro.

zahlungsbilanzstatistik Deutschland 11 2011

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  2. […] welches durch die fehlenden Euro-Aufwertungen verursacht wird mit angehen/beheben. Das mit dem außenwirtschaftlichen Stabilitätspakt hatten wir bereits ebenso wie vor fast genau einem Jahr die […]

  3. […] Und das “Konzept Fiskalpakt” schwört alle Regierungen auf die Schröder-Therapie […]

  4. […] Arbeitslosenquote”. Und das “Konzept Fiskalpakt” schwört alle Regierungen auf die Schröder-Therapie […]

  5. […] durch DM-Aufwertungen erfolgen konnte. Das Gegenteil eines Euro-Stabilitätspaktes, eine “Schröder-Therapie” also. Das kam uns als sparenden “Vorreitern” natürlich zugute, weshalb wir(tm) […]



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