Wo Jürgen Stark (EZB) Recht hat hat er so etwas von Recht

Schicker Artikel in der FAZ mit einem Interview mit dem Chefvolkswirt der EZB Jürgen Stark.

Die Kernaussage ist nicht, das die EZB Hyperinflation auslösen würde o.ä., auch wenn er sagt irgendwann würde es schon zu einer Inflation kommen. Die Kernaussage ist das eine Finanzierung von Staaten durch die Zentralbank Veränderungen in der Politik verhindert. Z.B. Veränderungen was die Finanzierung un den einzelnen Ländern angeht oder auch das was die Finanzierung zwischen den Ländern als Ausgleich für Defizite angeht etc..

Wenn sich also Amerikaner darauf berufen das man ja folgenlos drucken könne – siehe FED im Blogartikel zuvor – dann ist das exakt dieses Schauspiel. Man konnte auch in der Vergangenheit des öfteren in desolat geführten Staaten wie Diktaturen etc. betrachten. Geld drucken um Missstände zu übertünchen bzw. Geld drucken damit am status quo nichts geändert werden muss. Und so ist es m.E. auch in Japan und in den USA. Bei Staatsquoten um die 40% oder darunter, hohen Einkommensspreizungen, hochkapitalistischer Grundstruktur wird deutlich das auch diese gerne und leicht auf das Mittel der letzten Wahl (setze: lender of last ressort) zurückgreifen um sagen wir die „Lebensweise“ nicht ändern zu müssen. Würde man das nicht machen müsste man ja in der realpolitischen Politik, bei Steuern, Abgaben, Staatsfinanzierung und Verteilungspolitik ansetzen, das gar durchsetzen. Bei sich selbst und beim Volk und dies in ungewohnter Weise. So ganz entgegen marktradikaler, monetaristischer Weise welche bei Problemen immer auf die „Spartaste“ drückt müsste man etwas machen.

Wir reden hierbei über Ordnungspolitik. Nein, nicht über die „Ordnungspolitik“ der Österreicher und Hayek-begeisterten Marke „Schäffler“/FDP. Deren „Ordnungspolitik“ besteht in einer Schuldnerhaftung. So einfach ist das nicht. Wenn man danach geht gibt es eine kleine Hand voll Staaten welche für nichts verantwortlich sind (Handelsüberschuss-Nationen) und eine Milliarde Menschen (inkl. USA, Japan etc.) in Staaten welche sich auf Kosten der anderen bereichert haben.

Das schizofrene dabei ist ja das es bei den „Schäfflers“ der Welt darauf ankommt wo sie sitzen. In den USA oder in Deutschland. Das läuft dann so. Für Deutsche liberale müssten die USA für ihre Schulden einstehen, ist Geld drucken verpönt. Für amerikanische liberale ist das Geld drucken durch die Lage jedoch unabdingbar. Dort druckt man weil man es muss um den status quo zu halten, dort soll der Staat sparen (tea party) und dabei insbesondere bei den Sozialleistungen. Das gibt es bei Deutschen liberalen natürlich auch und damit schließt sich der Kreis der zweckdienlichen liberal-ökonomischen Denkweise. Dem stehen regelmäßig Linke „Denker“ gegenüber welche sich denken – wenn die für sich Geld drucken können können wir das für unsere Zwecke auch. Ein Wechselspiel welches vom Volk entsprechend positiv honoriert wird.

Dadurch das diese doch sehr simpel gestrickten Argumentationslinien äußerst einleuchtend erscheinen finden sich auch sehr leicht Befürworter. Das hat man sehr gut anhand der Diskussion um den Euro, Schäffler-Antrag und die EZB wie auch der tea party in den USA gesehen. Das Phänomen existiert auch in anderen Bereichen wie der Debatte um den Mindestlohn. Auf solchen Feldern geht es nicht nur um Ökonomie, auch wenn diese den entscheidenden der jew. „Seite“ zuarbeitenden Part spielt.
Jürgen Stark hat ja so etwas von Recht. Ob er das wohl so meint und sich der Tragweite bewusst ist, bzw. ob er nicht einfach auch nur ein „Schäffler“ ist? Keine Ahnung, ich vermute aber eher nicht. Immerhin schiebt er die Verantwortung dort hin wo sie hingehört, in die Politik. Das Problem des Erkennens und vor allem der Umsetzung betrifft aber Politiker, Bevölkerung und auch Ökonomen. Nicht wenige dürften aufgegeben haben und unter gegebenen Umständen den Weg des geringsten Widerstandes wählen.

Also, wofür würdet Ihr Euch entscheiden, wofür habt Ihr Euch entschieden (und warum)? Für das sparen lassen z.B. der Italienern und Spaniern oder der Weg des Geld druckens der Amerikaner und m.E.- Japaner oder den kurzzeitigen Zwischenweg der Euro-Bonds weil man es kann oder die Auflösung des Euro-Raumes? Oder noch etwas anderes? Das sind für mich die spannenden Fragen.

Jürgen Stark hat recht. Aber was ist die (Eure?) Schlussfolgerung….

Comments
3 Responses to “Wo Jürgen Stark (EZB) Recht hat hat er so etwas von Recht”
  1. egghat sagt:

    Exakt. Stark hat sehr Recht damit, wenn er sagt, dass das nicht die Aufgabe der EZB ist. Die EZB kann einspringen, um einen sofortigen Zusammenbruch der Eurozone zu verhindern. Aber eben nur vorübergehend. Und wenn die Politiker seit Monaten mit Eurobonds, EFSF oder irgendwas anderem aus dem Kraut kommt, kann man nicht die EZB in die Haftung nehmen.

    Starks Inflationsangst kann ich nicht ganz nachvollziehen, aber in dem Punkt, den du ansprichst, hat er halt recht.

    • aloa5 sagt:

      Was aus einem QE-ähnlichen Ding resultiert hängt davon ab was hinterher kommt. Das reicht im Bereich des Spektrums von einer Deflation bis hin zu einer Inflation. Im Falle einer Deflation… tje nun. Was würden denn die EZB machen wollen? Zinsen senken, in der Hoffnung das es was bringt? So wie die FED?

      Das Problem ist doch das wenn irgendwo ein „Loch aufgeht“ sich das ganze herumsuchende Kapital in diese Loch ergießen wird. Die Frage ist ob man noch einen Hauch einer „Kontrolle“ darüber hat was diese Möglichkeit (bzw. die daraus resultierenden Folgewirkungen) angeht. Die EZB m.E. eher nicht. Die Folgefrage wäre also ob das ihre Aufgabe ist…

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