Jein Herr Hüther – IWKöln zu (keinen) Lohnerhöhungen 2012 ff. im Deutschlandradio

Er sagt nichts wirklich falsches, der Herr Michael Hüther, der Direktor des Institut der deutschen Wirtschaft in Köln im Deutschland-Radio-Interview „Mit niedrigen Löhnen durch die Krise„. Er meint aber das falsche, also ist es irgendwie doch verkehrt.

Seine These ist in etwa die. Wir hätten Lohnkosten gespart und Lohnstückkosten gesenkt und deshalb mehr Beschäftigung und eine gute Position in der Krise. Wir sollten nun nicht die Löhne erhöhen. Denn mehr Beschäftigung führe erfahrungsgemäß eher auch zu mehr Konsum/Import als es mehr Geld im Geldbeutel erreichen würde. Stattdessen so sagt er sollten die anderen Länder die Reallohnposition verbessern (de facto dort Lohn-/Lohnstückkosten senken). Höhere Löhne würden unsere Importposition[sic] schwächen.

Das ist so weit buiseness as usual – das was man von einem „nicht Linken“ Institut erwartet. Meine Kritik ist jedoch nicht eine „Linke“ aus Richtung der Flassbecks/Gewerkschaften welche (m.E. pauschal) in Form einer Bindung von Löhnen an die Produktivität erschallen würde. Das ist eben auch nicht die Lösung und/oder das Problem dabei. Ständige Blogleser ahnen worauf es hinaus läuft.

Aber beginnen wir einmal anders. Natürlich steigen die Konsumausgaben der Beschäftigten bei guter Beschäftigungserwartung/-lage, da man nicht erwartet auf Notgroschen zurückgreifen zu müssen. Außerdem steigen sie ggfs. weil die Verteilungsfunktion durch Beschäftigung und Umlagen relativ gut funktioniert. Nur ist es was Import/Exportfunktion angeht natürlich mit so, das die Exportfunktion ganz offensichtlich sehr viel ausgeprägter und positiver ist als die Importfunktion. Im Regelfall wäre es – ganz von absoluten Lohnhöhen unabhängig – so das zu DM-Zeiten unsere Währung aufgewertet worden wäre. Auf diese Weise hätten alle, auch die weniger verdienenden und Umlageempfänger „mitverdient“ am Boom – bei nominell gleichbleibenden Löhnen. Durch eine Aufwertung welche im Euro-Raum unterblieben ist (und Abwertungen anderer ebenfalls) wurde die Importfunktion geschädigt und die Exportfunktion gestärkt. Das ganze ist also nicht wie Hüther zu vermitteln scheint aus HartzIV und Lohnzurückhaltung (gar freiwilligen) entstanden. Gleichwohl hat die Lohnspreizung zugenommen. Das ist neben Hartz-Zwängen welche m.E. eher einen geringen Anteil daran tragen dem Bloglesern bekannten Heckscher-Ohlin/Samuelson-Problem geschuldet. Zu viele gering qualifizierte für zu wenig Arbeitsstellen weil viele abgewandert sind. Und die zur Einkommensspreizung zugehörigen Spar-Gelder sind gleich mit abgewandert in lohnendere Gebiete nach Asien und in Vermögensblasen nach USA und Spanien (siehe „selbstreferenzielle Vermehrung von Geld„).

Mit diesem Hintergrund nun an die Lösung der Probleme. Aufgezählt hatte ich bei den Gründen fehlende Währungsanpassungen, das Heckscher-Ohlin-Problem und Geldabfluss welche in der Summe für „Importzurückhaltung“ (Konsumzurückhaltung) und Exportüberschüsse verantwortlich sind. „Leider“ kann man Beide auch nicht mit pauschalen Lohnerhöhungen, Mindestlöhnen oder Lohnbindungen an die Produtkivitätssteigerungen angehen. Wenn ich „auch“ sagen dann bezieht sich das auf die von Hüther empfohlene Methode, nämlich das andere auch „schrödern“ sollen. Es bringt in der Summe überhaupt nichts wenn die anderen Länder auch die Lohnkosten weiter nach unten fallen lassen. Wie soll denn das funktionieren? Dann haben alle die Lohnkosten gesenkt… ja und dann? Dann hätten wir, wenn Spanier und Griechen das in der Breiten machen vielleicht wieder etwas von der nicht erfolgten Abwertung dort „aufgeholt“, aber doch nicht genug – bei weitem nicht. Und zudem könnten die Länder auch nicht weiter bei uns in diesem Maße einkaufen. Über alles gesehen bleibt auch dann ein Minus und zudem würde gerade der untere Lohnsektor auch ebenfalls wieder darunter leiden, womit der „erworbene Vorteil“ der Lohnzurückhaltung (oder des Euros) wieder teilweise weg wäre.

Jetzt kommt wieder etwas (nicht Mainstream kompatibel) ganz böses als Lösung an. Beseitigung der Heckscher-Ohlin und der Euro-Problematik aus einer Verteilungsoptimierung heraus. Was zusätzlich (als Einkommensspreizung) verdient wird sollte in Teilen z.B. über das SV-System und damit hälftig an Arbeitgeber und an Arbeitnehmer fließen. Damit wäre eine Nettolohnerhöhung in der Breite erreicht und gleichzeitig eine verstärkend senkende Wirkung auf Lohnkosten gerade im unteren und mittleren Bereich, dort wo noch arbeitslosigkeit anzutreffen ist.

Das allgemeine „schrödern“ in Europa und der Welt welches letztlich auf ein (zwingendes) Anwachsen der Einkommensspreizung hinauslaufen würde ist nicht zielführend. Denn —- irgend jemand muss am Ende auch das kaufen was produziert werden soll. Und wenn jeder schrödert und alle ansparen… und eben nicht, nicht hier, in Vermögensspiralen oder „falsch“ investiert wird, bleiben Blasenbildungen und Abwärts-Spiralen übrig. Und das kann es nicht sein. Das war kein Aufruf zu verteilen, denn am Ende gewinnen alle. Das BIP steigt, es gibt mehr zu verteilen und wenn man die Lohnkosten trotz höherem Nettolohn am unteren Ende der Lohneinkommen stabil halten oder senken kann bleibt das im Kreislauf auch so und führt auch bei den besser verdienenden zu stabil hohen Einkommen – heraus aus der Investitionsfalle.

Ja, Herr Hüther hat wohl recht. Lohnerhöhungen im Bruttobereich bringen es nicht wirklich für Deutschland (wenn auch womöglich für andere alleine). Doch was ich vorschlage ist nicht das was er im Sinn hat.

Mittel dazu sind im Blog zu finden als Lohnsummenausgleichsteuer und (Variation) neg. Lohnkostensteuer auf der Arbeitgeberseite. Erklärungen zu Heckscher-Ohlin und Lohnspreizung via MIT auch bei dem Bericht zu den Handelseffekten mit China.

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Comments
One Response to “Jein Herr Hüther – IWKöln zu (keinen) Lohnerhöhungen 2012 ff. im Deutschlandradio”
  1. Nixda sagt:

    Auf europäischer und globaler Ebene gibt es für Europa eigentlich nur einen Lösungsweg, der leider gerade aus Deutschland blockiert wird. Die Eurozone hat nach außen eine (relativ) ausgeglichene Zahlungsbilanz, allerdings sind die einzelnen Länder untereinander extrem unterschiedlich aufgestellt. Um die internen Gleichgewichte wieder herzustellen müssen die die Peripherieländer ihre relative Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Ein Gesundschrumpfen, wie es gerade in Griechenland versucht wird, kann aber auch in einer deflationären Spirale enden. Auch wenn diese in Griechenland veheerend ist, wird sie Kerneuropa wegen der geringen Größe Griechenlands nicht treffen (falls nicht über das Bankensystem). Mit Spanien, das eine ähnlich schlechte Wettbewerbsposition hat, wird das aber nicht mehr gehen.

    Eine zielführende Politik wäre eine Kombination Reflation in den Ländern Kerneuropas, um deren Wettbewerbsfähigkeit relativ zur Peripherie zu verschlechtern, mit einer gleichzeitigen Abwertungspolitik des Euros, dass die externe Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Eurozone auf konstantem Niveau hält.

    Ein Schritt in diese Richtung wären natürlich Verbesserungen am Bruttolohnniveau in Deutschland. Schritte gegen die Lohnspreizung, die insgesamt die Konsumquote der Einkommen erhöhen sind, ebenfalls hilfreich um die Ungleichgewichte zu beseitigen oder zu verringern. Allerdings heißt das auch ein Strukturwandel in Deutschland von einer reinen Exportorientierung zu einer Gesellschaft, die ihre Wertschöpfung auch selber konsumiert. Und das heißt auch andere Branchen werden benötigt, den die Deutschen haben bereits genug Autos, Fernseher und Kühlschränke.

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