Die „Spiegel“-Ökonomie der Universität Duisburg

Ach, und schon wieder eine Studie zum Thema Lohn(2) deren Qualität eher zu wünschen übrig lässt und vom Spiegel(1) abgedruckt wird.

Die Studie selbst bezieht sich auf die Löhne im Inland und beschränkt sich in der Analyse auch darauf…. hm… mehr oder minder gar nichts zu analysieren. Nur eine Lösung hat man selbstredend parat, wie üblich den Mindestlohn. Das sind mir immer die liebsten Studien. Nicht erklären (bzw. vermutlich nicht wissen) „warum“, aber Abhilfen empfehlen.

Die Grafik auf der Seite 5 ist ganz interessant. Spiegel titelt ja „jeder vierte mit Armutslohn“. Abgesehen von fragwürdigen (m.E. sehr sinnfreien) Berechnungen bezüglich „Armut“ über Bruttolohn-Höhen sieht man dort die Entwicklung ganz gut. Die Reihe der unter der „Armuts“schwelle verdienenden verläuft an signifikanten Punkten so:

1995: 17,7%
2000: 20,6%
2003: 22,4% (das Jahr vor Hartz)
2007: 24,2%
2010: 23,1%

Was wir sehen ist, das es seit 2003 in etwa stabil verläuft. Es sind 7 Jahre mit insg. nur 0,7% Veränderung während in den 5 Jahren zwischen 1995 und 2000 der Wert um 2,9% sowie zwischen 2000 und 2003 um 1,8% angestiegen war (1995-2003 rd. 0,6% p.a.).

Blogleser kennen die Studien der Universität Essex nach welcher die Lohnspreizung aufgrund Heckscher-Ohlin-Komponenten zugenommen hat. Und auch die Studien bezüglich der USA nach welchen zwischen 2000 und 2007 in den USA 32% der Lohnstagnation im unteren Lohnsektor durch den Handel mit China bedingt war sind Lesern bekannt. Das ganze ist also Handels-bedingt (bzw. geuauer: Arbeitsteilungs-bedingt) und hätte bereits in den 90ern wenn nicht schon davor in der BRD einer Korrektur der Steuer- und Abgabenstruktur in Deutschland bedurft. Das innerhalb des letzten Jahrzehntes die Anzahl der Teilzeitarbeit stark zugenommen hat wird auch nicht erwähnt.

Das ganze auf Mindestlöhne zu reduzieren ist daher nicht wirklich zielführend. Damit verstärkt man das zugrunde liegende Problem u.U. sogar noch weiter. In der Grafik mag das dann noch schick aussehen, aber einen Sinn macht es außerhalb der Kosmetik eben nicht und ist wie man u.a. in Frankreich sehen kann auch nicht nachhaltig.

Entscheidend ist, was (netto) unten dabei heraus kommt. Bruttolohn-Vergleiche und Mindestlohn-Proklamationen an den Haaren herbeizuziehen führt zu nichts. Saubere Analysen und enstprechende Korrekturen im Sozialsystem hat nicht zuletzt auch die MIT-Studie gefordert. Ich rede seit Jahren darüber.

Machen!

(1) http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,821196,00.html
(2) http://www.iaq.uni-due.de/iaq-report/2012/report2012-01.pdf

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